Cyclocross-Weltmeisterschaften 2005

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2005 wurden am 29. und 30. Januar in St. Wendel im Saarland ausgetragen. Weltmeister bei den Männern wurde Sven Nys, bei den Frauen siegte Hanka Kupfernagel.

Ablauf

Die Leitung des Radsport-Weltverbands UCI hatte die Austragung vier Jahre zuvor an St. Wendel vergeben.[1] Die Stadt war zu jener Zeit ein häufiger Veranstaltungsort für Mountainbikerennen und organisierte mehrfach Weltcups und Europameisterschaften. Zentrum dieser Veranstaltungen war das Bosenbachstadion, das auch für die Cyclocross-WM verwendet wurde. Als Testlauf für die Weltmeisterschaften wurde im Herbst 2003 der Cyclocross-Weltcup St. Wendel organisiert.[2]

Ein 2,9 km langer Rundkurs begann und endete auf der Laufbahn des Stadions und verlief im Wesentlichen im Gelände zwischen dem Stadion, der Wiesenstraße und der Straße Am Sportzentrum. Am ersten Tag fanden die Wettkämpfe der jüngeren männlichen Altersklassen statt (Junioren und U23), am zweiten Tag die der Elite bei Männern und Frauen. Je nach Kategorie wurde der Rundkurs unterschiedlich oft befahren.

Am Rande der Cyclocross-Weltmeisterschaften 2004 hatte die UCI eine Reihe von Regeländerungen beschlossen,[3] unter anderem die Einführung von Weltranglisten für Fahrer und Landesverbände. In der Männer-Elite erhielten die Landesverbände nun je nach Platzierung 4 bis 6 Startplätze, in den übrigen Kategorien blieb es bei 5 pro Land. Zusätzlich waren die führenden Fahrer der Weltrangliste und wie bisher die Titelverteidiger direkt qualifiziert. Bei den Männern wurden die Landesverbände außerdem verpflichtet, die besten 50 Fahrer der Weltrangliste bei ihrer Auswahl zu bevorzugen.[4] Überrundete Fahrer erhielten nunmehr eine Klassierung, wenn sie wenigstens die Hälfte des Rennens zurückgelegt hatten; zuvor war dies nur den in der letzten Runde überholten Fahrern zugestanden worden.[5]

Es beteiligten sich Fahrer aus 21 Ländern, ein Aufwärtstrend nach zwei schwächeren Jahren. Erstmals seit langer Zeit war ein afrikanisches Team am Start, Simbabwe entsandte fünf Fahrer ins U23-Rennen. Dies war das Produkt des flämischen Reality-TV-Programms Allez Allez Zimbabwe, in dessen Rahmen die Fahrer in Belgien unter Anleitung des Ex-Weltmeisters Roger De Vlaeminck trainiert hatten.[6] Dänemark hingegen war nicht präsent, da kein Fahrer die internen dänischen Qualifikationsnormen erfüllt hatte.[7]

Ergebnisse

Junioren

Platz Name Zeit (min)
1 Italien Davide Malacarne 38:52
2 Schweiz Julien Taramarcaz gl. Zeit
3 Deutschland Christoph Pfingsten gl. Zeit
4 Frankreich Romain Lejeune + 0:10
5 Niederlande Ricardo van der Velde + 0:14
6 Tschechien Lukáš Klouček + 0:42
7 Tschechien Ondřej Bambula + 0:49
8 Frankreich Yannick Martinez gl. Zeit
9 Slowakei Róbert Gavenda + 0:50
10 Frankreich Guillaume Perrot + 0:51

Das Juniorenrennen fand unter blauem Himmel und bei eiskalten Temperaturen statt, das Gelände war schneebedeckt und hartgefroren. Es gingen 65 Teilnehmer an den Start des Rennens, das sechs Runden dauerte. Das Tempo machte quasi das ganze Rennen über Davide Malacarne, der sich allerdings nie lösen konnte. Zur Mitte des Rennens stabilisierte sich eine fünfköpfige Spitzengruppe. In der Schlussrunde konnten Ricardo van der Velde und Romain Lejeune das Tempo nicht mehr halten. Malacarne drehte vor Europameister Julien Taramarcaz und Christoph Pfingsten auf die Stadionbahn und hielt seinen Vorsprung bis ins Ziel.[8]

U23

Platz Name Zeit (min)
1 Tschechien Zdeněk Štybar 50:12
2 Tschechien Radomír Šimůnek + 0:21
3 Schweiz Simon Zahner + 0:25
4 Schweiz Lukas Flückiger + 0:28
5 Belgien Niels Albert + 0:35
6 Belgien Kevin Pauwels + 0:59
7 Italien Derik Zampedri + 1:26
8 Frankreich Steve Chainel + 1:27
9 Niederlande Lars Boom + 1:28
10 Polen Krzysztof Kuźniak gl. Zeit

Am Nachmittag des ersten Tags gingen 56 Fahrer an den Start des Rennens, das acht Runden dauerte. Die äußeren Bedingungen waren vergleichbar zum Vormittag.

