Controversy (Album)
| Controversy | |||||||||
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| Studioalbum von Prince | |||||||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
Frühjahr 1981 – 23. August 1981 | ||||||||
| Label(s) | Warner Bros. Records | ||||||||
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Format(e) |
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Titel (Anzahl) |
8 | ||||||||
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37:15 | |||||||||
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Besetzung |
s. Mitwirkende | ||||||||
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Prince | |||||||||
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Studio(s) |
Hollywood Sound Recorders (Los Angeles) | ||||||||
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Controversy (englisch für Kontroverse) ist das vierte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 14. Oktober 1981 bei Warner Bros. Records. Stilistisch ist das Album den Genres Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock zuzuordnen. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Alben behandeln die Liedtexte nicht mehr ausschließlich sexuelle Themen, sondern greifen vereinzelt auch gesellschaftskritische Inhalte auf. Als Gastmusikerin wirkte Lisa Coleman mit.
Controversy wurde von Musikkritikern überwiegend positiv bewertet und erreichte kommerziell im Vereinigten Königreich Goldstatus sowie in den USA Platinstatus.
Als Tiefpunkt in Prince’ Karriere gelten zwei Konzerte zur Musikpromotion der Albumveröffentlichung im Oktober 1981 im Vorprogramm von The Rolling Stones, bei denen er vom Publikum ausgebuht wurde. Die anschließende Controversy-Tour war hingegen kommerziell erfolgreich.
Entstehung
Im Frühjahr 1981 bezog Prince ein Ranch-style House in Chanhassen (Minnesota), in dem er bis Januar 1985 lebte.[1] Sein Toningenieur Don Batts installierte ein 16-Spur-Tonstudio, das bereits für die Aufnahmen zu Dirty Mind (1980) genutzt worden war, und aktualisierte Prince’ Equipment. Im Wohnzimmer des ersten Stockwerks platzierte Prince ein neues Klavier, das mit seinem privaten Heimstudio im Untergeschoss verkabelt war. Den Sommer 1981 verbrachte er überwiegend in dem Heimstudio namens Kiowa Trail Home Studio mit Aufnahmen, wie Schlagzeuger Bobby Z. bestätigte: „Kein Alkohol, keine Drogen. Nichts. Er spielte zwölf Stunden am Tag Musik und hatte ein paar Freundinnen. Das war es.“[2]
Alle acht Songs von Controversy nahm Prince 1981 auf. Das Titelstück sowie Annie Christian, Ronnie Talk to Russia und Sexuality entstanden im Frühjahr und Sommer im Kiowa Trail Home Studio. Zudem überarbeitete er Do Me, Baby und Let’s Work: Do Me, Baby war bereits im Februar 1978 in den Music Farm Studios in New York City aufgenommen worden, wobei sein früherer Schulfreund und Bandmitglied André Cymone (* 27. Juni 1958) den Hauptgesang übernahm. Let’s Work hatte Prince ursprünglich im Juli 1979 unter dem Titel Let’s Rock im Mountain Ears Studio in Boulder (Colorado) eingespielt. Unmittelbar danach wollte er das Stück als Single veröffentlichen, ohne ein Album folgen zu lassen; Warner Bros. Records lehnte dies ab. Später bezeichnete Prince diese Meinungsverschiedenheit als eines der ersten Male, bei denen er sich in seiner künstlerischen Freiheit durch das Tonträgerunternehmen eingeschränkt fühlte.[3]
