Geschichte Maubaras

Die Geschichte Maubaras umfasst die historischen Ereignisse auf dem Gebiet des Reiches von Maubara bis zu den Entwicklungen im heutigen Verwaltungsamt Maubara im Nordwesten des südostasiatischen Staates Osttimor. Das Reich unter Führung eines Liurai stand etwa 100 Jahre unter niederländischer Oberhoheit und wurde erst vor 200 Jahren, wie der Großteil des heutigen Osttimors, eine portugiesische Kolonie. Die dokumentierte Geschichte ist durchgehend von inneren Machtkämpfen zwischen den verschiedenen Clans und Familien um die Vorherrschaft geprägt. Dabei nutzten die verschiedenen Kontrahenten Allianzen mit unterschiedlichen Partnern von außerhalb, so dass nationale und internationale Konflikte sich im Kleinen auch in Maubara widerspiegelten. Heute sind es die verschiedenen politischen Parteien, die über die alten Netzwerke versuchen, Wählerstimmen zu gewinnen.

Neben den Kolonialmächten beeinflussten japanische und indonesische Besatzer, chinesische Händler und Beziehungen von den Nachbarinseln im Norden bis weit nach Süden ins Innere der Insel Timor die Geschicke von Maubara. Gewalt blieb über Jahrhunderte ein fester Bestandteil der Geschichte. Nicht nur von außen, sondern auch durch die Einwohner untereinander.[1.1]

Übersicht

Maubara war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint unter anderem auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor (1859–1863), der im Jahre 1868 47 Reiche in der Kolonie aufführte.[2][3]

Heute ist Maubara Teil der Gemeinde Liquiçá, im Nordwesten von Osttimor zwischen der Sawusee im Norden und der Ebene des Flusses Lóis im Süden. Ein Gebirgszug durchzieht das Gebiet von West nach Ost, mit dem Foho Gugleur (1141 m) als höchsten Gipfel. Die Quellenlage ist unklar, ob dieser mit dem Berg Maubara gleichzusetzen ist, der in Geschichtsquellen genannt wird. Zumindest liegt auf dem Berg der Ort Lissa-Lara, der ehemalige Sitz der Herrscher Maubaras. Der Ort Maubara, der heutige Hauptort des Verwaltungsamtes Maubara, liegt an der Nordküste.

Das Territorium Maubaras veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Zuletzt wurde am 1. Januar 2024 vom Verwaltungsamt Maubara das Verwaltungsamt Loes abgetrennt. Maubara ist nun unterteilt in die Sucos Gugleur (Guguleur), Maubaralissa (Maubaralisa), Vatuvou (Vatubou) und Vaviquinia (Viviquinia).[4][5] Zu Loes gehören die Sucos Vatuboro, Guiço und Lissadila.[6][7]

Die Einwohner von Maubara und Loes gehören mit großer Mehrheit zur Ethnie der Tokodede. Im östlichen Teil der Gemeinde Liquiçá ist ihr Anteil geringer. Als Minderheit leben sie auch im Norden der Gemeinden Ermera und Bobonaro.[8]

Vor der europäischen Kolonisation gab es auf Timor keine Schrift. Es gibt aber mündliche Überlieferungen, die traditionell weitergegeben werden. Es ist auffällig, dass viele historische Ereignisse, die aus europäischen Quellen bekannt sind, gar nicht oder nur wenig Eingang in diese Überlieferungen gefunden haben. Selbst Details über die jüngste Vergangenheit, wie das Ende der portugiesischen Herrschaft auf Timor oder die folgende indonesische Besatzung (1975–1999), werden in Maubara kaum weitergegeben. Der Historiker Douglas Kammen, der zahlreiche mündliche Überlieferungen aus der Geschichte Maubaras sammelte und Interviews mit Zeitzeugen führte, sieht den Grund dafür nicht darin, „dass die Bevölkerung von Maubara sich nicht für die Vergangenheit interessiert oder nicht in der Lage war, mündliche Überlieferungen zu bewahren (obwohl dies durchaus zutreffen mag), sondern vielmehr darin, dass sie viel mehr daran interessiert ist, Positionen festzuhalten, als konkrete Taten zu schildern.“[1.2]

Mythischer Ursprung Maubaras

Laut der Legende des Ursprungs Maubaras stieg der der erste Mensch nach einer großen Flut aus der Erde empor. Seine Zunge war behaart und er aß seine Speisen roh. Eines Tages kam ein anderer Mensch von der Insel Alor im Norden. Für ein Stück Land am Berg Maubara gab er dem Einheimischen Feuer. Seitdem kochte der erste Mensch Maubaras seine Speisen und bei ihm und seinen Nachkommen verschwanden die Haare von der Zunge.[1.3]

Die Nachkommen teilten sich in mehrere Clanhäuser (uma) auf.[1.3] Die angesehensten dieser Häuser waren Ikolau, Kaisave und Raelete. Sie lagen benachbart in den Bergen Maubaras. Kein Clan hatte die Oberhoheit, sodass Mord und Diebstahl alltäglich waren.[1.4]

Douglas Kammen zeigt auf einer Landkarte im Südwesten des Sucos Maubaralissa die Orte Lauwana (etwa an der Stelle des Ortes Darulema), Ikolau (entweder Laklema oder der Ort östlich davon) und Kaisave (etwa bei Vatuguili). Ikolau und Kaisave waren die Namen führender Clans in Maubara. Es ist möglich, dass die Orte ihrer Stammsitze alternativ den Clannamen tragen. Andere Quellen zur Verwendung dieser als Ortsnamen sind derzeit nicht aufzufinden. Im Südwesten von Maubaralissa soll der Ort Tirisvo (Titivisou) liegen. Einer Legende nach soll hier ein Wasserbüffel, geschlachtet worden sein, der den Namen „Maubara“ trug und so zum Namensgeber des Landes wurde. Der Ort Raelete befindet sich etwas weiter östlich in Vatuvou oder Lissadila. Definitiv nicht korrekt ist auf der Karte Kammens die Lage der Orte Dair und Liquiçá.[1.5][9]

