Dirty Mind (Album)
| Dirty Mind | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Studioalbum von Prince | |||||||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
April 1980 – Juni 1980 | ||||||||
| Label(s) | Warner Bros. Records | ||||||||
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Format(e) |
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Titel (Anzahl) |
8 | ||||||||
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30:14 | |||||||||
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Besetzung |
s. Mitwirkende | ||||||||
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Studio(s) |
Hollywood Sound Recorders (Los Angeles) | ||||||||
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Dirty Mind (englisch für Schmutzige Fantasie) ist das dritte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 8. Oktober 1980 bei Warner Bros. Records. Musikalisch erweiterte Prince sein Spektrum und kombinierte Songs aus den Genres Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock, was er zuvor nicht getan hatte. Die als obszön geltenden Liedtexte thematisieren unter anderem Inzest, Oralsex und Wollust.
Musikkritiker bewerteten das Album zum Teil hervorragend und das US-Musikmagazin Rolling Stone platzierte Dirty Mind 2020 auf Rang 326 der 500 besten Alben aller Zeiten. Kommerziell blieb das Album zunächst erfolglos und erreichte in den USA erst 1984 den Goldstatus.
Die Tournee zu Dirty Mind war Prince’ erste als Headliner; zugleich absolvierte er seine ersten Auftritte in Europa, blieb jedoch aus kommerzieller Sicht erfolglos.
Entstehung
Im April 1980 nahm Prince mit When You Were Mine den ersten Song für Dirty Mind auf. Zu dieser Zeit war er als Vorgruppe von Rick James auf dessen Fire-It-Up-Tour in den USA unterwegs. Das Stück schrieb Prince in einem Hotelzimmer, während er Musik von John Lennon hörte. Von September 1979 bis Ende 1980 mietete er ein Haus nahe dem Lake Minnetonka in Orono (Minnesota), in dessen Keller er ein 16-Mehrspurrekorder-Tonstudio namens North Arm Drive Home Studio einrichten ließ. Dort nahm Prince im Mai und Juni 1980 alle weiteren Songs von Dirty Mind auf.[1]
Laut dem Gitarristen Dez Dickerson basiert Uptown auf einer von André Cymone, Prince’ früherem Schulfreund und damaligem Bandmitglied, entworfenen Bassline. Cymone spielte diese bei Proben, die Prince übernahm, ohne ihn in den Liner Notes von Dirty Mind zu nennen.[1] Partyup beruht auf einem von Morris Day (* 13. Dezember 1957) entwickelten Groove, den Prince mit einem Liedtext versah und aufnahm. Als Gegenleistung bot er Day entweder 10.000 US-Dollar (damals etwa 22.600 DM) oder Unterstützung bei der Suche nach einem Plattenvertrag an. Day lehnte das Geld ab; Anfang 1981 machte Prince ihn zum Leadsänger der von ihm gegründeten Band The Time.[2][3]
Als Prince seinem damaligen Management den Rohentwurf von Dirty Mind präsentierte, verlangte dieses eine Nachproduktion der Songs, bevor er das Album Warner Bros. Records vorstellen durfte. Das erneute Mixing nahm Prince im Juni 1980 im Tonstudio Hollywood Sound Recorders in Los Angeles (Kalifornien) vor.[1] In dieser Zeit überarbeitete er auch Gotta Stop (Messin’ About), das nicht auf dem Album erschien, sondern im Mai 1981 als Non-Album-Track als Single veröffentlicht wurde.
