Camille (Prince-Album)

Camille
Studioalbum von Prince

Veröffent-
lichung

Aufnahme

16. September 1986 – 5. November 1986

Label(s) Warner Bros. Records

Format(e)

LP

Genre(s)

Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock

Titel (Anzahl)

8

Länge

40:50

Besetzung

s. Mitwirkende

Produktion

Prince

Studio(s)

Galpin Blvd Home Studio (Chanhassen)
Sunset Sound (Los Angeles)

Chronologie
Parade
(1986)
Camille Sign “☮” the Times
(1987)
Singleauskopplung
keine

Camille ist ein unveröffentlichtes Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Er stellte es im November 1986 fertig und sollte im Januar 1987 bei Warner Bros. Records erscheinen; eine Katalognummer war bereits vergeben.

Prince entschied sich jedoch, das Projekt zu erweitern, und stellte stattdessen ein Dreifachalbum mit weiteren zuvor aufgenommenen Songs zusammen, darunter sieben der acht Stücke von Camille. Dieses unter dem Titel Crystal Ball geplante Werk lehnte Warner jedoch ab. Letztendlich blieben beide Alben unveröffentlicht, stattdessen brachte Prince im März 1987 das Doppelalbum Sign “☮” the Times heraus, das drei Songs von Camille enthält. Die übrigen fünf Titel wurden zwischen 1987 und 2020, teilweise postum, auf verschiedenen Prince-Veröffentlichungen publiziert.

Die Musik lässt sich den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuordnen. Sämtliche Songs trägt Prince in dem von ihm geschaffenen „Camille“-Gesang vor, bei dem seine Stimme mittels Pitch Shifting beschleunigt wurde. Die Kunstfigur „Camille“ gilt als sein Alter Ego und wird als seine „böse Seite“ interpretiert; Prince verwendete sie bis einschließlich 1988. Inhaltlich behandeln die Liedtexte vor allem Liebe, Sexualität und Wollust. Als Gastsängerinnen wirken Jill Jones und Susannah Melvoin mit.

Im März 2022 gab das von Jack White gegründete Label Third Man Records bekannt, die Rechte an Camille erworben zu haben und eine Veröffentlichung zu planen; bis 2026 ist diese jedoch nicht erfolgt.

Entstehung

Die Kunstfigur „Camille“

Bei der Schaffung der Kunstfigur „Camille“ ließ sich Prince von dem Franzosen Abel Barbin (* 8. November 1838; † Februar 1868) inspirieren, dessen Spitzname „Camille“ lautete und im Französischen sowohl als männlicher wie auch als weiblicher Vorname gebräuchlich ist. Barbin war intersexuell und wurde bei der Geburt als weiblich unter dem Namen „Herculine Adélaïde Barbin“ anerkannt. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde 1860 per Gerichtsbeschluss festgelegt, dass Barbin fortan dem männlichen Geschlecht zuzuordnen sei.[1] Im Februar 1868 beging Barbin im Alter von 29 Jahren Suizid.

Der Name „Camille“ erschien bei Prince erstmals im März 1987, als er auf dem Album Sign “☮” the Times für den Hauptgesang der vier Titel Housequake, If I Was Your Girlfriend, Strange Relationship und U Got the Look dieses Pseudonym verwendete. Es bezeichnete ausschließlich Songs, bei denen während der Aufnahme das Tonband verlangsamt lief; beim Abspielen in Normalgeschwindigkeit entsteht dadurch ein Pitch-Shifting-Effekt, der seine Stimme höher und schneller erscheinen lässt, vergleichbar mit dem Klang unter Einfluss von Helium.[2][3]

Erstmals setzte Prince den Stimmeffekt im Song Erotic City ein, den er am 25. März 1984 aufnahm und als B-Seite der im Juli 1984 veröffentlichten Single Let’s Go Crazy aus dem Album Purple Rain veröffentlichte.[4] Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete er den Effekt noch nicht als „Camille“. Zuletzt verwendete er ihn 2009 im Stück Ol’ Skool Company vom Album MPLSound.