Eines Tages trafen in Maubara drei königliche Brüder aus dem Reich von Suai und Camenaça ein, das in der Überlieferung Suai Loro (das Zentrum des damaligen Reiches) genannt wird. Sie wurden von den Anführern von Ikolau und Kaisave empfangen. In einigen Versionen der Legende führt ein Mann namens Besi Mona Kaimona die Einwohner aus Maubara. Man bereitete den Besuchern weißen Palmwein, doch diese tranken den Palmwein, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Menschen aus Maubara waren darüber entsetzt und fragten sich, ob die Besucher gute Männer oder Teufel seien. Die drei Adligen schämten sich daraufhin. Sie wollten ihr gutes Wesen beweisen und schlugen vor, einen Eid zu schwören. Sie forderten ihre Gastgeber auf, Blätter vom Ai-Hanek-Baum an einem Ort namens Rito Luli E Meta zu holen. Die Clanführer von Ikolau und Kaisave nahmen ein Blatt und das dritte Blatt erhielten die drei Besucher. Sie falteten die Blätter zu kleinen Schalen und füllten sie mit Palmwein. Man vereinbarte, dass jener dessen Schale sich beim Trinken zu einem goldenen Medaillon verwandeln würde zum Sieger erklärt werden würde. Dann tranken die Männer den Palmwein. Die Schalen der Clanchefs verwandelten sich in silberne Medaillons, während die Schale der drei Brüder zum goldenen Medaillon wurde. Die Clanchefs von Ikolau und Kaisave erklärten daraufhin: „Nun habt ihr drei gewonnen. Wir unterstellen euch unser Volk, damit ihr es führt.“[1.4]

Sie teilten das Gebiet von Maubara unter den drei Brüdern auf. Manu Muno, der älteste Bruder erhielt den Titel „Recete“ (nach einigen Quellen vom portugiesisch rei seti, der „siebte König“) und ließ sich in Vatuvou nieder, der sich gut für Landwirtschaft und Viehzucht eignete. Manu Tela, der zweite Bruder, erhielt den Titel „Repreto“ (von portugiesisch rei preto, der „schwarze König“) und nahm seinen Sitz in Gugleur auf dem Berg Maubara. Mau Mori, der jüngste Bruder wurde zum rituellen Führer ernannt, womit er zuständig für die Herstellung von Palmwein und Kunsthandwerk an zwei Orten an der Küste. Er ließ sich in Manukati Lauwana nieder, einer Anhöhe auf dem Gebirgszug Maubaras, einige Kilometer vom Foho Maubara entfernt. Die Brüder wurden die „Loro Liurai“ genannt, die „Sonnenherrscher“.[1.6] Eine andere Quelle gibt an, dass die Brüder den Herrschertitel eines „coronel“ erhielten. Unter den portugiesischen Kolonialherren war es üblich, den lokalen Herrschern entsprechend ihrer Wichtigkeit militärische Ränge zu verleihen. „Oberst“ (portugiesisch coronel) war der Titel für einen Liurai.[1.7] Die Clans von Ikolau und Kaisave ernannten dann drei untergebene Führer (später „lieutenant“ beziehungsweise „letnan“ genannt), die die Sonnenherrscher unterstützen sollten: Einer aus dem heutigen Lissadila, einer aus Vatuboro und einer aus dem Küstenort Dair.[1.8] In einer anderen Version werden vier Oberstleutnants (portugiesisch tenente-coronel) aus den Reichen von Deribate (Diruwati), Mau-Ubo (Mahubo), Atsabe und Leimea (Leimean) als untergeordnete Herrscher aufgeführt.[1.7]

Schließlich wurde den beiden Clans von ihren neuen Herrschern auferlegt, Streitfälle zu schlichten. Die entsprechende Prozedur erhielt den Namen „Taki Hae Koir Hae“. Auch Geburten und Todesfälle sollten den Herrschern gemeldet werden. In anderen Versionen wurde den Clans von Ikolau, Kaisave und Raelete richterliche Funktionen übertragen sowie die Überwachung der Amtseinführung des höchsten Herrschers in Gugleur, wo der mittlere Bruder und seine Nachkommen lebten.[1.8]

Es wird darüber spekuliert, dass die Legende auf einem historischen Kern beruht. So könnten nach der Niederlage des Reiches von Wehale und seines Verbündeten Suai-Camenaça gegen die Portugiesen 1641 Adlige nach Maubara gezogen sein. Dies würde auch die Ableitung der Herrschertitel von portugiesischen Bezeichnungen logisch machen. Dies steht allerdings im Widerspruch mit der Angabe der Erzähler, dass die Ereignisse vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert stattfanden.[1.7] Legenden, die von Fremden berichten, die zum Herrscher werden, sind ein weitverbreitetes Element im östlichen Teil des Malaiischen Archipels.[1.8] In der Aufteilung der Macht auf die drei Brüder und der Wahl von Vatuvou und Gugleur als Stammsitze scheint sich eine territoriale Trennung innerhalb Maubaras schon damals erkennen zu lassen. Sie spiegelt eine Rivalität zwischen den beiden Machtzentren wider, die über die Jahrhunderte bis zum Ende der indonesischen Besatzung immer wieder aufbrach.[1.9]

Alltägliches Leben

Die traditionellen Hütten in Maubara sind einfach und bestehen aus Holzpfosten und Querbalken, die Wände aus flachgedrücktem Bambus oder zusammengebundenen oder geflochtenen Palmwedeln, das Dach aus Stroh. Im Stil entsprechen sie jenen des „Bobonaro-Typs“ (siehe Architektur Osttimors). Je nach Größe der Siedlung gab es ein oder mehrere Hütten auf hohen Holzpfählen, in denen Lebensmittel untergebracht wurden.[1.10] Die kleinen Dörfer befanden sich, wie oft heute noch, auf den oberen Lagen der dicht bewaldeten Berge, in der Nähe von Quellen oder anderen Plätzen mit Wasserzugang. Befestigungsanlagen, wie in anderen Teilen Timors, sind aus Maubara nicht bekannt. Die Lage auf den Bergen half bei der Verteidigung gegen Feinde. Nur wenige Ortschaften liegen in den Tälern. Lissadila, im Tal des Lóis, war wahrscheinlich ein wichtiger Posten für den Handel entlang des Flusssystems des Lóis. Dair und Vatuboro an der Küste waren vermutlich bereits vor der Kolonialzeit Handelshäfen, wo Schiffe von außerhalb Timors anlegten.[1.10]

