Cyclocross-Weltmeisterschaften 2008

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2008 wurden am 26. und 27. Januar in der Nähe von Treviso ausgetragen. Bei den Männern siegte Lars Boom, bei den Frauen Hanka Kupfernagel.

Ablauf

Die Union Cycliste Internationale vergab die Ausrichtung Anfang 2004 an Treviso.[1] Im Jahr zuvor war Enrico Franzoi U23-Weltmeister geworden, der dem Radsportclub UC Trevigiani aus Treviso angehörte. Dessen Präsident war der Unternehmer und Radsport-Mäzen Remo Mosole, dem das Veranstaltungsgelände gehörte, ein Sport- und Erholungszentrum am See Lage Le Bandie etwa zehn Kilometer nördlich der Stadt auf dem Gemeindegebiet von Spresiano.[2]

Im Rahmen des Weltcups 2006/2007 wurde auf dem Gelände ein Testlauf abgehalten, der GP Lago le Bandie, dem Francis Mourey und Marianne Vos gewannen.[3] Der dort ausgezeichnete Rundkurs war 3.252 m lang und bestand zu zwei Dritteln aus Wiesengelände und zu einem Drittel aus befestigten Wegen. Mehrere kurze, steile Anstiege am Seeufer waren zu überwinden, die Start- und Zielgerade befand sich auf einem ansteigenden Schotterweg. Der Eintritt zur Veranstaltung war kostenlos, es kamen über beide Tage rund 50.000 Zuschauer.

Am ersten Tag der Meisterschaften ermittelten die jüngeren männlichen Altersklassen (Junioren, U23) ihre Weltmeister. Am zweiten Tag fand zunächst das Rennen der Frauen und dann das der Männer statt. Frauen und Junioren fuhren je fünf Runden, die U23-Fahrer derer sieben und die Männer neun. Die Wettkämpfe fanden bei gutem Wetter und milden Temperaturen statt und wurden von Fahrern aus 21 Ländern bestritten, darunter erstmals aus Norwegen.

Ergebnisse

Junioren

Platz Name Zeit (min)
1 Frankreich Arnaud Jouffroy 40:30
2 Slowakei Peter Sagan + 0:01
3 Tschechien Lubomír Petruš + 0:04
4 Italien Elia Silvestri + 0:54
5 Schweiz Matthias Rupp + 0:55
6 Frankreich Pierre Garson + 1:07
7 Belgien Stef Boden + 1:08
8 Belgien Sean De Bie + 1:11
9 Frankreich Jonathan Cessot gl. Zeit
10 Vereinigte Staaten Luke Keough + 1:12

Nach der ersten Runde führten Lubomír Petruš und Marek Konwa das Rennen an, dann fiel letzterer durch ein technisches Problem zurück. Arnaud Jouffroy schloss zu Petruš auf, einige Sekunden dahinter kam Peter Sagan, der Rest des 62-köpfigen Felds hatte nach zwei Runden nichts mehr mit den Medaillenentscheidungen zu tun. Jouffroy verschaffte sich in der vierten Runde einen kleinen Vorsprung, wurde aber eingangs der Schlussrunde wieder eingeholt. Zur Mitte der Schlussrunde konnte er nach einem Fahrfehler Sagans wieder etwas Abstand von seinen Kontrahenten nehmen und diesen ins Ziel bringen.[4]

U23

Platz Name Zeit (min)
1 Belgien Niels Albert 51:11
2 Frankreich Aurélien Duval + 0:38
3 Italien Cristian Cominelli + 0:46
4 Frankreich Jonathan Lopez + 0:47
5 Frankreich Clément Bourgoin + 0:48
6 Tschechien Lukáš Klouček + 0:53
7 Italien Fabio Ursi + 1:05
8 Frankreich Guillaume Perrot + 1:31
9 Deutschland Paul Voß + 1:39
10 Niederlande Ramon Sinkeldam gl. Zeit

Von den drei Fahrern, die im Vorjahr das U23-Rennen beherrscht hatten, waren Lars Boom und Zdeněk Štybar altersbedingt in die Elite aufgerückt, so dass Niels Albert als großer Favorit galt. Er wurde dieser Rolle gerecht, übernahm schon früh in der ersten Runde die Führung und fuhr ein einsames Rennen bis ins Ziel.