In der zweiten Augustwoche 1981 reiste Prince nach Los Angeles (Kalifornien), um die Albumaufnahmen von Controversy im Tonstudio Hollywood Sound Recorders fortzusetzen. Er spielte den Song Jack U Off ein, doch nach wenigen Tagen traten technische Probleme auf, sodass er ab dem 14. August für zehn Tage das nahegelegene Tonstudio Sunset Sound mietete. Bobby Z. und Keyboarder Dr. Fink wurden aus Minneapolis (Minnesota) eingeflogen, um Prince bei Jack U Off zu unterstützen. Als Toningenieurin fungierte Peggy McCreary, die bis 1986 an einigen Prince-Aufnahmen beteiligt war. Am 16. August 1981 nahm Prince mit Private Joy das letzte Stück für das Album auf, wobei er erstmals einen Linn LM-1 Drumcomputer einsetzte. Dadurch war er künftig noch weniger auf Mithilfe anderer Musiker oder Techniker angewiesen. Ursprünglich hieß der Song Dear Uncle George, wurde jedoch von Prince in Private Joy umbenannt.[4][5]
Im August 1981 mischte Prince alle zuvor aufgenommenen Songs für Controversy im Sunset Sound ab und ergänzte sie mit Overdubs. Lisa Coleman, die damals in Los Angeles lebte, übernahm die Backing Vocals im Titelstück und in Ronnie, Talk to Russia. Am 23. August 1981 stellte Prince das Album im Sunset Sound endgültig fertig.[6]
Im Herbst 1981 nahm Prince im Kiowa Trail Home Studio das Acapella-Stück The Second Coming auf, das als Intro seiner Controversy-Tour diente, jedoch bis heute (2026) auf keinem Tonträger veröffentlicht wurde.[7] Die Maxiversion von Let’s Work spielte Prince am 8. Dezember 1981 im Sunset Sound ein.[8]
Gestaltung des Covers
Auf dem Frontcover ist Prince in einem lavendelfarbenen Trenchcoat mit Nieten zu sehen; ein Anstecker trägt die Aufschrift „Rude Boy“ („unhöflicher Junge“). Auf Vorder- und Rückseite des Covers sind erfundene Fake News der fiktiven Zeitung The Controversy Daily abgedruckt, darunter „Annie Christian Sentenced to Die!“, („Annie Christian zum Tode verurteilt!“), „President Signs Gun Control Act“ („Präsident unterzeichnet Waffenkontrollgesetz“) und „Lingerie – New Fashion Trend“ („Unterwäsche – der neue Modetrend“). Weitere Schlagzeilen lauten „Love Thy Neighbor“ („Liebe deinen Nächsten“) und „Do You Believe in God“ („Glaubst du an Gott“). Eine Rückcover-Überschrift lautet „Joni“, ein Hinweis auf Joni Mitchell, die Prince musikalisch inspiriert hatte.[9][10]
Die LP-Innenhülle und das CD-Booklet sind schlicht gestaltet und enthalten weder Fotos noch Liedtexte. Bei Jack U Off verwendet Prince erstmals die Schreibweise „u“ statt „you“.
Musik und Liedtexte
Das Album verbindet Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock miteinander, zudem sind Einflüsse von Rockabilly erkennbar.[11] Prince spielte wie gewohnt sämtliche Musikinstrumente selbst, doch bei Jack U Off trat erstmals eine Begleitband auf: Neben Prince übernahmen Bobby Z. Schlagzeug und Dr. Fink sowie Lisa Coleman das Keyboard.
Das Album ist spärlich instrumentiert, die Arrangements wirken jedoch voller und ausgefeilter als auf Prince‘ vorherigen Alben. Zentral ist der Oberheim-Synthesizer, mit markanten Synthesizer-Linien und Fills. Die Gitarre tritt stärker hervor und liefert in Ronnie, Talk to Russia und Jack U Off „dreckige“ Rockakkorde; abgehackte Rhythmusgitarren-Licks prägen das Titelstück und Sexuality.
