Die List und Tücke der Frauen (101 Nacht)

Die List und (die) Tücke der Frauen, auch Der Königssohn und die sieben Wesire ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 14), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie enthält zwanzig Binnengeschichten (HEN 15-34).

Eine Sklavin will den Königssohn zum Mord an seinem Vater überreden. Als dieser sie zurückweist, behauptet sie, er habe versucht sie zu verführen und angegriffen. Zwischen der Sklavin und den Wesiren des Königs entwickelt sich ein Intrigenspiel, bei der beide Seiten auf Geschichten als Gleichnisse zurückgreifen.

Die Rahmengeschichte ist weitestgehend gleich mit der Tausendundeine Nacht-Variation Die List und Tücke der Frauen (ANE 181), die jedoch mehr und teils andere Binnen-Geschichten enthält.

Handlung

Einst lebte ein mächtiger König namens Sayf al-Alam (Schwert der Notabeln), der jedoch keinen Sohn hatte und darüber sehr betrübt war. Schließlich wurde ihm doch noch ein Sohn geboren. Die Astrologen weissagten, dass der Junge ein langes Leben haben könne, ihn jedoch im Alter von 21 Jahren ein großes Unglück heimsuchen werde, das zu seinem Tode führen könne. Der König wunderte sich über die Weissagung.

Nun schickte sich der König an, seinen Sohn auszubilden und in die Lehrstube der Schreiber zu schicken, bis sein Sohn zwölf Jahre alt geworden war. Dan übergab er ihn den Studenten der Wissenschaften. Eines Tages erhob sich Sindbad der Weise, der des Königs eigener Lehrer gewesen war und befand, dass die Lehrmethoden der Ausbilder ungeeignet waren, da sie zwar den Verstand, nicht aber das Herz des jungen Prinzen erreichten. Um seine Argumentation zu unterstreichen, erzählte er das Gleichnis Die Erziehung des Elefanten (HEN 15). Der König ging auf Sindbads Vorschlag ein, dass dieser ihn fortan ausbilden solle.

Sindbad lehrte den Prinzen fortan in kurzer Zeit zahlreiche Wissenschaften, darunter die Grammatik, Literatur und Poesie. Schließlich war der Junge ausgebildet und sollte nun zu seinem Vater gebracht werden. Doch als Sindbad in die Sterne sah, erkannte er eine schlimme Prophezeiung und gebot seinem Schüler die nächsten sieben Tage nicht zu sprechen.

Der erste Tag

Als der Prinz nun am nächsten Tag vor den König trat und befragt werden sollte, befolgte er den Rat seines Lehrers und blieb stumm. Eine Sklaven-Konkubine des Königs sah dies und bat den König darum, mit dem Prinz allein zu sein. Um ihn zum Sprechen zu bringen, schlug sie ihm vor, dass er selbst König werden könne, wenn er seinen Vater ermorden könnte; sie würde dann eine Königin sein.

Über diesen Vorschlag geriet der Prinz so sehr in Zorn, dass er seinen Schwur vergaß und zu sprechen begann. Zudem wies er das Ansinnen de Sklavin unmissverständlich zurück. Daraufhin ersann sie eine List, zerkratzte sich das Gesicht und zerriss ihre Kleider und schrie laut auf. Der König eilte herbei und sah die Szene. Der Junge nahm sein Schweigegelübde wieder auf. Die Sklavin erklärte, sein Sohn habe versucht sie zu verführen und sie habe dies abgelehnt. Daraufhin habe er ihr das Gesicht zerkratzt, die Kleider zerrissen und sie töten wollen. Der König geriet darüber in solche Wut, dass er den Befehl gab, seinen Sohn zu töten.

Nun hatte der König sieben kluge Wesire, die fürchteten, dass der König im Zorn seinen Sohn töten, es danach bereuen und dann sie für seinen Tod mitverantwortlich machen würde. Sie berieten sich und der erste Wesir eilte zum König und bat ihn milde zu sein, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und sich mit seinen Beratern zu besprechen. Um seine Argumentation zu unterstreichen, dass ein König keine unbedachten Entscheidungen treffen sollte, erzählte der die Geschichte Die Löwenspur (HEN 16) und zweifelte die Geschichte der Sklavin an, indem er über die Listen und Tücken verwies. Dies untermauerte er mit der Geschichte Der Papagei (HEN 17). Da ließ der König seinen Sohn nicht töten.

Der zweite Tag

Doch am nächsten Tag kam die Sklavin wieder zum König, brach in Tränen aus und erklärte, er dürfe seinem Sohn nicht einfach verzeihen, wo er doch den Tod verdient habe. Daraufhin erzählte sie dem König die Geschichte Vom Walker und seinem Sohn (HEN 18), und befand, der König werde wie der Walker zusammen mit seinem Sohn untergehen. Daraufhin gab der König den Befehl seinen Sohn zu töten. Nun jedoch schritt der zweite Wesir ein, der König solle nichts Unbedachtes tun, dann seine Reue werde ihm danach nichts mehr nützen. Er untermauerte dies mit der Geschichte Die zwei Brote (HEN 19). Zudem sei ihm über die List und Tücke der Frauen die Geschichte Der Dienstjunge in der Vorratskammer (HEN 20) zu Ohren gekommen. Da befahl der König, seinen Sohn nichts zu töten.

