Piano & A Microphone 1983

Piano & A Microphone 1983
Studioalbum von Prince

Veröffent-
lichung

21. September 2018

Aufnahme

September 1983

Label(s) NPG Records / Warner Bros. Records

Format(e)

CD, Download, LP

Genre(s)

Contemporary R&B, Funk, Pop

Titel (Anzahl)

9

Länge

34:19

Besetzung

s. Mitwirkende

Produktion

Michael Howe (Executive Producer)

Studio(s)

Kiowa Trail Home Studio (Chanhassen)

Chronologie
Purple Rain Deluxe
(2017)
Piano & A Microphone 1983 Originals
(2019)
Singleauskopplung
27. September 2018 17 Days (Piano Version)

Piano & A Microphone 1983 (englisch für „Klavier und ein Mikrofon 1983“) ist das erste postum veröffentlichte Studioalbum von Prince, das am 21. September 2018 bei NPG Records in Kooperation mit Warner Bros. Records erschien. Die neun enthaltenen Songs nahm Prince bereits im September 1983 auf; diese Fassungen waren zuvor unveröffentlicht. Nach One Nite Alone … (2002) handelt es sich um sein zweites Akustikalbum, auf dem er alle Stücke ausschließlich auf dem Klavier interpretiert.

Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk und Pop zuzuordnen und greift zudem Elemente aus Blues und Jazz auf. Inhaltlich behandeln die Liedtexte Themen wie Einsamkeit, Ekstase, Erlösung, Liebe, Romantik, Sehnsucht, Sinnlichkeit und Sünde. Piano & A Microphone 1983 wurde von Musikkritikern überwiegend positiv aufgenommen; kommerziell erreichte das Album in mehreren Ländern Top-Ten-Platzierungen, blieb international jedoch ohne Gold- oder Platinstatus.

Entstehung

Alle neun Songs spielte Prince im Spätsommer oder Frühherbst 1983 in seinem damaligen privaten Tonstudio Kiowa Trail Home Studio in Chanhassen (Minnesota) ein und nahm sie auf einer TDK-C60-Kompaktkassette auf.[1][2] Eine Veröffentlichung dieser Fassungen erfolgte damals nicht; die Stücke Cold Coffee & Cocaine, Mary Don’t You Weep, Wednesday und Why the Butterflies waren zuvor auf keinem seiner Alben enthalten.

Die übrigen fünf Songs hatte Prince zuvor mit Musikinstrumenten aufgenommen und – mit Ausnahme von A Case of You – in deutlich abweichenden Versionen auf seinen Alben veröffentlicht. International Lover nahm er am 14. Januar 1982 im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles auf und veröffentlichte den Song im Oktober 1982 auf 1999. Strange Relationship entstand am 14. März 1983 im Kiowa Trail Home Studio,[3] wurde mehrfach überarbeitet und erschien schließlich im März 1987 auf Sign “☮” the Times. Die Stücke 17 Days und Purple Rain spielte Prince im Sommer 1983 in einer Lagerhalle namens The Warehouse in St. Louis Park in der Metropolregion Minneapolis–Saint Paul ein;[4][5] 17 Days erschien als B-Seite der im Mai 1984 ausgekoppelten Single When Doves Cry, Purple Rain im Juni 1984 auf dem gleichnamigen Album.

Erste Fassungen von A Case of You und Wednesday nahm Prince im Spätsommer 1983 im Kiowa Trail Home Studio auf. Wednesday überarbeitete er am 23. Oktober 1983 und plante den Song zunächst für das Album Purple Rain,[6] entfernte ihn jedoch später von der Tracklist. Zudem existiert eine bis heute (2026) unveröffentlichte Version mit Jill Jones als Hauptsängerin. Das genaue Aufnahmedatum von A Case of You ist nicht bekannt; im Frühjahr 2001 überarbeitete Prince das 1971 von Joni Mitchell geschriebene Stück in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen und veröffentlichte es im Mai 2002 auf One Nite Alone …, wobei diese Fassung der auf Piano & A Microphone 1983 ähnelt.

