Die Löwenspur

Die Löwenspur ist eine Geschichte aus Hundertundeine Nacht (→ Hundertundeine Nacht – Liste der Geschichten, HEN 16), dem kleinen Schwesterwerk von Tausendundeine Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Sie ist eine Binnengeschichte von Die List und Tücke der Frauen (HEN 14).

Handlung

Einst lebte ein König, der an allem, was man ihm zeigte, Gefallen fand. Als er eines Tages auf seiner Aussichtsterrasse saß, lief ein schönes, anmutiges Mädchen an ihm vorbei. Der König wollte sie für sich haben, ging in ihr Haus und sprach sie an. Das Mädchen gab ihm ein Buch und gebot ihm zu lesen, bis sie wiederkomme. Es war ein Buch ihres Ehemannes, das über den Ehebruch und andere Todsünden handelte. Der Königs las über die Strafen für Ehebrecher, bereute was er getan hatte und verließ das Haus. Dabei vergaß er seine Pantoffeln im Haus des Mädchens.

Als der Ehemann des Mädchens nach Hause kam, sah er dort die Pantoffeln des Königs stehen und es war für ihn klar, dass sie nur durch ein Techtelmechtel des Königs mit seiner Frau dorthin gekommen sein konnten. Er sagte nichts, hielt sich von einer Frau aber fern. Schließlich ging diese zu ihrer Familie und beklagte sich, dass er nicht mehr mit ihr Sex hatte. Da lud die Familie der Frau den Mann vor den König und bat um dessen Urteil, wobei sie die Metapher verwendete, dass er ein Stück Land gekauft und eifrig bestellt habe, dies nunmehr aber nicht mehr tue.

Der König fragte den Mann und dieser erklärte, dass er auf dem Feld die Spur eines Löwen gefunden habe, und er nun aus Angst vor dem Löwen dort nicht mehr hingehe. Der König erkannte, die Anspielungen und griff sie auf, indem er erklärte, dass ein Löwe tatsächlich auf seinem Acker gewesen sei, er aber keinen Schaden angerichtet habe.

Hintergrund

Die Geschichte spielt in der 60. Nacht von Hundertundeine Nacht.[1]

Für ihre Übersetzung griff die deutsche Arabistin Claudia Ott auf das Aga-Khan-Manuskript aus dem Jahr 1234 zurück, es ist die älteste erhaltene Handschrift der Geschichten aus Hundertundeine Nacht.[2]

Die Geschichte ist eine Variation der Tausendundeine Nacht-Geschichten Der König und die tugendhafte Frau(ANE 138)[3] und Firuz und seine Frau (ANE 285).[4]

Literatur

  • Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 148.

Einzelnachweise

  1. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 148.
  2. Claudia Ott: 101 Nacht, Manesse Verlag, Zürich 2012, S. 241.
  3. Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968 (Erstausgabe 1922–1928), 6 Bände (Kalkutta-II-Edition), Band 3, S. 539–541.
  4. Richard Francis Burton: Arabian Nights, Band 11 (Supplemental Nights to the Stories of One Thousand and One Nights with Notes, Band 1), 1900, S. 125–127.