Cyclocross-Weltmeisterschaften 1966

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1966 wurden am 27. Februar im spanischen Beasain ausgetragen. Es gab ein Rennen in der offenen Kategorie, also für Profis und Amateure gleichermaßen.

Ablauf

Der Kongress des Radsport-Weltverbands UCI vergab auf seiner Tagung im März 1964 die Ausrichtung zunächst an Algerien.[1] Dies wäre die erste WM-Veranstaltung der UCI auf afrikanischem Boden gewesen, und die erste außerhalb Europas seit den Bahnradsport-Weltmeisterschaften 1912 in Newark. Algerien trat jedoch später von der Gastgeberrolle zurück, und im November 1965 sprang Beasain ein.[2] Der Ort hatte bereits nach der Organisation der spanischen Meisterschaften 1964 Ambitionen auf die WM kundgetan. Start und Ziel waren im Stadion am Ortsrand, der knapp 3 km lange Parcours war von steilen Anstiegen und Abfahrten geprägt und wurde achtmal gefahren. Die Veranstaltung wurde von Eurovision im Fernsehen übertragen.[3] Die Gesamtdistanz betrug 23 Kilometer.

Nach der vom Internationalen Olympischen Komitee erzwungenen und Ende 1965 erfolgten Aufteilung der UCI in einen Amateur- und einen Profiverband kam auch die Cyclocross-Weltmeisterschaft unter Druck, eine Unterscheidung zwischen Amateuren und Profis zu machen.[4][5] Da aber noch keine Zeit bestanden hatte, neue Regelungen zu schaffen, blieb vorerst alles beim Alten: Die 34 beteiligten Fahrer aus Algerien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien, maximal vier aus jedem Land, gehörten beiden Lagern an. Erstmals abwesend war Luxemburg, der Vorstand der FSCL hatte sich kurzfristig gegen eine Teilnahme entschieden.[6]

Das Rennen fand vor 20.000 bis 25.000 Zuschauern bei guten Wetterbedingungen statt. Zu Beginn bildete sich ein Spitzentrio aus den Weltmeistern der vergangenen sieben Jahre, Renato Longo und Rolf Wolfshohl, sowie Erik De Vlaeminck, den der italienische Trainer zuvor als Longos gefährlichsten Konkurrenten ausgemacht hatte. Eingangs der dritten Runde brach sich Longo durch einen Fahrfehler das Vorderrad und musste einen langen Weg bis zum Materialposten zu Fuß zurücklegen. Dadurch fiel er unwiederbringlich zurück und gab auf. Als es gegen Ende der fünften Runde bei der Zusammenarbeit zwischen Wolfshohl und De Vlaeminck haperte, schloss der amtierende Schweizer Meister Hermann Gretener zu den beiden auf und attackierte an einem Steilhang. De Vlaeminck konterte sogleich, während Wolfshohl, der eine zu hohe Übersetzung fuhr, den Anschluss verlor. Gretener litt auf der letzten Runde an schleichendem Luftverlust an einem Reifen, konnte sich aber auf dem zweiten Platz halten. De Vlaeminck, kurz vor seinem 21. Geburtstag stehend, wurde zum bis dahin jüngsten Weltmeister der WM-Geschichte.

Bis auf Longo beendeten alle Fahrer das Rennen. Die Länderwertung, die aus den Platzierungen der drei besten Fahrer jeder Nation errechnet wurde, gewann Belgien vor Italien, Deutschland und Spanien.

Ergebnisse

Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Erik De Vlaeminck 1:02:57
2 Schweiz Hermann Gretener + 0:12
3 Deutschland Rolf Wolfshohl + 0:17
4 Niederlande Huub Harings + 1:16
5 Italien Luciano Luciani + 1:32
6 Italien Amerigo Severini + 1:36
7 Belgien Freddy Nijs gl. Zeit
8 Deutschland Karl Stähle + 1:54
9 Spanien Antonio Barrutia + 1:58
10 Frankreich Michel Pelchat gl. Zeit

Einzelnachweise

  1. Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 9. März 1964 Nr. 4, Seite 1 (Digitalisat)
  2. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 15. November 1965, Seite 11 (Digitalisat)
  3. 55 años de la cita que mostró Beasain al mundo. El Diario Vasco, 27. Februar 2021; (spanisch).
  4. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 12. Februar 1966, Seite 22 (Digitalisat)
  5. Der Bund, Ausgabe vom 20. Februar 1966, Seite 15 (Digitalisat)
  6. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 24. Januar 1966, Seite 7 (Digitalisat)

Koordinaten: 43° 2′ 46″ N, 2° 12′ 46″ W