Prince stand von 1978 bis 1999 bei Warner Bros. Records unter Vertrag. Nach seinem überraschenden Tod im April 2016 hinterließ er kein Testament, das die Urheberrechte an seinen Songs regelte; folglich besaß Warner bis 2021 die Rechte an sämtlichen von ihm vor 1995 geschriebenen oder veröffentlichten Songs.

Am 7. Juni 2018, Prince’ 60. Geburtstag, kündigte Troy Carter (* 1972), damaliger Berater von The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“), das Album Piano & A Microphone 1983 an. Zur Entstehung erklärte er, es handele sich um eine rohe und zugleich intime Aufnahme aus der Zeit unmittelbar vor Prince’ internationalem Durchbruch, deren reduziertes Format an die „Piano & A Microphone Tour 2016“ erinnere, mit der Prince seine Karriere beendete.[7] Diese letzte Tournee absolvierte Prince ohne Begleitband und spielte sämtliche Songs ausschließlich auf dem Klavier.

Gestaltung des Covers

Die CD erscheint in einer aufklappbaren Papphülle; das Frontcover zeigt ein Schwarzweißfoto von Prince aus dem Jahr 1983. Die Aufnahme stammt von dem aus Minneapolis (Minnesota) stammenden Fotografen Allen Beaulieu (* 1952), der Prince während der 1999-Tour vom 11. November 1982 bis zum 10. April 1983 begleitete.[8] Das Foto zeigt Prince sitzend vor einem Spiegel im Backstagebereich eines Konzerts. Beaulieu fotografierte zudem die Albencover von Dirty Mind (1980) und Controversy (1981).[9]

Die Innenseite der Papphülle enthält den von Prince handschriftlich verfassten Liedtext zu 17 Days; auf der Rückseite ist die Tracklist abgedruckt. Das ausfaltbare Booklet umfasst insgesamt sechs Seiten und zeigt ein weiteres Schwarzweißfoto von Prince aus dem Jahr 1983 aus dem Archiv von The Prince Estate. Zudem ist dort der handschriftliche Liedtext zu Strange Relationship abgedruckt, den Prince mit dem Titel „Strange Relations“ versah. Die Liedtexte der übrigen Songs sind nicht enthalten.

Das „Limited Edition Deluxe Set“ enthält das Album sowohl auf CD als auch auf LP. Das Booklet im Format eines Schallplattencovers umfasst zwölf Seiten; die Liner Notes stammen von Don Batts (* 1961), Jill Jones und Lisa Coleman. Batts arbeitete von 1980 bis 1983 als Toningenieur für Prince, Jones von 1982 bis 1989 mit ihm zusammen, und Coleman war von 1982 bis 1986 Mitglied seiner Begleitband The Revolution. Neben Prince’ handschriftlichen Liedtexten zu 17 Days und Strange Relationship ist auch jener zu International Lover abgedruckt. Zudem enthält das Booklet zwei weitere Schwarzweißfotos aus dem Jahr 1983, die in der CD-Ausgabe nicht enthalten sind. Ergänzend liegt dem Deluxe-Set ein Schwarzweißposter des auch im CD-Booklet verwendeten Fotos bei.[10]

Musik und Liedtexte

Piano & A Microphone 1983 ist ein Akustikalbum, auf dem Prince sämtliche Songs ausschließlich auf dem Klavier interpretiert. Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk und Pop zuzuordnen und greift zudem Elemente aus Blues und Jazz auf. Die ersten sieben Stücke sind in der Reihenfolge ihrer ursprünglichen Aufnahme angeordnet.[7] Prince’ Klavierspiel wirkt stellenweise improvisiert und spontan; gelegentliches Schniefen sowie hörbare Pedalbewegungen verstärken die intime Atmosphäre.[11][12]

Die Liedtexte thematisieren Einsamkeit, Ekstase, Erlösung, Liebe, Romantik, Sehnsucht, Sinnlichkeit und Sünde. Mitunter murmelt Prince einzelne Passagen, sodass die Texte stellenweise nicht eindeutig verständlich sind. Neben seinem charakteristischen Falsettgesang setzt er auch tiefere Stimmlagen ein.

