Cyclocross-Weltmeisterschaften 2012

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2012 wurden am 28. und 29. Januar im belgischen Koksijde ausgetragen. Es war nach 1994 die zweite Austragung an diesem Ort.

Ablauf

Die Union Cycliste Internationale hatte die Ausrichtung drei Jahre zuvor an Koksijde übertragen.[1] Die Wettkämpfe fanden wie schon 1994 in den rückwärtigen Dünen des Küstenorts statt, wo jährlich der Duinencross Koksijde veranstaltet wurde. Gegenüber 1994 wurde der 2.930 m lange Parcours etwas nach Süden verlegt. Zentraler Bestandteil war die nach dem Sieger von 1994 benannte Herijgers-Düne, die pro Runde zweimal der Länge nach zu befahren war. Mit der so genannten „X-Düne“ gab es wenige hundert Meter vor dem Ziel ein weiteres Hindernis. Die Start- und Zielgerade lag auf dem Gelände des Militärflugplatzes Koksijde.[2] Zwei Monate vor den Weltmeisterschaften wurde ein Weltcup-Rennen am selben Ort gehalten.

Es beteiligten sich Fahrer aus 23 Nationen; ein aus der Türkei gemeldeter Teilnehmer ging letztlich nicht an den Start.[3] Der erste Tag war den Wettkämpfen für die jüngeren männlichen Altersklassen (Junioren, U23) gewidmet, der zweite den Elite-Wettkämpfen bei Frauen und Männern. Die Frauen fuhren fünf Runden, die Junioren sechs, die U23-Fahrer sieben und die Männer derer zehn.

Das Publikumsinteresse war immens. Die Organisatoren mussten den Verkauf von Eintrittskarten vorzeitig stoppen und zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten. Zum abschließenden Männerrennen kamen über 60.000 Zuschauer,[4] nach Polizeiangaben sogar mehr als 70.000 Menschen.[5]

Ergebnisse

Junioren

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Mathieu van der Poel 43:36
2 Belgien Wout van Aert + 0:08
3 Frankreich Quentin Jauregui + 0:21
4 Belgien Quinten Hermans gl. Zeit
5 Belgien Daan Soete gl. Zeit
6 Belgien Yorben Van Tichelt + 0:48
7 Deutschland Silvio Herklotz + 1:00
8 Belgien Daan Hoeyberghs + 1:25
9 Frankreich Romain Seigle + 1:32
10 Frankreich Victor Koretzky + 2:11

Die Weltmeisterschaften wurden mit dem Rennen der Junioren eröffnet. Klarer Favorit unter den 57 Fahrern war Mathieu van der Poel, der in seinem ersten Juniorenjahr fast alle seine Rennen gewonnen hatte. Er fand jedoch während der ersten Runden nur schwer ins Rennen und wurde mehrfach abgehängt, während Wout van Aert die Initiative übernahm. In der vierten Runde hatte sich van der Poel jedoch gefunden, fuhr einer Gruppe von vier Belgiern davon und hielt einen Vorsprung von 10 bis 15 Sekunden vor van Aert bis ins Ziel. Der dritte Platz ging an Quentin Jauregui, der Quinten Hermans und Daan Soete im Sprint schlug.[6][7]

Van der Poel war der erste Fahrer, der bereits in seinem ersten Jahr als Junior Weltmeister wurde. Die Ergebnisse van der Poels und van Aerts waren ein Vorzeichen für die folgenden Jahre, in denen diese beiden Fahrer das Geschehen beherrschen sollten, bald auch in den höheren Altersklassen.[8]

U23

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Lars van der Haar 49:20
2 Belgien Wietse Bosmans + 0:01
3 Niederlande Michiel van der Heijden + 0:04
4 Frankreich Arnaud Jouffroy + 0:05
5 Belgien Laurens Sweeck + 0:50
6 Polen Marek Konwa + 0:56
7 Niederlande Mike Teunissen + 1:03
8 Schweiz Arnaud Grand + 1:13
9 Frankreich David Menut gl. Zeit
10 Belgien Gianni Vermeersch + 1:28

Bei der U23 gab es mit Titelverteidiger Lars van der Haar ebenfalls einen Favoriten; während der Saison hatte dieser bereits die Europameisterschaften und den Weltcup gewonnen. In der ersten Runde setzte er sich zusammen mit dem belgischen Meister Wietse Bosmans auf der Herijgers-Düne vom übrigen Feld ab. In der fünften Runde konnte mit Michiel van der Heijden ein zweiter Niederländer anschließen. Speziell in der letzten Runde kam es zu harten Positionskämpfen zwischen den Niederländern einerseits und dem Belgier andererseits. Nach einem Fahrfehler van der Haars auf der X-Düne schien Bosmans die Oberhand zu gewinnen, doch kämpfte sich van der Haar nochmals an Bosmans’ Hinterrad und gewann auf der Zielgeraden den Sprint. Arnaud Jouffroy war durch die taktischen Geplänkel noch in Schlagweite der Spitzengruppe gekommen, konnte seine Position aber nicht mehr verbessern. Fünfter wurde Laurens Sweeck, der seine erste Saison in der U23 fuhr.[9][10]

Frauen

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Marianne Vos 41:04
2 Niederlande Daphny van den Brand + 0:37
3 Belgien Sanne Cant + 0:38
4 Niederlande Sanne van Paassen + 0:49
5 Vereinigte Staaten Katherine Compton + 0:53
6 Vereinigtes Konigreich Nikki Harris + 1:03
7 Niederlande Sophie de Boer + 1:05
8 Tschechien Kateřina Nash + 1:11
9 Schweiz Jasmin Achermann + 1:12
10 Frankreich Lucie Chainel-Lefèvre + 1:54