Prince stellte Warner Bros. Records schließlich Dirty Mind vor, was bei der Schallplattenfirma wegen der anzüglichen Liedtexte und der kargen Musikproduktion auf Empörung stieß. Marylou Badeaux, damals Vizepräsidentin bei Warner, erinnerte: „Er brachte die ganze Plattenfirma durcheinander. Die Promotionmanager riefen mich völlig verzweifelt an: ‘Sowas kann ich doch nicht den Radiosendern vorstellen! Spinnt der?’“[4]
Bob Cavallo (* 1939) und Steve Fargnoli (* 1949; † 2001), Prince’ damalige Manager, überzeugten Warner Bros. Records jedoch, Dirty Mind in der von Prince vorgesehenen Form zu veröffentlichen.[5]
Gestaltung des Covers
Das Cover zeigt Prince in einem Schwarzweißfoto nur mit schwarzem Slip und offenem Trenchcoat, sodass sein Bauch sichtbar ist. Auf dem Trenchcoat befindet sich ein Anstecker mit der Aufschrift „Rude Boy“, um den Hals trägt er ein Halstuch. Im Hintergrund sind Sprungfedern eines Bettgestells erkennbar. Der Name „Prince“ steht am oberen Rand, die Buchstaben wirken dekorativ umrandet, als seien sie mit einer Spezialschere ausgeschnitten.[6][7][8]
Der aus Minneapolis stammende Fotograf Allen Beaulieu (* 1952) erklärte, das Cover sei Prince’ Idee gewesen, in Schwarzweiß zu fotografieren. Prince habe ihn zudem gebeten, vor Sprungfedern zu posieren, deren Stapelung jedoch Beaulieus Idee war. Beaulieu sagte: „Er wollte ganz und gar auf das Image des Unterprivilegierten setzen, das die Leute weitergaben, und nicht auf etwas, das sich durch Werbung zunichtemachen lässt.“[7]
Die Innenhülle der LP und das Booklet zur CD sind schlicht gehalten; lediglich ein Foto von Prince mit seiner damaligen Begleitband ist enthalten. Die Liedtexte sind nicht abgedruckt. In den Liner Notes bedankt sich Prince unter anderem bei „Joni“, womit er Joni Mitchell meinte, die ihn musikalisch inspiriert hatte.[9]
Musik und Liedtexte
Prince’ Songwriting wirkt ausgereifter, die Tracks enthalten mehr melodische und harmonische Variationen als zuvor. Sein charakteristischer Falsettgesang zusammen mit basslastigem Schlagzeug und E-Bass im Vordergrund erzeugt einen markanten Sound. Radiofreundlich sind die Songs meist jedoch nicht.
Abgesehen vom Titelstück und Head, in dem Keyboarder Dr. Fink Parts übernahm, spielte Prince alle Musikinstrumente selbst. Wie bei seinen ersten beiden Alben ist Dirty Mind stark keyboardgeprägt. Die meisten Songs enthalten Oberheim-Synthesizer-Linien, oft scharf und metallisch, andere Stücke setzen ein E-Piano ein. Gitarrenspiel ist meist sparsam. Prince verbindet auf Dirty Mind Contemporary R&B, Funk, New Wave, Pop und Rock; einzelne Songs zeigen Einflüsse von Bluesrock und Rock ’n’ Roll.[2][10][11][12]
Die Liedtexte singt Prince ausschließlich in Falsett und melodisch vertont; sie handeln meist von Sex und Wollust, kaum von Liebe oder Romantik. Auf Dirty Mind veranschaulicht Prince seine Vorstellungen sexueller Offenheit und Freiheit von gesellschaftlichen Normen. Einige Ideen zu sexueller Freiheit und Toleranz fasst der Song Uptown zusammen, den Prince in einem Interview als einen Song über „offen für Dinge zu sein, die man nicht versteht“ bezeichnete.[13]
- Dirty Mind
- Das Titelstück entstand aus einem Synthesizer-Lick, den Dr. Fink bei Rehearsals spielte. „Prince schrieb eine Bridge, machte ein paar Änderungen und das war’s“, sagte Fink. Gegen Mitternacht hätten sie die Musik geschrieben; am nächsten Morgen präsentierte Prince den fertigen Song mit den Worten: „Hey, das ist das Titelstück für mein nächstes Album“. Dirty Mind besitzt einen eindringlichen Puls aus Bassdrum-Beat und E-Bass, darüber liegen eine Synthesizer-Phrase und spärliche Gitarren-Fills. Der Liedtext handelt ausschließlich von Sex; Prince begehrt eine Frau, bei der er „versaute Gedanken“ bekommt, und will sie „nur flachlegen“, was auch in „Daddys Auto“ passieren kann.[10][14][15]
- When You Were Mine