  1. 17 Days
    Vor Beginn des Klavierspiels äußert Prince die Anweisung „Ist das mein Echo? Gib mir das authentischere“, wobei unklar bleibt, an wen sie gerichtet ist. Zwar äußert sich Toningenieur Don Batts in den Liner Notes zu allgemeinen Aufnahmesessions mit Prince, doch arbeitete er nur bis Juli 1983 mit ihm zusammen und war an der Aufnahme von Piano & A Microphone 1983 nachweislich nicht beteiligt. Anschließend beginnt Prince mit einem funkartigen Klaviermotiv aus zwei sich wiederholenden Akkorden und gibt nach zwölf Sekunden („Kannst du das Licht etwas dimmen?“) sowie nach 1:32 Minuten („Mach die Stimme etwas leiser“) weitere Anweisungen. Inhaltlich schildert der Liedtext Prince’ Einsamkeit nach der Trennung von seiner Freundin vor 17 Tagen; zudem fordert er Regen als Metapher, der seine Traurigkeit fortwaschen soll. Sporadisch ist Prince im Song auch beim Beatboxing zu hören.
  2. Purple Rain
    Die knapp eineinhalb Minuten lange Piano-Version wirkt skizzenhaft und unterscheidet sich deutlich von Purple Rain aus dem Jahr 1984. Prince singt lediglich wenige Textzeilen, die geringfügig von der später veröffentlichten Fassung abweichen: „Never meant to cause you any sorrow. Never meant to cause you pain. I only wanted to one time to see you laughing, yeah. I only wanted to see you in the purple rain. Purple Rain, Purple Rain“.
  3. A Case of You
    Die Originalversion schrieb Joni Mitchell 1971 und veröffentlichte sie auf ihrem Album Blue. Wie bei seiner Coverversion üblich, setzt Prince erst mit der Textzeile „I am a lonely painter“ ein und trägt lediglich knapp die Hälfte des Original-Liedtextes vor, den er überwiegend im Falsett singt.
  4. Mary Don’t You Weep
    Das Negro Spiritual wurde 1915 erstmals von den afroamerikanischen Fisk Jubilee Singers aufgenommen und später vielfach neu interpretiert, unter anderem von Aretha Franklin (1972) und Bruce Springsteen (2006).[13] Der Liedtext des Gospel-Stücks ist der christlichen Musik zuzuordnen und basiert im Wesentlichen auf drei biblischen Erzählungen: den Schwestern Maria von Bethanien und Martha von Bethanien, dem Auszug aus Ägypten sowie Gottes Versprechen an Noah nach der Sintflut.[14] Prince folgt in seiner vom Blues inspirierten Coverversion der Melodie des Originals, weicht jedoch stark vom etablierten Liedtext ab und konzentriert sich nahezu ausschließlich auf eine emotionale Dekonstruktion des Refrains. Zudem integrierte er mit „I guess you know me well, I don't like winter“ Textpassagen aus Strange Relationship.[15]
  5. Strange Relationship
    In der von Blues und Jazz geprägten Version spielt Prince den Song in der Tonart Moll; der Rhythmus fungiert dabei als prägendes musikalisches Element. Der Liedtext beschreibt eine von Hassliebe bestimmte Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann, aus der keiner der beiden als Sieger hervorgeht.
  6. International Lover
    Die ruhige Ballade enthält eine kurze Interpolation des Stücks Do Me, Baby aus dem Album Controversy (1981). Prince schnieft, setzt erneut Beatboxing ein und singt den von der Verführung einer Frau handelnden Liedtext durchgehend im Falsett; stellenweise ist er zudem mit wortlosem Gesang zu hören.
  7. Wednesday
    Die von Jazz geprägte, skizzenhaft wirkende Ballade singt Prince erneut im Falsett. Der Liedtext thematisiert Einsamkeit sowie Gedanken an Ausweglosigkeit und innere Verzweiflung; exemplarisch singt er von nächtlicher Isolation und suizidalen Gedanken. Nach 1:53 Minuten deutet er das Ende der A-Seite der Kompaktkassette an, indem er fragt: „Willst du es umdrehen?“, ohne dass klar wird, an wen sich diese Bemerkung richtet.
  8. Cold Coffee & Cocaine
    Das von Blues und Jazz geprägte Stück singt Prince mit einer kratzig-rauen Stimme, die er „Jamie Starr“ nannte, einem von ihm in den Jahren 1981 bis 1983 verwendeten Pseudonym. Den humoristisch angelegten Liedtext trägt er lispelnd vor; inhaltlich schildert er seine Überdrüssigkeit gegenüber einer Frau, die ihm lediglich „kalten Kaffee und Kokain“ serviere und deren Äußeres er nicht mehr ertragen könne.
  9. Why the Butterflies
    Zu Beginn der dem Jazz zuzuordnenden Ballade tastet sich Prince mit vereinzelten Akkorden auf der Klaviatur voran, bevor er einen dissonanten, repetitiven Cluster etabliert. Das Tempo bestimmt er durch Fingerschnippen und Fußklopfen. Der kryptische Liedtext besteht aus unbeantworteten Fragen, etwa nach innerem Zittern, Wirbeln und „Schmetterlingen“. Why the Butterflies war zuvor auf Prince-Bootlegs unter dem Titel Mama bekannt.[16]

