Cyclocross-Weltmeisterschaften 2011

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2011 fanden am 29. und 30. Januar in St. Wendel im Saarland statt. Es war dort nach 2005 die zweite Austragung. Zdeněk Štybar bei den Männern und Marianne Vos bei den Frauen verteidigten erfolgreich ihre Titel aus dem Vorjahr.

Ablauf

Die Union Cycliste Internationale hatte die Veranstaltung drei Jahre zuvor an St. Wendel übertragen.[1] Die Wettkämpfe fanden wie 2005 auf dem Gelände des Sportzentrums rund um das Bosenbachstadion statt. Ein 2,8 km langer Rundkurs wurde je nach Kategorie unterschiedlich oft durchlaufen, pro Runde waren 74 Höhenmeter an Steigungen zu überwinden. Start und Ziel aller Rennen war die Tartanbahn des Stadions.[2] Der für die Produktion der Fernsehbilder zuständige Saarländische Rundfunk hatte geplant, an der wichtigsten Steigung ein Kamera-Quad einzusetzen, was jedoch – eingedenk der Ereignisse von 2007 – bei den Fahrern auf Ablehnung stieß. Dieser Teil des Parcours konnte daher nicht ins Bild gebracht werden.[3]

Es beteiligten sich Fahrer aus 23 Nationen, darunter erstmals aus Estland und Lettland. Wie in den Vorjahren wurden die Titelkämpfe der jüngeren männlichen Altersklassen (Junioren, U23) am ersten Tag ausgetragen, die Frauen und Männer am zweiten Tag. Die Frauen fuhren sechs Runden, die Junioren sieben, die U23 acht und die Männer elf.

Ergebnisse

Junioren

Platz Name Zeit (min)
1 Frankreich Clément Venturini 44:31
2 Frankreich Fabien Doubey + 0:15
3 Frankreich Loïc Doubey gl. Zeit
4 Tschechien Jakub Skála + 0:36
5 Belgien Laurens Sweeck + 0:37
6 Belgien Michael Vanthourenhout + 0:45
7 Schweiz Dominic Zumstein + 0:51
8 Deutschland Silvio Herklotz + 1:09
9 Tschechien Vojtěch Nipl + 1:18
10 Niederlande Stan Godrie + 1:29

Das Juniorenrennen ging am 29. Januar ab 11 Uhr vonstatten. Es herrschten Minusgrade, und der Boden war stellenweise glattgefroren.[4] Ein Schräghang zu Beginn der ersten Runde sorgte für einen Massensturz, und auch im weiteren Verlauf ging quasi jeder Fahrer ein- oder mehrmals zu Boden. Dies galt selbst für den späteren Sieger Clément Venturini, der zweimal stürzte.

Venturini war ab der dritten Runde allein um etwa 20 Sekunden in Führung, in folgenden Gruppe waren mit Fabien und Loïc Doubey zwei seiner Landsleute vertreten, die die Verfolgung naturgemäß nicht unterstützten und sie den Belgiern Yorben Van Tichelt sowie dem Weltcupsieger Laurens Sweeck überließen. Als diese beiden in der vorletzten Runde erneut am Schräghang in Schwierigkeiten kamen, war der Weg für einen französischen Dreifachtriumph frei. Venturini war klarer Sieger, die Zwillingsbrüder Doubey kamen gemeinsam jubelnd ins Ziel.[5][6]

U23

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Lars van der Haar 52:01
2 Niederlande Mike Teunissen + 0:01
3 Tschechien Karel Hník gl. Zeit
4 Frankreich Matthieu Boulo + 0:03
5 Niederlande Tijmen Eising + 0:04
6 Belgien Wietse Bosmans + 0:07
7 Schweiz Valentin Scherz + 0:13
8 Belgien Joeri Adams + 0:24
9 Frankreich Jimmy Turgis gl. Zeit
10 Belgien Vincent Baestaens + 0:30

Die U23 ging am ersten Tag um 14 Uhr an den Start. Als Favorit unter den 50 Fahrern galt Lars van der Haar, der zuvor die Europameisterschaften und den Weltcup gewonnen hatte. Seit dem Juniorenrennen war der Boden aufgeweicht, so dass es zu weniger Stürzen, aber einem langsameren Rennen kam. Der Schräghang, der bei den Junioren zu Problemen geführt hatte, war inzwischen umgebaut worden.

Unter diesen Umständen erwies sich der Parcours als deutlich weniger selektiv, eingangs der letzten Runde waren noch zehn Fahrer zusammen in der Spitzengruppe. Mike Teunissen attackierte in der Schlussrunde und hatte zwischenzeitlich sieben Sekunden Vorsprung, wurde aber durch den Einsatz von Tijmen Eising eingeholt. Vor dem Eingang ins Stadion übernahm van der Haar die Führung und sprintete zum Sieg vor Teunissen und dem Tschechen Karel Hník.[7][8]

