Die Zauberquelle
Die Zauberquelle ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 24), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).
Als ein Prinz von einer Wasserquelle trinkt, führt dies zu einer Geschlechtsumwandlung.
Handlung
Einst wollte ein König seinen Sohn der Tochter eines anderen Königs zur Frau geben. Der andere König bat darum, dass der mögliche Schwiegersohn erst einige Zeit bei ihm lebte, damit man ihn kennenlernen konnte. So reiste der Prinz zusammen mit dem Wesir seines Vaters in das andere Land. Unterwegs kamen sie zu einer Quelle, die einen Zauber in sich barg: Männer verwandelten sich in Frauen und Frauen in Männer, wenn sie von dem Wasser tranken. Dem Wesir war dies bekannt, doch sagte er dem Prinzen nichts davon und entfernte sich. Der Junge trank von dem Wasser, verwandelte sich in ein Mädchen und war völlig desorientiert.
Da kam ein Dschinn zu ihm und fragte, was mit ihm geschehen sei, woraufhin der Prinz ihm seine Geschichte erzählte. Daraufhin bot der Dschinn ihm an, sich an seiner statt in eine Frau zu verwandeln, damit der Junge wieder als Mann zu seiner künftigen Braut gehen konnte. Danach solle der Prinz wieder zurückkommen und sich wieder in eine Frau verwandeln. Der Prinz stimmte zu und beide verwandelten sich. Der Prinz ging zu seiner Familie und heiratete seine Braut.
Schließlich kam ihm der Bund wieder in den Sinn und er kehrte zu der Quelle zurück. Doch als er den Dschinn traf, fand er diesen schwanger vor. Der Prinz war empört, dass sie sich nun wieder zurückverwandeln sollten, denn als er noch eine Frau gewesen war, war der Dschinn noch Jungfrau gewesen. Die beiden stritten über die Angelegenheit, doch letztlich setzte sich der Königssohn durch. Er kehrte heim zu seinem Vater und erstattete Bericht. Der König ließ seinen Wesir töten.
Hintergrund
Die Geschichte spielt in der 65. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]
Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]
Literatur
- Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 160 f.