Cyclocross-Weltmeisterschaften 1979

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1979 waren die 30. Austragung dieser Wettkämpfe und fanden in zwei Teilen statt. Die Hauptveranstaltung war am 27. und 28. Januar im italienischen Saccolongo nahe Padua, wo es die Läufe für Profis und für Amateure gab. Am 18. Februar wurde im spanischen Ordizia erstmals ein Junioren-Weltmeister ermittelt.

Hauptveranstaltung

Im August 1977 vergab der Kongress des Radsport-Weltverbands UCI die Ausrichtung nach Italien. Zugleich wurde beschlossen, die seit 1976 bestehenden Junioren-Europameisterschaften ab 1979 in Weltmeisterschaften umzuwandeln.[1] In Saccolongo fanden jedoch zunächst nur die üblichen Wettkämpfe für erwachsene Profis und Amateure statt, erstmals getrennt an zwei Tagen. Die italienische Post gab anlässlich der Veranstaltung zwei Sondermarken heraus.[2]

Der Großteil des Parcours lag in den Wiesen nahe des Flusses Bacchiglione. Bis auf die Besteigung des Flussdeichs war er völlig flach. Der ursprünglich vorgesehene Rundkurs war 3,1 km lang, davon führten 2,4 km durch Weide- und Ackerland.[3] Durch wochenlanges schlechtes Wetter war dieses jedoch quasi unpassierbar geworden, und schon vor dem Rennen setzte deutliche Kritik ein. Rolf Wolfshohl und Carlo Lafranchi, Betreuer der deutschen bzw. schweizerischen Mannschaft, sprachen von Schande oder Skandal, und die belgische Mannschaft erwägte einen Boykott; ohne Fahrrad sei der Parcours leichter zurückzulegen.[4][5] Kurzfristig wurden noch einige Hindernisse ausgebaut und die Passage eines Maisfelds aus dem Programm gestrichen, so dass die Amateure noch 19,5 und die Profis 22 km zurückzulegen hatten.

Bei den Amateuren traten 47 Fahrer aus 13 Nationen an, darunter in Person von Bruno Bulić erstmals aus Jugoslawien. Das Rennen fand bei strömendem Regen statt, und etwa drei Viertel der Strecke mussten zu Fuß zurückgelegt werden. Titelverteidiger Roland Liboton kam mit den Verhältnissen nicht zurecht und endete abgeschlagen auf dem 13. Platz. Hennie Stamsnijder führte während der ersten fünf Runden, hatte aber nie mehr als 30 Sekunden Vorsprung. In der sechsten Runde kam Vito Di Tano stark auf und überholte den erschöpften Stamsnijder vor allem durch seine läuferische Leistung. Die vier polnischen Fahrer gewannen zwar keine Medaillen, platzierten sich aber alle unter den ersten Zehn, so dass sie die Mannschaftswertung für sich entschieden.

Tags darauf schien die Sonne, und das Profirennen fand vor 25.000 Zuschauern statt, darunter waren allein 4.000 aus der Schweiz gekommen. Ungeachtet der Witterungsbedingungen war die Strecke noch klebriger geworden und zudem vom vorherigen Rennen aufgewühlt, so dass die 27 Starter aus 9 Ländern noch längere Strecken laufen mussten. Klaus-Peter Thaler gab das Rennen frühzeitig auf, ebenso die Ex-Weltmeister und Brüder Erik und Roger De Vlaeminck, für die es das letzte WM-Rennen ihrer Karriere gewesen sein sollte. Vom Start weg führten die beiden Schweizer Albert Zweifel und Peter Frischknecht und bauten kontinuierlich ihren Vorsprung auf Robert Vermeire aus; der fünffache Ex-Weltmeister der Amateure war im Alter von 34 Jahren zu den Profis gewechselt. Er wurde nach drei Runden von Gilles Blaser überholt, so dass es nach einem Schweizer Dreifachsieg aussah. In der vorletzten Runde erlitt Frischknecht jedoch einen Achillessehnenriss (entgegen ersten Meldungen nicht durch äußere Einwirkung[6]) und wurde ins Krankenhaus transportiert.

Zweifel wurde zum vierten Mal in Folge Weltmeister, sein Vorsprung von 4:03 Minuten auf Blaser war der größte in der Geschichte der Weltmeisterschaften, und mit fast anderthalb Stunden war das Rennen die längste und langsamste WM-Ausgabe. Mit 17 Minuten Abstand kam Lucien Zeimes als Siebter ins Ziel, er war der letzte nicht überrundete Fahrer und war als erster Luxemburger seit Charly Gaul 1962 unter den besten Zehn. Der Brite Eric Stone, Zehnter mit einer Runde Rückstand, verlor im Ziel vor Erschöpfung das Bewusstsein.

