Der Honigtropfen
Der Honigtropfen ist eine der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und dessen kleinem Schwesterwerk Hundertundeine Nacht. In der Arabian Nights Encyclopedia wird sie als ANE 189 gelistet (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten);[1] in Hundertundeine Nacht ist sie die 22. Geschichte (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 22).
Sie ist eine Binnengeschichte der größeren Erzählung Die List und Tücke der Frauen (ANE 181) aus Tausendundeine Nacht, sowie der gleichnamigen, anderen Erzählung aus Die List und Tücke der Frauen (HEN 14) aus Hundertundeine Nacht.
Die Anekdote beschreibt eine Eskalationsspirale.
Handlung
In Tausendundeine Nacht
Ein Jägersmann pflegte in die Steppe zur Jagd auszuziehen. Eines Tages fand er ein Loch voll Bienenhonig, schöpfte davon etwas mit einem Schlauch ab, kehrte damit in die Stadt zurück und verkaufte den Honig an einen Ölhändler. Als er den Schlauch übergab, fiel ein Tropfen auf den Boden. Nun sammelten sich die Fliegen um den Tropfen, auf die sich ein Vogel hinabstürzte, der wiederum von der Katze des Ölhändlers gejagt wurde, auf die sich wiederum der Hund des Jägers stürzte und die Katze totbiss. Da schlug der Ölhändler den Hund tot und der Jäger wiederum den Ölhändler. Nun gehörten der Ölhändler und der Jäger aber zwei verschiedenen Dörfern an und auch deren Bewohner gingen mit Waffen aufeinander los, bis man die Zahl der Toten kaum noch zählen konnte.
In Hundertundeine Nacht
Ein Imker brachte seinen Honig in einem Gefäß auf dem Markt. Zusammen mit seinem Hund betrat er den Laden eines Mannes, dem er den Honig zu Weiterverkauf anbieten wollte. Der Ladenbesitzer kostete mit einem Löffel von dem Honig. Da fiel ein Tropfen auf den Boden und eine Wespe setzte sich auf ihn. Da sprang die Katze auf die Wespe, woraufhin der Hund des Imkers die Katze tot biss. Da erschlug der Ladenbesitzer den Hund und nun gingen er und der Imker aufeinander los. Da kamen die Bewohner ihrer beiden verschiedenen Dörfer herbei und bekämpften sich so lange, bis sie alle tot waren.
Hintergrund
Die Geschichte findet sich in Tausendundeine Nacht unter anderem in der Kalkutta-II-Edition, die Richard Francis Burton[1] und Enno Littmann[2] für ihre Übersetzungen nutzten.
In Hundertundeine Nacht spielt sie in der 64. Nacht.[3] Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[4]
Ausgaben
- Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968 (Erstausgabe 1922–1928), 6 Bände (Kalkutta-II-Edition), Band 4, S. 278f.
- Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 157f.
Literatur
- Ulrich Marzolph, Richard van Leeuwen und Hassan Wassouf: The Arabian Nights Encyclopedia, ABC-Clio, Santa Barbara 2004.
Einzelnachweise
- ↑ a b Ulrich Marzolph, Richard van Leeuwen und Hassan Wassouf: The Arabian Nights Encyclopedia, ABC-Clio, Santa Barbara 2004, S. 171.
- ↑ Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968 (Erstausgabe 1922–1928), 6 Bände (Kalkutta-II-Edition), Band 4, S. 278f.
- ↑ Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 157 f.
- ↑ Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.