- Das Stück gehört zum Genre New Wave und verfügt über einen markanten Orgelsound, während Schlagzeugbeat und Backing Vocals an Popmusik der 1960er Jahre erinnern. Jede Strophe endet mit einer prägnanten Keyboard-Hookline, die einen gesungenen Refrain ersetzt. Im Liedtext trauert Prince seiner Freundin nach, die ihn verlassen hat, und bringt dies teils mit sarkastischem Unterton zum Ausdruck. Obwohl er weiß, dass sie einen neuen Partner hat, liebt er sie „mehr als ich es jemals tat“.[10][13]
- Do It All Night
- Der Song gehört zu Funk und Pop und wird von Staccato-artigem E-Piano sowie Prince’ perkussivem, zupfendem Bassspiel getragen. Im Liedtext begehrt Prince eine Frau, die er schon lange attraktiv findet. Da sie jedoch von einem anderen Mann begehrt wird und er schüchtern ist, traut er sich nicht, sie anzusprechen, und fantasiert stattdessen darüber, was er mit ihr tun würde; er will es ihr „richtig besorgen“ und „‚es‘ die ganze Nacht tun“.[13][16][17]
- Gotta Broken Heart Again
- Uptown
- Die Up-tempo-Nummer aus Funk und Pop entwickelt sich um eine synkopische Basslinie. „Uptown“ ist ein Geschäftsviertel im Südwesten von Minneapolis, bekannt für Geschäfte, Nachtleben und Kultur. Im Liedtext singt Prince, man könne dort seinen „Geist frei machen“. Er trifft ein Mädchen, das ihn „Bist du schwul?“ fragt; er antwortet: „Nein, du?“ und nimmt es ihr nicht übel, da sie „nur ein Opfer der Gesellschaft“ sei. In Uptown feiern alle zusammen, unabhängig von Hautfarbe oder Herkunft, und Prince bemerkt, „sie hat sogar mit mir geschlafen“.[13]
- Head
- Der Song aus dem Genre Funk besitzt einen knappen, straffen Groove, den Prince aus Synthesizer-Lick, Single-Note-Bass und Schlagzeug entwickelte. Der Liedtext ist sehr anzüglich und handelt von Oralsex zwischen Prince und einer Braut auf dem Weg zum Altar. Die Frau entgegnet: „Ich bin noch Jungfrau und auf dem Weg zu meiner Hochzeit. Aber du bist so ein toller Kerl, voller Energie“, worauf Prince antwortet: „Ich blase dir einen, bis du brennst, bis du genug hast“, und gesteht: „Ich bin auf deinem Hochzeitskleid gekommen“. Die Frauensätze sprach die damals 19-jährige Lisa Coleman, die erstmals auf einem Prince-Album mitwirkte und Keyboarderin Gayle Chapman (* 1957) ersetzte, die aus religiösen Gründen die Band verlassen hatte.[13][15][16][17][18]
- Sister
- Der aggressive Rocksong enthält Einflüsse aus Rock ’n’ Roll. Der Liedtext ist sehr anzüglich: Prince beschreibt Inzest mit seiner älteren Schwester („Ich war erst 16, aber das ist wohl keine Entschuldigung“, „meine Schwester war 32, hübsch und locker drauf“, „trägt keine Unterwäsche“, „hat nie mit jemand anderem als mir geschlafen“). Im echten Leben hatte Prince drei Halbschwestern, seine einzige leibliche Schwester wurde 1960 geboren.[14][16][17]
- Partyup
- Der letzte Song des Albums kombiniert Pop- und Funk-Elemente und ist von Bluesrock beeinflusst. Wie in Uptown setzt Prince auf eine synkopische Basslinie, die zusammen mit Schlagzeug, Handclaps und sparsam eingesetztem Gitarrenspiel den Rhythmus prägt. Ein zweiter Abschnitt konzentriert sich auf ein Staccato-E-Piano.[13] Partyup ist das einzige Albumstück ohne sexuelle Thematik. Stattdessen ist es ein wütender Anti-Kriegs-Song, inspiriert von Anti-Draft-Demonstrationen. Laut Prince handelt der Text von Menschen, die Spaß dem Töten vorziehen, und kritisiert die Werte einer als fehlgeleitet empfundenen Gesellschaft – eine Thematik, die in Uptown direkter angesprochen wird.[13]
Titelliste und Veröffentlichungen
| # | Titel | Dauer | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Dirty Mind a | 4:13 | ||||||||
| 2 | When You Were Mine | 3:43 | ||||||||
| 3 | Do It All Night | 3:42 | ||||||||
| 4 | Gotta Broken Heart Again | 2:14 | ||||||||
| 5 | Uptown | 5:32 | ||||||||
| 6 | Head | 4:43 | ||||||||
| 7 | Sister | 1:31 | ||||||||
| 8 | Partyup | 4:25 | ||||||||
| Spieldauer: 30:14 min. | ||||||||||
| Autor aller Songs ist Prince a Musik: Prince und Dr. Fink | ||||||||||
Dirty Mind erschien am 8. Oktober 1980 in den USA.[19] Zunächst auf LP und MC veröffentlicht, folgten später Ausgaben auf CD und als Download.
