Der Dienstjunge in der Vorratskammer
Der Dienstjunge in der Vorratskammer ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 20), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).
In der erotischen Satire schläft eine lüsterne Frau mit dem Dienstboten ihres Geliebten. Als ihr Ehemann nach Hause kommt, hilft ihr eine List sich aus der Schlinge zu ziehen.
Handlung
Eine Frau hatte einen Ehemann und einen Liebhaber, der zur engsten Gefolgschaft des Königs gehörte. Eines Tages schickte dieser einen Dienstjungen aus, um zu sehen, ob der Ehemann das Haus verlassen hatte. Als die Frau den Jungen erblickte, gefiel er ihr und sie bot ihm an, mit ihr Sex zu haben. Der Junge folgte ihrem Angebot. Währenddessen wunderte sich der Dienstherr, dass der Junge solange wegblieb und ging zum Haus seiner Geliebten. Als die Frau ihn bemerkte, versteckte sie den Jungen schnell und behauptete gegenüber ihrem Liebhaber, der Junge sei schon wieder weg. Ihr Geliebter blieb nun bei ihr, um seine Lust an ihr zu stillen.
Während sie gerade Sex hatten, sah die Frau auch ihren Ehemann kommen. Sie wollte nicht mit ihm schlafen müssen. Sie hatte jedoch auch Bedenken ihren Liebhaber zu verstecken, weil sie fürchtete, dieser könnte dann den Dienstjungen entdecken. So forderte sie ihren Liebhaber auf, sein Schwert zu ziehen und sie anzuschreien und dann aus dem Haus zu fliehen. So kam es und ihr Geliebter floh aus dem Haus, an dem Ehemann vorbei. Dieser trat nun ins Haus und konfrontierte seine Frau. Sie erklärte ihm, er suche nach seinem jungen Diener, den er habe töten wollen. Der Junge habe sie um Hilfe angefleht und sich in ihrem Haus versteckt, während die Frau dessen Herrn abwies. Der Ehemann schaute zur Tür hinaus, um zu sehen, ob der Dienstherr auch fort war, dann holte er den Jungen aus der Vorratskammer heraus.
Hintergrund
Die Geschichte spielt in der 62. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]
Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]
Literatur
- Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 153 f.