Zwei Wochen nach dem Rennen stellte sich die Dopingprobe des drittplatzierten Robert Vermeire als positiv heraus, sein Teamarzt hatte ihm vor dem Rennen ein schmerzstillendes Mittel gegeben.[7] Er wurde von der UCI in der Folge disqualifiziert, die nachfolgenden Fahrer rückten jedoch nicht auf.[8] Sowohl von der UCI als auch vom belgischen Radsportverband wird Vermeire weiter auf dem dritten Platz, aber mit der Bemerkung deklassiert geführt.[9][10]

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Schweiz Albert Zweifel 1:28:33
2 Schweiz Gilles Blaser + 4:03
DSQ Belgien Robert Vermeire + 8:21
4 Belgien Jan Teugels + 9:27
5 Schweiz Erwin Lienhard + 10:33
6 Schweiz Richard Steiner + 12:18
7 Luxemburg Lucien Zeimes + 17:08
8 Spanien Juan Gorostidi überrundet
9 Italien Giuseppe Fatato überrundet
10 Vereinigtes Konigreich Eric Stone überrundet
Amateure
Platz Name Zeit (h)
1 Italien Vito Di Tano 1:10:17
2 Niederlande Hennie Stamsnijder + 0:41
3 Schweiz Ueli Müller + 1:06
4 Italien Franco Vagneur + 1:11
5 Polen Tadeusz Steinke + 1:14
6 Polen Mieczysław Cielecki + 1:21
7 Niederlande Herman Snoeijink + 1:39
8 Polen Grzegorz Jaroszewski + 1:50
9 Polen Andrzej Mąkowski + 2:07
10 Schweiz Fritz Saladin + 2:19

Junioren-Weltmeisterschaft

Die Weltmeisterschaft der Junioren fand am 18. Februar in Ordizia statt, in der zeitgenössischen Berichterstattung auch Villafranca de Ordizia genannt, in dessen Nachbarorten Tolosa und Beasain die Weltmeisterschaften 1960 bzw. 1966 stattgefunden hatten. Über den Parcours ist bekannt, dass er knapp 2,5 km lang war, sechsmal befahren wurde und die Passage eines Fußballfelds beinhaltete.[11]

Es beteiligten sich 35 Fahrer aus 10 Nationen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, die Schweiz, Spanien und die Tschechoslowakei. Offenbar war auch eine Delegation aus Polen angereist,[12] die aus unbekannten Gründen nicht an den Start ging.

Das Rennen fand vor 8.000 bis 10.000 Zuschauern statt. In der ersten Runde führte Heinz Matschke vor Iñaki Vijandi und Bart Musschoot. Vijandi attackierte in der zweiten Runde und gewann in der Folge überlegen das Rennen. Matschke musste in der vierten Runde auch Musschoot ziehen lassen und wurde Dritter. Vijandi war der erste und bislang einzige spanische Weltmeister im Cyclocross, über alle Kategorien hinweg.

Platz Name Zeit (min)
1 Spanien Iñaki Vijandi 50:43
2 Belgien Bart Musschoot + 0:58
3 Deutschland Heinz Matschke + 1:35
4 Tschechoslowakei Radomír Šimůnek + 1:53
5 Spanien Jokin Mújika + 1:54
6 Belgien Eddy De Bie + 2:07
7 Schweiz Kurt Meier + 2:15
8 Niederlande Nico Verhoeven + 2:34
9 Deutschland Heino Pöhlmann + 2:44
10 Belgien Eric Vanderaerden + 3:03

Einzelnachweise

  1. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. August 1977, Seite 16 (Digitalisat)
  2. 1979 – Campionati Mondiali di Ciclocross. Amphil.it, abgerufen am 26. Dezember 2025 (italienisch).
  3. De Standaard, Ausgabe vom 24. Januar 1979, Seite 17 (Digitalisat)
  4. Thurgauer Zeitung, Ausgabe vom 26. Januar 1979, Seite 25 (Digitalisat)
  5. De Standaard, Ausgabe vom 27. Januar 1979, Seite 15 (Digitalisat)
  6. Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe vom 29. Januar 1979, Seite 31 (Digitalisat)
  7. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 13. Februar 1979, Seite 13 (Digitalisat)
  8. Bieler Tagblatt, Ausgabe vom 23. April 1979, Seite 19 (Digitalisat)
  9. UCI-Liste der WM-Podiums 1950–2001 (Memento vom 25. August 2004 im Internet Archive)
  10. Palmares Veldrijden. Belgischer Radsportverband, 10. Februar 2025, S. 14; (niederländisch, französisch).
  11. El Mundo Deportivo, Ausgabe vom 18. Februar 1979, Seite 25 (Digitalisat)
  12. El Mundo Deportivo, Ausgabe vom 16. Februar 1979, Seite 25 (Digitalisat)

Koordinaten: 45° 24′ 24″ N, 11° 44′ 43″ O