Controversy erschien 1981 bei Warner Bros. Records und wurde als „musikalische Empörung und aufrichtige Erklärung gegensätzlicher Ansichten“ beworben. In den Liedtexten behandelt Prince nicht nur sexuell orientierte Themen, wie auf seinen drei Vorgängeralben, sondern auch ernste, nachdenklich stimmende Inhalte. Er verlässt erstmals seinen charakteristischen Falsettgesang und erkundet auch die tieferen Bereiche seiner Stimme. Die meisten Texte singt er melodisch vertont, im Titelstück und in Annie Christian ist er jedoch stellenweise im Sprechgesang zu hören.[11][12][13][14]
- Controversy
- Das Titelstück verbindet Funk und Rock mit Einflüssen von New Wave. Die Strophen basieren auf einem Rhythmusgitarren-Lick und einem Synthesizer, der die auf vier Noten beschränkte Melodie dupliziert. Der Refrain folgt einer absteigenden Drei-Akkord-Progression. Eine pumpende, eintönige Bassgitarre erzeugt einen teils roboterhaft wirkenden Disco-Beat. Im Liedtext reagiert Prince auf wiederkehrende Fragen US-amerikanischer Medien – etwa zu Hautfarbe, hetero oder schwul, Glauben an Gott oder an sich selbst – ohne Antworten zu geben. Stattdessen drückt er Verwunderung und Verwirrung über die öffentliche Neugier aus. Zudem zitiert er das Vaterunser im Sprechgesang.[15][16][17]
- Sexuality
- Der Song gehört ebenfalls zu Funk und Rock. Sexuality orientiert sich eng an der musikalischen Struktur von Controversy und ähnelt in Tempo und Arrangement. Unterscheidend ist die schnelle, lebendige Synthesizer-Bassline. Ein funkiges Rhythmusgitarren-Lick prägt die Strophen, die Prince mit einem schnellen Refrain verbindet, bei dem die Synthesizer dominieren. Im Text beschreibt er eine Welt frei von radikalen, sexuellen und sozialen Vorurteilen. Die Bewohner nennt er „New Breed“ („Die neue Rasse“) und formuliert: „Sexualität ist alles, was du jemals brauchen wirst. Sexualität, lass deinen Körper frei sein“.[17]
- Do Me, Baby
- Die R&B-Ballade gilt als Blaupause für viele spätere Balladen von Prince. Seine ausdrucksstarke Falsettstimme wird von synthetischen Streichinstrumenten, Klavier und einer melodisch-rhythmischen Basslinie getragen. Der Song basiert auf einer einfachen Drei-Akkord-Sequenz, die sich durchgehend wiederholt; Prince steigert die Musik allmählich zum Höhepunkt, hält dann inne und baut sie erneut auf. Der Text handelt vom Streben nach und Genuss von Sex, wobei „being done“ als Euphemismus für das Liebesspiel dient. Am Ende zittert er am gesamten Körper, simuliert einen Orgasmus und sagt: „Mir ist so kalt, halt mich einfach fest“.[17]
- Private Joy
- Das Stück ist ein fröhlicher, beschwingter Pop-Song, getragen von einer Synthesizer-Phrase und einer markanten, synkopierten Basslinie. Die Synthesizer dominieren, gegen Ende treten raue, hektische Gitarrensoli hinzu. Der Linn LM-1-Drumcomputer liefert einen einfachen Beat und Handclaps. Der Text beschreibt eine besitzergreifende Beziehung und wurde von seiner damaligen Freundin Susan Moonsie (* 21. Januar 1964) inspiriert. Prince lernte sie auf der High School kennen und integrierte sie 1982 als Mitglied der von ihm gegründeten Girlgroup Vanity 6.[7][17][18]
- Ronnie, Talk to Russia
- Der rasante Zwei-Akkord-Rocker weist stärkere New-Wave-Einflüsse auf als alle anderen Songs des Albums. Der Text ist ein Appell von Prince an „Ronnie“, Ronald Reagan – 1981 Präsident der Vereinigten Staaten –, der mit der Sowjetunion Frieden schließen sollte.[12][17]
- Let’s Work
- Der Funk-Song wird von einer markanten Basslinie getragen. Raues Gitarrenspiel ergänzt den Groove, der von Schlagzeug und Handclaps geprägt ist. Der Text handelt ausschließlich von Sex und Wollust; Prince trifft eine Frau, mit der er Sex haben will, wobei „work“ als Synonym für „fuck“ dient.[12][17]
- Annie Christian
- Der unorthodoxe Song Annie Christian wird von Synthesizern dominiert. Er ist in Moll geschrieben, und Prince singt in normaler Stimmlage über bedrohliche Gitarren, kühle Synthesizer und einen sanften, durch Handclaps verstärkten metronomischen Rhythmus. Im gesellschaftspolitischen Text betrachtet er Antichristen als treibende Kraft hinter dem Bösen in der Welt. Im Sprechgesang kündigt er an, sein Leben in Taxis zu verbringen, bis die fiktive Annie Christian gekreuzigt wird, und vermittelt so das Gefühl, in einer Zeit sinnloser Gewalt und Verwirrung zu treiben. Zudem zitiert Prince reale Schlagzeilen, darunter die Ermordung von John Lennon und das Attentat auf Ronald Reagan. Der Text erinnert an Gil Scott-Heron, dessen Spoken Words soziales und politisches Bewusstsein thematisieren und ihn zu einem Wegbereiter von Hip-Hop und Rap machen.[17][19]
- Jack U Off
- Der letzte Song ist ein trashiger Drei-Akkord-Rocker mit markanter Synthesizer-Leadline auf einem achttaktigen Blues-Muster. Das schwungvolle Stück zeigt Einflüsse des Rockabilly. Der Text ist eine heitere Ode auf Masturbation; Prince beschreibt, wie er seiner Freundin „einen Runterholen“ möchte, egal ob im Auto, Kino, Restaurant oder bei Nutzung eines „Masturbators“.[17][20][21]
Titelliste und Veröffentlichungen
| # | Titel | Dauer | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Controversy | 7:15 | |||||||
| 2 | Sexuality | 4:21 | |||||||
| 3 | Do Me, Baby | 7:42 | |||||||
| 4 | Private Joy | 4:37 | |||||||
| 5 | Ronnie, Talk to Russia | 1:51 | |||||||
| 6 | Let’s Work | 3:53 | |||||||
| 7 | Annie Christian | 4:23 | |||||||
| 8 | Jack U Off | 3:09 | |||||||
| Spieldauer: 37:15 min. | |||||||||
| Autor aller Songs ist Prince | |||||||||
Controversy erschien in den USA am 14. Oktober 1981.[22] Es erschien zunächst auf LP und MC, später auch auf CD und als Download.
