Cyclocross-Weltmeisterschaften 1982

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1982 wurden am 20. und 21. Februar im französischen Lanarvily ausgetragen.

Ablauf

Der Amateur-Radsportverband FIAC hatte bereits im August 1979 die Bewerbung Frankreichs auf die Gastgeberrolle zur Annahme empfohlen,[1] bevor der übergeordnete Radsport-Weltverband UCI sie im November 1980 bestätigte.[2] In der Zwischenzeit hatte der französische Verband den kleinen Ort Lanarvily in der Bretagne ausgesucht, in dem bereits seit 1958 jährlich ein Rennen abgehalten worden war, der so genannte Cyclo-cross du Mingant.[3] Diese Wahl soll auf eine Versöhnungsgeste nach einem Streit zwischen regionalen und nationalen Funktionären zurückzuführen sein. Als ein Kredit aufgenommen werden musste, um die Kosten für die Organisation vorzuschießen, verpfändete der Leiter des örtlichen Komitees sogar seinen Hof und seine Firma.[4]

Start und Ziel waren auf der Dorfstraße von Lanarvily, auf einem Plateau oberhalb des Aber Wrac’h gelegen. Der etwas über 3 km lange Parcours führte mehrmals zum Fluss hinunter und wieder hinauf, wobei 100 Höhenmeter an Steigungen zusammenkamen. Insbesondere wurde das Ziel nach einer Steigung auf der ins Dorf führenden Straße erreicht. Im Amateurrennen am ersten Tag waren sieben Runden zurückzulegen, am zweiten Tag fuhren die Junioren fünf und die Profis acht Runden.[5] Es beteiligten sich 13 Nationen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, die Schweiz und Spanien beteiligten sich am Profirennen, bei den Amateuren waren zusätzlich Dänemark, Großbritannien, Polen, die Tschechoslowakei und die Vereinigten Staaten beteiligt. Luxemburg war nur im Juniorenrennen vertreten.

Bei trockenen Bedingungen fanden die 46 Amateure einen schnellen und wenig selektiven Parcours vor, so dass in der Schlussrunde noch zehn Fahrer zur Spitze gehörten, darunter drei Tschechoslowaken. Diese setzten sich in den Positionskämpfen durch und öffneten auf der Zielsteigung eine Gasse für den spurtstarken Miloš Fišera, der so seinen Sieg aus dem Vorjahr wiederholte. Zweiter wurde sein 12 Jahre jüngerer Neffe Radomír Šimůnek, Dritter der Schweizer Ueli Müller. Alle zehn ersten Fahrer lagen innerhalb von nur 12 Sekunden, womit dies das engste Weltmeisterschaftsrennen aller Zeiten war. Bei der Siegerehrung wurde Fišera aus Versehen das falsche Regenbogentrikot übergestreift, und zwar in der für Junioren vorgesehenen Version.

Am nächsten Tag regnete es in Strömen.[6] Unter den 41 Junioren galt Erwin Nijboer als Favorit und führte auch bis kurz vor dem Ziel. Auf dem Schlussanstieg überholte ihn dann Beat Schumacher, der im Sommer zuvor auch Junioren-Weltmeister im Straßenrennen geworden war.

Bei den Profis, deren Feld 21 Köpfe zählte, waren die Sieger der drei letzten Jahre am Start, Albert Zweifel, Roland Liboton und Hennie Stamsnijder, die auch das Rennen unter sich ausmachten. Klaus-Peter Thaler konnte in der dritten Runde das Tempo nicht mehr mitgehen, Stamsnijder verlor durch einen Sturz in der fünften Runde den Anschluss. Liboton, der auf seinen stärkeren Sprint setzen konnte, beschränkte sich darauf, an Zweifels Hinterrad zu bleiben und überspurtete diesen auf dem Schlussanstieg.

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Roland Liboton 1:06:36
2 Schweiz Albert Zweifel + 0:02
3 Niederlande Hennie Stamsnijder + 0:43
4 Belgien Robert Vermeire + 1:19
5 Deutschland Reimund Dietzen + 1:56
6 Belgien Johan Ghyllebert + 2:13
7 Schweiz Gilles Blaser + 2:22
8 Deutschland Dieter Uebing + 2:49
9 Niederlande Reinier Groenendaal + 3:13
10 Deutschland Klaus-Peter Thaler + 3:30
Amateure
Platz Name Zeit (min)
1 Tschechoslowakei Miloš Fišera 52:38
2 Tschechoslowakei Radomír Šimůnek gl. Zeit
3 Schweiz Ueli Müller gl. Zeit
4 Niederlande Hans Boom gl. Zeit
5 Italien Vito Di Tano gl. Zeit
6 Belgien Ivan Messelis gl. Zeit
7 Frankreich Jean-Yves Plaisance + 0:06
8 Tschechoslowakei Petr Klouček gl. Zeit
9 Schweiz Fritz Saladin + 0:10
10 Niederlande Herman Snoeijink + 0:12
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Schweiz Beat Schumacher 43:06
2 Niederlande Erwin Nijboer + 0:04
3 Tschechoslowakei Radovan Fořt + 1:02
4 Vereinigtes Konigreich Christopher Young + 1:08
5 Tschechoslowakei Peter Hric + 1:30
6 Italien Maurizio Vandelli + 1:54
7 Vereinigtes Konigreich Timothy Gould + 1:57
8 Deutschland Klaus-Dieter Pöhlmann + 2:12
9 Deutschland Karsten Migels + 2:17
10 Italien Angelo Tosi + 2:23

Einzelnachweise

  1. Freiburger Nachrichten, Ausgabe vom 22. August 1979, Seite 11, Spalte 5 (Digitalisat)
  2. L’Impartial, Ausgabe vom 29. November 1980, Seite 23 (Digitalisat)
  3. Cyclo-cross. À Lanarvily, un promoteur nommé Jean Le Hir. Ouest France, 18. November 2020; (französisch).
  4. Lanarvily VIII: l'attribution du mondial. Sport Breizh, 2. Januar 2017; (französisch).
  5. Le Nouvelliste, Ausgabe vom 20. Februar 1982, Seite 17 (Digitalisat)
  6. Lanarvily. Cinquante ans d'histoire. Le Télégramme, 4. Januar 2011; (französisch).

Koordinaten: 48° 33′ 2″ N, 4° 23′ 20″ W