Das Frauenrennen mit 38 Teilnehmerinnen eröffnete den zweiten Tag. Die größten Favoritinnen waren Europameisterin und Weltcupsiegerin Daphny van den Brand sowie die Titelverteidigerin Marianne Vos. Die vierfache Weltmeisterin Hanka Kupfernagel war erstmals seit Beginn der Frauen-WM im Jahr 2000 nicht am Start.[11]

Vos fuhr ein souveränes Rennen, übernahm zur Mitte der ersten Runde die Führung und war bald außer Sichtweite der Konkurrenz. Eingangs der letzten Runde hatte sie einen Vorsprung von 50 Sekunden auf eine vierköpfige Gruppe mit van den Brand, Sanne Cant, Katherine Compton und Sanne van Paassen. Diese Gruppe blieb bis zur letzten Passage der X-Düne zusammen, wo sich Cant und van den Brand absetzten; letztere setzte sich im Sprint durch.

Vos wurde durch ihren fünften Titel zur alleinigen Rekordweltmeisterin. Van den Brand schloss ihre Karriere mit einer siebten WM-Medaille ab, während Cant die erste belgische Medaille bei den Frauen holte.[12]

Männer

Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Niels Albert 1:06:07
2 Belgien Rob Peeters + 0:24
3 Belgien Kevin Pauwels + 0:30
4 Belgien Tom Meeusen + 0:34
5 Belgien Bart Aernouts + 0:35
6 Belgien Klaas Vantornout + 1:09
7 Belgien Sven Nys + 1:11
8 Tschechien Radomír Šimůnek + 2:15
9 Deutschland Philipp Walsleben + 2:25
10 Schweiz Simon Zahner + 2:31

Waren die ersten drei Siege der Veranstaltung an die Niederlande gegangen, so geriet das abschließende Männer-Rennen zu einem einzigartigen Triumph der Gastgeber. Vor 60.000 bis 70.000 Zuschauern, zu denen auch der König Albert II. zählte, belegten die sieben Fahrer des Landes die ersten sieben Plätze. Einzig der tschechische Titelverteidiger Zdeněk Štybar und sein Landsmann Radomír Šimůnek konnten sich während der ersten Rennhälfte noch unter die Belgier mischen.

Niels Albert übernahm schon in der ersten Runde die Führung, baute seinen Vorsprung allmählich auf bis zu 50 Sekunden aus und gewann nach einer durchwachsenen Saison überlegen seinen zweiten Weltmeistertitel. Seine nächsten Verfolger war der Weltcupsieger Kevin Pauwels und später auch Sven Nys. Zwei Runden vor Schluss schlossen die vier übrigen belgischen Fahrer zu diesen beiden auf. Im Kampf um die Medaillen setzte sich etwas überraschend Rob Peeters vor Pauwels durch. Nys, der zwei Monate zuvor noch den Weltcup an gleicher Stelle gewonnen hatte, kam auf den siebten Platz. Beste ausländische Fahrer waren Šimůnek, Walsleben und Zahner über eine Minute hinter Nys, Štybar kam auf Rang 13.[5][13]

Albert wurde zum Ehrenbürger Koksijdes ernannt, die X-Düne ihm zu Ehren umbenannt.[14][15] Nys hingegen war von seinem erneuten Misserfolg so ernüchtert, dass er nie wieder bei einer Weltmeisterschaft antreten wollte.[16]

Commons: Cyclocross-Weltmeisterschaften 2012 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Cyclo-cross – Les Mondiaux 2012 à la ville belge de Coxyde. Le Télégramme, 29. Januar 2009; (französisch).
  2. Duinencross Koksijde keert terug naar iconische aankomst en voegt nog meer zand toe. Wielerflits, 18. Dezember 2025; (niederländisch).
  3. Championnat du monde Cyclo-Cross à Koksijde : les engagés. Sport Breizh, 26. Januar 2012; (französisch).
  4. Albert untouched in world championship race. Outside Magazine, 31. Januar 2012; (englisch).
  5. a b Albert leads Belgian domination. CyclingNews, 29. Januar 2012; (englisch).
  6. Topfavoriet Mathieu van der Poel wint WK veldrijden bij junioren. Gazet van Antwerpen, 28. Januar 2012; (niederländisch).
  7. Van der Poel grabs first world title. CyclingNews, 28. Januar 2012; (englisch).
  8. Het WK-verleden van Van der Poel en Van Aert. Sporza, 2. Februar 2023; (niederländisch).
  9. Van der Haar sprint naar nieuwe wereldtitel. Wielerflits, 28. Januar 2012; (niederländisch).
  10. Lars van der Haar bezorgt Nederland tweede wereldtitel. Het Laatste Nieuws, 28. Januar 2012; (niederländisch).
  11. Kupfernagel to skip cyclo-cross worlds. CyclingNews, 18. Januar 2012; (englisch).
  12. Vos unstoppable in retaining rainbow jersey. CyclingNews, 29. Januar 2012; (englisch).
  13. Cyclo-cross – Mondiaux-2012 – Elite: Albert champion des Belges. Le Point, 29. Januar 2012; (französisch).
  14. Koksijde onthult Niels Albert Duin. Het Nieuwsblad, 2. Juli 2012; (niederländisch).
  15. Albert II crowned king of the Belgians. CyclingNews, 30. Januar 2012; (englisch).
  16. "Mon second titre a changé beaucoup". DH, 30. Januar 2014; (französisch).

Koordinaten: 51° 6′ 6″ N, 2° 38′ 32″ O