Die weinende Hündin

Die weinende Hündin ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 26), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).

Als ein Mann die Frau eines anderen verführen will, nimmt er die Hilfe einer Alten in Anspruch, die schon bald eine multiple Ehe-Krise auslöst.

Handlung

Eine Frau hatte einen Ehemann, weit entfernt auf Reise war. Sie hatten vereinbart, dass keiner den anderen betrügen dürfe. Der Mann hatte ihr einen Zeitpunkt genannt, an dem er zurück sein würde. Als er aber nicht zurückkam, schaute die Frau aus der Tür ihre Hauses die Straße hinunter. Da erblickte sie ein anderer Mann und wollte sie verführen; doch die Frau wies ihn ab. Da suchte er Hilfe bei einer Alten und gab ihr als Lohn einen goldenen Dinar.

Die Alte backte einen runden Brotfladen mit Schmalz und einer Menge schwarzem Pfeffer und ging zum Haus der Frau, die der Mann begehrte. Bei sich hatte sie ihre Hündin, die sie stets begleitete. Nun gab sie der Hündin Stücke von dem Brot, die sie wegen des Schmalzes begierig fraß. Bald jedoch tränten der Hündin die Augen wegen des Pfeffers. Nun klopfte die Alte an das Haus der Frau, während ihre Hündin weinend mit dem Schwanz wedelte. Als die Frau fragte, was denn mit der Hündin sei, erwiderte die Alte, dass die Hündin einst eine Frau war, die einen Mann abgewiesen hatte, der sie versucht hatte zu verführen. Die Frau bekam es mit der Angst zu tun und erzählte der Alten, dass auch sie von einen Mann abgewiesen hatte, der versucht hatte sie zu verführen. Um nicht ebenfalls verhext zu werden, war die Frau nun bereit sich auf den Fremden einzulassen und gab der Alten einen Dinar, damit sie ihn zu ihr bringe.

Als die Alte jedoch den Mann nicht mehr auffinden konnte, entschied sie sich, der Frau einen anderen Mann zu bringen – und traf, ohne es zu wissen, auf den Ehemann der Frau, der sich gerade auf der Rückreise befand. Da lud die Alte ihn zu Essen, Trinken und "einem schönen Gesicht" ein und der Ehemann sagte zu. Nun führte sie ihn jedoch zu seinem eigenen Haus und er glaubte, dass seine Frau ihn seither betrog. Als er auf seine Frau traf, hatte sie sich schön gemacht und sah nun zu ihrem Verwundern ihren eigenen Mann dort sitzen.

Augenblicklich stürzte sie sich auf ihren Gatten, zog ihm am Bart und beschimpfte ihn als widerlichen Lüstling, der sein Eheversprechen breche und Kupplerinnen wie der Alten hinterher lief. Ihr Mann entgegnete, was denn mit ihr sei, woraufhin die Frau rasch log, sie habe sich für ihn hübsch und zurecht gemacht und ihm dieses alte Weib entgegengeschickt. Sie habe ihn zur Unzucht verführen sollen, damit sie sehen konnte, ob ihr Mann bereit sei sie zu betrügen oder nicht. Da ihr Mann mit ihr mitgegangen war, schwor sie, nie wieder mit ihm zu schlafen.

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 66. und 67. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]

Parallelen zu anderen Geschichten

Dass ein Mann für seine Verführungsversuche bei einer jungen Frau sich der Hilfe einer alten Frau bedient, findet sich auch in anderen Geschichten von Hundertundeine Nacht; etwa Die Brandflecken (HEN 29).

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 162–164.

Einzelnachweise

  1. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 162–164.
  2. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.