Cyclocross-Weltmeisterschaften 1970

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1970 wurden am 22. Februar im belgischen Zolder ausgetragen.

Ablauf

Im November 1968 vergab der Kongress des Radsport-Weltverbands UCI die Ausrichtung an Belgien.[1] Die Veranstaltung fand auf dem Circuit Zolder statt,[2] wo einige Monate zuvor auch die Straßenradsport-Weltmeisterschaften 1969 abgehalten worden waren. Zu Beginn wurde ein 1,6 km langer Abschnitt der Autorennstrecke zurückgelegt, bevor es auf einen etwa 2,6 km langen Rundkurs im Gelände ging. Dieser war durch mehrere kurze, aber steile Steigungen und Abfahrten gekennzeichnet.[3] Die Amateure legten sieben Runden darauf zurück, die Profis acht.

Es beteiligten sich elf Nationen. Im Rennen der Profis waren nur sieben Länder mit etwas über 20 Fahrern vertreten, und zwar Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und die Schweiz. Ausschließlich am Amateurrennen beteiligten sich Dänemark, Luxemburg, Spanien und die Tschechoslowakei. Als große Favoriten galten die Gastgeber. Zweifel bestanden über die Form des Titelverteidigers bei den Profis, Erik De Vlaeminck, der wegen einer Knieverletzung nicht an den belgischen Meisterschaften teilgenommen hatte.[4] Sein Bruder Roger De Vlaeminck, Amateurweltmeister 1968, war zu den Profis gewechselt.

Im Amateurrennen setzte sich mit Robert Vermeire der Dritte des Vorjahres durch. José María Basualdo kam auf den zweiten Platz und war der erste spanische Medaillengewinner in der Geschichte der Weltmeisterschaften. Die stärker eingeschätzten Schweizer Fahrer kamen mit dem Parcours nicht klar, Albert Zweifel als bester von ihnen kam auf den 20. Platz.

Bei den Profis lieferte sich der dreifache Ex-Weltmeister Rolf Wolfshohl einen Kampf mit den Brüdern De Vlaeminck und dem belgischen Meister Albert Van Damme. In der letzten Runde fiel Roger De Vlaeminck deutlich zurück. Die drei verbliebenen Titelaspiranten kamen zunächst gemeinsam zu Sturz, als sie Günter Weiss überrundeten. 500 Meter vor dem Ziel, bei der Passage eines Materialdepots, stürzte Wolfshohl erneut, wohl ausgelöst durch ein unvorsichtiges Manöver eines belgischen Mechanikers. Im Finale verschaltete sich Van Damme, so dass ihn De Vlaeminck im Spurt distanzieren konnte. Er jubelte jedoch etwas zu früh, so dass Van Damme noch auf Reifenbreite an ihn herankam. Dies war die erste Sprintentscheidung zwischen zwei Fahrern seit 1950 und die knappste der WM-Geschichte. Ein Protest der deutschen Mannschaft wurde abgewiesen, da dem belgischen Mechaniker keine Absicht nachgewiesen werden konnte.[5]

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Erik De Vlaeminck 1:03:50
2 Belgien Albert Van Damme gl. Zeit
3 Deutschland Rolf Wolfshohl + 0:24
4 Belgien Roger De Vlaeminck + 1:33
5 Italien Renato Longo + 2:06
6 Belgien Julien Vanden Haesevelde + 3:22
7 Vereinigtes Konigreich John Atkins gl. Zeit
8 Schweiz Hermann Gretener + 4:31
9 Schweiz Ernst Boller + 4:43
10 Frankreich Michel Pelchat + 5:08
Amateure
Platz Name Zeit (min)
1 Belgien Robert Vermeire 56:12
2 Spanien José María Basualdo + 0:24
3 Belgien Norbert Dedeckere + 1:14
4 Belgien René De Clercq + 1:34
5 Deutschland Wolfgang Renner + 2:34
6 Belgien Roger Bijn + 2:42
7 Niederlande Gertie Wildeboer + 2:49
8 Deutschland Karl Stähle + 2:55
9 Italien Luigi Torresani + 3:18
10 Spanien José María González Pérez + 3:19

Einzelnachweise

  1. Courrier de Genève, Ausgabe vom 30. November 1968, Seite 14 (Digitalisat)
  2. De Standaard, Ausgabe vom 17. Februar 1970, Seite 17 (Digitalisat)
  3. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 21. Februar 1970, Seite 17 (Digitalisat)
  4. Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 21. Februar 1970, Seite 25 (Digitalisat)
  5. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 23. Februar 1970, Seite 16 (Digitalisat)

Koordinaten: 50° 59′ 26″ N, 5° 15′ 32″ O