Singles
Vom Album wurden vier Singles ausgekoppelt. Am 2. September 1981 erschien Controversy in einer Edit-Version von 3:36 Minuten.[23] Die B-Seite When You Were Mine ist bereits auf dem Vorgängeralbum Dirty Mind enthalten. Die zweite Single, Sexuality, erschien am 16. Oktober 1981 nur in Deutschland, Australien und Japan.[24] Die B-Seite besitzt in Deutschland und Japan Controversy, in Australien wurde I Wanna Be Your Lover aus Prince gewählt.
Am 6. Januar 1982 erschien Let’s Work als 2:56 Minuten lange Single-Edit.[25] Die B-Seite Ronnie, Talk to Russia entspricht der Albumfassung. Zudem erschien Let’s Work als Maxi-Single im 8:05 Minuten langen „Dance Remix“. Die vierte Single, Do Me, Baby, erschien am 16. Juli 1982.[26] Sie erschien nur in den USA und Peru als 3:56 Minuten lange Edit-Version mit Private Joy als B-Seite.[27]
Im November 1993 erschien Controversy erneut als Edit-Version, diesmal aus der Kompilation The Hits/The B-Sides. Die Single erschien ausschließlich in Deutschland und im Vereinigten Königreich. 2004 veröffentlichte Prince zudem die limitierte CD-Single Controversy (Live in Hawaii). Die sechsminütige Liveversion stammt vom Konzert am 16. Dezember 2003 im Neal S. Blaisdell Center in Honolulu, Hawaii, während seiner Welttournee. Sie war ausschließlich als CD-Beigabe seines Buches Prince in Hawaii erhältlich; beide gelten heute (2026) als Sammlerstücke.[28]
Zum 40. Jubiläum von Controversy veröffentlichte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) am 14. Oktober 2021 eine Demoaufnahme von Do Me, Baby aus dem April 1979, die Prince damals nicht veröffentlicht hatte. Die Aufnahme ist als Download und Stream verfügbar. Anfang Mai 2022 erschien zudem eine auf 1.981 Exemplare limitierte Sonderausgabe der Aufnahme als Single auf lilafarbenem Vinyl, ursprünglich für Januar 2022 vorgesehen. Die Veröffentlichung wurde aufgrund von Verzögerungen in Lieferkette und Produktion verschoben.
Musikvideos
Musikvideos entstanden ausschließlich zu den Singles Controversy und Sexuality. Beide wurden an einem Tag im Oktober 1981 auf einer Soundstage in Minneapolis aufgenommen, wobei Prince von seiner Begleitband begleitet wurde. Regie führte Bruce Gowers,[29] produziert wurde von Paul Flattery, der die Dreharbeiten nach Prince’ Tod folgendermaßen erinnerte: „Warner Bros. Records ließ mich einige frühe Prince-Videos drehen, weil er schwierig war und sie dachten, ich könnte mit ihm umgehen. Bruce Gowers und ich drehten Controversy und Sexuality an einem Tag. Prince sprach nicht direkt mit dir. Er stand direkt vor dir und flüsterte seinem Assistenten etwas zu, woraufhin der Assistent sagte: ‘Prince sagt...’. Und ich sagte: ‘Nun, sag’ Prince...’“[30]
Coverversionen
Einige Musiker nahmen Coverversionen von Songs des Albums Controversy auf;[31][32][33] Das Titelstück coverten unter anderem Hefner (1997), Victor Bailey (2001), David Helbock (2012), Chris Brokaw (2017) und das Vitamin String Quartet (2023). Do Me, Baby wurde von Meli’sa Morgan (1985), Lindy Layton (1991) und Jade (1993) gecovert. Der Song He’s Mine (1995) von dem US-R&B-Trio MoKenStef basiert ebenfalls auf Do Me, Baby. Jack U Off coverten Pansy Division (1994) und Robyn (2006), Private Joy La Toya Jackson (1984).