Singles
Von dem Album wurden vier Singles ausgekoppelt. Am 10. September 1980 erschien Uptown als 4:08-minütige Edit-Version; die B-Seite Crazy You stammt vom Debütalbum For You. In Europa wurde die Single nur in den Niederlanden veröffentlicht.[20][21] Am 26. November 1980 folgte das Titelstück als 3:39-minütige Single mit der B-Seite When We’re Dancing Close and Slow aus dem Album Prince; diese Ausgabe erschien nicht in Europa.[21]
Ende 1980 wurde Head als dritte Single ausschließlich auf den Philippinen veröffentlicht; die B-Seite enthält die Albumversion von Uptown. Das genaue Veröffentlichungsdatum ist nicht belegt. Am 6. März 1981 erschien in Großbritannien die vierte Single Do It All Night mit Head als B-Seite. Ebenfalls Ende 1980 erschien in den USA die Promo-Maxi-Single When You Were Mine, auf deren A-Seite die Albumversion von When You Were Mine und Gotta Broken Heart Again enthalten sind, die B-Seite enthält die Albumversion von Uptown.[22]
Am 29. Mai 1981 erschien in Großbritannien die Single Gotta Stop (Messin’ About) mit Uptown (Edit) als B-Seite.[23] Der Song wurde erstmals im September 1993 auf einem Prince-Album veröffentlicht, auf The Hits/The B-Sides.
Musikvideos
Zu den Singles Uptown und Dirty Mind wurden jeweils Musikvideos produziert. Beide Videos wurden am 24. Oktober 1980 im Producer’s Studio – Stage 9 in Los Angeles in Kalifornien aufgenommen, in dem ungefähr 50 Zuschauer anwesend sind. Prince singt die Songs mit seiner Begleitband und tanzt dazu.[24] Im Uptown-Video ist erstmals Lisa Coleman zu sehen, während Dr. Fink ein Arzt-Outfit trägt. Im Dirty Mind-Video tritt André Cymone letztmals in einem Prince-Video auf. Beide Produktionen gelten als Low-Budget.
Coverversionen
Mehrere Künstler coverten Songs vom Album,[25][26][27] wobei When You Were Mine am häufigsten neu interpretiert wurde. Zu den Coverversionen zählen unter anderem Bette Bright and the Illuminations (1981), Iain Matthews (1981), Cyndi Lauper (1983), Mitch Ryder (1983), Marc Johnson (1994), The Pillows (1996), Chris Holmes (1997), das von Yo-La-Tengo-Mitglied James McNew initiierte Projekt Dump (1998), Skarhead (2011), David Helbock (2012), Les Plastiscines (2014), Chris Brokaw (2017) und Ninja Sex Party (2019). Die Schweizer Rockband Züri West veröffentlichte 1994 eine Schweizerdeutsch-Version unter dem Titel I ha di gärn gha.
Das Titelstück Dirty Mind wurde unter anderem von Paul Sansome (1994), der US-Indie-Rock-Band Ida (2000), Drunk Horse (2001), Dump (2001), Bent (2003), Kimberly Evans (2004) und der norwegischen Elektro-Band Ost & Kjex (2008) gecovert. Gotta Broken Heart Again interpretierte 1993 Debra Hurd (* 1958; † 1994), zuvor Mitglied des R&B-Duos Damian Dame. Head wurde von Blake Baxter (1997), Ice-T (1999), der US-Noise-Band Panicsville (2002) und ISO 12 (2002) neu aufgenommen; außerdem sampelte der US-Rapper Candyman Head in seinem Song Nightgown (1990). Partyup coverte Spoon (1996). Uptown wurde 1997 von Crystal Waters und 2008 von der norwegischen Soulband Lester neu aufgenommen; zudem erschien 2003 ein Remix von DJ Dub Kult auf der B-Seite des Brothomstates-Remixes I Know You Got Soul. Den Non-Album-Track Gotta Stop (Messin’ About) spielte Self 2005 neu ein.
