Cyclocross-Weltmeisterschaften 2000
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2000 wurden am 28. und 29. Januar im niederländischen Sint-Michielsgestel ausgetragen, wo auch jährlich der Veldrit Sint-Michielsgestel stattfand, allerdings auf einem anderen Parcours. Erstmals gab es einen Wettbewerb für Frauen, was die Zahl der Wettbewerbe auf vier erhöhte.
Ablauf
Für die Austragung hatten sich neben den Niederlanden auch Großbritannien, Spanien und Luxemburg beworben, in den Niederlanden auch Heerlen.[1] Anfang 1998 wies die Radsport-Weltverband UCI die Austragung dann Sint-Michielsgestel zu,[2] dem Wohnort von Richard Groenendaal, der seinerzeit zu den weltbesten Fahrern gehörte. Am Rande der Weltmeisterschaften 1999 wurde beschlossen, erstmals ein Rennen für Frauen auszutragen,[3] neben den drei bestehenden Kategorien Elite, U23 und Junioren bei den Männern.
Die Frauen eröffeten am ersten Tag die Wettkämpfe, gefolgt von der U23; am zweiten Tag folgten die Junioren und die Elite der Männer. Start- und Ziellinie waren auf der Papaverstraat, der Rest des 2,660 m langen Parcours verlief am südwestlichen Ortsrand über einen Golfplatz und durch den dortigen Wald. Die Höhenunterschiede waren minimal, als Hindernisse waren einige Balken sowie Treppen eingebaut. Durch andauernden Regen in den Tagen vor den Wettkämpfen war der Untergrund stark aufgeweicht.
Im Folgejahr wurde auf Höhe der Ziellinie ein Stein ins Pflaster eingelassen, der an die Veranstaltung erinnert.[4]
Ergebnisse
Frauen
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Hanka Kupfernagel | 42:10 |
| 2 | Louise Robinson | + 0:57 |
| 3 | Daphny van den Brand | + 1:16 |
| 4 | Laurence Leboucher | + 2:03 |
| 5 | Alison Dunlap | + 2:30 |
| 6 | Corine Dorland | + 2:55 |
| 7 | Alla Jepifanowa | + 3:14 |
| 8 | Carmen Richardson | + 3:15 |
| 9 | Inge Velthuis | + 3:36 |
| 10 | Chantal Daucourt | + 3:57 |
Das Frauenrennen mit 40 Teilnehmerinnen fand im Regen statt. Hanka Kupfernagel übernahm vom Start weg die Führung und gewann souverän. Hinter ihr lagen Louise Robinson und Daphny van den Brand lange im Kampf um die verbleibenden Podiumsplätze. Als van den Brand in der fünften und letzten Runde ihr Rad wechseln musste, konnte sich Robinson den entscheidenden Vorsprung verschaffen. Die Richtzeit war wie bei den Junioren 40 Minuten gewesen, zugelassen waren Fahrerinnen ab 17 Jahren.[5]
U23
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Bart Wellens | 53:32 |
| 2 | Tom Vannoppen | + 0:44 |
| 3 | Davy Commeyne | + 1:04 |
| 4 | David Derepas | + 1:36 |
| 5 | Camiel van den Bergh | + 1:38 |
| 6 | Steffen Weigold | + 1:39 |
| 7 | Sven Vanthourenhout | gl. Zeit |
| 8 | Wilant van Gils | + 2:15 |
| 9 | Thijs Volker | + 2:24 |
| 10 | Roel van Houtum | + 2:29 |
Auch in der U23 gab es einen Start-Ziel-Sieg, hier durch Titelverteidiger Bart Wellens. In einer Verfolgergruppe machte Steffen Weigold die Arbeit, erhielt aber keine Unterstützung durch Tom Vannoppen und Davy Commeyne, die erst den Sieg ihres Landsmanns absicherten, davor sie den ermüdenden Weigold hinter sich ließen. Alle drei Medaillen gingen so an Belgien, 51 Fahrer wurden klassiert.