Frauen

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Marianne Vos 40:31
2 Vereinigte Staaten Katherine Compton + 0:17
3 Tschechien Kateřina Nash + 0:20
4 Deutschland Hanka Kupfernagel + 0:42
5 Schweiz Jasmin Achermann + 1:10
6 Niederlande Sanne van Paassen + 1:20
7 Frankreich Christel Ferrier-Bruneau + 1:42
8 Frankreich Pauline Ferrand-Prévot gl. Zeit
9 Belgien Sanne Cant + 2:00
10 Deutschland Sabine Spitz gl. Zeit

Das Frauenrennen mit 46 Teilnehmerinnen fand am 30. Januar um 11 Uhr statt. Zu den Favoritinnen gehörten neben der Titelverteidigerin Marianne Vos und der vierfachen Ex-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel auch die Weltcupsiegerin Sanne van Paassen sowie Katherine Compton, die fünf Rennen des Weltcups gewonnen hatte. Nicht am Start war Europameisterin Daphny van den Brand wegen Bronchitis.[9]

Wie am Vortag herrschten vormittags Minusgrade, doch war es weniger glatt; einzig der kurze Schräghang verursachte den Fahrerinnen einige Probleme. Nach drei Runden lagen Vos, Compton und Kateřina Nash gemeinsam an der Spitze, gefolgt auf 20 Sekunden von Kupfernagel. Die Spitzengruppe blieb bis zur Schlussrunde unverändert, dann attackierte Vos und distanzierte ihre Konkurrentinnen deutlich. Sie wurde zum dritten Mal in Folge Weltmeisterin und zum vierten Mal insgesamt.[10][11]

Männer

Platz Name Zeit (h)
1 Tschechien Zdeněk Štybar 1:06:37
2 Belgien Sven Nys + 0:18
3 Belgien Kevin Pauwels + 1:15
4 Frankreich Francis Mourey + 1:16
5 Deutschland Philipp Walsleben + 1:18
6 Belgien Klaas Vantornout + 1:23
7 Italien Marco Aurelio Fontana + 1:51
8 Belgien Bart Wellens + 2:01
9 Schweiz Christian Heule + 2:03
10 Belgien Tom Meeusen gl. Zeit

Das Rennen der Männer fand am 30. Januar um 14 Uhr vor 30.000 Zuschauern statt. Es entwickelte sich wie bei den Frauen ein Ausscheidungsfahren, nach vier Runden waren neben Titelverteidiger Zdeněk Štybar noch Marco Aurelio Fontana, Sven Nys, Kevin Pauwels, Klaas Vantornout und Philipp Walsleben in der Spitzengruppe. Eine Attacke Štybars in der fünften Runde konnte nur Nys mitgehen, auf eine weitere in der siebten Runde hatte letzterer keine Antwort mehr und verlor durch eine Panne zusätzliche Zeit. Einen konstanten Vorsprung von 20 Sekunden haltend fuhr Štybar dem Titel entgegen; schon 2005 hatte er ebenfalls in St. Wendel in der U23 gewonnen. Nys holte seine siebte Medaille seit 2000.

Die Verfolgergruppe hatte fortlaufend Zeit auf die beiden Führenden eingebüßt und wurde in der Schlussrunde noch von Francis Mourey eingeholt, der in der ersten Rennhälfte mehrfach gestürzt war und eine umso stärkere zweite Rennhälfte gefahren war. Im Kampf um den verbliebenen Podiumsplatz setzte sich Pauwels vor Mourey und Walsleben durch. Weltcupsieger und Ex-Weltmeister Niels Albert hatte nach einer Panne bereits früh zurückgelegen und kam auf den 24. Platz.[12][13]

Einzelnachweise

  1. Sankt Wendel wieder Gastgeber für Radcross-WM. Bund Deutscher Radfahrer, 24. Januar 2008;.
  2. Am Wochenende: Cyclocross WM in Sankt Wendel. MTB-News, 25. Januar 2011;.
  3. Nys en Wellens stellen veto tegen camera op quad. Het Nieuwsblad, 29. Januar 2011; (niederländisch).
  4. Cross-WM in St. Wendel startet in einer Viertelstunde. Bund Deutscher Radfahrer, 29. Januar 2011;.
  5. Venturini leads French domination. CyclingNews, 29. Januar 2011; (englisch).
  6. Cyclocross: Triplé français chez les juniors. RTBF.be, 29. Januar 2011; (französisch).
  7. Cross-WM: Topfavorit Van Der Haar siegt in der U23. Bund Deutscher Radfahrer, 29. Januar 2011;.
  8. Van der Haar takes the rainbow jersey. CyclingNews, 29. Januar 2011; (englisch).
  9. Daphny van den Brand to Miss World Championships. Cyclocross Magazine, 25. Januar 2011; (englisch).
  10. Kupfernagel verpasst WM-Medaille knapp – Vos verteidigt Cross-Titel. Bund Deutscher Radfahrer, 30. Januar 2011;.
  11. Vos strikes again with late attack. CyclingNews, 30. Januar 2011; (englisch).
  12. Štybar erneut Cross-Weltmeister – Walsleben wird Fünfter. Bund Deutscher Radfahrer, 30. Januar 2011;.
  13. Stybar wins again. CyclingNews, 30. Januar 2011; (englisch).

Koordinaten: 49° 27′ 30″ N, 7° 10′ 56″ O