Mitwirkende
Musiker
Alle Songs wurden von Prince arrangiert, komponiert, produziert und selbst vorgetragen. Prince spielte zudem sämtliche Musikinstrumente; weitere Musiker ergänzten die Aufnahmen.[18][28]
- Dr. Fink – Synthesizer in Dirty Mind und Head
- Lisa Coleman – Gesang in Head
Technisches Personal
- Prince – Mixing
- Jamie Starr (damaliges Pseudonym von Prince) – Toningenieur
- Allen Beaulieu – Fotografie
- Bernie Grundman – Mastering
- Bob Mockler – Mixing
- Mick Guzauski – Mixing
- Ron Garrett – Mixing-Assistenz
- Persönliches Management von Prince – Bob Cavallo, Joe Ruffalo, Steve Fargnoli (* 1949; † 2001)
Tournee
| Präsentationsalbum | Dirty Mind |
|---|---|
| Anfang der Tournee | 4. Dezember 1980 |
| Ende der Tournee | 6. April 1981 |
| Konzerte insgesamt (nach Kontinent) |
1
|
| Konzerte insgesamt | 30 |
| Show Acts | Teena Marie |
| Prince Tour (1979–1980) |
Dirty Mind Tour | Controversy Tour (1981–1982) |
|---|
Die Dirty-Mind-Tour begann am 4. Dezember 1980 im Shea’s Performing Arts Center in Buffalo (New York) und endete am 6. April 1981 im Saenger Theatre in New Orleans (Louisiana). Die Tournee umfasste 30 Konzerte und fand ausschließlich in den USA statt. Es war Prince’ erste Tournee als Headliner, jedoch wurden einige Konzerte nur schwach besucht, sodass die Tour als kommerziell wenig erfolgreich gilt.[21]
Bei den ersten zwölf Konzerten trat Teena Marie mit Begleitband als Vorgruppe auf; eine ihrer Background-Sängerinnen war Jill Jones, mit der Prince bis 1989 regelmäßig zusammenarbeitete.[21] Prince’ Band bestand aus fünf Mitgliedern:[21]
- André Cymone (* 27. Juni 1958 als André Simon Anderson in Minneapolis, Minnesota)[29] – Backing Vocals, E-Bass
- Bobby Z. (* 9. Januar 1956 als Robert B. Rivkin in St. Louis Park, Metropolregion Minneapolis-Saint Paul) – Schlagzeug
- Dez Dickerson (* 7. August 1955 als Desmond D’andrea Dickerson in Minneapolis, Minnesota) – Backing Vocals, Gitarre
- Dr. Fink (* 8. Februar 1957 als Matthew Robert Fink in St. Louis Park, Metropolregion Minneapolis-Saint Paul) – Backing Vocals, Keyboard
- Lisa Coleman (* 17. August 1960 in Los Angeles, Kalifornien) – Backing Vocals, Keyboard
Bobby Z., Dr. Fink und Lisa Coleman waren von 1983 bis 1986 auch Mitglieder von The Revolution.