Mitwirkende
Musiker
Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert, produziert und gesungen. Er spielte zudem alle Musikinstrumente selbst ein; folgende Musiker ergänzten die Aufnahmen:[34][35]
- Bobby Z. – Schlagzeug in Jack U Off
- Dr. Fink – Keyboard in Jack U Off
- Lisa Coleman – Backing Vocals in Controversy, Jack U Off, Ronnie Talk to Russia; Keyboard in Jack U Off
Technisches Personal
- Prince – Mixing
- Allen Beaulieu – Fotografie
- Bernie Grundman – Mastering
- Bob Mockler – Toningenieur
- Mick Guzauski – Toningenieur
- Ross Pallone – Toningenieur
- Persönliches Management von Prince – Bob Cavallo, Joe Ruffalo, Steve Fargnoli (* 1949; † 2001)
Debakel für Prince im Vorprogramm von The Rolling Stones
Mick Jagger sah Prince erstmals 1980 bei einem Livekonzert in New York und war beeindruckt von ihm. Daraufhin lud er Prince ein, als Vorgruppe von The Rolling Stones bei zwei Konzerten im Oktober 1981 in Los Angeles aufzutreten, was dieser annahm.[36]
Die Konzerte am 9. und 11. Oktober 1981 im Los Angeles Memorial Coliseum entwickelten sich zu einem Debakel und einem Tiefpunkt in Prince’ Karriere. Zur Promotion seines kurz bevorstehenden Albums Controversy trat Prince, wie damals typisch für ihn, im Trenchcoat auf. Dazu trug er nur einen schwarzen Slip, Overknees-Strümpfe, High Heels und ein Bandana; sein Gitarrengurt bestand aus Leopardenfell.
Beim dritten Song, Jack U Off, reagierte das Publikum massiv ablehnend: Es gab Buhrufe, Rufe wie „Runter von der Bühne, du Schwuchtel!“ und Bierflaschen wurden geworfen.[37] Gitarrist Dez Dickerson wurde von einer Wasserflasche am Kopf getroffen, eine Flasche Jack Daniel’s verfehlte Prince knapp. Beim vierten Song, Uptown, verließ Prince kommentarlos die Bühne; er hatte seine Band nicht eingebunden und flog unmittelbar danach nach Minneapolis zurück.[38]
Mick Jagger und Veranstalter Bill Graham bedauerten die Vorfälle und kritisierten das Publikum scharf, überredeten Prince jedoch, das zweite Konzert dennoch zu spielen. Jagger sagte zu ihm: „Wenn du wirklich ein großer Headliner werden willst, musst du darauf vorbereitet sein, dass die Leute Flaschen nach dir werfen.“[39]
Prince trat schließlich am 11. Oktober 1981 beim zweiten Konzert in Los Angeles auf. Beim ersten Song, Bambi, flogen erneut eine Whiskyflasche, Saft-Plastikflaschen und Tomaten auf die Bühne. Im Gegensatz zum ersten Konzert spielte er sein komplettes Set und beendete es mit dem fünften Song, Why You Wanna Treat Me So Bad? („Warum willst du mich so schlecht behandeln?“).[39] Im Vorprogramm traten zudem George Thorogood und J. Geils auf, deren Auftritte jedoch ohne Zwischenfälle verliefen.[36]
20 Jahre nach den Konzerten erklärte Prince in einem Interview: „Sagt nicht, dass es an mir gelegen hatte – das Publikum war schuld. Klar, natürlich war das Tragen von Unterwäsche und einem Trenchcoat bestimmt nicht gerade vorteilhaft, aber wenn man jemanden mit Müll bewirft, liegt es daran, dass man zu Hause nicht richtig erzogen wurde. Der Grund, warum ich gegangen bin, ist, dass ich nicht mehr spielen wollte. Ich wollte nur kämpfen.“[39]
Tournee
| Präsentationsalbum | Controversy |
|---|---|
| Anfang der Tournee | 20. November 1981 |
| Ende der Tournee | 14. März 1982 |
| Konzerte insgesamt (nach Kontinent) |
1 in Nordamerika |
| Konzerte insgesamt | 61 |
| Show Acts | The Time |
| Dirty Mind Tour (1980–1981) |
Controversy Tour | 1999 Tour (1982–1983) |
|---|
Die Controversy-Tour begann am 20. November 1981 im Stanley Theatre in Pittsburgh, Pennsylvania, und endete am 14. März 1982 im Riverfront Coliseum in Cincinnati, Ohio. Die Tournee fand ausschließlich in den USA statt und umfasste 61 Konzerte mit Hallenkapazitäten zwischen 2.000 und 8.000 Zuschauern. Die Konzertdauer variierte zwischen 70 und 85 Minuten.
