Cyclocross-Weltmeisterschaften 1984
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1984 wurden am 18. und 19. Februar im niederländischen Oss ausgetragen.
Ablauf
Beim Kongress des Radsport-Weltverbands UCI anlässlich der Bahnradsport-Weltmeisterschaften 1982 wurde der niederländische Verband mit der Ausrichtung der Cyclocross-WM 1984 betraut.[1] Niederländischerseits hatte man sich bereits zuvor auf eine Austragung in Oss festgelegt, das sich gegen sechs weitere Interessenten durchsetzen konnte.[2] Schauplatz war der Witte Ruysheuvel im Süden der Stadt, wo sich inzwischen ein Motocross-Gelände befindet, als Start- und Zielgerade diente die Graafsebaan (N 329). Der Parcours war sehr schnell, da der Boden in den Tagen zuvor hartgefroren war.
Es waren Fahrer aus 14 Nationen beteiligt.[3] Mit Reinhard Waltenberger und Hermann Mandler war Österreich nach einigen Jahren Abwesenheit wieder im Amateurrennen vertreten, dafür waren Irland, Japan und die Sowjetunion nicht wieder dabei. Auch die Vereinigten Staaten, die seit 1973 jede WM mitgemacht hatten, waren nicht zugegen.[4] Eine Ende 1983 beschlossene Regeländerung betraf die Länge der Rennen: Die Anzahl der zu fahrenden Runden wurde nicht mehr von vornherein festgelegt, stattdessen war eine Mindestzeit bestimmt, nach deren Ablauf noch eine zusätzliche Runde zu fahren war. Diese Mindestzeit betrug bei den Junioren 40 Minuten, bei den Amateuren 50 und bei den Profis 60.[5][6]
Die Amateure gingen am ersten Tag mit 49 Fahrern an den Start, es wurden letztlich acht Runden gefahren. Die Mannschaft der Tschechoslowakei dominierte erneut durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit das Rennen, und dies obwohl der zweifache Ex-Weltmeister Miloš Fišera nach internen Streitigkeiten nicht dabei war.[6] In der ersten Runde bildete Titelverteidiger Radomír Šimůnek zusammen mit Peter Hric, dem Belgier Ivan Messelis und dem Niederländer Mathieu Hermans eine Spitzengruppe, zu der sich in der zweiten Runde noch Miloslav Kvasnička und Frank van Bakel und später noch Radovan Fořt gesellten, während Hric zurückfiel. Die Gruppe blieb zusammen, auch weil starker Gegenwind auf der Zielgeraden Alleingänge riskant erschienen ließ. In der vorletzten Runde attackierte Messelis, verfolgt von Kvasnička und van Bakel, während Šimůnek stürzte. Er wurde durch Fořt wieder zu den Verfolgern zurückgebracht und überholte diese, während Messelis seine Kräfte überspannt hatte und zurückfiel. Šimůneks Sieg war der vierte tschechoslowakische Titelgewinn in Folge.
Bei den Junioren, die den zweiten Tag eröffneten, gewann Ondrej Glajza klar das Rennen über fünf Runden; es war für ihn der 34. Sieg im 37. Saisonrennen. Außerdem belegten die tschechoslowakischen Junioren die Plätze 3 und 4. Hinter Glajza gewann Robert Dane die erste Medaille für den britischen Verband, der sich seit 1961 an jeder WM beteiligt hatten. Auch Dänemark, seit 1967 fast jedesmal vertreten, hatte durch Henrik Djernis auf dem neunten Platz sein bis dahin bestes WM-Ergebnis.
Bei den Profis fehlte mit Klaus-Peter Thaler einer der Protagonisten der vergangenen Jahre, er hatte einen Trainerposten beim Bund Deutscher Radfahrer angenommen. Das Rennen wurde durch Hennie Stamsnijder, Roland Liboton und Albert Zweifel bestimmt, die zusammen die letzten acht Titel gewonnen hatten. Nach unterschiedlichen Angaben wurden acht oder neun Runden gefahren. In der zweiten Runde verpatzte Stamsnijder einen Radwechsel und musste eine Runde lang Zweifel und Liboton hinterherjagen; Liboton hatte unterwegs Faustschläge von niederländischen Zuschauern einstecken müssen. Stamsnijder setzte sich nun an die Spitze des Trios und versuchte, den spurtstarken Liboton durch hohes Tempo zu zermürben, was ihm aber nicht gelang; auf der Zielgeraden erwies sich letzterer als zu stark für seine Begleiter und gewann seinen vierten Titel. Peter Frischknecht, der in seiner Karriere viermal Vizeweltmeister gewesen war, kam in seinem letzten WM-Rennen auf Platz 12.