Vom 29. Mai bis 4. Juni 1981 unternahm Prince seine erste Europatournee. Mit seiner Begleitband gab er drei Konzerte im Paradiso in Amsterdam, im Lyceum Theatre in London sowie im Nachtclub Le Palace in Paris. Die Veranstaltungen waren nur schwach besucht, da Prince in Europa noch weitgehend unbekannt war. Erst 1986 kehrte er für weitere Livekonzerte nach Europa zurück.[30]
Rezensionen
| Professionelle Bewertungen | |
|---|---|
| Durchschnittsbewertung | |
| Quelle | Bewertung |
| AOTY[31] | 97 % |
| Weitere Bewertungen | |
| Quelle | Bewertung |
| AllMusic[32] | |
| Pitchfork Media[33] | |
| Rolling Stone (USA)[34][35] | |
| Robert Christgau[36] | A |
| Entertainment Weekly[37] | A |
Aufgrund der anzüglichen Liedtexte lieferte Warner Bros. Records Dirty Mind an Radiostationen mit folgendem Begleittext aus: „Programmgestalter: Bitte vor einer Rundfunkübertragung anhören.“ Das Album erhielt daraufhin nur geringes Airplay, da viele Sender entschieden, die Songs nicht zu spielen. Zudem weigerten sich einige Einzelhändler, die LP zu verkaufen, da sie durch das fast nackte Foto von Prince auf dem Albumcover abgeschreckt wurden.[2][38]
Musikkritiker bewerteten Dirty Mind zum Teil hervorragend und einige bezeichneten es sogar als Meisterwerk. Die Website Album of the Year (AOTY) ermittelte auf Grundlage von acht englischsprachigen Rezensionen eine Durchschnittsbewertung von 97 %.[31]
Barry Walters von Pitchfork Media zeigte sich begeistert und vergab mit zehn Punkten die Höchstwertung. Bis auf die Songs Do It All Night und Gotta Broken Heart Again besprach er alle Titel und hob sie sowohl musikalisch als auch textlich und gesanglich hervor. Walters bezeichnete das Album als „eine der wichtigsten Platten“, die die 1980er Jahre einleiteten, und schloss, dass Dirty Mind „eine unerbittliche Tanzparty“ biete, deren perverse Zweideutigkeiten „die Grenzen zwischen Genres, Geschlechtern und so ziemlich allem anderen“ verwischten.[33]
Stephen Thomas Erlewine von AllMusic vergab ebenfalls mit fünf Sternen die Höchstwertung und bezeichnete Dirty Mind als „Meisterwerk“. Er beschrieb das Album als „atemberaubende, kühne Mischung aus Funk, New Wave, R&B und Pop, angetrieben von grinsendem, anzüglichem Sex und dem Wunsch zu schockieren“. Vor seiner Veröffentlichung sei keine andere Rock- oder Funk-Platte so explizit gewesen wie Dirty Mind, mit fröhlichen Geschichten über Oralsex, Dreierbeziehungen und sogar Inzest. Erlewine hob hervor, dass Dirty Mind „die Türen für zahlreiche sexuell explizite Alben“ geöffnet habe, die Musik „ebenso schockierend wie ihre grafische Sprache“ sei, Musikstile verbiege und „Regeln ohne Rücksicht auf feste Genres“ breche – Prince probiere „alles aus“, alles innerhalb von nur einer halben Stunde. Abschließend bezeichnete er das Album als „atemberaubendes, visionäres Werk, dessen Verschmelzung von Synthesizern, Rockrhythmen und Funk den Stil vieler urbaner Soul- und Funkalben der frühen 1980er Jahre geprägt hat“.[32]
Ken Tucker vom US-Musikmagazin Rolling Stone zeigte sich ebenfalls begeistert und vergab viereinhalb von fünf Sternen. Er bezeichnete Dirty Mind in seinen besten Momenten als „absolut versaut“ und hob hervor, dass der hinterlistige Humor, der bewusst unanständig sei, einen frühen, direkten Aufruf zum Widerstand gegen den elitären Puritanismus der Reagan-Ära darstelle. Das Album sei „eine Popplatte von Rabelaisschem Kaliber. Das ist Obszönität, die von der Kunst reingewaschen“ werde, wobei „das sozial ausgleichende Element“ die Freude sei.[34][35]