Titelliste und Veröffentlichungen

# Titel Dauer
1 17 Days a 6:22
2 Purple Rain b 1:26
3 A Case of You c 1:40
4 Mary Don’t You Weep d 4:42
5 Strange Relationship 2:38
6 International Lover 3:48
7 Wednesday 1:59
8 Cold Coffee & Cocaine 5:13
9 Why the Butterflies 6:26
Spieldauer: 34:19 min.
Autor aller Songs ist Prince
a 
Autor: Prince, Dr. Fink, Lisa Coleman, Wendy Melvoin
b 
Autor: Prince and The Revolution
c 
d 
Autor: unbekannt

Piano & A Microphone 1983 wurde weltweit am 21. September 2018 veröffentlicht.[17] Das Album erschien auf CD, LP und als Download. Eine 180-g-Vinyl-Ausgabe listet auf Seite A die ersten sieben Songs als Medley mit einer Spieldauer von 22:38 Minuten, während auf Seite B lediglich Cold Coffee & Cocaine und Why the Butterflies enthalten sind. Darüber hinaus ist ein „Limited Edition Deluxe Set“ erhältlich, das das Album auf CD und LP umfasst.

Singles

Noch vor der Albumveröffentlichung im Jahr 2018 wurden zwei Songs als Download über verschiedene Musikstreaming-Anbieter bereitgestellt: am 7. Juni Mary Don’t You Weep und am 13. September Why the Butterflies.

Zudem erschien am 27. September 2018 17 Days (Piano Version) als Vinyl-Single über die deutsche Oktober-Ausgabe 2018 des Musikmagazins Rolling Stone.[17] Der Song blendet nach 3:14 Minuten aus und ist damit rund drei Minuten kürzer als die Albumversion. Als B-Seite enthält die Veröffentlichung die Singleversion von 1999, die ursprünglich im September 1982 aus dem Album 1999 ausgekoppelt worden war.

Musikvideos

Bereits 1984 erschien ein Musikvideo zu Purple Rain, das dem gleichnamigen Film entnommen ist; diese Fassung unterscheidet sich jedoch deutlich von der auf Piano & A Microphone 1983 enthaltenen Version.