„Camille“ gilt als Prince’ Alter Ego und wird als seine „böse Seite“ interpretiert. 1988 veröffentlichte er im Tourbuch zur Lovesexy-Tour eine kryptische Erzählung zur Entstehung des Black Albums, in der er erklärte, „Camille“ habe seine negative Seite überspannt.[5][6] Sowohl die Kunstfigur als auch das Pseudonym verwendete Prince bis einschließlich 1988, den von ihm entwickelten Stimmeffekt hingegen bis einschließlich 2009.

Albumaufnahmen

Alle acht Songs entstanden zwischen September und November 1986. Mit Ausnahme von Shockadelica nahm Prince sämtliche Stücke im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles (Kalifornien) auf.

Als ersten Song nahm Prince am 16. September 1986 Shockadelica in seinem Heimstudio Galpin Blvd Home Studio in Chanhassen (Minnesota) auf.[7] Das Stück war ein Seitenhieb auf den früheren The Time-Gitarristen Jesse Johnson, für den Prince den Song ursprünglich geschrieben hatte, der ihn jedoch ablehnte. Johnsons Album Shockadelica, dessen Veröffentlichung für den 15. September 1986 vorgesehen war, enthielt keinen gleichnamigen Titel, was Prince laut seinem damaligen Tourmanager Alan Leeds zu der ironischen Bemerkung veranlasste, ein Album mit einem so starken Titel müsse auch einen entsprechenden Song besitzen.[8]

Prince veröffentlichte das Stück daraufhin selbst und ließ es unmittelbar nach der Aufnahme beim Radiosender KMOJ in Minneapolis spielen, wodurch der Eindruck entstand, er habe den Titel „Shockadelica“ selbst geprägt.[9] Johnson äußerte später, Prince habe ihm zuvor angeboten, den Song für eine Neuauflage seines Albums zu verwenden, was er aus Rücksicht auf bereits erschienene Exemplare abgelehnt habe; rückblickend erklärte er 2017, eine nachträgliche Aufnahme sei produktionstechnisch nicht mehr möglich gewesen.[10][11]

Am 18. Oktober 1986 nahm Prince im Sunset Sound den Song Housequake auf; als Toningenieur fungierte dabei Coke Johnson (* 18. März 1955), da Susan Rogers zu dieser Zeit im Urlaub war.[12][13] Am 27. Oktober überarbeitete er Feel U Up, das ursprünglich im November 1981 entstanden war.[14] Die Stücke Rebirth of the Flesh und Rockhard in a Funky Place nahm er am 28. Oktober 1986 auf, Goodlove folgte zwei Tage später.[15]

Prince schrieb diese Songs in einer Phase künstlerischer Neuorientierung, nachdem er zwei Wochen zuvor seine Begleitband The Revolution aufgelöst hatte. Zugleich äußerte er sich optimistisch und erklärte, er sei in dieser Zeit „glücklich und sehr zuversichtlich“ hinsichtlich seiner musikalischen Möglichkeiten mit einer neuen Musikerbesetzung, zu der auch Sheila E. gehörte.[16] If I Was Your Girlfriend nahm Prince am 2. November 1986 auf; am folgenden Tag überarbeitete er Strange Relationship, das ursprünglich im März 1983 entstanden war.[1][12][17][18]

Am 5. November 1986 stellte Prince sein Album Camille fertig, dem Warner Bros. Records bereits die Katalognummer „25543“ zugewiesen hatte und das im Januar 1987 unter seinem Pseudonym „Camille“ erscheinen sollte.[1][19] Anschließend erweiterte er das Projekt um weitere zuvor aufgenommene Songs und stellte am 30. November 1986 das Dreifachalbum Crystal Ball fertig, das er anstelle von Camille veröffentlichen wollte. Warner lehnte dies ab, da das Label ein Dreifachalbum für „schwer verkäuflich“ hielt.[20]

Letztlich durfte Prince nur ein Doppelalbum veröffentlichen, das unter dem Titel Sign “☮” the Times im März 1987 erschien und im Wesentlichen aus Songs der unveröffentlicht gebliebenen Alben Camille und Crystal Ball bestand. Elf Jahre später veröffentlichte er im Januar 1998 mit Crystal Ball ein gleichnamiges Dreifachalbum, das jedoch nur einen Song aus Camille enthält, nämlich Goodlove. Dieses erschien nicht bei Warner Bros. Records, sondern auf Prince’ eigenem Label NPG Records.