Musikjournalist Robert Christgau bewertete Dirty Mind auf seiner Skala von „A+“ bis „F“ mit der Note „A“. Er hob hervor, dass Prince sich „um das Songwriting kümmert, die Persona verwandelt, die Gitarre einsetzt, Gesangsmuskel einbringt und sich an einen rockigen, funkbetonten Viervierteltakt anlehnt“ und dabei Konzepte vor allem über Sexualität entwickle. Christgau kommentierte, dass Prince sich auf „provokante sexuelle Fantasien“ spezialisiere. Zusammenfassend meinte er: „Mick Jagger sollte seinen Penis einpacken und abhauen.“[36][39]
David Browne von der Entertainment Weekly vergab auf der Skala von „A+“ bis „F“ ebenfalls die Note „A“. Er bezeichnete Dirty Mind als Prince’ „eindringlichste Produktion“ seiner frühen Karriere und lobte besonders die Liedtexte des Titelstücks sowie von Head, Sister und When You Were Mine. Insgesamt beschrieb er das Album als „ein Meisterwerk der Unzüchtigkeit und des Verlangens“.[37]
In Bezug auf die anzüglichen Liedtexte kritisierte der Musikjournalist Barry Graves im Berliner Stadtmagazin tip im Jahr 1980: „Prince stellt sich mit einer Misogynie dermaßen unsympathisch dar, dass man in der Übertreibung wohl einen Kommentar vermuten darf. Prince […] bastelt aus schamlosen Andeutungen, grotesken Verzerrungen, Tabutrümmern und feucht flatternden Traumpoemen eine morbide Songwelt zusammen, die sich in unserer eigenen ‚schmutzigen Phantasie‘ visualisieren mag.“[40]
Kommerzieller Erfolg
Chartplatzierungen
| ChartsChartplatzierungen | Höchstplatzierung | Wochen |
|---|---|---|
| Schweiz (IFPI)[41] | 79 (1 Wo.) | 1 |
| Vereinigtes Königreich (OCC)[42] | 61 (1 Wo.) | 1 |
| Vereinigte Staaten (Billboard)[43] | 45 (54 Wo.) | 54 |
Die Höchstplatzierung in der Schweiz und im Vereinigten Königreich erreichte das Album im Mai 2016 nach Prince’ Tod; zuvor war es in den Top 100 nicht vertreten. In Deutschland und Österreich konnte sich Dirty Mind weder vor noch nach seinem Tod in den Hitparaden platzieren.
| Jahr | Titel |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[44] (Jahr, Titel, , Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| DE | AT | CH | UK | US | |||
| 1980 | Uptown | DEn.v.DE | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UKn.v.UK | US101 (6 Wo.)US |
In Europa nur in den Niederlanden ausgekoppelt
|
| Dirty Mind | DEn.v.DE | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UKn.v.UK | — |
Nicht in Europa ausgekoppelt
| |
| Head | DEn.v.DE | ATn.v.AT | CHn.v.CH | UKn.v.UK | USn.v.US |
Nur auf den Philippinen ausgekoppelt
| |
| 1981 | Do It All Night | DEn.v.DE | ATn.v.AT | CHn.v.CH | — | USn.v.US |
Nur in Großbritannien ausgekoppelt
|
Auszeichnungen für Musikverkäufe
| Land/Region | Auszeichnungen für Musikverkäufe (Land/Region, Auszeichnung, Verkäufe) |
Verkäufe |
|---|---|---|
| Vereinigte Staaten (RIAA) | Gold | 500.000 |
| Insgesamt | 1× Gold |
500.000 |
Hauptartikel: Prince/Auszeichnungen für Musikverkäufe
Am 20. Juni 1984 – fünf Tage vor der Veröffentlichung von Purple Rain – wurde Dirty Mind in den USA für 500.000 verkaufte Exemplare mit Gold ausgezeichnet.[45]
Preise
Prince erhielt in der Ära von Dirty Mind mehrere Auszeichnungen und Preise:
Minnesota Music Awards
6. April 1981: Gewinner in der Kategorie „Musician of the Year“.[46]
Rolling Stone
Das US-Musikmagazin Rolling Stone platzierte Dirty Mind im Jahr 2020 auf Rang 326 der Liste Die 500 besten Alben aller Zeiten.[47]
Literatur
- Alex Hahn: Besessen – Das turbulente Leben von Prince. Hannibal Verlag, Höfen 2016, ISBN 978-3-85445-610-0.
- Arthur Lizie: Prince FAQ: All That’s Left to Know About the Purple Reign. Backbeat Books, Guilford (Connecticut) 2020, ISBN 978-1-61713-670-2.
- Ben Greenman: Dig If You Will the Picture – Funk, Sex and God in the Music of Prince. Faber & Faber Ltd, London 2017, ISBN 978-0-571-33326-4.
- Benoît Clerc: Prince – Alle Songs: Die Geschichten hinter den Tracks. Delius Klasing Verlag; 1. Auflage 2023, ISBN 978-3-667-12537-8.