Im Jahr 2018 entstanden zwei Musikvideos zu Mary Don’t You Weep. Ende Juni wurde ein mit dem Song unterlegter Trailer für den Film BlacKkKlansman von Regisseur Spike Lee veröffentlicht; zudem ist das Stück im Abspann des Films zu hören.[17] Ende August folgte ein eigens in einem Studio in New York City produziertes Musikvideo mit weiteren Filmszenen aus BlacKkKlansman und einer Spieldauer von 6:42 Minuten. Bereits 1996 hatte Prince mit Spike Lee zusammengearbeitet und den Soundtrack Girl 6 zu dessen gleichnamigem Film beigesteuert. Weitere Musikvideos zu Songs von Piano & A Microphone 1983 existieren nicht.

Coverversionen

Abgesehen von A Case of You und Mary Don’t You Weep, die Prince selbst als Coverversionen interpretierte, wurden mit 17 Days und Purple Rain zwei auf Piano & A Microphone 1983 enthaltene Stücke von anderen Musikern neu eingespielt.[18][19][20] 17 Days coverte unter anderem Living Colour im Jahr 1993, während Purple Rain beispielsweise von Randy Crawford (1995), Etta James (2006), David Garrett (2017) und Dolly Parton (2023) neu interpretiert wurde.

Mitwirkende

Musiker

Alle Songs wurden von Prince arrangiert und produziert sowie – mit Ausnahme von A Case of You und Mary Don’t You Weep – auch komponiert. Darüber hinaus spielte er sämtliche Stücke selbst auf dem Klavier.[21]

Technisches Personal

Rezensionen

Professionelle Bewertungen
Durchschnittsbewertung
Quelle Bewertung
AOTY[22] 80 %
Weitere Bewertungen
Quelle Bewertung
AllMusic[23]
The Guardian[24]
Rolling Stone (USA)[25]
Der Spiegel[26]
Wilson & Alroy’s Record Reviews[27]

Piano & A Microphone 1983 wurde von Musikkritikern überwiegend positiv aufgenommen, wobei insbesondere die intime musikalische Atmosphäre hervorgehoben wurde. Die Website Album of the Year (AOTY) errechnete auf Grundlage von 18 englischsprachigen Rezensionen eine Durchschnittsbewertung von 80 %.[22]

Andreas Borcholte von Der Spiegel vergab die Höchstwertung von zehn Punkten und bezeichnete das Album als „eine Offenbarung“, die „funkelt und berührt“ und mit „Bedacht und Sorgfalt“ zusammengestellt sei. Die Intimität der Aufnahme sei stellenweise so ausgeprägt, dass man sich als Hörer beinahe unbeabsichtigt einbezogen fühle. Als Beispiele nannte er 17 Days und International Lover; den Höhepunkt des Albums sah er jedoch in Cold Coffee & Cocaine, da der Song Prince sowohl als „versierten Musiker und Songwriter“ als auch als „wandelbaren (und humorbegabten) Performer“ zeige. Abschließend resümierte Borcholte, Prince fehle.[26]

Dave Simpson von The Guardian vergab die Höchstwertung von fünf Sternen und hob hervor, dass Prince’ Fähigkeiten als Pianist im Vergleich zu seinem „phänomenalen Talent als Gitarrist“ häufig unterschätzt würden. Auf Piano & A Microphone 1983 präsentiere er sich am Klavier in Höchstform; Einflüsse aus Gospel, Klassik, Funk und Jazz flössen mühelos zusammen. Simpson bemerkte, Prince hätte vermutlich sogar „Chopin auf einer Gießkanne spielen können“. Strange Relationship erscheine als „unwiderstehlicher Skelett-Embryo“, während International Lover sich zu einer „Vocal Masterclass“ entwickle. Insgesamt lieferten die Aufnahmen weitere Belege für Prince’ „kolossales Talent“.[24]

