Cyclocross-Weltmeisterschaften 1988

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1988 wurden am 30. und 31. Januar im schweizerischen Hägendorf ausgetragen.

Ablauf

Der Radsport-Weltverband UCI vergab im August 1986 die Weltmeisterschaften an die Schweiz.[1] Die dortigen Verbände holten daraufhin Angebote interessierter Ausrichter ein, von denen Hägendorf mit 585.000 Franken das höchste Gebot abgab und den Zuschlag erhielt.[2] Auch aus Safenwil, Herzogenbuchsee und der Ostschweiz waren Bewerbungen eingegangen.[3] Es waren 16 Landesverbände an den Titelkämpfen beteiligt. Erstmals war ein Fahrer aus Australien zugegen, dabei handelte es sich um einen ausgewanderten Schweizer.[4] Erstmals im Profirennen vertreten war die Tschechoslowakei durch den inzwischen in Westdeutschland lebenden Miloš Fišera.[5]

Der in Hägendorf ausgewiesene 3 km lange Parcours erwies sich als das von den Gastgebern erhoffte „Schlammbad“.[5] Das Amateurrennen am ersten Tag ging über sechs Runden, die Medaillengewinner standen frühzeitig fest: Mit Karel Camrda gewann ein ehemaliger Leichtathlet, der von seinen Fähigkeiten im 3000-Meter-Lauf profitieren konnte. Hinter Roger Honegger wurde Henrik Djernis erster dänischer Medaillengewinner der WM-Geschichte. Von 53 Startern gaben 7 unterwegs auf, darunter Titelverteidiger Mike Kluge. Dieser hatte von vornherein seinem Missfallen über den Parcours Ausdruck verliehen, indem er mit „Kriegsbemalung“ am Start erschienen war.

Die Junioren eröffneten den zweiten Wettkampftag und mussten sich neben dem Matsch mit Schneetreiben auseinandersetzen, weshalb die Jury die Länge von vornherein auf vier Runden festsetzte, etwas kürzer als reglementär. Klarer Sieger wurde Thomas Frischknecht, Sohn des mehrfachen Vizeweltmeisters Peter Frischknecht. Es waren 48 Fahrer am Start, von den 46 klassiert wurden.

Das Rennen der Profis fand vor 18.000 Zuschauern statt. Zu Beginn bildete sich eine Spitzengruppe aus dem vierfachen Ex-Weltmeister Roland Liboton und den beiden Schweizern Pascal Richard und Beat Breu, zu denen gegen Ende der zweiten Runde noch Adrie van der Poel stieß. In der dritten Runde fiel Liboton zurück, und in der vierten ließ Richard seine Begleiter hinter sich. Als er die sechste Runde nur wenige Sekunden vor Ablauf der vollen Stunde beendete, wandte die Jury die Formel „eine Stunde plus eine Runde“ strikt an; es waren somit acht Runden zu fahren, wodurch sich das ohnehin harte Rennen auf 80 Minuten verlängerte. Dies brachte Richards Sieg jedoch nicht mehr in Gefahr. Zweiter wurde van der Poel, der in der letzten Runde mehr Reserven als Breu hatte. Von 32 gestarteten Fahrern beendeten 25 das Rennen.

Die vier Fahrer, die seit 1976 die Weltmeisterschaften beherrscht hatten, blieben diesmal ohne Medaillen: Albert Zweifel kam auf den vierten Platz, noch vor Liboton auf dem sechsten und Hennie Stamsnijder auf dem achten; Titelverteidiger Klaus-Peter Thaler hatte unterwegs aufgegeben. Thaler hörte nach der Saison auf, auch die Karrieren der drei anderen gingen dem Ende zu. Kein anderer Fahrer konnte während des folgenden Jahrzehnts eine ähnliche Dominanz aufbauen. Das überlange Rennen der Profis führte zu einer Regeländerung; seitdem ist die Rundenzahl so zu bemessen, dass die Gesamtzeit so nah wie möglich an einer Stunde liegt.[6]

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Schweiz Pascal Richard 1:20:56
2 Niederlande Adrie van der Poel + 1:40
3 Schweiz Beat Breu + 1:52
4 Schweiz Albert Zweifel + 4:10
5 Frankreich Christophe Lavainne + 5:01
6 Belgien Roland Liboton + 5:46
7 Schweiz Hans-Rüdi Büchi + 5:47
8 Niederlande Hennie Stamsnijder + 6:32
9 Belgien Ivan Messelis + 6:38
10 Frankreich Yvon Madiot + 7:59
Amateure
Platz Name Zeit (h)
1 Tschechoslowakei Karel Camrda 1:01:27
2 Schweiz Roger Honegger + 0:25
3 Danemark Henrik Djernis + 1:06
4 Schweiz Bruno D’Arsié + 1:32
5 Frankreich Didier Martinez + 1:33
6 Italien Vito Di Tano + 1:34
7 Schweiz Dieter Runkel + 1:35
8 Frankreich Bruno Lebras + 3:20
9 Vereinigtes Konigreich Timothy Gould + 3:28
10 Belgien Eric Vervaet + 3:56
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Schweiz Thomas Frischknecht 44:13
2 Deutschland Mike Müller + 0:23
3 Tschechoslowakei Daniel Reh + 1:05
4 Deutschland Reto Matt + 1:21
5 Schweiz Pascal Müller + 1:25
6 Schweiz Martin Obrist + 1:49
7 Belgien Pedro Rosselle + 2:29
8 Italien Ivan Benedetti + 2:32
9 Frankreich David Pagnier + 2:42
10 Tschechoslowakei Ján Žilovec + 2:43

Einzelnachweise

  1. Le Nouvelliste, Ausgabe vom 26. November 1986, Seite 21, Spalte 6 (Digitalisat)
  2. Bieler Tagblatt, Ausgabe vom 7. Januar 1987, Seite 26 (Digitalisat)
  3. Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 8. Januar 1987, Seite 11 (Digitalisat)
  4. Tribune de Genève, Ausgabe vom 1. Februar 1988, Seite 36, Spalte 5 (Digitalisat)
  5. a b Walliser Bote, Ausgabe vom 26. Januar 1988, Seite 21 (Digitalisat)
  6. Cyclo-cross, mode d’emploi. 8. Januar 2016, archiviert vom Original am 8. Januar 2016; (französisch).

Koordinaten: 47° 19′ 45″ N, 7° 49′ 34″ O; CH1903: 629297 / 242121