Cyclocross-Weltmeisterschaften 1972
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1972 wurden am 27. Februar in Prag ausgetragen, und damit erstmals in der Tschechoslowakei. Es gab ein Rennen für Profis und eines für Amateure.
Ablauf
Ende 1970 hatte der Radsport-Weltverband UCI die Veranstaltung an die Tschechoslowakei vergeben,[1] es war die erste Austragung außerhalb Westeuropas. Seit Einführung eines Amateurrennens hatte sich die Tschechoslowakei jedes Mal an den Weltmeisterschaften beteiligt. Schauplatz war der Riegerpark (Riegrovy sady) im Stadtteil Vinohrady, Start- und Zielgerade die Chopinstraße (Chopinova ulice). Der Rundkurs war nach unterschiedlichen Angaben 2.520 oder 2.820 Meter lang und wurde von den Amateuren achtmal, von den Profis neunmal befahren und enthielt 123 Höhenmeter an Steigungen. Die Veranstaltung wurde von Eurovision und Intervision übertragen.[2][3]
Es nahmen 14 Nationen teil, gegenüber dem Vorjahr kamen Polen und Bulgarien hinzu. Während Polen auch in den folgenden Jahren stets teilnehmen sollte, war Bulgarien auf lange Sicht zum letzten Mal dabei. Es waren noch weitere „sozialistische Bruderländer“ angekündigt, unter anderem sollten die DDR und Ungarn sowie erstmals die Sowjetunion und Rumänien teilnehmen,[2][4] wozu es jedoch aus ungeklärten Gründen nicht kam. Bei den Profis galt Titelverteidiger Erik De Vlaeminck als großer Favorit, zumal sich sein größter Rivale Albert Van Damme mit einer Fußverletzung plagte. De Vlaemincks Vorgänger als Weltmeister, Renato Longo und Rolf Wolfshohl, waren inzwischen 34 bzw. 33 Jahre alt, Longo fuhr seine letzte Weltmeisterschaft.
Vor 12.000 Zuschauern gingen zunächst 54 Amateure an den Start. Miloš Fišera übernahm vor Heimpublikum sofort die Initiative und attackierte mehrmals, konnte sich aber nie vollständig absetzen. Ab der fünften Runde bildete er zusammen mit Norbert Dedeckere und Wolfgang Renner ein Spitzentrio etwa 15 Sekunden vor einer kleinen Verfolgergruppe, während der Titelverteidiger Robert Vermeire mit Defekt zurückfiel. Auf der letzten Runde attackierte Fišera erneut, wurde aber wieder eingeholt und verlor durch einen Radwechsel entscheidende Zeit. Dedeckere gewann letztlich um fünf Sekunden, Fišera konnte auf dem Schlussanstieg noch Renner überholen. Sein zweiter Platz bedeutete den ersten Medaillengewinn seines Landes bei den Weltmeisterschaften.
Das Profirennen, an dem nach unterschiedlichen Angaben zwischen 23 und 27 Fahrer teilnahmen, gestaltete sich weit weniger spannend. De Vlaeminck und Wolfshohl zogen schon in der ersten Runde der Konkurrenz davon, und ab der zweiten Runde lag De Vlaeminck allein in Führung. Wenngleich sein Vorsprung auf Wolfshohl nur langsam wuchs, geriet sein Sieg nie in Gefahr, und mit seinem sechsten Titel war er nunmehr alleiniger Rekordweltmeister. Wolfshohl kam mit knapp einer halben Minute Rückstand als Zweiter ins Ziel. Zwei Minuten dahinter wurde der Kampf um die Bronzemedaille von einer Vierergruppe ausgefochten, aus der sich Hermann Gretener durchsetzte. Van Damme kam trotz seiner Fußverletzung auf den vierten Platz vor José María Basualdo, dem Vizeweltmeister der Amateure im Vorjahr. Renato Longo belegte den 13. Platz.
Ergebnisse
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Erik De Vlaeminck | 1:08:04 |
| 2 | Rolf Wolfshohl | + 0:27 |
| 3 | Hermann Gretener | + 2:21 |
| 4 | Albert Van Damme | + 2:28 |
| 5 | José María Basualdo | + 2:30 |
| 6 | Julien Vanden Haesevelde | + 2:37 |
| 7 | André Wilhelm | + 3:37 |
| 8 | Michel Baele | + 3:58 |
| 9 | Peter Frischknecht | + 4:18 |
| 10 | José María González Pérez | + 4:20 |
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Norbert Dedeckere | 1:03:30 |
| 2 | Miloš Fišera | + 0:05 |
| 3 | Wolfgang Renner | + 0:11 |
| 4 | Ekkehard Teichreber | + 0:14 |
| 5 | Karl Stähle | + 0:15 |
| 6 | Gertie Wildeboer | + 0:26 |
| 7 | Pavel Krejčí | + 0:38 |
| 8 | Vojtěch Červínek | + 0:53 |
| 9 | Jiří Murdych | + 0:57 |
| 10 | Robert Vermeire | + 1:06 |
Weblinks
- Berichte über das Rennen:
- Luxemburger Wort, Ausgabe vom 28. Februar 1972, Seite 9 (Digitalisat)
- Der Bund, Ausgabe vom 28. Februar 1972, Seite 23 (Digitalisat)
- Rudé právo, Ausgabe vom 28. Februar 1972, Seite 8 (Digitalisat)
- Ergebnislisten:
- Offizielles Plakat der WM
Einzelnachweise
- ↑ Journal du Jura, Ausgabe vom 28. November 1970, Seite 8 (Digitalisat)
- ↑ a b Rudé právo, Ausgabe vom 26. Februar 1972, Seite 8 (Digitalisat)
- ↑ Bieler Tagblatt, Ausgabe vom 24. Februar 1972, Seite 12 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. Februar 1972, Seite 23 (Digitalisat)
Koordinaten: 50° 4′ 49″ N, 14° 26′ 28″ O