Die Brandflecken

Die Brandflecken ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 29), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).

Als ein Mann die Ehefrau eines anderen Mannes begehrt, spinnt eine alte Frau ein Netz aus Intrigen.

Handlung

Einst lebte ein Mann, der wann immer er von einer schönen Frau erfuhr, zu seiner alten Nachbarin ging und ihr davon erzählte. Eines Tages saß er so herum, als er ein Mädchen von strahlender Schönheit sah. Er folgte ihr, bis er sehen konnte, in welches Haus sie ging. Er lief gleich zu der Alten und erzählte ihr davon. Die Alte erzählte ihm wessen Ehefrau sie war und dass kein anderer Mann Hoffnung auf sie machen könne; weshalb der Mann sie vergessen solle. Doch der Mann bat sie flehentlich, sich etwas auszudenken.

Da schlug die Alte vor, dass er dem Ehemann der Frau ein Kleidungsstück abkaufen solle. Daraufhin suchte er den Ehemann auf dem Markt auf und feilschte mit ihm um dessen Mantel, solange bis der Ehemann schließlich nachgab. Der Mann kehrte zu der Alten mit dem Mantel zurück. Sie nahm den Mantel und versengte drei Brandlöcher hinein. Dann befahl sie dem Mann an seinem Platz zu bleiben, verließ das Haus und suchte da Mädchen auf. Die Alte bat um Wasser für die Gebetswaschung und die junge Frau ging, um es ihr zu holen. Schnell legte die Alte den angesengten Mangel unter ein Kissen, ohne dass das Mädchen es merkte. Sie wusch sich und verließ wieder das Haus.

Nun kam der Ehemann nach Hause und fand eben jenen Mantel unter dem Kissen vor, den er dem Mann auf dem Markt verkauft hatte. Er nahm an, dass seine Frau einen Liebhaber hatte und schlug sie heftig, ohne ihr auch nur ein Wort zu sagen. Das Mädchen eilte verstört zu ihrer Familie und kehrte später wieder in ihr Haus zurück. Nun kam die Alte am nächsten Tag wieder zu dem Mädchen und bat um Wasser für die Gebetswaschung. Auf ihre Frage hin, erzählte das Mädchen, das ihr Mann sie grundlos geschlagen hatte. Nun erzählte die Alte ihr, sie kenne einen Mann, der vielleicht zwischen ihr und ihrem Mann wieder Frieden stiften konnte. Nun führte sie sie direkt zu dem Mann.

Kaum hatte das Mädchen sein Haus betreten, fiel er über sie her, vergewaltigte sie und stillte seine Lust an ihr. Sie wagte vor Scham nicht zu schreien und blieb still, bis er seine Lust befriedigt hatte. Daraufhin sagte der Mann, er werde zwischen ihr und ihrem Ehemann Frieden stiften und gab ihr ein Amulett. Das Mädchen ging nach Hause zurück. Der Mann sprach zu der Alten, dass sie gut gehandelt habe, nun aber Zwietracht zwischen ihr und ihrem Mann herrsche. Doch auch für deren Versöhnung hatte die Alte einen Plan.

Sie wies den Mann an, zum Haus des Ehepaars zu gehen und sich zu beschweren, dass in dem Mantel drei Brandflecken gewesen seien. Daher habe er es einer alten Frau zum Stopfen und Flicken gegeben. So geschah es und dann kam die Alte hinzu. Der Ehemann fragte nun die Frau nach dem Gewand und sie entgegnete, dass sie an einem unbekannten Haus anklopfte, um sich für Wasser für das Gebet zu bitten. Dabei habe sie das Gewand vergessen. Daraufhin gab der Ehemann ihr das Gewand zurück und versöhnte sich wieder mit seiner Frau, nachdem er die ganze Geschichte erzählt hatte.

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 68. bis 69. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]

Parallelen zu anderen Geschichten

Dass ein Mann für seine Verführungsversuche bei einer jungen Frau sich der Hilfe einer alten Frau bedient, findet sich auch in anderen Geschichten von Hundertundeine Nacht; etwa Die weinende Hündin (HEN 26).

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 168–170.

Einzelnachweise

  1. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 168–170.
  2. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.