Cyclocross-Weltmeisterschaften 1967
Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 1967 wurden am 19. Februar in Zürich ausgetragen. Erstmals wurden die Weltmeister bei Profis und Amateuren getrennt ermittelt.
Ablauf
Der Kongress des Radsport-Weltverbands UCI vergab auf seiner Tagung Anfang März 1965 in Genf die Organisation der Veranstaltung an die Schweiz.[1] Nach der internen Aufteilung der UCI in einen Amateur- und einen Profiverband, die Ende 1965 erfolgt war, gab es zunehmenden Druck einiger Länder, die Cyclocross-Weltmeisterschaften entweder in einen reinen Amateur-Wettbewerb zu verwandeln oder getrennte Rennen abzuhalten.[2][3] Die UCI entschied sich schließlich für letztere Lösung.[4][5]
Die Wettkämpfe fanden auf der Allmend Brunau statt. Amateure hatten sieben und Profis acht Runden eines drei Kilometer langen Rundkurses zurückzulegen. Fünfmal pro Runde ging es, meist laufend, den Hang bzw. in den Wald hinauf und wieder hinab. Vier Materialdepots standen zum Tausch der Räder zur Verfügung.[6] Der Kurs, der bereits als schwer galt, wurde nachts durch Regen weiter aufgeweicht.
Das neue Amateurrennen sorgte für eine Rekordteilnahme, es beteiligten sich 16 Landesverbände. Aus dem Ostblock kamen mit Bulgarien, der DDR, Polen und der Tschechoslowakei vier Mannschaften, die zuletzt gefehlt hatten; insbesondere die Tschechoslowaken sollten sich zu erfolgreichen Stammgästen bei der WM entwickeln. Mit Dänemark und Österreich waren zwei westliche Länder erstmals vertreten; alle genannten Nationen beteiligten sich wie auch Algerien ausschließlich am Amateurwettkampf. Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, die Niederlande, die Schweiz, Spanien und Westdeutschland entsandten Fahrer in beide Rennen. Pro Rennen und Mannschaft waren vier Fahrer zugelassen, was bei den Profis aber nicht von allen Ländern ausgeschöpft wurde. Letztlich stellten sich 57 Amateure dem Start und, nach unterschiedlichen Angaben, 23 bis 25 Profis.
Das Rennen der Amateure führten in der Anfangsphase die Franzosen Jean Gérardin und Michel Pelchat an, gefolgt von Enrico Sfolcini, dahinter eine Dreiergruppe mit Peter Frischknecht, Julien Vanden Haesevelde und Franco Livian. In der dritten Runde setzte sich Pelchat von seinem Landsmann ab, und im Schlussdrittel wurden erst Sfolcini, dann Géradin von ihren Verfolgern eingeholt. Vanden Haesevelde setzte sich im Kampf um Silber durch, Frischknecht kam trotz eines Sturzes in der letzten Runde auf den dritten Platz. 50 teils überrundete Fahrer beendeten das Rennen, sieben gaben unterwegs auf. Die Teilnahme Pelchats am Amateurrennen sorgte vor und nach dem Rennen für Kontroversen, da er das Jahr als Profi bei einer Schweizer Mannschaft begonnen und anschließend in Frankreich eine Amateurlizenz gelöst hatte. Deutschland, Luxemburg und die Schweiz legten Protest ein.[7][8]
Die Profis hatten neben der schon schweren und aufgeweichten Strecke noch mit dem Umstand zu kämpfen, dass das Terrain zuvor von den Amateuren zerwühlt worden war. Renato Longo dominierte das Rennen vom Start weg und gewann ungefährdet seinen fünften Weltmeistertitel. Hinter ihm taten sich bis dahin in einem Weltmeisterschaftsrennen nicht gesehene Abstände auf: Rolf Wolfshohl gewann mit knapp vier Minuten Rückstand die Silbermedaille, Hermann Gretener als Dritter kam über neun Minuten nach Longo ins Ziel. Es folgten Emanuel Plattner und der geschlagene Titelverteidiger Erik De Vlaeminck, alle anderen Fahrer wurden überrundet. Einzig bei der WM 1979 sollte der Sieger einen noch größeren Abstand zum Zweiten haben. 20 Fahrer wurden klassiert, die übrigen gaben auf. Nach unterschiedlichen Angaben verfolgten zwischen 12.000 und 20.000 Zuschauer die Veranstaltung. Die Nationenwertung beider Wettbewerbe gewann Italien.
Ergebnisse
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Renato Longo | 1:17:32 |
| 2 | Rolf Wolfshohl | + 3:49 |
| 3 | Hermann Gretener | + 9:14 |
| 4 | Emanuel Plattner | + 9:34 |
| 5 | Erik De Vlaeminck | + 11:48 |
| 6 | Huub Harings | überrundet |
| 7 | Giovanni Bettinelli | überrundet |
| 8 | Luciano Luciani | überrundet |
| 9 | Manuel Nava | überrundet |
| 10 | André Foucher | überrundet |
| Platz | Name | Zeit (h) |
|---|---|---|
| 1 | Michel Pelchat | 1:10:36 |
| 2 | Julien Vanden Haesevelde | + 2:20 |
| 3 | Peter Frischknecht | + 2:44 |
| 4 | Jean Gérardin | + 2:52 |
| 5 | Franco Livian | + 2:57 |
| 6 | Pierre Bernet | + 3:18 |
| 7 | Enrico Sfolcini | + 3:40 |
| 8 | Luigi Torresani | + 3:52 |
| 9 | Karl Stähle | + 4:41 |
| 10 | Ernst Boller | gl. Zeit |
Weblinks
- Berichte über das Rennen:
- Luxemburger Wort, Ausgabe vom 20. Februar 1967, Seite 11 (Digitalisat)
- Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 20. Februar 1967, Seiten 9 und 10 (Digitalisat)
- Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe von 20. Februar 1967, Seite 25 (Digitalisat)
- Ergebnislisten:
Einzelnachweise
- ↑ Der Bund, Ausgabe vom 8. März 1965, Seite 19 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 12. Februar 1966, Seite 22 (Digitalisat)
- ↑ Der Bund, Ausgabe vom 20. Februar 1966, Seite 15 (Digitalisat)
- ↑ Neue Zürcher Nachrichten, Ausgabe vom 12. Mai 1966, Seite 13 (Digitalisat)
- ↑ Tribune de Genève, Ausgabe vom 20. September 1966, Seite 21 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 18. Februar 1967, Seite 19 (Digitalisat)
- ↑ Luxemburger Wort, Ausgabe vom 25. Februar 1967, Seite 21 (Digitalisat)
- ↑ Zürich 1967: Der bezahlte Amateur gewinnt die Goldmedaille. Swiss Cycling, 16. Januar 2020.
Koordinaten: 47° 21′ 10″ N, 8° 31′ 4″ O; CH1903: 681544 / 245210