Cyclocross-Weltmeisterschaften 1999
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1999 fanden am 30. und 31. Januar im slowakischen Poprad statt. Es handelte sich um die 50. Austragung der Meisterschaften.
Ablauf
Das Direktionskomitee der Union Cycliste Internationale hatte Anfang 1997 die Ausrichtung an Poprad vergeben.[1] Die Stadt war Heimatort des einstigen Amateur-Weltmeisters Ondrej Glajza, und die WM reihte sich in eine Serie von Sportveranstaltungen ein, mit denen Poprad seine (letztlich erfolglose) Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2006 untermauerte. Schauplatz des Rennens war ein am Hang gelegenes Gelände beim Nachbardorf Spišská Teplica. Pro Runde waren 80 Höhenmeter Steigung zurückzulegen, darunter ein nur 60 Meter langer, aber sehr steiler Anstieg in der ersten Hälfte, der eine entscheidende Rolle spielen sollte.[2] Das Gelände war vollkommen schneebedeckt, und bei teils zweistelligen Minusgraden bildete der Schnee einen nahezu festen Untergrund; die durchschnittliche Geschwindigkeit im Elite-Rennen lag bei vergleichsweise hohen 28 km/h.
Das U23-Rennen am ersten Tag gewann hochüberlegen Bart Wellens. In der ersten Runde konnte er als einziger im 60-köpfigen Feld den steilen Anstieg im Sattel bewältigen und fuhr anschließend ein einsames Rennen bis ins Ziel. Eingangs der Schlussrunde lag sein nächster Verfolger John Gadret eine Minute zurück, eine Dreiviertelminute dahinter folgten Tom Vannoppen und Tim Johnson. Gadret hatte jedoch eine Reifenpanne, und im Materialposten stand kein Ersatzrad für ihn bereit. Bevor sein Problem behoben wurde, passierten ihn mehrere Fahrer; Vannoppen gewann Silber vor Johnson.
Im Juniorenrennen am zweiten Tag verfolgten die Belgier dieselbe Taktik: Sven Vanthourenhout und Tim Van Nuffel bewältigten denselben steilen Anstieg, ohne abzusteigen, und setzten sich so ab. Van Nuffel verlor jedoch bald den Anschluss durch eine Panne, und Vanthourenhout wurde zur Rennmitte durch Matt Kelly und Thijs Verhagen eingeholt; der Rest des Felds lag zu diesem Zeitpunkt schon weit zurück. In der Schlussrunde attackierte Vanthourenhout erneut im Anstieg, doch Kelly holte ihn in der Abfahrt wieder ein und siegte im Zielsprint.
Zum Elite-Wettkampf waren 10.000 Zuschauer gekommen, die ein wechselhaftes Rennen über elf Runden sahen. In der ersten Runde bildete sich ein Spitzenquartett aus Titelverteidiger Mario De Clercq sowie Radomír Šimůnek, Adrie van der Poel und Daniele Pontoni, die alle ebenfalls schon Weltmeister gewesen waren. Šimůnek fiel schon bald zurück, während Erwin Vervecken, der Zweite des Vorjahrs, gegen Ende der dritten Runde aufschloss. Pontoni und van der Poel machten das Tempo und distanzierten De Clercq ein wenig. Zur Hälfte des Rennens wendete sich das Blatt durch einen Sturz van der Poels und einen verpatzten Radwechsel Pontonis, der in der Folge weit zurückfiel. Vervecken ging nun in Führung und verteidigte lange Zeit einen kleinen Vorsprung vor van der Poel und De Clercq. In der Schlussrunde kam De Clercq stark auf, überholte van der Poel, schloss in der letzten Abfahrt zu Vervecken auf und kam vor seinem Landsmann ins Ziel; van der Poel holte Bronze.
Vervecken machte aus seiner Wut auf De Clercq keinen Hehl, da er dessen Sieg im Vorjahr durch mannschaftsdienliches Verhalten abgesichert hatte. Letzterer war nach 15 Jahren der erste Fahrer, der seinen Titel bei der Elite bzw. den Profis erfolgreich verteidigte. Wenngleich die Vereinigten Staaten als erste außereuropäische Nation gleich zwei Medaillen gewonnen hatten, waren die Ergebnisse der Weltmeisterschaften richtungsweisend für die belgisch-niederländische Dominanz der folgenden Jahrzehnte, während der Sport in der Schweiz und in anderen Ländern eine rückläufige Entwicklung erlebte.[3]
Ergebnisse
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Mario De Clercq | 1:02:50 |
| 2 | Erwin Vervecken | + 0:08 |
| 3 | Adrie van der Poel | + 0:24 |
| 4 | Daniele Pontoni | + 1:24 |
| 5 | Thomas Frischknecht | + 1:42 |
| 6 | Sven Nys | + 2:09 |
| 7 | Radomír Šimůnek | + 2:13 |
| 8 | Peter Van Santvliet | + 2:49 |
| 9 | Jiři Pospíšil | + 3:17 |
| 10 | Ben Berden | + 3:41 |
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Bart Wellens | 53:47 |
| 2 | Tom Vannoppen | + 1:34 |
| 3 | Tim Johnson | + 1:35 |
| 4 | Steffen Weigold | + 1:53 |
| 5 | John Gadret | + 2:05 |
| 6 | Guillaume Benoist | + 2:32 |
| 7 | Emil Hekele | + 2:38 |
| 8 | David Derepas | + 2:40 |
| 9 | David Süssemilch | + 2:51 |
| 10 | Pascal van Bussel | + 3:06 |
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Matthew Kelly | 37:26 |
| 2 | Sven Vanthourenhout | + 0:01 |
| 3 | Thijs Verhagen | + 0:12 |
| 4 | David Kášek | + 1:04 |
| 5 | William Frischkorn | + 1:07 |
| 6 | Jean-Baptiste Béraud | gl. Zeit |
| 7 | Tim Van Nuffel | + 1:22 |
| 8 | Wouter Bunning | + 1:28 |
| 9 | Ronald Heigl | + 1:35 |
| 10 | Hannes Genze | + 1:42 |
Weblinks
- Cyclocross-WM 1999 auf der UCI-Website ( vom 5. Januar 2017 im Internet Archive)
- Berichte:
- Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 1. Februar 1999, Seite 41 (Digitalisat)
- Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 1. Februar 1999, Seite 18 (Digitalisat)
- Bericht und Ergebnisse auf CyclingNews
- Zusammenfassung des Elite-Rennens auf Sporza
- Ergebnislisten:
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 1999 in der Datenbank von Cyclocross24.com
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 1999 in der Datenbank von ProCyclingStats
Einzelnachweise
- ↑ Le Nouvelliste, Ausgabe vom 3. Februar 1997, Seite 17 (Digitalisat)
- ↑ Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 30. Januar 1999, Seite 64 (Digitalisat)
- ↑ Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 30. Oktober 1998, Seite 60 (Digitalisat)
Koordinaten: 49° 2′ 9″ N, 20° 14′ 12″ O