Cyclocross-Weltmeisterschaften 1990

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1990 wurden am 3. und 4. Februar im spanischen Getxo ausgetragen.

Ablauf

Der Radsport-Weltverband UCI wies Spanien im August 1988 die Austragung zu.[1] Der erste vorgeschlagene Parcours in Getxo wurde von der UCI als zu einfach abgelehnt.[2] Die letztlich gewählte, 2.840 m lange Strecke rund um das Sportzentrum Fadura war wie bei der vorangegangenen WM sehr schnell, mit minimalen Höhenunterschieden. Start und Ziel waren auf der Radrennbahn, etwas über die Hälfte der Strecke bestand aus Wiesen.[3] Teile des Parcours wurden seither durch eine Autobahn überbaut. Das Überspringen der Balken mit dem Fahrrad, welches im Jahr zuvor zur Danny De Bies Sieg beigetragen hatte, wurde auf dem Parcours von Getxo bewusst verhindert, indem man mehrere Balken in geringem Abstand platzierte. Der Schweizer Trainer Carlo Lafranchi hatte sich bei der UCI für diese Maßnahme eingesetzt,[4] als offizielle Begründung wurde die Vermeidung von Unfällen genannt.[5]

Es beteiligten sich 13 Verbände, die einzigen außereuropäischen Teilnehmer kamen aus den Vereinigten Staaten. Die Tschechoslowakei war nach der Samtenen Revolution und dem bereits 1988 erfolgten Beitritt zur FICP[6] erstmals in voller Mannschaftsstärke im Profirennen vertreten. Das Amateurrennen, in dem die stärksten Tschechoslowaken somit nicht mehr zugegen waren, dominierten die Schweizer. Sie attackierten abwechselnd und erschöpften damit die Kräfte ihrer Konkurrenten, bis ein Versuch Andreas Büssers in der fünften von sieben Runden Erfolg hatte. Miloslav Kvasnička und Thomas Frischknecht gewannen die verbliebenen Medaillen.

Am zweiten Tag fuhren zunächst die Junioren über fünf Runden. In der ersten führte der Niederländer Erik Boezewinkel das Rennen an, anschließend bildeten Jérôme Chiotti und Dariusz Gil die Spitze. In der fünften Runde kam Boezewinkel wieder stark von hinten auf, überholte die beiden und siegte. Chiotti wurde Zweiter vor Niels van der Steen, während Gil die Kräfte ausgegangen waren.

Bei den Profis dünnte sich das Fahrerfeld nach und nach aus, bis in der letzten von zehn Runden noch neun Fahrer in der Spitzengruppe waren. Henk Baars attackierte eingangs des letzten Kilometers, womit er eigentlich den Sprint seines Landsmanns Adrie van der Poel vorbereiten sollte. Doch in der Verfolgung erlitt Radomír Šimůnek einen Defekt und bremste ungewollt auch die anderen Fahrer aus. Baars kam so zum Sieg, während van der Poel knapp vor Bruno Lebras den Sprint um die Ehrenplätze gewann. Der vierfache Ex-Weltmeister Roland Liboton kam bei seinem letzten WM-Auftritt auf Rang 20.

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Niederlande Henk Baars 1:03:14
2 Niederlande Adrie van der Poel + 0:05
3 Frankreich Bruno Lebras gl. Zeit
4 Niederlande Frank van Bakel gl. Zeit
5 Belgien Paul De Brauwer gl. Zeit
6 Schweiz Pascal Richard gl. Zeit
7 Tschechoslowakei Radomír Šimůnek + 0:09
8 Tschechoslowakei Karel Camrda + 0:15
9 Schweiz Beat Breu gl. Zeit
10 Schweiz Roger Honegger + 0:52
Amateure
Platz Name Zeit (min)
1 Schweiz Andreas Büsser 48:27
2 Tschechoslowakei Miloslav Kvasnička + 0:12
3 Schweiz Thomas Frischknecht + 0:15
4 Polen Edward Piech + 0:18
5 Niederlande Edward Kuijper + 0:23
6 Belgien Johnny Blomme + 0:27
7 Niederlande Richard Groenendaal + 0:30
8 Niederlande Frank Groenendaal + 0:41
9 Schweiz Dieter Runkel + 0:42
10 Tschechoslowakei Peter Hric + 0:43
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Erik Boezewinkel 41:51
2 Frankreich Jérôme Chiotti + 0:12
3 Niederlande Niels van der Steen + 0:16
4 Tschechoslowakei Jirí Pospíšil + 0:23
5 Polen Dariusz Gil + 0:37
6 Belgien Erwin Vervecken + 0:54
7 Deutschland Tim Kroll + 1:19
8 Frankreich Yannick Holweck gl. Zeit
9 Deutschland Roman Jördens + 1:32
10 Deutschland Patrick Flamm + 1:33

Einzelnachweise

  1. El Mundo Deportivo, Ausgabe vom 23. August 1988, Seite 40, unten links (Digitalisat)
  2. De Standaard, Ausgabe vom 8. Mai 1989, Seite 18, Spalte 4 (Digitalisat)
  3. Der Bund, Ausgabe vom 1. Februar 1990, Seite 37 (Digitalisat)
  4. Walliser Bote, Ausgabe vom 3. Februar 1990, Seite 21 (Digitalisat)
  5. Le Nouvelliste, Ausgabe vom 3. Februar 1990, Seite 7 (Digitalisat)
  6. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 22. August 1988, Seite 46 (Digitalisat)

Koordinaten: 43° 21′ 6″ N, 2° 59′ 57″ W