Der Handel mit der Außenwelt war für die Herrscherfamilie und den niederen Adel wichtig. Man lieferte Honig, Bienenwachs, Sandelholz, Sklaven und Nahrungsmittel und erhielt dafür chinesische Keramik, javanische und indische Textilien, Glasperlen, Waffen, Werkzeuge und andere Metallwaren. Eine Hauptherkunft für Sklaven in Maubara war die Nachbarinsel Alor. In Maubara entzündete man am Strand ein großes Feuer aus Kokosnussschalen, das viel Rauch erzeugte. Es war das Zeichen für die Bewohner Alors, mit Booten über die Meeresstraße zu kommen und Sklaven und andere Handelswaren mitzubringen.[1.11]

Vor dem Eintreffen der Portugiesen bauten die Menschen Maubaras verschiedene Knollenfrüchte an. Im Tal des Lóis wächst Reis. Die Portugiesen brachten Mais und Maniok (Cassava) aus Amerika nach Timor, die sich im 18. Jahrhundert auf der Insel bereits weit verbreitet hatten und neben Reis die Nahrungsgrundlage lieferten. Lange Tradition haben Palmwein und auf ihm basierende Spirituosen. Die Felder wurden in abwechselnder Fruchtfolge bewirtschaftet. Timor-Ponys, die wahrscheinlich durch Europäer aus Indien eingeführt wurden, dienten als Transportmittel. Hunde unterstützten bei der Jagd auf Hirsche, wilde Schweine, Affen und Kuskus. Als Haustiere gab es außerdem Schweine, Ziegen und Hühner, am Lóis Wasserbüffel. Ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts gab es auch Schafe und Enten.[1.12]

Die Gesellschaft teilte sich in Clanhäuser auf, deren Status bestimmt wird durch Abstammung, rituelle Verpflichtungen und die Unterscheidung zwischen „brautgebenden“ und „brautnehmenden“ Clans bei Hochzeiten. Zumindest die herrschenden Familien betrieben in der frühen Neuzeit Polygamie. Adoptionen waren vermutlich weit verbreitet, nicht nur zwischen Verwandten, sondern auch zur Begleichung von Schulden oder zur Sicherung von Allianzen. Theoretisch gab es auch soziale Klassen von Adligen, einfachen Menschen und Sklaven.[1.13]

Das Herrscherhaus Maubaras der Doutels trug den Titel „No Liku No Besi“, was so viel wie „König aller, tapferer König“ heißt. Der Name ihres Heimatortes Lissa-Lara bedeutet „Innerer Palast“. Die Lebensbedingungen der Liurais (später auf Portugiesisch rei oder régulo genannt) unterschieden sich aber nicht von jenen der normalen Bewohner. Allerdings ist die Lage auf dem Foho Gugleur ideal: Es gibt frisches Wasser aus Bergquellen und keine Malaria. Der Höhenzug ist schwer anzugreifen und die Sicht reicht vom Meer bis zum Tal des Lóis. Neben dem Herrscher gehörte zur Reichsführung auch der Ritualsprecher (tetum Lian Nain) und der Hüter der heiligen (tetum lulik) Objekte. Dieser Dualismus durch die Trennung von politischer und ritueller Macht ist typisch auf Timor. Jeder Clan hat seinen eigenen Lian Nain und eigene Reliquien, die in einem Heiligen Haus (Uma Lulik) aufbewahrt werden.[1.14]

Erste Kontakte zur Außenwelt

Der mündlichen Überlieferungen nach ging der Einflussbereich Maubaras bereits vor der Kolonialzeit über die heutige Region hinaus. Dazu gehörten die kleinen Reiche im Inneren der Insel im gesamten Einzugsgebiet des Lóis. Einige Quellen geben an, dass der Machtbereich nach Westen sogar bis Sanirin, Cowa und Balibo reichte. Andere ordnen die Region um Kolana im Osten von Alor zum Herrschaftsgebiet Maubaras,[1.15] wobei es in den Aufzeichnungen der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) keine Hinweise darauf gibt.[1.16]

Die ältesten chinesischen Berichte über Timor stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Laut diesen wurde hier an zwölf Orten Handel zwischen Chinesen und Timoresen betrieben. Diese „Häfen“ lagen vor allem an der Nordküste der Insel. In Maubara könnte einer von diesen gelegen haben. 1995 wurde in Lissa-Lara ein schwarzer Grabstein aufgestellt, der an die Verbindungen zu China vor der Ankunft der Europäer erinnern soll. Der erste Name auf dem Stein lautet „Avo Kura Fatima Lai“, geboren 1415, gestorben 1660. Sie war der Legende nach eine einheimische Frau, die den Sohn des ersten Chinesen heiratete, der sich dauerhaft in Maubara niederließ. „Avo“ ist das Wort für „Großvater“ auf Tetum. Dazu kommen Eigennamen aus drei Sprachen: Kura aus Tokodede, Fatima aus dem Arabischen, der in Portugiesisch und Malaiisch übernommen wurde und Lai, ein chinesischer Familienname.[1.17]

Erste portugiesische Berichte über diese Region aus dem 16. Jahrhundert nennen Liquiçá als das hier vorherrschende Reich, dessen Name heute die Gemeinde und ihre Hauptstadt tragen, zu der Maubara gehört. Die Stadt Vila de Liquiçá liegt östlich von Maubara. Das Reich von Liquiçá (hier noch „Likusaen“ genannt) herrschte über Tokodede und den südlich von ihnen lebenden Kemak[10.1] und hatte auch Einfluss auf die südlich von ihnen lebenden Bunak.[10.2]

Eine portugiesische Karte Südostasiens aus dem frühen 17. Jahrhundert zeigt eine Reihe von benannten Orten auf Timor, darunter den Fluss Botobora. Der Name lässt sich von Vatuboro ableiten, das am Lóis liegt und schon damals Maubara unterstand. Andere Dokumente aus dem 17. Jahrhundert geben an, dass Missionare der Dominikaner im Reich von Maubara tätig waren.[1.18] Auch auf Karten und in Berichten der VOC aus dem 17. Jahrhundert erscheint Vatuboro an der Mündung des Lóis. Der Name „Maubara“ taucht in den Archiven der VOC aber erst in Quellen des beginnenden 18. Jahrhunderts auf.[1.19]