Den Rest des Felds führten lange Zeit Jonathan Lopez und Lukáš Klouček an, 10 bis 15 Sekunden vor einer größeren Verfolgergruppe. In der vorletzten Runde überbrückten Aurélien Duval, Cristian Cominelli und Clément Bourgoin die Lücke zu Lopez und Klouček. Duval und Cominelli setzten sich im Kampf um die verbliebenen Medaillen durch.[4]

Frauen

Platz Name Zeit (min)
1 Deutschland Hanka Kupfernagel 45:15
2 Niederlande Marianne Vos + 0:13
3 Frankreich Laurence Leboucher + 0:17
4 Kanada Christel Ferrier-Bruneau + 0:26
5 Frankreich Maryline Salvetat + 0:52
6 Niederlande Mirjam Melchers-Van Poppel + 0:58
7 Kanada Wendy Simms + 1:04
8 Niederlande Daphny van den Brand + 1:09
9 Vereinigte Staaten Rachel Lloyd + 1:23
10 Frankreich Caroline Mani + 1:42

Am Start waren alle fünf Fahrerinnen, die bis dahin eine WM gewonnen hatten: Hanka Kupfernagel, Laurence Leboucher, Daphny van den Brand, Maryline Salvetat und Marianne Vos. Letztere war in der Saison nur die niederländischen Meisterschaften gefahren, musste deshalb von einem hinteren Startplatz ins Rennen gehen und verlor in der ersten Runde eine halbe Minute auf die Spitze des Rennens. Die Vizeweltmeisterin des Vorjahrs, Katherine Compton, gab wegen einer nicht ausgeheilten Muskelverletzung vorzeitig auf.

Zu Beginn der zweiten Runde setzten sich Kupfernagel und Christel Ferrier-Bruneau von der Spitzengruppe ab, und in der dritten Runde schüttelte Kupfernagel ihre Begleiterin ab. Vos hatte sich inzwischen auf den dritten Platz vorgearbeitet, gefolgt von Leboucher. Die beiden konnten auf der letzten Runde noch Ferrier-Bruneau überholen. Kupfernagels Sieg kam jedoch nicht mehr in Gefahr, sie wurde zum vierten Mal Weltmeisterin. Vos wurde Zweite, Leboucher gewann zum Abschluss ihrer Karriere nochmals die Bronzemedaille. Salvetat kam auf den fünften Platz, van den Brand auf den achten.[5]

Männer

Platz Name Zeit (h)
1 Niederlande Lars Boom 1:05:27
2 Tschechien Zdeněk Štybar + 0:05
3 Belgien Sven Nys + 0:06
4 Belgien Erwin Vervecken + 0:09
5 Tschechien Radomír Šimůnek + 0:10
6 Italien Marco Aurelio Fontana gl. Zeit
7 Belgien Sven Vanthourenhout gl. Zeit
8 Schweiz Christian Heule + 0:12
9 Frankreich John Gadret gl. Zeit
10 Belgien Klaas Vantornout gl. Zeit

Neben den belgischen Fahrern, die die letzten sieben Weltmeisterschaften gewonnen hatten, galten auch Lars Boom und Zdeněk Štybar als Favoriten. Diese waren im Jahr zuvor noch in der U23 aktiv gewesen und hatten in ihrer ersten Elite-Saison bereits Weltcuprennen gewonnen.

Lange Zeit blieb eine ungewöhnlich große Spitzengruppe zusammen, Attacken einzelner Fahrer wurden immer wieder schnell neutralisiert. In der vorvorletzten Runde stürzten Francis Mourey und Bart Wellens in einer Abfahrt, Mourey musste das Rennen aufgeben. Beim letzten Zieldurchgang lagen noch 20 Fahrer innerhalb von 10 Sekunden.

Zu Beginn der letzten Runde attackierte Boom und verschaffte sich einen Vorsprung vor mehreren Sekunden auf eine Gruppe mit Titelverteidiger Erwin Vervecken, Sven Nys und Zdeněk Štybar, in der freilich Vervecken die meiste Arbeit verrichtete und die Lücke allein nicht schließen konnte. Boom gewann um fünf Sekunden vor Štybar und Nys, die Vervecken übersprintet hatten.[6] Die ersten zehn Fahrer lagen innerhalb von 12 Sekunden. Boom hatte damit nach 2003 (Junioren) und 2007 (U23) in allen drei Altersklassen gewonnen.

Einzelnachweise

  1. Pressemitteilung der UCI vom 2. Februar 2004 (Memento vom 26. März 2004 im Internet Archive)
  2. Remo Mosole compie 90 anni, il sogno: «Inaugurare il Velodromo di Spresiano». Treviso Today, 19. Januar 2024; (italienisch).
  3. Autunno, è tempo di ciclocross A Le Bandie la Coppa del Mondo. Il Giornale, 29. Oktober 2006; (italienisch).
  4. a b When Peter Sagan Raced Cyclocross: 2008 Cyclocross World Championships, Junior and Espoir Favorites Rule in Treviso. Cyclocross Magazine, 28. Januar 2015; (englisch).
  5. Live Coverage of 2008 Cyclocross World Championships in Treviso – Women’s Race. Cyclocross Magazine, 27. Januar 2008; (englisch).
  6. Lars Boom haalt Belgen uit hun roes. Het Nieuwsblad, 28. Januar 2008; (niederländisch).

Koordinaten: 45° 45′ 11″ N, 12° 16′ 53″ O