Musik und Liedtexte

Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop und Rock zuzuordnen und weist Einflüsse aus Electro Funk und Elektronische Tanzmusik auf. Inhaltlich behandeln die Liedtexte Liebe, Sexualität, Wollust und Partys. Alle Stücke singt Prince melodisch und trägt sie im beschleunigten „Camille“-Gesang vor.

Die Backing Vocals in Goodlove und Rockhard in a Funky Place stammen von Susannah Melvoin, zudem ist Jill Jones in Goodlove zu hören. Beide Sängerinnen werden in den Liner Notes nicht genannt. Mit Melvoin war Prince von August 1985 bis Ende April 1986 verlobt, mit Jones arbeitete er zwischen 1982 und 1990 wiederholt zusammen.

  1. Rebirth of the Flesh
    Der Opener ist eine dynamische Rocknummer, dominiert von einem von Prince gespielten Gitarrenriff. Der Refrain enthält mit „La, la, la, la, la, la, Souly-a-Colia“ eine von ihm konstruierte Sprache ohne inhaltliche Bedeutung. Der Text stellt „die Begründer des neuen Boogie-Cool“ vor, die „den Beat haben, den du suchst“, das Publikum „garantiert rocken“ und zur „alten Schule“ gehören, während „alle zum ‚New Boogie Cool‘ tanzen“. Die Zeile „Kick drum pounds on the two and four, all the party people get on the floor“ („Die Kick-Drum schlägt auf die Zwei und Vier, alle Party-Leute kommen auf die Tanzfläche“) verwendete Prince 1988 als Einleitung seiner Lovesexy-Tour. Die Refrainmelodie griff er 1991 im Song Walk Don’t Walk auf, enthalten auf Diamonds and Pearls.[21]
  2. Housequake
    Der Song ist dem Funk zuzuordnen; die Hornriffs erinnern an Fred Wesley und Maceo Parker aus ihrer Zeit in James Browns Begleitband der 1960er Jahre. Die teils chaotisch wirkende Party-Atmosphäre verweist auf die Bands Funkadelic und Parliament von George Clinton. Der Liedtext thematisiert Partys, Tanzen und Lebensfreude. In den Backing Vocals wird unter anderem „The Penguin“ genannt, dabei handelt es sich jedoch nicht um eine reale Person, sondern um ein Kuscheltier.[22][23]
  3. Strange Relationship
    Das Stück ist der elektronischen Tanzmusik und dem Pop zuzuordnen. In der auf Sign “☮” the Times veröffentlichten Version wirkten Lisa Coleman und Wendy Melvoin mit, ehemalige Mitglieder von Prince’ Begleitband The Revolution, die er am 17. Oktober 1986 auflöste.[24] Coleman spielte Flöte und Sitar, Melvoin Conga und Tamburin. Für Camille entfernte Prince ihre Beiträge wieder.[25] Der Liedtext schildert eine ambivalente Liebesbeziehung: Der Protagonist erträgt weder das Glück noch die Traurigkeit seiner Geliebten; aus dieser Hassliebe geht keiner der Beteiligten als Sieger hervor, wofür er um Entschuldigung bittet.[26] Eine ausschließlich von Prince am Klavier eingespielte Fassung aus dem Oktober 1983 erschien postum im September 2018 auf Piano & A Microphone 1983 und unterscheidet sich deutlich von der Version auf Camille.
  4. Feel U Up
    Der dem Funk zuzuordnende Song weist eine roboterhaft wirkende Bassline sowie einen markanten Linn-Snare-Drum-Beat auf. Die Blasinstrumente verleihen dem Stück stellenweise ein konventionelles R&B-Gefühl. Der Liedtext thematisiert Wollust; Prince zufolge gehe es ausschließlich „um körperliche Anziehung“. Gegenüber der weiblichen Protagonistin zeigt er sich emotional distanziert und empfindet selbst einen „One-Night-Stand“ als übermäßige Verpflichtung; sein Interesse beschränkt sich darauf, sie „zu befummeln“.[27]
