Der Frauenforscher
Der Frauenforscher ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 34), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).
Als ein Mann die Listen und Tücken der Frauen erforschen will, lernt er diese am eigenen Leib kennen.
Handlung
Ein Mann wollte die Listen und Tücken der Frauen erforschen und ging dazu auf Forschungsreise. Er kam in ein Dorf, wo ein Mann ihn und das ganze Dorf zu einem Festmahl einlud. Dabei gab der sich Reisende als arm aus und behauptete, er habe in den letzten vierzig Tagen nichts als Asche gesehen und Gerstenbrot mit Salz gegessen. Da bekam der Gastgeber Mitleid und führte ihn zu seiner Frau, auf dass sie ihn mit Essen und Trinken bewirtete.
Die Frau fragte den Mann aus, der ihr erzählte, dass er sich die Listen und Tücken der Frauen genau einprägt und alles in einem Buch verzeichnet habe. Die Frau jedoch merkte sofort, dass der Mann ein Hohlkopf war und beschloss ihm eine Falle zu stellen. So erzählte sie ihm, dass ihr Mann seit Jahren mit ihr keinen Sex mehr gehabt habe und dass er nun ihre Lust mit der seinen befriedigen solle. Da machte sich der Mann saß schon auf ihr, als sie einen lauten Schrei ausstieß. Der Mann fiel vor Schreck von ihr und das ganze Dorf eilte herbei.
Sie fragten die Frau, was geschehen sei, woraufhin sie erwiderte, dass er sich an einem Bissen verschluckt und keine Luft mehr bekommen habe, woraufhin ihm die Augen hervortraten, woraufhin die Frau in Panik geschrien habe. Da der Mann völlig außer Atem war, glaubten sie ihr die Geschichte und gingen wieder davon. Die Frau wandte sich an den Mann, ob auch diese List in seinem Buch über die Listen und Tücken der Frauen stehe. Der Mann verneinte dies, ging fort und verbrannte sein Buch. Er hatte verstanden, das der Verschlagenheit der Frauen niemand beikommen kann.
Hintergrund
Die Geschichte spielt in der 72. bis 73 Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]
Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]
Literatur
- Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 176–178.