Die zwei Brote

Die zwei Brote ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 19), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14). Die Geschichte ist im Ablauf weitgehend identisch mit der Tausendundeine Nacht-Erzählung Von dem Geizigen und den beiden Broten (ANE 186).

Handlung

Einst lebte ein glücklicher und erfolgreicher Kaufmann, der gutes Essen und Trinken schätze. Einmal musste er auf Handelsreise und ging in eine andere Stadt. Dort schickte er seinen Dienstaugen aus, ihm zum Mittag etwas zu Essen zu holen. Auf dem Markt traf der Junge auf ein Mädchen mit zwei Fladenbroten, die er ihm abkaufte und sie zu seinem Herrn brachte. Der Kaufmann war davon angetan und trug dem Jungen auf, jeden Tag zwei solche Brote zu kaufen. Eines Tages jedoch hatte sie keine Brote mehr. Auf die Frage des Jungen weshalb, erklärte sie, dass derjenige, für den sie Brote gemacht hatte, gesund geworden war.

Der Junge kehrte zum Kaufmann zurück und erstattete ihm Bericht. Der Kaufmann schickte daraufhin ihn erneut zu dem Mädchen, um zu fragen, wie man die Brote zubereitet. Sie erklärte, dass ihr Herr einen Abszess am Rücken hatte und der Arzt empfohlen hatte, man solle feinstes Mehl, Honig und Butter verkneten und den Teig auf den Abszess legen. Dies hatte sie getan und sobald die Behandlung fertig war, zwei Brote aus dem Teig gebacken, die sie dann verkaufte.

Als der Kaufmann dies von seinem Diener erfuhr, jammerte er auf und schickte sich an, sich den Mund zu waschen und seinen ganzen Körper zu baden, doch hatte er nichts, um seinen Magen zu reinigen.[1]

Unterschiede zur Tausendundeine Nacht-Variante

Im Vergleich zur Tausendundeine Nacht-Variante Von dem Geizigen und den beiden Broten (ANE 186) fehlt der Geschichte am Ende eine wahre Lehre. In der anderen Variante kommt der Kaufmann nur deshalb an das schlechte Brot, weil er zutiefst geizig ist und möglichst wenig Geld ausgeben möchte. In der Hundertundeine Nacht-Fassung fehlt die Warnung am Ende, das in geringem Preis nicht auch geringe Qualität stecken kann; sowie das dramatische Ende: der Tod des Kaufmanns.[2][3]

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 61. bis 62. Nacht von Hundertundeine Nacht.[4]

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[5]

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 151 f.

Einzelnachweise

  1. Wiedergabe nach: Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 151 f.
  2. Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968, Band 4, S. 271f.
  3. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 149f.
  4. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 151 f.
  5. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.