Der Dieb, der Löwe und der Affe

Der Dieb, der Löwe und der Affe ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 30), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).

Handlung

Einst kamen Reisende an einem Dorf vorbei, in dem es Räuber und Diebe gab. Die Dorfbewohner warnten die Reisenden vor Regen und den Dieben und wiesen sie an, für die Nacht ihre Sachen und Tiere zu sich zunehmen und eine Wache aufzustellen; ein Rat, den man befolgte. Als nun die Nacht kam, suchte ein Löwe Zuflucht und Unterstand vor dem Regen und dem Hagel und gesellte sich in der Dunkelheit zu den anderen Tieren. Nun schickte sie ein Dieb an, eines der Tiere zu stehlen, wobei er sich in der Dunkelheit den Löwen aussuchte und ihn sattelte ihn. Der Löwe lief los und rannte mit dem Dieb davon. Als der Morgen graute, lief der Löwe zu einem Baum und der Dieb hielt sich an einem Ast fest und blieb an ihm hängen. Der Löwe aber lief weiter.

Da traf der Löwe namens Abulharith auf einen Affen, der ihn nach seiner Beute fragte. Beide gingen zum Baum, wo der Dieb noch immer hing. Der Affe kletterte auf den Baum und ging so nah an den Mann heran, dass seine Hoden ihm auf den Kopf baumelten. Da packte der Dieb an die Hoden des Affen und zog daran, so fest er konnte. Der Affe schrie vor Schmerz, wurde ohnmächtig und starb, ehe der Mann ihn den Baum hinunterwarf. Als der Löwe das sah, floh er davon.

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 69.–70. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 170 f.

Einzelnachweise

  1. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 170 f.
  2. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.