1703 soll Maubara eine „Revolte“ gegen die Portugiesen unter Gouverneur António Coelho Guerreiro geführt haben. 1710 und 1727 zahlte Maubara an Portugal einen Tribut von jeweils 500 Pardaus.[11]

Der erste Herrscher Maubaras, der in europäischen Quellen namentlich auftaucht, ist Francisco Xavier aus Gugleur und Nachkomme von Manu Tela. Während der Cailaco-Rebellion drangen Kämpfer Cailacos nach Maubara vor und Xavier bat in Cotubaba um Hilfe, die er vom dortigen Herrscher Bento Dias erhielt.[11] Im Gegenzug unterstützte Xavier den Feldzug der Portugiesen gegen Cailaco mit 24 Gewehrschützen und 100 Männern mit Speeren.[1.20][11] Allerdings berichten portugiesische Briefe, dass einige der Dörfer Maubaras sich auf die Seite der Rebellen stellten. Ein portugiesischer Offizier namens Magalhães de Meneses führte von Motael aus eine Heerestrupp entlang der Küste bis an die Stelle des heutigen Ortes Maubara, über die Berge zum Lóis-Tal und dann weiter nach Cailaco, wo sich die Rebellen auf dem Pedras de Cailaco verschanzten. Francisco Xavier wird angesichts der portugiesischen Streitmacht in seinem Herrschaftsgebiet keine große Wahl gehabt haben, Truppen zur Verfügung zu stellen, statt der Verwüstung seines Reiches entgegenzusehen. In den lokalen, mündlichen Überlieferungen findet sich allerdings nichts über Francisco Xavier und die damaligen Ereignisse.[1.20] Zu jener Zeit lebten im Reich von Maubara vermutlich zwischen 3000 und 5000 Menschen. Sichere Angaben dazu fehlen. Die meisten Ortschaften waren wahrscheinlich Weiler mit weniger als 50 Einwohnern, meist bestehend aus einer Großfamilie oder einem Clan.[1.10]

Seinen portugiesischen Namen erhielt der Herrscher von Maubara auf ähnlichem Weg wie andere Liurais dieser Zeit. 1712 bekamen die portugiesischen Kaufleute Francisco Xavier Doutel aus Bragança und Luis Sanches de Caceres das Recht, die jährliche Handelsmission von Macau zu den Inseln Solor und Timor zu entsenden. Doutels Schiff, die São Francisco Xavier, handelte in Maubara. Die Nossa Senhora do Rosário, das Schiff von Caceres, betrieb Handel mit den beiden Reichen Laclo und Laicore, fünfzig Meilen östlich. Das dritte Schiff, die São Pedro, fuhr nach Vatuboro und dann weiter in Richtung des östlichen Endes der Insel. Wieso nun die Namen der Kaufleute und der Schiffe von den timoresischen Herrschern angenommen wurden, ist nicht geklärt, aber der Liurai von Maubara hieß von nun an Francisco Xavier und sein Sohn nahm den Nachnamen Doutel an, den auch viele Nachkommen führten. Der Liurai von Laclo übernahm den Namen Paulo Carceres und die Herrscherfamilie von Laicore trug nun den Familiennamen Rosário. Der Herrscher von Vatuboro hatte nun den Namen Dom Pedro.[1.21]

1728 wurde das VOC-Schiff Leti durch die Strömung nach Maubara abgetrieben. Drei Seeleute nutzten die Gelegenheit zu desertieren. Das Schiff selbst wurde repariert und setzte dann seine Reise nach Kupang fort. Der Bericht erwähnt auch das Eintreffen von Händlern aus Makassar mit über 80 Seeleuten, die einen Monat lang in Maubara blieben, um Geschäfte zu machen. Möglicherweise wurde die VOC so auf Maubara aufmerksam.[1.22]

Der portugiesische Gouverneur Pedro de Rego Barreto da Gama e Castro (1731 bis 1734) schloss mit mehreren Reichen einen neuen Vertrag, in dem auch die Tribute an Portugal geregelt wurden. Der niederländische Gelehrte G. P. Rouffaer berichtete nach einem Besuch Maubaras Anfang des 20. Jahrhunderts überrascht, dass die Herrscherfamilie von Maubara den Brief des Gouverneurs vom 20. Oktober 1732 noch immer besaß. Im Archiv der VOC ist vermerkt, dass Maubara 1.147 Pardaus an Portugal zahlte, um sich von weiteren Ansprüchen zu befreien. Der Herrscher von Maubara hatte eine Kopie des Briefes an Hans Albrecht von Plüskow geschickt, dem VOC-Agenten in Kupang. Maubara wechselte die Seiten und stellte sich nun unter den Schutz der Niederländer. Ein portugiesisches Dokument von 1733, das Maubara als unter der Oberhoheit der VOC stehend nennt, ist die Bestätigung für den Wechsel.[1.23] Eine andere Quelle gibt allerdings an, dass noch 1733 der Herrscher von Maubara dem Gouverneur in Lifau 140 Picos an Vorräten und 30 Männer zur Verfügung stellte.[11]

Niederländische Zeit

Kampf um Maubara

1755 schickten Elias Jacob Beynon, VOC-Kommandant (Opperhoofd) von Kupang und Johannes Andreas Paravicini, der VOC-Chefunterhändler, den Timoresen Jacob Pietersz nach Maubara, um die Loyalität des Herrschers zu prüfen. Man kann vermuten, dass das alte Schutzabkommen nicht mehr gültig war und die Portugiesen wieder Tribut von Maubara forderten. Im Bericht von Pietersz ist zu lesen, dass Maubaras Herrscher José Xavier Doutel, „der tyrannischen Behandlung durch die Portugiesen entfliehen wollte“. Der Liurai entsandte mit Pietersz seinen Sohn Domingos Samuel Doutel, um Beynon formell um Schutz von der VOC zu erbitten. Entsprechend der portugiesischen Tradition verlieh der niederländische Kommandant dem Liurai den Ehrentitel „Dom“ und seinem Sohn den Rang eines „tenente-coronel“.[1.23]