  5. Shockadelica
    Das Fantasiewort Shockadelica bezeichnet einen dem Funk zuzuordnenden Song, der auf einem einzelnen Akkord basiert und von einem dominanten Drum-Machine-Beat sowie einem rhythmischen Gitarren-Lick geprägt ist; im zweiten Abschnitt tritt zusätzlich eine Rockgitarre hinzu. Der Liedtext schildert eine skrupellose Frau, die Männer manipuliert und kontrolliert. Prince singt etwa, sie müsse eine Hexe sein; inspiriert wurde diese Darstellung von der Schauspielerin Troy Beyer, die er 1986 mehrfach traf und die 1992 die weibliche Hauptrolle im Musikvideo zu Sexy M.F. übernahm. Obwohl Shockadelica vordergründig sexuelle Motive betont, thematisiert der Text einen Mann, der mit Versuchungen ringt, die aus seinen eigenen lüsternen Fantasien entstehen. In der letzten Strophe beschreibt Prince „Shockadelica“ als ein Gefühl „einsamer Kälte“, das „niemand kennen sollte“, fügt jedoch ironisch hinzu, dass letztlich „jeder dieses Gefühl kennt“. Damit verweist er auf die allgemeine Spannung zwischen Lust und Verzweiflung.[28][29]
  6. Goodlove
    Goodlove, später in Good Love umbenannt, ist ein temperamentvoller Song aus den Genres Electro Funk und Pop, der auf einer markant rhythmischen Keyboard-Phrase basiert und von einem Linn LM-1-Drumcomputer geprägt wird. Der Liedtext beschreibt das Begehren nach einer Frau, die in Prince „ein Feuer“ entfacht, und entwirft zugleich ein utopisches Bild eines Landes voller „Kirschkuchen und Apfelküsse“, in dem „alles cool ist“. Zudem enthält der Text eine Anspielung auf die 3. Sinfonie von Gustav Mahler; am Ende des Stücks ruft Prince „Gustav“ und spielt kurz ein Motiv aus dieser Sinfonie.[16][27][30]
  7. If I Was Your Girlfriend
    Der ruhige Song ist dem Funk und Rock zuzuordnen. Das auf Sign “☮” the Times enthaltene rund 15-sekündige Intro fehlt auf Camille, da Prince es erst am 23. Dezember 1986 – also mehrere Wochen nach Fertigstellung des Albums – aufnahm. Während der Aufnahmen verursachte Toningenieurin Susan Rogers unbeabsichtigt einen technischen Einstellungsfehler, durch den Prince’ Gesang stellenweise verzerrt klingt; entgegen ihrer Befürchtung behielt er den Effekt bei. Der Liedtext beschreibt die Sehnsucht nach einer unverkrampften Intimität unter Freundinnen und ist von dem Verhältnis inspiriert, das Prince bei den Zwillingen Susannah und Wendy Melvoin beobachtet hatte.[31][32][33]
  8. Rockhard in a Funky Place
    Der letzte Albumtitel ist von einem funkigen Groove mit Synthesizer-, Trompeten- und Saxophon-Phrasen geprägt. Im anzüglichen Liedtext singt Susannah Melvoin dezent im Hintergrund. Der Protagonist befindet sich in einem „Haus des schlechten Rufes“ und ringt mit seinen Ängsten; unabhängig davon, ob er nach zwischenmenschlicher oder religiöser Liebe sucht, kehrt er immer wieder dorthin zurück und versucht, sich zu entspannen. Dies wird als Anspielung auf Masturbation gedeutet, da er seine Suche nach Sinn zugunsten kurzfristiger Befriedigung aufgibt.[34][35]