In der ersten Rennhälfte bildete sich eine etwa 10-köpfige Spitzengruppe. Am Ende der vierten von acht Runden attackierte Zdeněk Štybar in der Abfahrt zum Stadion und sprengte so die Gruppe. Er erarbeitete sich 20 Sekunden Vorsprung auf Simon Zahner, der Radomír Šimůnek als Begleiter hatte. In der letzten Runde ließ auch Šimůnek Zahner hinter sich und sorgte für einen tschechischen Doppelsieg. Titelverteidiger Kevin Pauwels konnte nicht in den Medaillenkampf eingreifen und wurde Sechster.

Frauen

Platz Name Zeit (min)
1 Deutschland Hanka Kupfernagel 41:42
2 Deutschland Sabine Spitz + 0:28
3 Niederlande Mirjam Melchers + 0:32
4 Frankreich Laurence Leboucher gl. Zeit
5 Frankreich Maryline Salvetat gl. Zeit
6 Niederlande Daphny van den Brand + 2:02
7 Vereinigte Staaten Ann Knapp + 2:16
8 Belgien Anja Nobus + 2:24
9 Niederlande Marianne Vos + 2:25
10 Frankreich Nadia Triquet + 2:47

Es gingen 41 Fahrerinnen an den Start. Während der sechs gefahrenen Runden kam leichter Schneefall auf.

Nach der ersten Runde waren noch sechs Fahrerinnen im Rennen, davon je zwei aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden: Europameisterin Hanka Kupfernagel, Sabine Spitz, Titelverteidigerin Laurence Leboucher, Maryline Salvetat, Daphny van den Brand und Mirjam Melchers. In der dritten Runde distanzierte Kupfernagel an einem langgezogenen Anstieg die Konkurrenz, während Melchers an den Balken Zeit verlor und van den Brand deutlich zurückfiel. Zwei Runden vor Schluss hatte Kupfernagel eine halbe Minute Vorsprung, und auch Spitz, die ihre erste Cyclocross-Saison fuhr, ließ die Französinnen hinter sich. In der letzten Runde arbeitete sich Melchers noch an diese heran und sicherte sich im Sprint die Bronzemedaille.

Männer

Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Sven Nys 1:01:34
2 Belgien Erwin Vervecken + 0:02
3 Belgien Sven Vanthourenhout + 0:13
4 Frankreich Francis Mourey + 0:31
5 Belgien Davy Commeyne + 0:32
6 Belgien Tom Vannoppen gl. Zeit
7 Tschechien Petr Dlask + 0:42
8 Italien Enrico Franzoi gl. Zeit
9 Schweiz Michael Baumgartner gl. Zeit
10 Niederlande Wilant van Gils + 0:43

Nach dem Frauenrennen hatte es weiter geschneit, so dass nun auch die Stadionpiste vollständig schneebedeckt war. Belgien stellte aufgrund der neuen Regeln 8 der 52 Fahrer. Sven Nys hatte nach einem Zerwürfnis mit seinen Landsleuten im Vorjahr[9] eine überragende Saison gezeigt und galt als Favorit. Der dreifache Weltmeister Mario De Clercq hatte hingegen seine Karriere beendet.

Nys verschärfte während des Rennens wiederholt das Tempo, doch es dauerte bis zur vorletzten Runde, dass sich die Spitzengruppe entscheidend ausdünnte. Beim letzten Zieldurchgang waren noch Erwin Vervecken und Sven Vanthourenhout bei Nys, dicht dahinter folgte Francis Mourey. In der letzten Runde steigerte Nys nochmals die Geschwindigkeit und kam mit einer Handvoll Sekunden Vorsprung ins Ziel. Er wurde damit, nach mehreren Enttäuschungen in den Vorjahren, zum ersten Mal Weltmeister, die belgischen Fahrer gewannen zum vierten Mal in Folge alle Medaillen. Titelverteidiger Bart Wellens konnte nach einer Saison mit vielen Rückschlägen keine entscheidende Rolle spielen und kam auf den 21. Rang.

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilung der UCI vom 2. Februar 2001 (Memento vom 19. August 2012 im Internet Archive)
  2. St. Wendel präsentiert Rennstrecke für WM 2005. Bund Deutscher Radfahrer, 15. Oktober 2003;.
  3. Reformprojekt für die Cyclocross-Saison 2004/2005 (Memento vom 25. Oktober 2005 im Internet Archive)
  4. UCI-Regeln für Weltmeisterschaften (2005), Artikel 9.2.042 ff (Memento vom 14. Mai 2005 im Internet Archive)
  5. UCI-Regeln für Cyclocross (2004/2005), Artikel 5.1.051 (Memento vom 14. April 2005 im Internet Archive)
  6. Nieuw seizoen Allez Allez Zimbabwe op VTM. TV Visie, 18. November 2005; (niederländisch).
  7. First Edition Cycling News for January 29, 2005. CyclingNews, 29. Januar 2005; (englisch).
  8. Cross: Malacarne juniores d’oro. La Gazzetta dello Sport, 29. Januar 2005; (italienisch).
  9. De 5 mooiste momenten uit de carrière van levende legende Sven Nys: van Pijnacker tot Louisville. Wielerverhaal, 17. November 2024; (niederländisch).

Koordinaten: 49° 27′ 30″ N, 7° 10′ 56″ O