1756 unterzeichneten 27 Herrscher von Timor und den Nachbarinseln den Vertrag von Paravicini, in dem sie das Bündnis mit der VOC bekräftigten. Unter ihnen auch der Herrscher von Maubara und die untergeordneten Leutnants aus „Nusadila“ (Lissadila) und aus „Botoboroo“ (Vatuboro).[1.24]

1758 griffen zwei Schiffe aus Sikka Maubara an. Das Reich auf Flores war damals mit den Portugiesen verbündet. Die VOC schickte zur Unterstützung Maubaras zwei Schiffe mit Schießpulver und Munition. Laut den Eintragungen im VOC-Archiv wurden sieben Angreifer getötet und vier gefangen genommen. José Xavier Doutel entsandte seinen Bruder Dom Pedro und 18 weitere Männer nach Kupang, um der VOC-Bericht zu erstatten.[1.24] Hans Albrecht von Plüskow (nun Kommandant von Kupang) entsandte daraufhin Jacob Pietersz nochmals nach Maubara, zusammen mit einer Streitmacht aus hundert europäischen und balinesischen Soldaten und dem Auftrag, ein Fort in Maubara zu errichten. Es entstand an der Nordküste an einen Platz namens Dasilutu, von wo aus man die ganze Bucht überblicken kann. Um das Fort herum entstand der heutige Ort Maubara.[1.25]

1759 kehrte Pietersz mit einer neuen Einheit Soldaten zurück und musste erneut einen Angriff auf Maubara abwehren. Wer die Angreifer waren, ist nicht bekannt. Bei der Rückkehr Pietersz nach Kupang begleitete ihn Domingos Samuel Doutel. Er unterzeichnete einen Brief, in dem er das Bündnis von 1756 erneuerte:[1.25]

„Ich, der Unterzeichner, erkläre hiermit wahrheitsgemäß für mich selbst und im Namen des Regenten von Maubara, Dom Joseph [José], zusammen mit allen Herrschern und Adligen von Maubara, die mich entsandt haben, um dem am 9. Juni 1756 mit der Kompanie und ihren Verbündeten geschlossenen Vertrag beizutreten:

Dass wir, die Bezirksvorsteher, Herrscher und Adligen von Maubara, uns aus freiem Willen und aus Zuneigung der ehrenwerten Kompanie angeschlossen haben und dass wir die ehrenwerte Kompanie erwählt und gebeten haben, unser Wächter und Beschützer zu werden, und dass wir hiermit erneut bitten und schwören, den genannten Vertrag in allen Punkten und Klauseln treu zu halten und zu erfüllen, wie wir es von Anfang an vereinbart und unterzeichnet haben, und dass wir die Treue und Aufrichtigkeit, die wir der ehrenwerten Kompanie schulden, nicht aufgeben werden, die wir wiederum treu zu halten und zu erfüllen versprechen.
So wahr mir Gott helfe.“[1.26]

1760 griffen die Portugiesen mit einer Streitmacht aus dem Osten Maubara erneut an. Ein VOC-Schiff mit vierzig Mardijker-Soldaten vertrieb den Feind. Dom José Xavier Doutel fuhr mit dem Schiff nach Kupang zurück, um einen stärkeren Schutz gegen die Überfälle zu bitten. Von Plüskow verfasste daraufhin eine schriftliche Beschwerde an die Portugiesen in ihrem timoresischen Sitz Lifau. Der portugiesische Gouverneur Vicento Ferreira de Carvalho hatte ohnehin im Vorjahr aufgrund der geschwächten Position von Plüskow Lifau zum Kauf angeboten. Als von Plüskow aber den Ort in Besitz nehmen wollte, wurde er von den dort lebenden Topasse massakriert. Der Nachfolger des deutschen VOC-Kommandanten wollte nach diesen Ereignissen die Verteidigung des niederländischen Einflussgebietes verstärken. 1761 zog er die balinesischen Soldaten aus Maubara ab. Nur zwölf Europäer blieben als kleine Besatzung in Fort Maubara. José Xavier Doutel bat daher in Kupang um erneute Verstärkung. Um dem Nachdruck zu verleihen, schickte er große Mengen an Sandelholz und Bienenwachs als Geschenk.[1.27][12]

Mitte des 18. Jahrhunderts pflanzten die Niederländer in Maubara erstmals auf Timor Kaffee an. Erste Berichte gibt es von 1734. Die Produktion nahm nach 1816 weiter zu und Maubara wurde, neben seinen Nachbarn Cotubaba und Cowa zu einem erfolgreichen Kaffeeproduzenten. Der Kaffee wurde über Atapupu exportiert, einen Hafen weiter westlich im niederländischen Teil Timors. Der Handelsweg blieb auch bestehen, als Maubara später portugiesisch wurde.[1.28][13.1]

Mit dem Tod von Dom José Xavier Doutel 1776 kam es in Maubara zum Kampf um den Thron. Sein Sohn Domingos Samuel Doutel, genannt Cleto[1.29] (in anderen Quellen wird der Name Caleto Xavier Doutel I. angegeben),[11] erhob Anspruch auf seine Nachfolge und wurde vermutlich auch von der VOC anerkannt, sein Onkel Dom Paulo forderte aber für sich die Herrschaft und zog sich zunächst auf das benachbarte Reich von Liquiçá zurück, das mit den Portugiesen verbündet war. Von hieraus unternahm Dom Paulo Raubzüge gegen Maubara, so dass Dom Cleto 1777 sich gezwungen sah, das Fort in Maubara aufzugeben und sich in die Berge (wahrscheinlich zum Familiensitz in Lissa-Lara) zurückzuziehen. Möglicherweise wurde Dom Paulo von den Portugiesen unterstützt, denn in einer Liste von Vasallen im Osten Timors, die nach der Gründung der neuen Kolonialhauptstadt Dili entstand, wird Maubara plötzlich als tributpflichtiger Vasall aufgeführt, der jährlich 30 Männer zu stellen habe.[1.30] Eine mündliche Überlieferung berichtet von einem Mann namens Barnado aus den ursprünglichen Siedlungen Ikolau und Kaisave, der dreimal in ein Buch klopfte, um den neu ernannten portugiesischen Gouverneur von Dili zu ernennen. Barnado war wohl ein Zeitgenosse von Dom José Xavier Doutel und den Führern von Ikolau und Kaisave waren der Legende nach richterliche Funktionen übertragen worden. Hier könnte er als Unterstützer von Dom Paulo für Portugal agiert haben.[1.31]

