Cyclocross-Weltmeisterschaften 1980

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1980 wurden am 26. und 27. Januar im schweizerischen Wetzikon ausgetragen. Die im Vorjahr noch getrennt organisierten Junioren-Wettkämpfe wurden in die Veranstaltung integriert.

Ablauf

Die Schweiz hatte die Ausrichtung vom Kongress des Radsport-Weltverbands UCI im November 1978 zugesprochen bekommen;[1] die Eidgenossenschaft war zum fünften Mal Gastgeber. Am Rande der WM 1979 wurde dann Wetzikon als Austragungsort bekanntgegeben.[2] Die Veranstaltung fiel in eine Zeit, in der die Schweiz in diesem Sport dominant war; Albert Zweifel, vierfacher Weltmeister von 1976 bis 1979, kam aus Rüti in der Nähe Wetzikons. Die Rennen wurden auf einem Parcours von 2.655 m Länge ausgetragen. Dieser befand sich entlang der Gemeindegrenze zwischen Wetzikon und Gossau rund um die Siedlungen Bönler und Allenberg; bei letzterer gab es eine steile Abfahrt. Am ersten Tag fuhren die Amateure acht Runden, am zweiten zunächst die Junioren sechs und anschließend die Profis neun Runden.[3] Das Gelände war schneebedeckt, doch hatten Niederschläge in den Tagen zuvor stellenweise für Schneematsch und Eis gesorgt.[4] Insgesamt 13 Nationalmannschaften beteiligten sich an den Wettkämpfen.

Bei den Amateuren gingen 44 Fahrer an den Start. Ivan Messelis übernahm früh die Führung, gefolgt von seinem Landsmann Paul De Brauwer und eine halbe Minute vor einem Schweizer Trio aus Fritz Saladin, Ueli Müller und Carlo Lafranchi, dem Sohn des gleichnamigen Schweizer Nationaltrainers. In der dritten Runde schlossen die Polen Andrzej Mąkowski und Grzegorz Jaroszewski zu den Schweizern auf. In der zweiten Rennhälfte bauten die Belgier, die unter der Kälte litten, ab. Saladin überholte erst De Brauwer, dann Messelis, die anschließend noch weitere Plätze einbüßten. Saladin wurde als erster Schweizer Amateur-Weltmeister, Mąkowski und Jaroszewski holten die ersten polnischen Medaillen der WM-Geschichte.

In der folgenden Nacht gab es einen Temperatursturz, und der Boden war nunmehr hartgefroren.[5] Das 40-köpfige Peloton der Junioren lieferte sich daher ein schnelles Rennen, das bis in die vorletzte Runde von einer acht Mann starken Gruppe angeführt wurde, bevor sich Radomír Šimůnek löste und klar gewann. Im Kampf um die übrigen Medaillen setzten sich Jokin Mujika und Bernard Woodtli durch.

Das Rennen der Profis schließlich fand mit 28 Teilnehmern vor etwa 30.000 Zuschauern statt. In der zweiten Runde bildete sich eine fünfköpfige Spitzengruppe aus Titelverteidiger Zweifel, den Ex-Amateurweltmeistern Klaus-Peter Thaler und Roland Liboton sowie Hennie Stamsnijder und Peter Frischknecht. Zweifel versuchte mehrfach, in der Allenberg-Abfahrt anzugreifen, da er eine Sprintentscheidung vermeiden wollte. Er stürzte jedoch in der fünften und nochmals in der siebten Runde, worauf Liboton eine Attacke setzte und seinen Vorsprung bis ins Ziel verteidigte. Thaler konnte sich im Sprint um den zweiten Platz vor Stamsnijder und einem resignierenden Zweifel durchsetzen, dessen Siegesserie ausgerechnet vor Heimpublikum gerissen war.

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Roland Liboton 1:01:17
2 Deutschland Klaus-Peter Thaler + 0:19
3 Niederlande Hennie Stamsnijder gl. Zeit
4 Schweiz Albert Zweifel + 0:22
5 Schweiz Peter Frischknecht + 1:25
6 Schweiz Erwin Lienhard + 2:20
7 Belgien André Geirlandt + 3:04
8 Belgien Robert Vermeire + 3:43
9 Frankreich Alex Gérardin + 4:15
10 Schweiz Gilles Blaser + 4:36
Amateure
Platz Name Zeit (h)
1 Schweiz Fritz Saladin 1:00:09
2 Polen Andrzej Mąkowski + 0:21
3 Polen Grzegorz Jaroszewski + 0:27
4 Schweiz Carlo Lafranchi + 0:32
5 Deutschland Dieter Uebing + 0:39
6 Italien Franco Vagneur + 1:32
7 Schweiz Ueli Müller + 1:41
8 Belgien Ivan Messelis + 1:56
9 Italien Vito Di Tano + 2:06
10 Belgien Paul De Brauwer + 2:11
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Tschechoslowakei Radomír Šimůnek 42:48
2 Spanien Jokin Mujika + 0:06
3 Schweiz Bernard Woodtli + 0:16
4 Deutschland Rigobert Matt + 0:18
5 Schweiz Hansjörg Winkler gl. Zeit
6 Belgien Eric Vanderaerden + 0:32
7 Deutschland Heinz Matschke + 0:46
8 Polen Tadeusz Krzyślak + 0:53
9 Deutschland Rudi Flierli + 1:08
10 Schweiz Ernst Weidmann + 1:34

Einzelnachweise

  1. Bieler Tagblatt, Ausgabe vom 25. November 1978, Seite 16 (Digitalisat)
  2. De Standaard, Ausgabe vom 29. Januar 1979, Seite 11, Spalte 2 unten (Digitalisat)
  3. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. Januar 1980, Seite 29 (Digitalisat)
  4. Thuner Tagblatt, Ausgabe vom 26. Januar 1980, Seite 17 (Digitalisat)
  5. Albert Zweifel ist eine Schweizer Legende. Neue Zürcher Zeitung, 25. Januar 2020;.

Koordinaten: 47° 18′ 27″ N, 8° 47′ 33″ O; CH1903: 702383 / 240507