Cyclocross-Weltmeisterschaften 1968
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1968 wurden am 25. Februar in Luxemburg ausgetragen. Die Stadt organisierte die Meisterschaften zum dritten Mal. Die Veranstaltung ging durch den Sieg eines Brüderpaars in die Geschichte ein: Roger De Vlaeminck gewann bei den Amateuren, sein älterer Bruder Erik De Vlaeminck bei den Profis.
Ablauf
Der Kongress des Radsport-Weltverbands UCI vergab auf seinem Kongress im August 1966 die Ausrichtung an den luxemburgischen Verband.[1] Dies waren die vierten Weltmeisterschaften, die das Land seit 1951 organisierte; es sollte jedoch bis 2017 dauern, bis eine fünfte hinzukam. Im Gegensatz zu 1951 und 1956 war nicht der Baumbusch Schauplatz des Geschehens, sondern das Kirchberg-Plateau sowie die Hänge rund um das Fort Thüngen. Der 2,7 km lange Parcours wurde von den Amateuren siebenmal zurückgelegt, von den Profis achtmal.[2][3]
Gegenüber dem Vorjahr ging die internationale Beteiligung von 16 auf 11 Länder zurück. Von den sozialistischen Ländern, die maßgeblich die Schaffung eines Amateurrennens bewirkt hatten, war nur noch die Tschechoslowakei vertreten, außerdem traten Algerien und Österreich nicht wieder an. Letztlich waren 42 Amateure und 28 Profis am Start, maximal vier pro Land und Kategorie. Michel Pelchat, der im Jahr zuvor umstrittenerweise bei den Amateuren angetreten war und gewonnen hatte, musste auf Anweisung des französischen Verbands diesmal das Profirennen bestreiten.[4] Bei den Profis waren mit Renato Longo, Rolf Wolfshohl und Erik De Vlaeminck die Fahrer anwesend, die seit 1959 alle Weltmeisterschaften gewonnen hatten.
Im Amateurrennen, das um 13 Uhr begann, kam nach mehreren Führungswechseln eine Gruppe von fünf Fahrern auf die 500 Meter lange Zielgerade. Roger De Vlaeminck setzte sich im Spurt klar vor Peter Frischknecht und Cock van der Hulst durch, letzterer gewann die erste niederländische Medaille in der Geschichte der Weltmeisterschaften. 39 Fahrer wurden klassiert, 3 gaben unterwegs auf.
Das Rennen der Profis begann um 15:15 Uhr. Bereits in der ersten Runde verloren zwei Favoriten ihre Siegchancen, Renato Longo durch Radbruch und Albert Van Damme durch Sturz. Am Ende der ersten Runde hatten sich Erik De Vlaeminck und Rolf Wolfshohl an die Spitze gesetzt, dahinter folgten Hermann Gretener und Michel Pelchat. De Vlaeminck und Wolfshohl bauten ihren gemeinsamen Vorsprung aus, bis Wolfshohl eine Reifenpanne hatte. De Vlaeminck beschleunigte und baute seinen Vorsprung im weiteren Verlauf immer weiter aus. Er gewann um 53 Sekunden vor Wolfshohl, während Gretener und Pelchat bis zum Sprint zusammenblieben, im welchem sich Gretener durchsetzte. Alle Fahrer wurden klassiert, die ab Platz 19 waren überrundet worden.
Mit dem Ergebnis beider Rennen bestätigte sich der Aufschwung Belgiens und der Schweiz, der sich bereits in den Jahren zuvor angedeutet hatte. Beobachter führten dies auf deren konsequente Aufbauarbeit zurück.[5] Die beiden Länder sollten bis in die 1980er Jahre dominant bleiben, Belgien auch darüber hinaus.
Ergebnisse
Die WM 1968 war die erste, bei der Dopingtests durchgeführt wurden; noch im Jahr zuvor hatte man dies für unnötig gehalten.[6] Eine Woche nach dem Rennen wurde bekannt, dass bei Rolf Wolfshohl und bei Daniel Grégoire, dem Zehnten des Profirennens, unerlaubte Aufputschmittel festgestellt worden waren.[7] Sie wurden jeweils für einen Monat gesperrt, ein Einspruch Wolfshohls dagegen blieb erfolglos.[8]
Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, welche Auswirkungen dies auf das Klassement hatte. Die seinerzeitigen Kommuniqués der UCI erwähnen nur die einmonatige Sperre, nicht aber eine Disqualifikation der Ergebnisse, was von der Presse mit Befremden zur Kenntnis genommen wurde.[9] Klargestellt wurde hingegen, dass ein Aufrücken der nachfolgenden Fahrer ausgeschlossen sei.[10] Noch bis Mitte der 1970er Jahre wurde Wolfshohl als Zweiter geführt.[11] Spätere Darstellungen, inklusive die der UCI selbst, nennen Gretener als Zweiten und Pelchat als Dritten.[12][13] Die unten stehende Ergebnisliste geht daher von einer Disqualifikation Wolfshohls und Grégoires mit Aufrückung der nachfolgenden Fahrer aus.
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Erik De Vlaeminck | 1:02:18 |
| — | Rolf Wolfshohl | + 0:53 |
| 2 | Hermann Gretener | + 2:59 |
| 3 | Michel Pelchat | gl. Zeit |
| 4 | Luciano Luciani | + 3:35 |
| 5 | Huub Harings | + 3:59 |
| 6 | Albert Van Damme | gl. Zeit |
| 7 | Max Gretener | + 4:10 |
| 8 | Jean-Pierre Ducasse | + 4:15 |
| — | Daniel Grégoire | + 4:45 |
| 9 | Renato Longo | + 4:55 |
| 10 | Giovanni Bettinelli | + 5:17 |
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Roger De Vlaeminck | 58:45 |
| 2 | Peter Frischknecht | + 0:02 |
| 3 | Cock van der Hulst | + 0:10 |
| 4 | Franco Livian | + 0:12 |
| 5 | John Atkins | + 0:14 |
| 6 | Jakob Küster | gl. Zeit |
| 7 | Flory Ongenae | gl. Zeit |
| 8 | Lucio Colzani | + 0:16 |
| 9 | Horst Maier | gl. Zeit |
| 10 | Břetislav Souček | gl. Zeit |
Weblinks
- Zeitungsberichte:
- Luxemburger Wort, Ausgabe vom 27. Februar 1968, Seiten 9 und 10 (Digitalisat)
- Der Bund, Ausgabe vom 26. Februar 1968, Seite 16 (Digitalisat)
- Filmberichte:
- Ergebnislisten:
Einzelnachweise
- ↑ FAN-L’Express, Ausgabe vom 26. August 1966, Seite 9 (Digitalisat)
- ↑ Der Bund, Ausgabe vom 23. Februar 1968, Seite 15 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 24. Februar 1968, Seite 16 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 21. Februar 1968, Seite 11 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 27. Februar 1968, Seite 9 (Digitalisat)
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 20. Februar 1967, Seite 9 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 8. März 1968, Seite 10 (Digitalisat)
- ↑ Courrier de Genève, Ausgabe vom 2. April 1968, Seite 7 (Digitalisat)
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 9. März 1968, Seite 11 (Digitalisat)
- ↑ Thurgauer Zeitung, Ausgabe vom 14. März 1968, Seite 7 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 23. Februar 1974, Seite 26 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. Januar 1979, Seite 19 (Digitalisat)
- ↑ UCI-Liste der WM-Podiums 1950–2001 ( vom 25. August 2004 im Internet Archive)
Koordinaten: 49° 37′ 2″ N, 6° 8′ 29″ O