Titelliste und Veröffentlichungen

# Titel Dauer Veröffentlichung
A-1 Rebirth of the Flesh 4:54 2020: Sign o’ the Times Super Deluxe
A-2 Housequake 4:41 1987: Sign “☮” the Times
A-3 Strange Relationship 4:04 1987: Sign “☮” the Times
A-4 Feel U Up 6:30 1989: B-Seite von Partyman
B-1 Shockadelica 6:12 1987: B-Seite von If I Was Your Girlfriend
B-2 Goodlove 5:11 1988: Soundtrack von Bright Lights, Big City
B-3 If I Was Your Girlfriend (ohne Intro) 4:47 1987: Sign “☮” the Times
B-4 Rockhard in a Funky Place 4:31 1994: Black Album
Spieldauer: 40:50 min.
Autor aller Songs ist Prince

Das Album Camille sollte im Januar 1987 unter Prince’ gleichnamigem Pseudonym bei Warner Bros. Records auf LP erscheinen, wurde jedoch nicht veröffentlicht. Alle acht Songs erschienen zwischen März 1987 und September 2020 auf anderen Tonträgern von Prince.

Vier Stücke wurden bereits 1987 veröffentlicht: Housequake, If I Was Your Girlfriend und Strange Relationship erschienen auf dem im März veröffentlichten Doppelalbum Sign “☮” the Times, während Shockadelica als B-Seite der im Mai 1987 ausgekoppelten Single If I Was Your Girlfriend erschien.

Goodlove erschien erstmals am 8. März 1988 auf dem Soundtrack Bright Lights, Big City zum gleichnamigen Kinofilm (deutscher Titel: Die grellen Lichter der Großstadt). 1998 veröffentlichte Prince den Song erneut auf Crystal Ball in einer um 16 Sekunden gekürzten Fassung. Es handelt sich um den einzigen Song, den Prince unter drei verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte: 1986 als „Camille“, 1988 als „Prince“ und 1998 als „Symbol“.

Feel U Up erschien als B-Seite der im August 1989 veröffentlichten Single Partyman aus dem Album Batman. Die Originalversion von 1981 wurde postum im November 2019 auf 1999 Super Deluxe veröffentlicht.

Rockhard in a Funky Place erschien offiziell im November 1994 auf dem Black Album. Ursprünglich war der Song für dessen Veröffentlichung im Dezember 1987 vorgesehen, bevor Prince das Album kurzfristig zurückzog.

Von Rebirth of the Flesh veröffentlichte Prince am 28. August 2001 auf seiner damaligen Website eine Rehearsal-Version aus dem Januar 1987, die ausschließlich als Download verfügbar war. Die Originalfassung erschien postum im September 2020 auf Sign o’ the Times Super Deluxe und ist 34 Sekunden länger als die Version von Camille.

Singles

Am 7. November 1986, zwei Tage nach Fertigstellung von Camille, kürzte und mischte Prince die Songs Shockadelica und Housequake, da Shockadelica als Vorab-Single vorgesehen war, mit Housequake als B-Seite.[36] Die Pläne wurden jedoch verworfen. Shockadelica wurde auf 3:30 Minuten gekürzt und schließlich als B-Seite der Single If I Was Your Girlfriend veröffentlicht; 1993 erschien der Titel zudem auf The Hits/The B-Sides. Housequake kürzte Prince auf 3:22 Minuten und verwendete die Fassung als B-Seite der im Juli 1987 ausgekoppelten Single U Got the Look.[37] Dabei wurde der Text zensiert, indem „Bullshit“ durch „Bull“ ersetzt wurde. Musikvideos zu Songs des Albums Camille entstanden nicht.

Coverversionen

Zu den drei Songs If I Was Your Girlfriend, Rockhard in a Funky Place und Shockadelica existieren Coverversionen.[38][39][40] If I Was Your Girlfriend wurde unter anderem von TLC (1994), OP:L Bastards (2001), Eels (2008), Minor Majority (2008) und David Helbock (2012) neu interpretiert; zudem enthält ’03 Bonnie & Clyde (2002) von Beyoncé und Jay-Z Textpassagen aus dem Song. 1996 veröffentlichte der Jazzmusiker T. J. Kirk eine Liveversion eines Medleys aus Get on the Good Foot (1972) von James Brown und Rockhard in a Funky Place. Weitere Einspielungen dieses Titels stammen vom britischen Jazztrompeter James McMillan (2001) sowie vom norwegischen Musiker Gunnar Andreas Berg mit Erlend Smalås (2008). Das Stück L.M.L.Y.P. (1990) von Ween basiert auf Shockadelica.