In einem VOC-Bericht ist zu lesen, die Bevölkerung Maubaras hätte sich 1779 von der VOC abgewandt und würde ihre Waren nun an die Portugiesen liefern. Im Juli 1779 habe aber der „König von Maubara“ mit einem chinesischen Schiff einen Brief nach Kupang geschickt, in dem er um Hilfe im Kampf gegen die Portugiesen und ihre Verbündeten bat. Wörtlich steht in dem Bericht: „Dom Cleto bat nun um Hilfe und erklärte, er würde lieber sterben, als die Maetschappy [VOC] zu verlassen.“ 1788 vermeldet ein niederländischer Brief, dass Dom Cleto der VOC treu blieb und die Festung in Maubara nun auf eine Fläche von 60 × 71 Meter erweitert worden sei. Sie war also wieder in der Hand des Herrschers von Maubara und seinen niederländischen Verbündeten.[1.30]

1790 griff der Topasse-Herrscher Pedro da Hornay aus Oe-Cusse Ambeno im Auftrag Portugals Maubara an. Kupangs Kommandant Wanjon befahl Alphonsus Adranus in Maubara einzugreifen, ohne dass die Beteiligung der VOC erkennbar werde. Dies gelang, indem man das mit den Niederländern verbündete Reich von Groß-Sonba’i dazu bewegte, zusammen mit Maubara in den Krieg gegen die Portugiesen zu ziehen. Maubara blieb auf der Seite der Niederlande und bekräftigte das Bündnis erneut,[14] doch Dom Cleto und sein ältester Sohn starben 1794 (wahrscheinlich im Kampf). Der zweitälteste Sohn bat in einer Nachricht an die VOC, es möge möglichst schnell jemand aus Kupang kommen und ihn dem Volk als neuen König präsentieren, was auch geschah. In einem Archiv-Vermerk wird der Name des Herrschers mit Nyong Mas angegeben. Allerdings stammt dieser Name nicht aus dem Tokodede, sondern klingt nach einer Verfälschung balinesischer Namen (Sang Nyoman, Nyoman Mas oder ähnlich).[1.30] Neben Feuerwaffen erhielt der Herrscher von den Niederländern Geschenke, die Herrschaft und Vasallenschaft symbolisierten, wie die niederländische Flagge, Amtsstäbe und Korallenperlen (Mortel in Tetum, Calu in Tokodede). Solche Präsente wurden als heilige Objekte in der Familie weitervererbt.[1.32]

Von 1796 bis 1799 befanden sich Maubara und Groß-Sonba’i wieder im Krieg mit den Portugiesen.[15]

Der niederländische Einfluss wird schwächer

Großbritannien hielt zwischen 1811 und 1816 die niederländischen Besitzungen auf Timor besetzt, um französischen Versuchen sich im Rahmen der Napoleonischen Kriege hier festzusetzen, vorzubeugen.[16] 1812 entsandten die Niederländer daher einen Mann namens Andries Christian Müller. Er sollte die Liurais der Reiche in der Region über den Wechsel von der niederländischen zur englischen Herrschaft informieren. Die portugiesischen Kommandanten von Lifau und Batugade drohten Müller und seinem chinesischen Kapitän das Schiff zu beschlagnahmen und den Kapitän zu köpfen, sollten sie versuchen nach Maubara zu fahren. Im selben Jahr gab es ein offizielles Treffen in Batugade zwischen den europäischen Mächten, bei dem es um Maubara ging. Allerdings konnten sich die Portugiesen nicht mit ihren Ansprüchen auf Maubara durchsetzen.[1.33] Nach der Rückkehr der Oranier auf den niederländischen Thron erhielten die Niederländer am 7. Oktober 1816 ihre timoresischen Besitzungen zurück.[16]

1832 wird in einer Auflistung niederländischer Besitzungen Cleto II., Sohn von Nyong Mas als Herrscher über die 37.000 Einwohner Maubaras genannt. Hier erscheinen auch die fünf Orte Dayeer (Dair), Lessa Dela (Lissadila), Goe Gleloe (Gugleur), Morai (Morae) und “Batoe Borong” (Vatuboro). Wie eng die Bindung zu den Niederlanden zu diesem Zeitpunkt war, ist aber angesichts eines Vorfalls fragwürdig, zumal bereits der Listenautor Emmanuel Francis sich beklagte, dass Cleto II. zwar Handel mit den Chinesen aus Kupang treibe, Maubara aber „völlig unkontrolliert“ sei:[1.34]

Im Februar 1836 ankerten vor Maubara die zwei britischen Walfänger Japan und Kingsdown zum Einkauf von Versorgungsgütern. Der Dorfchef begrüßte die Besucher freundlich und verkaufte drei Büffel, zehn Schafe, 18 Ziegen, ein Schwein und drei Dutzend Hühner. Dafür erhielten die Timoresen Schwarzpulver. Die beiden Kommandanten und die Schiffsärzte wurden vom Dorfchef zum Essen eingeladen. Dem Bericht zufolge soll der Dorfchef dabei sehr gut gelaunt und freundlich gewesen sein. Er schien mit dem Geschäft zufrieden gewesen sein. Als er aber zwei fehlende Ziegen übergeben sollte, gab es Probleme. Nach einigem Zögern war der Dorfchef damit einverstanden stattdessen zwei Schafe zu liefern. Es schien alles friedlich zu bleiben, bis das Beiboot mit den beiden Kommandanten ablegte. Das Beiboot hatte sich nur etwas vom Ufer entfernt, als die Timoresen in ihre Hütten stürmten, mit Musketen zum Strand zurückkehrten und das Feuer auf die zwei Boote der Walfänger eröffnete. Die Briten traf der Angriff völlig unerwartet, sie waren unbewaffnet. Kapitän William Simmons von der Kingsdown und S. E. Aldwell, der Zimmermann der Japan kamen ums Leben. Auffällig ist, dass in dem Bericht der Walfänger weder die niederländische Flagge am Fort noch die Anwesenheit von niederländischen Soldaten erwähnt wird. Die niederländische Kolonialregierung in Batavia erklärte zu dem Fall, die „Eingeborenen“ von Maubara seien nicht ihre Untertanen.[1.35]