Als Tour-Intro komponierte Prince den Song The Second Coming, der vom Tonband über die Hallenlautsprecher abgespielt wurde.[40] Als Vorgruppe trat The Time auf. Prince’ Band bestand aus fünf Mitgliedern:
- Bobby Z. (* 9. Januar 1956 als Robert B. Rivkin in St. Louis Park, Metropolregion Minneapolis-Saint Paul) – Schlagzeug
- Brown Mark (* 8. März 1962 als Mark Brown in Minneapolis, Minnesota) – Backing Vocals, E-Bass
- Dez Dickerson (* 7. August 1955 als Desmond D’andrea Dickerson in Minneapolis, Minnesota) – Backing Vocals, Gitarre
- Dr. Fink (* 8. Februar 1957 als Matthew Robert Fink in St. Louis Park, Metropolregion Minneapolis-Saint Paul) – Backing Vocals, Keyboard
- Lisa Coleman (* 17. August 1960 in Los Angeles, Kalifornien) – Backing Vocals, Keyboard
Bobby Z., Brown Mark, Dr. Fink und Lisa Coleman gehörten von 1983 bis 1986 auch zur Band The Revolution.
Rezensionen
| Professionelle Bewertungen | |
|---|---|
| Durchschnittsbewertung | |
| Quelle | Bewertung |
| AOTY[41] | 78 % |
| Weitere Bewertungen | |
| Quelle | Bewertung |
| AllMusic[42] | |
| Pitchfork Media[43] | |
| Rolling Stone[12][44] | |
| Wilson & Alroy’s Record Reviews[45] | |
| Robert Christgau[46] | A– |
Musikkritiker bewerteten Controversy überwiegend positiv und bezeichneten häufig den Titelsong sowie Do Me, Baby und Jack U Off als herausragende Tracks. Die Website Album of the Year (AOTY) ermittelte auf Grundlage von sieben englischsprachigen Rezensionen eine Durchschnittsbewertung von 78 %.[41]
Daphne A. Brooks von Pitchfork Media zeigte sich begeistert und vergab neun von zehn Punkten. Sie bezeichnete das Album als „Brücke zwischen Dirty Mind und 1999“ und zugleich als „faszinierende Platte für sich“. Prince habe zur „kollektiven sozialen und kulturellen Revolte“ aufgerufen, wodurch das Album „eine der wichtigsten Veröffentlichungen 1981“ geworden sei. Brooks analysierte alle Songs und lobte sie musikalisch, textlich und gesanglich.[43]
Stephen Holden vom US-Musikmagazin Rolling Stone vergab vier von fünf Sternen und nannte Prince den „vollendeten Meister von Pop-Funk-Songs“. Annie Christian bezeichnete er jedoch als „kindliche Behandlung des Bösen“, und Ronnie, Talk to Russia sei der schwächste Song des Albums. Insgesamt sei Controversy exzentrisch, und Holden sah in Prince einen potenziellen Nachfolger von Sly Stone.[12][44]
Stephen Thomas Erlewine von AllMusic vergab dreieinhalb von fünf Sternen und stellte fest, dass das Album „Prince’ Faszination für Synthesizer und die Verbindung verschiedener Popmusik-Genres“ unterstreiche. Es thematisiere sozialen Protest „zusammen mit Sexsongs“ und versuche, „den Funk einem Rockpublikum näher zu bringen und umgekehrt“. Trotz „aller Ambitionen“ stelle die Musik in Controversy „keinen bedeutenden Durchbruch gegenüber Dirty Mind dar“. Prince’ musikalisches Talent mache die Platte dennoch „angenehm“.[42]
Die beiden Musikkritiker David Wilson und John Alroy vergaben ebenfalls dreieinhalb von fünf Sternen und bezeichneten Controversy als „kein dramatischer Sprung nach vorn, aber ein durchweg erfreuliches Werk“. Do Me, Baby beschrieben sie als „herrlichen Slow Jam“, und Prince sei entschlossen, „ernst genommen zu werden“, weshalb er „zahlreiche politische und soziale Anspielungen“ einstreue. Der Titelsong und Let’s Work seien minimalistischer Funk, in dem Prince selbstbewusst wirke. Annie Christian sei „bizarr“, Ronnie, Talk to Russia „albern“ und Sexuality „erschütternd“.[45]
