Cyclocross-Weltmeisterschaften 1985

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1985 wurden am 16. und 17. Februar in München ausgetragen.

Ablauf

Der Profi-Radsportverband FICP hatte im August 1983 die Bewerbung Deutschlands um die Austragung zur Annahme empfohlen,[1] was später von der UCI bestätigt wurde. Bereits Anfang 1984 stand München als Austragungsort fest.[2] Die Organisation vor Ort übernahm der RC Die Schwalben 1894.[3] Die Wettkämpfe fanden im Olympiapark statt, Start und Ziel waren im Olympiastadion. Die Länge des Parcours betrug 3.240 Meter,[4] er wurde je nach Kategorie unterschiedlich oft befahren. Zur Zeit der Wettkämpfe herrschte in München seit zwei Wochen strenger Winter, der Parcours war schneebedeckt und teils glattgefroren.[5] Den übermittelten Ergebnislisten zufolge beteiligten sich mindestens 14 Länder an den Wettkämpfen.

Bei den Amateuren, deren Rennen am ersten Tag stattfand, fehlte Titelverteidiger Radomír Šimůnek wegen einer Knieverletzung, ebenso sein Landsmann František Klouček,[6] während sich Miloš Fišera in die Bundesrepublik Deutschland abgesetzt hatte. Derart geschwächt blieben die Tschechoslowaken, die die vorangegangenen Jahren dominiert hatten, diesmal ohne Medaillen. In den ersten beiden Runden bildete sich ein Trio aus Mike Kluge, Frank van Bakel und Beat Schumacher, bevor Kluge in der dritten Runde einen siegreichen Alleingang startete.

Am zweiten Tag starteten zunächst die Junioren. Unter den 43 Fahrern setzten sich schnell Beat Wabel und Jürgen Sprich ab. In der fünften Runde konnte Wabel seinen Kontrahenten hinter sich lassen und gewann.

Bei den Profis fehlte der vierfache Ex-Weltmeister Albert Zweifel mit Bänderriss, während Klaus-Peter Thaler nach einjähriger Tätigkeit als Trainer ein Comeback machte.[4] Dieser bildete ab der ersten von acht Runden mit Titelverteidiger Roland Liboton, Claude Michely und Adrie van der Poel eine Spitzengruppe. Hennie Stamsnijder, Zweiter des Vorjahrs, hatte einen schlechten Start, zog sich während der Aufholjagd in der zweiten Runde eine Knieverletzung zu und wurde verletzt abtransportiert. In der fünften Runde verlor Liboton durch ein Problem mit seiner Kette den Anschluss. Er schien danach zu resignieren und endete als Zehnter. Bei den schwierigen Bodenverhältnissen konnte Thaler seine bessere Technik ausspielen und verschaffte sich den nötigen Vorsprung, um vor van der Poel und Michely zu gewinnen. Nach zwei Titeln bei den Amateuren (1973 und 1976) war er mit 35 Jahren erstmals Profi-Weltmeister. Michely gewann die erste Medaille der WM-Geschichte für Luxemburg. Von 29 gestarteten Fahrern beendeten 22 das Rennen.

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Deutschland Klaus-Peter Thaler 1:12:37
2 Niederlande Adrie van der Poel + 0:02
3 Luxemburg Claude Michely + 0:04
4 Niederlande Reinier Groenendaal + 0:20
5 Schweiz Marcel Russenberger + 0:24
6 Niederlande Henk Baars + 1:28
7 Frankreich Martial Gayant + 2:06
8 Italien Ottavio Paccagnella + 2:07
9 Schweiz Bernard Woodtli + 2:08
10 Belgien Roland Liboton + 2:24
Amateure
Platz Name Zeit (h)
1 Deutschland Mike Kluge 1:04:25
2 Schweiz Beat Schumacher + 0:26
3 Schweiz Bruno D’Arsié + 0:40
4 Tschechoslowakei Petr Klouček + 0:44
5 Niederlande Frank van Bakel + 0:55
6 Tschechoslowakei Peter Hric + 1:11
7 Italien Sandro Bono + 1:25
8 Polen Grzegorz Jaroszewski + 1:28
9 Danemark Henrik Djernis + 1:39
10 Niederlande Martin Hendriks + 1:50
Junioren
Platz Name Zeit (min)
1 Schweiz Beat Wabel 57:30
2 Deutschland Jürgen Sprich + 0:18
3 Niederlande Wim de Vos + 0:39
4 Tschechoslowakei Zdeněk Douša + 0:49
5 Polen Robert Bondaryk + 0:52
6 Schweiz Urs Güller + 1:06
7 Deutschland Kai-Uwe Richter + 1:08
8 Tschechoslowakei Martin Raufer + 1:25
9 Niederlande Marcel Gerritsen + 1:36
10 Belgien Chris David + 1:39

Einzelnachweise

  1. Thuner Tagblatt, Ausgabe vom 24. August 1983, Seite 13 (Digitalisat)
  2. Journal du Jura, Ausgabe vom 9. Januar 1984, Seite 10 (Digitalisat)
  3. Eine WM oder ein Weltcup in München wäre der Hammer. Süddeutsche Zeitung, 8. Juni 2023;.
  4. a b Walliser Bote, Ausgabe vom 14. Februar 1985, Seite 23 (Digitalisat)
  5. De Standaard, Ausgabe vom 16. Februar 1985, Seite 21 (Digitalisat)
  6. Le Nouvelliste, Ausgabe vom 14. Februar 1985, Seite 22 (Digitalisat)

Koordinaten: 48° 10′ 15″ N, 11° 33′ 3″ O