Ergebnisse
Zwei Wochen nach der Veranstaltung wurde eine positive Dopingprobe von Ivan Messelis gemeldet, der bei den Amateuren den vierten Platz belegt hatte.[7] Der weitere Verlauf dieser Angelegenheit konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Heutige Datenbanken führen Messelis teils weiter auf dem vierten Platz, teils als disqualifiziert.
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Roland Liboton | 1:06:22 |
| 2 | Hennie Stamsnijder | gl. Zeit |
| 3 | Albert Zweifel | gl. Zeit |
| 4 | Robert Vermeire | + 0:19 |
| 5 | Johan Ghyllebert | + 0:53 |
| 6 | Reinier Groenendaal | + 1:09 |
| 7 | Paul De Brauwer | + 1:35 |
| 8 | Claude Michely | + 1:37 |
| 9 | Reimund Dietzen | + 1:59 |
| 10 | Cees van der Wereld | + 2:03 |
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Radomír Šimůnek | 1:05:24 |
| 2 | Miloslav Kvasnička | + 0:03 |
| 3 | Frank van Bakel | + 0:20 |
| 4 | Ivan Messelis | + 0:23 |
| 5 | Radovan Fořt | + 0:26 |
| 6 | Grzegorz Jaroszewski | + 0:41 |
| 7 | Mathieu Hermans | + 0:53 |
| 8 | Peter Hric | gl. Zeit |
| 9 | Hans Boom | + 0:55 |
| 10 | Ludo De Rey | gl. Zeit |
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | Ondrej Glajza | 48:05 |
| 2 | Robert Dane | + 0:16 |
| 3 | Richard Koberna | + 0:41 |
| 4 | Josef Jiřička | + 0:53 |
| 5 | Johan Reumer | gl. Zeit |
| 6 | Hans Hietbrink | + 1:11 |
| 7 | Dieter Runkel | + 1:28 |
| 8 | Johnny Blomme | + 1:42 |
| 9 | Henrik Djernis | + 1:44 |
| 10 | Beat Wabel | + 1:53 |
Weblinks
- Zeitungsberichte:
- Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 20. Februar 1984, Seite 52 (Digitalisat)
- Het Parool, Ausgabe vom 2. Juli 1982, Seite 15 (Digitalisat) und Seite 20 (Digitalisat)
- De Standaard, Ausgabe vom 20. Februar 1984, Seite 22 (Digitalisat)
- Rudé právo, Ausgabe vom 20. Februar 1984, Seite 7 (Digitalisat)
- Zusammenfassung des Profi-Rennens auf Sporza
- Ergebnislisten:
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 1984 in der Datenbank von Cyclocross24.com
- ProCyclingStats: Profis/Junioren, Amateure
Einzelnachweise
- ↑ Courrier de Genève, Ausgabe vom 23. August 1982, Seite 11 (Digitalisat)
- ↑ Limburgs Dagblad, Ausgabe vom 2. Juli 1982, Seite 17 (Digitalisat)
- ↑ Trouw, Ausgabe vom 14. Februar 1984, Seite 12 (Digitalisat)
- ↑ Jan Wiejak, der in einigen Datenbanken als US-Amerikaner ausgegeben wird, fuhr seinerzeit für Polen.
- ↑ Le Nouvelliste, Ausgabe vom 26. November 1983, Seite 19 (Digitalisat)
- ↑ a b Bieler Tagblatt, Ausgabe vom 17. Februar 1984, Seite 41 (Digitalisat)
- ↑ De Standaard, Ausgabe vom 7. März 1984, Seite 10, Spalte 8 (Digitalisat)
Koordinaten: 51° 45′ 4″ N, 5° 33′ 30″ O