Musikjournalist Robert Christgau vergab auf der Skala von „A+“ bis „F“ die Note „A–“. Die „sozial bewussten Songs“ seien zwar „eingängig“, entsprängen jedoch „dem Geist eines ziemlich verwirrten jungen Mannes“. Am meisten überzeugten Christgau die von Sex handelnden Tracks Do Me, Baby und Jack U Off.[46]
Die Newsweek vergab zwar keine Note, lobte Prince jedoch: „Er ist ein Prophet der sexuellen Anarchie: Seine anzüglichen Auftritte machten ihn zu einer Kultfigur des New Wave und zu einem bedeutenden Idol der Jugendlichen aus den Schwarzen-Ghettos. Er heißt Prince – und ist vielleicht der aufregendste neue Star der heutigen [1981] Pop-Szene.“[47]
Zur Liedtextgestaltung kritisierte die US-Wochenzeitung The Village Voice: „Prince ist immer dann besonders naiv und irritierend, wenn es um ein offen politisches Thema geht“.[12] Das US-Stadtmagazin für die Metropolregion Minneapolis–Saint Paul Sweet Potato (später in City Pages umbenannt) zeigte sich enttäuscht und schrieb, der Sequenzer-Einsatz auf dem Album sei „grauenvoll, aber die nächste LP könnte eine voll ausgeformte Darstellung seiner Vision“ liefern.[12]
Kommerzieller Erfolg
Chartplatzierungen
|
|
In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien erreichte Controversy keine Chartplatzierung. In den Niederlanden erreichte das Album Platz 50, in Australien Platz 55.[50]
| Jahr | Titel |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[51] (Jahr, Titel, , Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DE | AT | CH | UK | US | |||
| 1981 | Controversy | — | — | — | — | US70 (11 Wo.)US |
|
| Sexuality | — | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UKn.v.UK | USn.v.US |
Nur in Deutschland, Australien und Japan ausgekoppelt
| |
| 1982 | Let’s Work | — | — | — | — | US104 (3 Wo.)US |
Nicht weltweit ausgekoppelt
|
| Do Me, Baby | DEn.v.DE | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UKn.v.UK | — |
Nur in den USA und Peru ausgekoppelt
| |
| 1985 | Do Me, Baby Do Me, Baby |
— | — | — | — | US46 Gold (14 Wo.)US |
|
| 1993 | Controversy | — | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UK5 (5 Wo.)UK |
USn.v.US |
Wiederveröffentlichung nur in Deutschland und im Vereinigten Königreich
|
| 1995 | He’s Mine Azz Izz |
— | — | — | UK70 (2 Wo.)UK |
US7 Gold (23 Wo.)US |
Coverversion, basierend auf Do Me, Baby, von MoKenStef
US: 24. August 1995: Gold (500.000+) |
Die Single Sexuality erreichte in Australien Platz 88.[50]
Auszeichnungen für Musikverkäufe
| Land/Region | Auszeichnungen für Musikverkäufe (Land/Region, Auszeichnung, Verkäufe) |
Verkäufe |
|---|---|---|
| Vereinigte Staaten (RIAA) | Platin | 1.000.000 |
| Vereinigtes Königreich (BPI) | Gold | 100.000 |
| Insgesamt | 1× Gold 1× Platin |
1.100.000 |
Hauptartikel: Prince/Auszeichnungen für Musikverkäufe
Preise
Für die Controversy-Ära erhielt Prince folgende Auszeichnungen und Preise:
Minnesota Black Music Awards
12. Mai 1982: Gewinner in der Kategorie „Rhythm & Blues“.[52]
Minnesota Music Awards
24. Mai 1982: Gewinner in der Kategorie „Musician of the Year“.[52]
Literatur
- Alex Hahn: Besessen – Das turbulente Leben von Prince. Hannibal Verlag, Höfen 2016, ISBN 978-3-85445-610-0.
