Cyclocross-Weltmeisterschaften 1996

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1996 wurden am 3. und 4. Februar in Montreuil bei Paris ausgetragen. Erstmals gab es einen offiziell als Weltmeisterschaft bezeichneten U23-Wettkampf.

Ablauf

Das Direktionskomitee des Radsport-Weltverbands UCI hatte Frankreich im Februar 1992 die Veranstaltung der Weltmeisterschaften 1996 zugewiesen.[1] Anfang 1994 machte der französische Verband Montreuil als Austragungsort bekannt.[2] Die Wettkämpfe fanden in den zu Jahresbeginn reformierten Kategorien statt: Die Unterschiede zwischen Profis und Amateuren wurden endgültig beseitigt, es gab nur noch die altersbedingten Kategorien Elite, U23 und Junioren, wobei letztere wieder auf 17- und 18-jährige Fahrer beschränkt wurde.[3] Die Aufwertung des U23-Rennens von einer Europa- zur Weltmeisterschaft war am Rande der WM 1995 beschlossen worden.[4] Erstmals kam auch die Sprache auf einen Frauen-Wettkampf,[5] die Pläne wurden jedoch vorerst nicht umgesetzt.

Schauplatz war der Parc Montreau, Start- und Zielgerade die Rue de la Côte du Nord. Der 3.000 m lange Rundkurs bestand aus 1.600 m Wiesengelände, 850 m Asphaltstraße und 550 m Naturstraße.[6] Ungeachtet der 70 Höhenmeter Steigung pro Runde war er hartgefroren und sehr schnell, im Rennen der Elite wurde ein Schnitt von über 29 km/h erreicht. Am ersten Tag fuhren die U23-Fahrer sieben Runden, am Vormittag des zweiten Tags die Junioren sechs und am Nachmittag die Elite neun Runden.

In der U23 gab es 72 Teilnehmer. Das Feld dünnte sich allmählich aus, bis in der fünften Runde Patrick Blum und Kamil Ausbuher zu zweit einen kleinen Vorsprung hatten. Erst auf dem Schlusskilometer schloss Miguel Martinez zu ihnen auf. Nachdem Ausbuher kurz vorm Ziel gestürzt war, schlug Martinez Blum im Sprint. Um den dritten Platz gab das Zielfoto den Ausschlag zugunsten von Zdeněk Mlynář vor Maarten Nijland. Martinez war den größten Teil der Strecke mit einem von Mountainbikes bekannten geraden Lenker gefahren und hatte erst für den Zielsprint auf ein Straßenrad gewechselt.[7] Bei der Aufholjagd war ihm auch zupassgekommen, dass er die Planken auf dem Parcours fahrend überspringen konnte.

Das Juniorenrennen sah den klaren Sieg des Schweizers Roman Peter, der sich bereits in der ersten Runde von der Konkurrenz absetzte und im weiteren Verlauf nicht mehr gefährdet wurde, auch weil drei seiner Landsleute in der Verfolgergruppe das Tempo zu drosseln wussten.

Vor 15.000 Zuschauern gingen in der Elite 62 Fahrer an den Start. Der schnelle Parcours erwies sich als wenig selektiv, eingangs der Schlussrunde waren noch zehn Fahrer in der Spitzengruppe, dann verschaffte sich Adrie van der Poel zusammen mit Weltcupsieger Luca Bramati einen kleinen Vorsprung. Daniele Pontoni holte die die beiden eingangs der Zielgeraden noch ein, konnte aber den Sprintsieg van der Poels nicht mehr verhindern. Van der Poel, der zuvor fünfmal Vizeweltmeister gewesen war, gewann so mit 36 Jahren doch noch das Regenbogentrikot.

Ergebnisse

Elite
Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Adrie van der Poel 56:12
2 Italien Daniele Pontoni gl. Zeit
3 Italien Luca Bramati gl. Zeit
4 Danemark Henrik Djernis + 0:09
5 Belgien Erwin Vervecken gl. Zeit
6 Frankreich Emmanuel Magnien gl. Zeit
7 Schweiz Dieter Runkel + 0:21
8 Niederlande Richard Groenendaal gl. Zeit
9 Frankreich Jérôme Chiotti + 0:39
10 Schweiz Beat Wabel + 0:59
U23
Platz Name Zeit (min)
1 Frankreich Miguel Martinez 46:57
2 Schweiz Patrick Blum gl. Zeit
3 Tschechien Zdeněk Mlynář + 0:04
4 Niederlande Maarten Nijland gl. Zeit
5 Tschechien Kamil Ausbuher + 0:14
6 Tschechien David Süssemilch gl. Zeit
7 Italien Dario Cioni gl. Zeit
8 Schweiz Beat Blum gl. Zeit
9 Frankreich Christophe Morel + 0:19
10 Frankreich Guillaume Benoist + 0:25
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Schweiz Roman Peter 40:55
2 Spanien Gaizka Lejaretta + 0:49
3 Frankreich Grégory Lapalud + 0:59
4 Schweiz Peter Frei gl. Zeit
5 Frankreich David Derepas gl. Zeit
6 Frankreich John Gadret gl. Zeit
7 Schweiz Christian Trafelet gl. Zeit
8 Belgien Bart Wellens + 1:23
9 Schweiz Matthias Kern + 1:36
10 Tschechien David Tichý gl. Zeit

Einzelnachweise

  1. La Liberté, Ausgabe vom 1. Februar, Seite 27 (Digitalisat)
  2. Limburgs Dagblad, Ausgabe vom 28. Februar 1994, Seite 17 (Digitalisat)
  3. L’Express, Ausgabe vom 15. Juni 1995, Seite 27 (Digitalisat)
  4. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 30. Januar 1995, Seite 36 (Digitalisat)
  5. Het Parool, Ausgabe vom 30. Januar 1995, Seite 15 (Digitalisat)
  6. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 3. Februar 1996, Seite 63 (Digitalisat)
  7. Cyclo-cross, mode d’emploi. 8. Januar 2016, archiviert vom Original am 8. Januar 2016; (französisch).

Koordinaten: 48° 51′ 51″ N, 2° 28′ 19″ O