Kory Grow vom US-Musikmagazin Rolling Stone bewertete Piano & A Microphone 1983 mit vier von fünf Sternen. Das Album biete „einen faszinierenden Blick auf eine Seite von Prince’ Brillanz“, deren Existenz 1983 kaum erkennbar gewesen sei. Grow beschrieb Prince’ Spiel als „locker, freilaufend und impressionistisch“. Von Purple Rain seien lediglich „90 federleichte Sekunden“ zu hören, während Mary Don’t You Weep als „gefühlvolle Interpretation“ hervorgehoben werde. Cold Coffee & Cocaine charakterisierte er als „jähzornige Bluesnummer im Ray-Charles-Stil“, in zurückhaltenden Momenten wie A Case of You wirke Prince hingegen „verletzlich“. Zwar sei das Album „nicht perfekt“, da Rhythmus und Gesang stellenweise schwankten, doch gerade dies trage zu seiner besonderen Eindringlichkeit bei.[25]

Stephen Thomas Erlewine von AllMusic bewertete Piano & A Microphone 1983 mit dreieinhalb von fünf Sternen und beschrieb das Album als „entwaffnend locker“. Zwar herrsche „ein gewisses Maß an Intimität“, jedoch keine Musikproduktion, „von der man sprechen“ könne. Gleichzeitig weise die Aufnahme aufgrund ihrer klanglichen Klarheit „Merkmale einer Studioaufnahme“ auf. Trotz der bereits auf anderen Prince-Alben veröffentlichten Songs 17 Days, Purple Rain und Strange Relationship sei das Album weder als „Demo-Session“ einzuordnen noch als bloße Skizze zu verstehen. Vielmehr wirke es, „als ob der Zuhörer Prince beim Schaffen belausche“, weshalb es für Erlewine „keine wertvollere Wiederveröffentlichung als diese“ gebe.[23]

Eine deutlich abweichende Einschätzung vertraten die Musikkritiker Wilson und Alroy, die Piano & A Microphone 1983 lediglich mit einem von fünf Sternen bewerteten. Die Songs seien „das allerletzte Material“, das Fans hören wollten; über rund 35 Minuten höre man Prince dabei zu, wie er auf dem Klavier „Melodien durchspielt“. Als Beigabe einer Deluxe-Edition des gerüchteweise angekündigten Piano & A Microphone 2016 hätte das Album funktionieren können, als eigenständige Veröffentlichung sei es jedoch „so unzureichend, dass es eher schockierend als enttäuschend ist“, resümierten Wilson und Alroy.[27]

Kommerzieller Erfolg

Chartplatzierungen

ChartsChart­plat­zie­rungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)[28]12 (3 Wo.)3
 Österreich (Ö3)[29]10 (3 Wo.)3
 Schweiz (IFPI)[30]6 (5 Wo.)5
 Vereinigtes Königreich (OCC)[31]12 (1 Wo.)1
 Vereinigte Staaten (Billboard)[32]11 (2 Wo.)2

Die Vinyl-Single 17 Days (Piano Version) der deutschen Oktober-Ausgabe des Musikmagazins Rolling Stone aus dem Jahr 2018 wurde nicht in internationalen Hitparaden geführt.

Musikverkäufe

Piano & A Microphone 1983 erreichte weltweit Verkaufszahlen von rund 100.000 Exemplaren;[33] Auszeichnungen für einen Gold- oder Platinstatus sind nicht bekannt.

Preise

Das Musikvideo zu Mary Don’t You Weep gewann am 13. Mai 2019 bei den Webby Awards den Preis in der Kategorie „Music Video“.[34]

Literatur

  • Allen Beaulieu: Prince – Before the Rain. Minnesota Historical Society Press, Kanada 2018, ISBN 978-1-68134-121-7.
  • Arthur Lizie: Prince FAQ: All That’s Left to Know About the Purple Reign. Backbeat Books, Guilford (Connecticut) 2020, ISBN 978-1-61713-670-2.
  • Duane Tudahl: Prince and the Purple Rain Era Studio Sessions 1983 and 1984 (Expanded Edition). Rowman & Littlefield, London 2018, ISBN 978-1-5381-1462-9.