- Ben Greenman: Dig If You Will the Picture – Funk, Sex and God in the Music of Prince. Faber & Faber Ltd, London 2017, ISBN 978-0-571-33326-4.
- Benoît Clerc: Prince – Alle Songs: Die Geschichten hinter den Tracks. Delius Klasing Verlag; 1. Auflage 2023, ISBN 978-3-667-12537-8.
- Dave Hill: Prince – A Pop Life. Droemer Knaur, München 1989, ISBN 3-426-04036-0.
- Jürgen Seibold: Prince. Verlagsunion Erich Pabel-Arthur Moewig, Rastatt 1991, ISBN 3-8118-3078-3.
- Mayte Garcia: The Most Beautiful Girl: Mein Leben mit Prince. mvg Verlag, München 2018, ISBN 978-3-86882-897-9.
- Per Nilsen: DanceMusicSexRomance – Prince: The First Decade. Firefly Publishing, London 1999, ISBN 0-946719-23-3.
- Steve Parke: Picturing Prince. Cassell Octopus Publishing Group Ltd, London 2017, ISBN 978-1-84403-959-3.
- Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince. Nilsen Publishing, Linköping 2004, ISBN 91-631-5482-X.
Weblinks
- Informationen zum Album Controversy bei Princevault.com
Einzelnachweise
- ↑ Nilsen (1999), S. 261–262.
- ↑ Nilsen (1999), S. 78.
- ↑ Nilsen (1999), S. 79.
- ↑ Nilsen (1999), S. 82.
- ↑ Hahn (2016), S. 68–69.
- ↑ Nilsen (1999), S. 80.
- ↑ a b Nilsen (1999), S. 261.
- ↑ Let’s Work. In: princevault.com. 25. Juni 2022, abgerufen am 15. Dezember 2023 (englisch).
- ↑ Greenman (2017), S. 146.
- ↑ Uptown (2004), S. 529.
- ↑ a b Uptown (2004), S. 366.
- ↑ a b c d e f g Hahn (2016), S. 70.
- ↑ Hahn (2016), S. 68.
- ↑ Hill (1989), S. 133.
- ↑ Hill (1989), S. 132.
- ↑ Hahn (2016), S. 71.
- ↑ a b c d e f g h Uptown (2004), S. 367.
- ↑ Hahn (2016), S. 69.
- ↑ Hill (1989), S. 134.
- ↑ Hahn (2016), S. 68–70.
- ↑ Hill (1989), S. 135.
- ↑ Parke (2017), S. 214.
- ↑ Uptown (2004), S. 31.
- ↑ Clerc (2023), S. 60.
- ↑ Uptown (2004), S. 34.
- ↑ Nilsen (1999), S. 97.
- ↑ Do Me, Baby. In: princevault.com. 27. Juni 2022, abgerufen am 17. Juli 2022 (englisch).
- ↑ Controversy (Live in Hawaii). In: princevault.com. 20. August 2021, abgerufen am 7. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Uptown (2004), S. 622.
- ↑ Rob Tannenbaum: Prince’s Career on Camera: Insiders Recall Late Genius’ Difficult Relationship with Music Videos. In: billboard.com. 22. April 2016, abgerufen am 29. Juli 2022 (englisch).
- ↑ Prince auf Cover.Info
- ↑ Prince auf SecondHandSongs
- ↑ Prince auf WhoSampled
- ↑ Begleitheft der CD Controversy von Prince, Warner Bros. Records, 1981
- ↑ Nilsen (1999), S. 279.
- ↑ a b Greenman (2017), S. 211.
- ↑ Garcia (2017), S. 126.
- ↑ Greenman (2017), S. 212–213.
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