Mitwirkende

Musiker

Alle Songs wurden von Prince unter dem Pseudonym „Camille“ arrangiert, komponiert, produziert und eingesungen. Die Instrumente spielte er überwiegend selbst ein; ergänzt wurden die Aufnahmen durch folgende Mitwirkende:[41][42][43][44]

  • Atlanta Bliss – Trompete in Feel U Up, Housequake, Rebirth of the Flesh, Rockhard in a Funky Place
  • Brad Marsh, Coke Johnson, Gilbert Davison, Mike Soltys, Susan Rogers, Todd Hermann und „The Penguin“ – „Party Voice“ in Housequake
  • Eric Leeds – Saxophon in Feel U Up, Housequake, Rebirth of the Flesh, Rockhard in a Funky Place
  • Jill Jones – Backing Vocals in Goodlove, Shockadelica
  • Lisa ColemanHolzflöte und Sitar in Strange Relationship
  • Susannah Melvoin – Backing Vocals in Goodlove, Rockhard in a Funky Place
  • Wendy MelvoinCongas und Tamburin in Strange Relationship

Technisches Personal

  • Chris Bellman – Lacquer Cut
  • Coke Johnson – Toningenieur
  • Susan Rogers – Toningenieurin

Weitere Produktionsdetails sind nicht bekannt.

Rezensionen

Bereits seit 1987 kursierten mehrere Songs aus Camille auf verschiedenen Prince-Bootlegs, wobei die Titel nicht immer korrekt angegeben wurden; so erscheinen Feel U Up und Rebirth of the Flesh dort häufig unter den Bezeichnungen Let Me Feel U Up beziehungsweise Souly-A-Colia.[45][46][47]

Vom Originalalbum Camille existieren weltweit schätzungsweise nur 25 Exemplare, die Prince teilweise an Führungskräfte von Warner Bros. Records sowie an Mitarbeiter verteilte. Das US-Auktionshaus RR Auction versteigerte bislang drei Exemplare: Am 14. September 2016, fünf Monate nach Prince’ Tod, erzielte eines davon 29.645 US-Dollar (damals 26.393 Euro).[48] Dieses stammte aus der Sammlung von Karen Krattinger, die von Beginn der Purple-Rain-Tour im November 1984 bis zur Veröffentlichung von Batman im Juni 1989 als Produktionskoordinatorin, Roadmanagerin und Geschäftsführerin von PRN Productions für Prince tätig war und am Aufbau seines Paisley-Park-Studios in Chanhassen beteiligt war.[49] Ein weiteres Exemplar wurde am 27. September 2017 für 58.787 US-Dollar (damals 49.766 Euro) versteigert,[50] ein drittes am 12. Januar 2022 für 49.375 US-Dollar (damals 43.514 Euro).[51]

Im März 2022 gab Ben Blackwell (* 1982), Mitbegründer des Labels von Jack White, Third Man Records, bekannt, die Rechte am Album Camille vom Prince-Nachlass erhalten zu haben. Ein Veröffentlichungsdatum oder weitere Details wurden nicht genannt; Blackwell erklärte jedoch: „Die Leute von Prince haben zugestimmt – es war fast zu einfach.“ Eine offizielle Stellungnahme des Prince Estate blieb aus, ebenso konnte ein Sprecher von Third Man Records die geplante Veröffentlichung bestätigen oder dementieren.[52]

Bis 2026 lagen weder von Third Man Records noch vom Prince Estate weitere Informationen vor, ob oder wann Camille offiziell veröffentlicht wird; daher gilt das Album weiterhin als unveröffentlicht.