Die Menschen von Maubara wissen, dass ihr Reich früher mit den Niederländern („Olanda“ oder „Blada“ genannt) verbündet war. Doch diese Verbindung taucht in den mündlichen Überlieferungen fast nicht auf. Nur die Geschichte eines niederländischen Kommandanten, der Sklaven drohte, ihnen die Hände abzuschlagen, weil sie seine Enten gestohlen haben sollten, ist noch bekannt. Es soll damals zu Unruhen gekommen sein. Entweder weil die Bevölkerung über die Drohung empört war oder weil die Sklaven fälschlicherweise verdächtigt wurden. Es ist unklar, warum gerade diese Begebenheit in Erinnerung Maubaras geblieben ist.[1.36]

Cleto II. stand im Ruf, äußerst brutal zu sein. Sowohl Untertanen als auch fremde Händler misshandelte er, seinen Bruder soll er ermordet haben. Der niederländische Beamte A. G. Brouwer beschrieb Cleto II. als Tyrannen.[1.34] Diese Brutalität soll laut einem niederländischen Bericht zu seinem Sturz geführt haben. Er wurde demnach aus Maubara vertrieben. Beim Herrscher von Oecusse suchte er militärische Unterstützung bei der Rückeroberung des Throns und bot Sklaven als Bezahlung an. Die portugiesische Garnison in Batugade beschlagnahmte aber das Schiff von Cleto II. und lehnte auch jede Unterstützung für den gefallenen Herrscher ab.[1.37] Spätere niederländische Berichte nennen Cleto II. (unter dem Namen „Dom Joseph“) wieder als Herrscher von Maubara, ohne seine Rückkehr zu erklären, als die wichtigste Autorität in Maubara gilt nun Dom Carlos.[1.38]

In mündlichen Überlieferungen aus Maubara wird berichtet, Dom Carlos von Vatuvou, der seine Herkunft vom ältesten der Loro-Liurai-Brüder ableitete, habe durch einen Feldzug nach Alor zahlreiche Sklaven erhalten, sodass er in den 1840er Jahren zum mächtigsten Mann in Maubara aufstieg. Cleto II. verlor einen Großteil seines Einflusses, und Dom Carlos etablierte sich als unabhängige Macht im Reich.[1.39]

Machtwechsel

1851 wurde José Joaquim Lopes de Lima neuer Gouverneur der portugiesischen Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln. Lima strebte eine Reform der Kolonie an. Daher verkaufte er den Niederländern, ohne Absprache mit Lissabon, den Ostteil von Flores, Solor, Pantar und Alor und die portugiesischen Ansprüche auf den Großteil von Westtimor. Dafür erhielt Lima 200.000 Florins und die niederländische Exklave Maubara. In dem Vertrag ist explizit aufgeführt, dass „Batǔborong, Nǔssadilla und Daïr von Laukero“ (Vatuboro, Lissadila und Dair) Teil Maubaras sind und der Austausch auch die unter Maubaras Herrschaft stehenden Reiche Atasabe (Atsabe), Deribate, Hermera (Ermera), Leimean (Leimea) und Mahubo (Mau-Ubo) mit einbezog. Die Reaktion der portugiesischen Regierung bestand aus der Absetzung und Inhaftierung von Lima. Doch die Vereinbarungen konnten nicht mehr rückgängig gemacht werden, auch wenn der Vertrag über die Grenzen neu verhandelt wurde. Eine erste Neufassung wurde 1854 von der niederländischen Regierung abgelehnt, weil sie für die Protestanten in Maubara keine Religionsfreiheit garantierte. Schließlich wurde 1859 der Vertrag von Lissabon ratifiziert, der den Gebietsaustausch besiegelte.[1.40][16][17.1]

Im nächsten Schritt wurden die Timoresen informiert, über deren Köpfe man hinweg entschieden hatte. Noch während der letzten Verhandlungsrunden beauftragte der Kommandant von Kupang seinen Untergebenen in Atapupu L. W. A. Kessler den „Rajah“ und die verschiedenen „Häuptlinge“ von Maubara über den neuen Vertrag zu unterrichten. Kessler schickte 1859 nach Maubara eine Einladung nach Atapupu für alle Adligen, mit Hilfe eines Missionars. Der alte Cleto II. (Dom Joseph) war inzwischen wegen einer Lähmung zu krank für die Reise. Außerdem hatte er einen Konflikt mit einigen benachbarten Siedlungen auszutragen, weswegen er sich entschuldigen ließ. Stattdessen ging sein Sohn Nagabata nach Atapupu. Zu den dort anwesenden Adligen gehörte auch Dom Carlos von Vatuvou, der oberste Händler Dato-Lau (Datu-Lau) und ein Herrscher („Raja“) namens Mau-Lay.[1.41] Möglicherweise war er ein Hakka-Händler und Oberhaupt der chinesischen Gemeinde in Maubara.[1.42] Der erste Hakka, der sich dauerhaft in Maubara niederließ, war nach mündlichen Überlieferungen ein Händler mit dem Familiennamen Lay.[1.43]

Kessler organisierte ein Treffen in seinem Haus und zeigte den Herrschern schließlich eine Landkarte Timors, mit der Grenze zwischen den Kolonialmächten in der Mitte der Insel. Kessler zeigte auf die Lage von Kupang am Westende der Insel und die Lage Maubaras dazu. Kessler wies darauf hin, dass Maubara vollständig von portugiesischem Territorium umgeben war und dass Kupang und Atapupu relativ weit von Maubara lagen. Kessler meinte, es sei notwendig „dieses Problem zu lösen“. Danach verkündete Kessler die Entscheidung der niederländischen Regierung, Maubara den Portugiesen zu übergeben. Er erklärte Vor- und Nachteile der Vereinbarung. Sie sei nicht getroffen worden, weil die Niederlande nun etwas gegen Maubara habe, sondern um eine Entflechtung der Territorien zu erreichen. Man werde trotzdem Freunde bleiben. Widerstand würde dem Land und der Bevölkerung nur Unglück bringen. Die Portugiesen würden sonst das Land gewaltsam besetzen.[1.44]