Junioren
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Bart Aernouts | 41:06 |
| 2 | Walker Ferguson | + 0:15 |
| 3 | David Kášek | + 0:47 |
| 4 | Kenny van Hummel | gl. Zeit |
| 5 | Pieter Ghyllebert | gl. Zeit |
| 6 | Koen de Kort | gl. Zeit |
| 7 | Vladimír Kyzivát | + 0:50 |
| 8 | Sven Häußler | gl. Zeit |
| 9 | Enrico Franzoi | + 0:51 |
| 10 | Klaas Vantornout | + 0:52 |
Das Juniorenrennen am zweiten Tag wurde zu einer Angelegenheit zwischen Bart Aernouts und Walker Ferguson, die sich am Ende der zweiten von fünf Runden vom Rest abgesetzt hatten. Die Entscheidung fiel in der vorletzten Runde: Ferguson blieb bei der Passage des Materialpostens auf der stark aufgewühlten Strecke, hinter ihm bog Aernouts in den Posten ein, wo der Untergrund viel besser war; die entstandende Lücke konnte Ferguson nicht mehr schließen. Den Sprint einer kleinen Gruppe um Bronze gewann David Kášek.
Elite
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Richard Groenendaal | 59:57 |
| 2 | Mario De Clercq | + 0:38 |
| 3 | Sven Nys | + 0:42 |
| 4 | Adrie van der Poel | + 1:18 |
| 5 | Wim de Vos | + 1:50 |
| 6 | Ben Berden | + 2:08 |
| 7 | Peter Van Santvliet | + 2:12 |
| 8 | Gerben de Knegt | + 2:17 |
| 9 | Daniele Pontoni | + 2:22 |
| 10 | Dominique Arnould | + 2:23 |
Das Elite-Rennen der Männer beschloss die Veranstaltung. Als Favorit galt der Belgier Sven Nys, der die Saison dominiert hatte. Er war wie Lokalmatador Groenendaal beim niederländischen Team Rabobank engagiert, und beide hatten die Anweisung, nicht gegeneinander zu fahren.[6][7] Als Groenendaal in der ersten Runde attackierte, fügte sich Nys, unterstützte seinen Landsmann und Titelverteidiger Mario De Clercq nicht bei der Verfolgung und blieb quasi das ganze Rennen hindurch an dessen Hinterrad. Groenendaal gewann auf diese Weise ungefährdet, Nys machte De Clercq am Ende auch nicht den zweiten Platz streitig. Der Rennverlauf erregte naturgemäß großen Unmut beim belgischen Publikum, der Nys noch lange verfolgte.[8][9] Ex-Weltmeister Adrie van der Poel kam in seinem letzten WM-Rennen auf Platz vier. Er hatte seine 20 Jahre währende Karriere eigens verlängert, um noch einmal vor Heimpublikum antreten zu können.[10]
Weblinks
- Cyclocross-WM 2000 auf der UCI-Website ( vom 4. März 2016 im Internet Archive)
- Berichte:
- Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 31. Januar 2000, Seite 41 (Digitalisat)
- Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 31. Januar 2000, Seite 19 (Digitalisat)
- Bericht und Ergebnisse auf CyclingNews
- How a small band of women broke new ground in a new millennium. BBC, 2. Februar 2023 (englisch).
- Zusammenfassung des Männer-Rennens auf Sporza
- Ergebnislisten:
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 2000 in der Datenbank von Cyclocross24.com
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 2000 in der Datenbank von ProCyclingStats
Einzelnachweise
- ↑ Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 3. Februar 1997, Seite 18 (Digitalisat)
- ↑ Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 30. Januar 1998, Seite 19 (Digitalisat)
- ↑ Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 30. Januar 1999, Seite 34 (Digitalisat)
- ↑ Brabants Dagblad, Ausgabe vom 9. Februar 2001, wiedergegeben auf Radsportseiten
- ↑ Pressemitteilung der UCI vom 21. Juli 1999 ( vom 18. August 2012 im Internet Archive)
- ↑ Sven Nys ontdekt de waarheid achter Richard Groenendaal. Het Nieuwsblad, 9. Januar 2012 (niederländisch).
- ↑ Niet meer voor volk en vaderland. Gazet van Antwerpen, 30. Januar 2000 (niederländisch).
- ↑ Hoe de wereldtitel van Richard Groenendaal een dieptepunt werd. Algemeen Dagblad, 30. Januar 2019 (niederländisch).
- ↑ „Sven, je zet ons weg als een stel lulletjes“. Het Laatste Nieuws, 28. Januar 2006 (niederländisch).
- ↑ Algemeen Dagblad, Ausgabe vom 19. August 1998, Seite 17 (Digitalisat)
Koordinaten: 51° 37′ 48″ N, 5° 20′ 19″ O