Cyclocross-Weltmeisterschaften 1977

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1977 wurden am 30. Januar in Hannover ausgetragen, das zum zweiten Mal nach 1961 Gastgeber dieser Wettkämpfe war.

Ablauf

Die Ausrichtung der Weltmeisterschaften waren vom Kongress des Radsport-Weltverbands UCI im August 1975 an Deutschland übertragen worden.[1] Zuvor hatte die UCI erwogen, die Wettkämpfe für Profis und Amateure ab 1977 wieder zusammenzulegen, was eine Mehrheit der Verbände jedoch ablehnte.[2][3] Bald darauf entschied sich der Bund Deutscher Radfahrer für eine Austragung im Raum Hannover, wobei ursprünglich auch Barsinghausen in Frage kam. Die Kosten wurden auf 100.000 DM geschätzt.[4] Die Organisation übernahm der Radsport-Verein Grün-Weiß Hannover von 1925, für den seinerzeit mit Klaus Jördens einer der besten deutschen Fahrer aktiv war. Start und Ziel waren wie 1961 im Niedersachsenstadion, in dessen Umgebung ein 2,6 km langer Rundkurs errichtet war. Dieser wurde von den Amateuren achtmal bewältigt, von den Profis neunmal.[5]

Wenige Tage vor dem Ereignis waren 14 Länder gemeldet, außer den traditionellen europäischen Radsportnationen beteiligten sich die USA und Kanada.[6] Kurzfristig kam noch Polen hinzu. Alle 15 Länder traten mit insgesamt 49 Fahrern im Amateurrennen an, das um 13 Uhr begann; der Weltmeister des Vorjahrs, Klaus-Peter Thaler, war jedoch zu den Profis gewechselt. Robert Vermeire attackierte in der dritten Runde und gewann überlegen seinen fünften Titel. Hinter ihm hielt sich lange Zeit Dieter Uebing auf dem zweiten Platz, wurde aber in der vorletzten Runde von Vojtěch Červínek und Ekkehard Teichreber ein- und schließlich überholt. Teichreber setzte sich im Endspurt um die Silbermedaille durch.

Mit 33 Fahrern aus 9 Ländern war das Feld der Profis so groß wie noch nie seit der Trennung von den Amateuren. Der siebenfache Ex-Weltmeister Erik De Vlaeminck war nach Abwesenheit im Vorjahr wieder am Start, ebenso der Titelverteidiger Albert Zweifel. Dieser griff gleich in der ersten Runde an, wurde aber in der dritten von De Vlaeminck sowie Peter Frischknecht eingeholt. In der fünften Runde konterte Zweifel eine Attacke De Vlaemincks und konnte seinen Vorsprung allmählich ausbauen. Schärfster Verfolger war sein eigener Landsmann Frischknecht, der Zweifels wiederholten Sieg jedoch nicht verhindern konnte. Der Titelträger von 1974, Albert Van Damme, kam bei seinem letzten WM-Auftritt auf den fünften Platz; er hatte seit 1961, ebenfalls in Hannover, an jeder WM teilgenommen. Der Vorjahresdritte André Wilhelm, gesundheitlich angeschlagen, gab unterwegs auf. Etwa 10.000 Zuschauer hatten das Rennen vor Ort verfolgt.

Ergebnisse

Profis
Platz Name Zeit (h)
1 Schweiz Albert Zweifel 1:04:15
2 Schweiz Peter Frischknecht + 0:28
3 Belgien Erik De Vlaeminck + 1:11
4 Schweiz Willi Lienhard + 2:05
5 Belgien Albert Van Damme + 2:17
6 Belgien Marc De Block + 2:35
7 Niederlande Gertie Wildeboer + 3:13
8 Schweiz Hermann Gretener + 3:39
9 Deutschland Klaus-Peter Thaler + 3:45
10 Schweiz Richard Steiner + 4:28
Amateure
Platz Name Zeit (min)
1 Belgien Robert Vermeire 56:12
2 Deutschland Ekkehard Teichreber + 0:26
3 Tschechoslowakei Vojtěch Červínek gl. Zeit
4 Deutschland Dieter Uebing + 0:32
5 Tschechoslowakei Miloš Fišera + 0:46
6 Frankreich Jean-Yves Plaisance + 0:58
7 Frankreich Alex Gérardin gl. Zeit
8 Deutschland Heinz Weis + 1:05
9 Italien Franco Vagneur + 1:15
10 Tschechoslowakei Jiří Kvapil gl. Zeit

Einzelnachweise

  1. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 19. August 1975, Seite 11 (Digitalisat)
  2. De Standaard, Ausgabe vom 30. Januar 1975, Seite 16, Spalte 7 (Digitalisat)
  3. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. Juli 1975, Seite 20 (Digitalisat)
  4. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 21. Oktober 1975, Seite 11 (Digitalisat)
  5. Die Tat, Ausgabe vom 27. Januar 1977, Seite 10 (Digitalisat)
  6. Luxemburger Wort, Ausgabe vom 26. Januar 1977, Seite 13 (Digitalisat)

Koordinaten: 52° 21′ 36″ N, 9° 43′ 52″ O