- Dave Hill: Prince – A Pop Life. Droemer Knaur, München 1989, ISBN 3-426-04036-0.
- Jon Ewing: Prince – CD Books: Carlton Books, Rastatt 1994, ISBN 3-8118-3986-1.
- Per Nilsen: DanceMusicSexRomance – Prince: The First Decade. Firefly Publishing, London 1999, ISBN 0-946719-23-3.
- Roland Mischke: Vom Nobody zum Pop-Prinzen. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1989, ISBN 3-404-61157-8.
- Steve Parke: Picturing Prince. Cassell Octopus Publishing Group Ltd, London 2017, ISBN 978-1-84403-959-3.
- Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince. Nilsen Publishing, Linköping 2004, ISBN 91-631-5482-X.
Weblinks
- Informationen zum Album Dirty Mind bei Princevault.com
Einzelnachweise
- ↑ a b c Nilsen (1999), S. 69.
- ↑ a b c Uptown (2004), S. 365.
- ↑ Nilsen (1999), S. 67.
- ↑ Hahn (2016), S. 60.
- ↑ Hahn (2016), S. 61.
- ↑ Hahn (2016), S. 62.
- ↑ a b Hill (1989), S. 124.
- ↑ Greenmann (2017), S. 167–168
- ↑ Uptown (2004), S. 529.
- ↑ a b c d Hahn (2016), S. 58.
- ↑ Hill (1989), S. 115., S. 118., S. 120. und S. 126.
- ↑ Hahn (2016), S. 65.
- ↑ a b c d e f g Uptown (2004), S. 366.
- ↑ a b Uptown (2004), S. 365–366.
- ↑ a b Nilsen (1999), S. 68.
- ↑ a b c Hill (1989), S. 115.
- ↑ a b c Ewing (1994), S. 29.
- ↑ a b Nilsen (1999), S. 279.
- ↑ Parke (2017), S. 214.
- ↑ Clerc (2023), S. 48.
- ↑ a b c d e Uptown (2004), S. 26.
- ↑ When You Were Mine. In: princevault.com. 20. August 2021, abgerufen am 26. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Lizie (2020), S. 21.
- ↑ Uptown (2004), S. 622.
- ↑ Prince auf Cover.Info
- ↑ Prince auf SecondHandSongs
- ↑ Prince auf WhoSampled
- ↑ Begleitheft der CD Dirty Mind von Prince, Warner Bros. Records, 1980
- ↑ Nilsen (1999), S. 45.
- ↑ Uptown (2004), S. 29–30.
- ↑ a b Prince – Dirty Mind. In: albumoftheyear.org. 2025, abgerufen am 28. August 2025 (englisch).
- ↑ a b Stephen Thomas Erlewine: Dirty Mind Review by Stephen Thomas Erlewine. 2025, abgerufen am 9. Februar 2025 (englisch).
- ↑ a b Barry Walters: Dirty Mind – Prince. In: pitchfork.com. 29. April 2016, abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
- ↑ a b Hahn (2016), S. 64.
- ↑ a b Hill (1989), S. 114.
- ↑ a b Robert Christgau: Prince. In: robertchristgau.com. 2023, abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
- ↑ a b David Browne: A decade of Prince albums. In: ew.com. 21. September 1990, abgerufen am 6. März 2023 (englisch).
- ↑ Hill (1989), S. 118.
- ↑ Greenman (2017), S. 71.
- ↑ Mischke (1989), S. 86.
- ↑ Prince. In: hitparade.ch. Abgerufen am 17. Juli 2022.
- ↑ Prince. In: officialcharts.com. Abgerufen am 17. Juli 2022 (englisch).
- ↑ Prince – Chart History. In: billboard.com. Abgerufen am 17. Juli 2022 (englisch).
- ↑ Chartquellen: DE AT CH UK US
- ↑ Uptown (2004), S. 26.
- ↑ Minnesota Music Awards 1981 – The Yammies. In: twincitiesmusichighlights.net. 2021, abgerufen am 4. Dezember 2024 (englisch).
- ↑ Rolling Stone: The 500 Greatest Albums of All Time. In: rollingstone.com. 22. September 2020, abgerufen am 17. Juli 2022 (englisch).