Literatur

  • Alex Hahn: Besessen – Das turbulente Leben von Prince. Hannibal Verlag, Höfen 2016, ISBN 978-3-85445-610-0.
  • Arthur Lizie: Prince FAQ: All That’s Left to Know About the Purple Reign. Backbeat Books, Guilford (Connecticut) 2020, ISBN 978-1-61713-670-2.
  • Duane Tudahl: Prince and the Purple Rain Era Studio Sessions 1983 and 1984. Rowman & Littlefield, London 2018, ISBN 978-1-5381-0549-8.
  • Duane Tudahl: Prince and the Parade & Sign o’ the Times Era Studio Sessions 1985 and 1986. Rowman & Littlefield, London 2021, ISBN 978-1-5381-4451-0.
  • Jon Ewing: Prince – CD Books. Carlton Books, Rastatt 1994, ISBN 3-8118-3986-1.
  • Matt Osgood: Prince – King of B-Sides. Independently published, Wrocław 2024, ISBN 979-8-3376-3748-8.
  • Matt Thorne: Prince – Die Biografie. Edel Germany GmbH, Hamburg 2017, ISBN 978-3-8419-0523-9.
  • Per Nilsen: DanceMusicSexRomance – Prince: The First Decade. Firefly Publishing, London 1999, ISBN 0-946719-23-3.
  • Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince. Nilsen Publishing, Linköping 2004, ISBN 91-631-5482-X.

Einzelnachweise

  1. a b c Nilsen (1999), S. 217.
  2. Draper (2016), S. 70.
  3. Thorne (2017), S. 175.
  4. Tudahl (2018), S. 300.
  5. Hahn (2016), S. 167.
  6. Ewing (1994), S. 76.
  7. Nilsen (1999), S. 267.
  8. Begleitheft der CD The Hits/The B-Sides, 1993
  9. Tudahl (2021), S. 483–485.
  10. Nilsen (1999), S. 215.
  11. Osgood (2024), S. 131–132.
  12. a b Nilsen (1999), S. 280.
  13. Nilsen (1999), S. 216.
  14. Tudahl (2021), S. 532.
  15. Tudahl (2021), S. 533–535.
  16. a b Begleitheft von Crystal Ball, NPG Records, 1998
  17. Tudahl (2018), S. 40.
  18. Tudahl (2021), S. 332.
  19. Tudahl (2021), S. 549.
  20. Nilsen (1999), S. 219.
  21. Uptown (2004), S. 444.
  22. Nilsen (1999), S. 223.
  23. Uptown (2004), S. 376.
  24. Uptown (2004), S. 75.
  25. Tudahl (2021), S. 548.
  26. Hill (1989), S. 269–270.
  27. a b Uptown (2004), S. 432.
  28. Nilsen (1999), S. 214–215.
  29. Uptown (2004), S. 433.
  30. Tudahl (2021), S. 538–539.
  31. Nilsen (1999), S. 222.
  32. Hahn (2016), S. 160.
  33. Hahn (2016), S. 163.
  34. Uptown (2004), S. 396.
  35. Uptown (2004), S. 397.
  36. Tudahl (2021), S. 551.
  37. Nilsen (1999), S. 219.
  38. Prince auf Cover.Info
  39. Prince auf SecondHandSongs
  40. Prince auf WhoSampled
  41. Begleitheft der Doppel-CD Sign o’ the Times von Prince, Warner Bros. Records / Paisley Park Records, 1987
  42. Tudahl (2021), S. 531.
  43. Tudahl (2021), S. 534.
  44. Tudahl (2021), S. 538.
  45. Camille. In: rateyourmusic.com. 2025, abgerufen am 5. Februar 2025 (englisch).
  46. Prince – Camille’s Crystal Ball. In: musik-sammler.de. 2025, abgerufen am 5. Februar 2025.
  47. Prince – Camille (Collector’s Edition). In: discogs.com. 2025, abgerufen am 5. Februar 2025 (englisch).
  48. Lizie (2020), S. 301.
  49. Daniel Kreps: Rare Copy of Prince’s Unreleased LP ‘Camille’ Up for Auction. In: rollingstone.com. 9. September 2016, abgerufen am 5. Februar 2025 (englisch).
  50. Osgood (2024), S. 133.
  51. Prince 1986 ‘Camille’ Advance Pressing. In: rrauction.com. 12. Januar 2022, abgerufen am 5. Februar 2025 (englisch).
  52. Osgood (2024), S. 135.