Einzelnachweise

  1. Tudahl (2018), S. 220.
  2. Jon Bream: Prince insiders dish on first album released from storied Paisley Park vault. In: startribune.com. 20. September 2018, abgerufen am 18. Juli 2022 (englisch).
  3. Tudahl (2018), S. 40.
  4. Tudahl (2018), S. 104.
  5. Tudahl (2018), S. 133.
  6. Tudahl (2018), S. 187. und S. 193.
  7. a b Am 21.09. erscheint das Album “Piano & A Microphone 1983” mit neun bisher unveröffentlichten Aufnahmen. In: warnermusic.de. 7. Juni 2018, abgerufen am 18. Juli 2022.
  8. Beaulieu (2018), S. 140.
  9. Beaulieu (2018), S. 22. u. S. 70.
  10. Booklet vom Limited Edition Deluxe Set Piano & A Microphone 1983 von Prince, Warner Bros. Records / NPG Records, 2018
  11. Jon Pareles: Alone in the Studio in 1983, Prince Is Revealed. In: nytimes.com. 19. September 2018, abgerufen am 30. Juli 2025 (englisch).
  12. Randy Lewis: Review: Prince’s ‘Piano & a Microphone 1983’ showcases his musical brilliance. In: latimes.com. 21. September 2018, abgerufen am 30. Juli 2025 (englisch).
  13. Tudahl (2018), S. 190.
  14. Jerome Weeks: ‘O Mary Don’t You Weep’ – From Gospel To Protest Song To Rockin’ Stomp. In: artandseek.org. 15. Februar 2021, abgerufen am 30. Juli 2025 (englisch).
  15. Mary Don’t You Weep (Piano & a Microphone 1983 Version). In: genius.com. 2025, abgerufen am 30. Juli 2025 (englisch).
  16. Prince – Intimate Moments with Prince. In: discogs.com. 2025, abgerufen am 30. Juli 2025 (englisch).
  17. a b c Lizie (2020), S. 317.
  18. Prince auf Cover.Info
  19. Prince auf SecondHandSongs
  20. Prince auf WhoSampled
  21. Begleitheft der CD Piano & A Microphone 1983 von Prince, Warner Bros. Records / NPG Records, 2018
  22. a b Prince – Piano & A Microphone 1983. In: albumoftheyear.org. 2026, abgerufen am 3. Januar 2026 (englisch).
  23. a b Stephen Thomas Erlewine: Piano & a Microphone 1983 – Prince. In: allmusic.com. 2025, abgerufen am 19. Januar 2025 (englisch).
  24. a b Dave Simpson: Prince: Piano & a Microphone 1983 review – revelatory listen from a colossal talent. In: theguardian.com. 21. September 2018, abgerufen am 2. März 2023 (englisch).
  25. a b Kory Grow: Review: Prince’s ‘Piano & A Microphone 1983’ is a Revealing Snapshot of the Pop Genius in His Prime. In: rollingstone.com. 21. September 2018, abgerufen am 2. März 2023 (englisch).
  26. a b Andreas Borcholte: Ach, er fehlt. In: spiegel.de. 25. September 2018, abgerufen am 2. März 2023.
  27. a b David Bertrand Wilson und John Alroy: Piano & A Microphone 1983 (rec. 1983, rel. 2018). In: warr.org. 2018, abgerufen am 2. März 2023 (englisch).
  28. Prince. offiziellecharts.de, abgerufen am 18. Juli 2022.
  29. Prince. austriancharts.at, abgerufen am 18. Juli 2022.
  30. Prince. hitparade.ch, abgerufen am 18. Juli 2022.
  31. Prince. officialcharts.com, abgerufen am 18. Juli 2022 (englisch).
  32. Prince – Chart History. billboard.com, abgerufen am 18. Juli 2022 (englisch).
  33. Guillaume Vieira: Part 3 – EPs, Lives, Boxes, Non-traditional Studio albums. In: chartmasters.org. 4. Oktober 2018, abgerufen am 10. März 2025 (englisch).
  34. Mary Don’t You Weep. In: webbyawards.com. 2024, abgerufen am 10. Dezember 2024 (englisch).