Der dritte Tag

Am dritten Tag kam die Sklavenkonkubine wieder zum König, bei sich hatte sie ein Messer. Sie klagte vor dem König, sie wolle lieber Selbstmord begehen und erzählte ihm die Geschichte Der Königssohn und die Menschenfresserin (HEN 21). Werde der König ihr jetzt nicht ihr Recht geben, werde sie sich umbringen. Da ließ der König den Befehl geben, seinen Sohn zu töten. Nun kam der dritte Wesir herbeigelaufen und erzählte die Geschichte Der Honigtropfen (HEN 22) um davor zu warnen, wie schnell eine Situation eskalieren könne. Über die List und Tücke der Frauen erzählte er nun die Geschichte Reis und Zucker (HEN 23). Daraufhin befahl der König, seinen Sohn nicht zu töten.

Der vierte Tag

Am vierten Tag kam die Sklavin wieder, erneut mit dem Messer, und wieder drohte sie damit, sich zu töten. Sie hoffe, dass Gott ihr beistehe, wie er dem Prinzen gegen den Wesir in der Geschichte Die Zauberquelle (HEN 24) beigestanden habe. Da befahl der König seinen Sohn zu töten. Nun kam der vierte Wesir herbei und riet dem König, auf den Rat seiner Wesire zu hören, statt etwas unbedachtes zu tun. Hierzu erzählte er die Geschichte Der Königssohn im Hammam (HEN 25). Über die Listen und Tücken der Frauen erzählte er die Geschichte Die weinende Hündin (HEN 26). Da befahl der König, dass sein Sohn nicht getötet wird.

Der fünfte Tag

Am fünften Tag kam die Sklavin wieder zum König und drohte sich ins Feuer zu stürzen, wenn der König ihr nicht ihr Recht gebe. Da erzählte sie ihm die Geschichte Affe und Schwein (HEN 27). Da befahl der König, seinen Sohn zu töten. Nun kam der fünfte Wesir herbei und warnte den König etwas überhastet zu tun, was er mit der Geschichte Schlange und Hund (HEN 28) unterstrich. Über die List und Tücke der Frauen erzählte er die Geschichte Die Brandflecken (HEN 29). Da befahl der König, seinen Sohn nicht zu töten.

Der sechste Tag

Am sechsten Tag kam die Sklavin wieder, diesmal hatte sie Gift bei sich und erzählte die Geschichte Der Dieb, der Löwe und der Affe (HEN 30). Da befahl der König, seinen Sohn zu töten. Nun kam der sechste Wesir und erklärte dem König mit Verweis auf Die Geschichte Der Fischer beim König (HEN 31), dass ein Mann nie auf eine Frau hören dürfe. Er untermauerte dies noch mit der Geschichte Die Elefantenfigur (HEN 32). Da befahl der König, seinen Sohn nicht zu töten.

Der siebte Tag

Am siebten Tag sagte die Sklavin zu sich. „Wenn ich ihn heute nicht zu Tode bringe, wird er morgen reden und dann werde ich sterben.“ Ihr war es lieber Selbstmord zu begehen, als durch den König hingerichtet zu werden. So schenkte sie all ihr Gut an die Armen und Bedürftigen und bereitete einen Scheiterhaufen vor, auf dem sie sich verbrennen wollte. Der König hörte davon, gab den Befehl die Sklavin aufzuhalten und seinen Sohn zu töten. Nun trat der siebte Wesir heran und erzählte ihm die Geschichte Die drei Wünsche (HEN 33) und über List und Tücke der Frauen die Geschichte Der Frauenforscher (HEN 34). Da befahl der König, dass sein Sohn nicht getötet werde.

Der achte Tag

Nun kam der achte Tag und der Prinz begann wieder zu sprechen, woraufhin er den Wesiren für ihren Einsatz für ihn dankte und zu seinem Vater, dem König geführt wurde. Der König bat seinen Sohn um Verzeihung dafür, dass er ihn fast hätte hinrichten lassen. Nun erzählte der Sohn aus seiner Sicht, was sich zugetragen hatte. Nun fragte der König, wer schuld gewesen sei, wenn er seinen Sohn getötet habe, woraufhin einer der Gelehrten feststellte, dass der König selbst schuld wäre. Ein anderer Gelehrter erklärte hingegen, der König sei unschuldig, da es auf der Welt keine Versuchung gebe, deren Ursache nicht die Frauen seien. Nun wurde das Sklavenmädchen herbeigebracht und der König fragte, warum sie gelogen habe. Da erklärte sie, was sie zu seinem Sohn gesagt habe, habe sie tatsächlich gesagt, jedoch nur in der Absicht ihn zum Sprechen zu bringen. Als er zornig gewesen sei, habe sie Angst um ihr eigenes Leben bekommen und der Teufel sich ihres Herzens bemächtigt und sie zu ihren Taten verleitet.

Der König war zufrieden mit dieser Antwort, ließ die Sklavin freisprechen und verzieh ihr.

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 56. bis 75. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1] Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]

Die Rahmengeschichte ist weitestgehend gleich mit der Tausendundeine-Nacht-Variation Die List und Tücke der Frauen (ANE 181), die jedoch mehr und teils andere Geschichten enthält.

Ob es sich bei der Figur des Gelehrten Sindbad um dieselbe Figur wie den Seefahrer Sindbad handelt, wird im Text nicht erwähnt.

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht. Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 141–181.

Einzelnachweise

  1. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 141–181.
  2. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.