Die Vertreter Maubaras stimmten nach kurzer Diskussion „mit großem Widerwillen“ zu. Man fühle sich den Niederländern stärker verbunden, wies auf Grausamkeiten der Portugiesen in der Vergangenheit hin und dass man es vorziehe, „keine Tributzahlungen leisten zu müssen“. Man zog weiter den freien Handel über das Netzwerk chinesischer Händler in Kupang und Atapupu vor. Am nächsten Tag kam der portugiesische Offizier aus Batugade auf Wunsch von Kessler nach Atapupu. Dieser erklärte aber, dass er ohne Anweisungen aus Dili keine Entscheidungen treffen könne. Am Nachmittag stimmten die Herrscher von Maubara der Zusammenarbeit zu, verlangten aber das schriftliche Festhalten ihrer Beschwerden, damit sie eine Kopie davon „gegebenenfalls verwenden könnten“.[1.45]

Zusammen mit Kessler reisten Vertreter von Maubara, unter ihnen Dom Carlos, im April 1861 in die portugiesische Kolonialhauptstadt Dili, wo sie vom geschäftsführenden Gouverneur Major Duarte Leão Cabreira begrüßt wurden. Gouverneur Afonso de Castro befand sich zu diesem Zeitpunkt auf Java im Urlaub. Die Timoresen wurden bei einem chinesischen Händler untergebracht, während Kessler in der Residenz des Gouverneurs wohnen durfte. Auch Cabreira fehlten Anweisungen zum Vorgang des Gebietstausches. Schließlich verlas Cabreira Kesslers Protokoll, der Beschluss wurde dokumentiert und von den Anwesenden unterzeichnet. Danach wurden 21 Schuss Salut gegeben und den Vertretern Maubaras die Flagge Portugals übergeben. Kessler fuhr über Nacht mit einem portugiesischen Offizier, mit dem Boot nach Maubara, um dort die niederländische Flagge entgegenzunehmen.[1.45][17.2]

Sie erreichten Maubara am frühen Morgen bei stürmischem Wetter. An Land umringten die Einwohner Kessler, was zu einem großen Aufruhr führte. Die Bevölkerung wehrte sich gegen die Übergabe an Portugal. Kessler versuchte zu beschwichtigen und versicherte, es sei für Maubara der beste Weg. Die Vertreter des Reiches, die aus Dili über Land heimgereist waren, erreichten Maubara am Nachmittag. Kessler und der portugiesische Offizier führten die offizielle Flaggenzeremonie durch, die Kessler in seinen Erinnerungen beschreibt:

„Ich hisste und holte die Flagge dreimal, jedes Mal begleitet von einem Kanonenschuss des Schiffes St. Antoine [sic] und anschließend auch von der portugiesischen Flagge, die beim dritten Mal unter dem Kanonensalut dieses Schiffes am Mast verblieb.“[1.46]

Kessler übergab Dom Carlos die niederländische Flagge als „Zeichen der Freundschaft“. Der portugiesische Offizier verteilte als Geschenke Sarongs, Kopfbedeckungen und Arrak (Palmwein). Nach Abschluss der Zeremonie verließ Kessler das nun portugiesische Territorium mit dem Schiff.[1.46]

Seit 1860 war die Kolonie Portugiesisch-Timor in Militärkommandanturen unterteilt. Die Militärkommandantur Maubara bestand aus den Reichen Boibau, Ermera, Maubara und Liquiçá.[16.1] Als „regulo“ (Herrscher) von Maubara setzten die Portugiesen 1861 Dom Carlos von Vatuvou ein und unterbrachen damit die Dynastie der Doutels.[1.47]

Im Frühjahr 1861 brach in Laclo, östlich von Dili, eine Rebellion aus. Nahezu gleichzeitig rebellierte westlich, zwischen der Hauptstadt und Maubara, das Reich von Ulmera. Die Rebellion von 1861 brachte die Portugiesen in Bedrängnis. Die Rebellen schnitten Dili vom Hinterland ab, sodass Cabreira die Niederländer um Versorgungsgüter bitten musste. Gouverneur Afonso de Castro traf kurz nach der Übergabezeremonie Maubaras am 6. April 1861 wieder in Portugiesisch-Timor ein und brachte dringend benötigte Waffen und Munition mit.[13.2][17.3]

Der Historiker René Pélissier spekulierte, dass Dom Carlos das Reich von Ulmera 1861 zu einer Rebellion gegen die Portugiesen angestachelt habe. Er habe sich trotz guten Zuredens der Niederländer nicht mit den neuen Herren abgefunden.[17.4] Dem widersprechen andere Historiker. Kammen und Carlos Filipe Ximenes Belo geben an, dass Dom Carlos den Portugiesen 30 Kämpfer für den Feldzug im Westen und 1863 gegen Fatumasi zur Verfügung stellte.[1.47][11] Laut Davidson warb Major Cabreira außer in Maubara auch in Hermera, Cailaco, Deribate, Leimean, Atsabe und Caimauc Hilfstruppen (Arraias) für Geld und das Versprechen von Land und geringeren Tributen an.[13.2]

Am 26. August war Laclo im Osten besiegt und die Portugiesen wandten sich nun gegen die westlichen Rebellen. Zu ihnen gehörte auch Datu-Lau (Datoe-Lau, Dato Lau), der ältere (und nach einer Quelle „dumme“) Bruder von Dom Carlos, und wohl auch Mitglieder der abgesetzten Herrscherfamilie der Doutels.[1.47][13.2] Nachdem Ulmera besiegt worden war, zog das Kolonialheer entlang der Küste nach Maubara und weiter bis nach Vatuboro (Fatupró), das laut Castro ebenfalls „auf Gehorsam reduziert“ wurde.[1.47]

Cleto II, alt und gelähmt, war zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht gewillt, seinen Status als Liurai von Maubara aufzugeben. Laut mündlicher Überlieferungen hielt er das Fort von Maubara besetzt und setzte weiter die niederländische Flagge. In einer Nacht startete Dom Carlos einen Überraschungsangriff auf das Fort, nahm Dom José gefangen und übergab ihn den Portugiesen. Dom José wurde in der Kolonialhauptstadt Dili inhaftiert und kehrte nie wieder zurück.[1.47]

Portugiesische Kolonialzeit

Hakka-Einwanderung und Teilung der Macht

Im Frühjahr 1867 erhoben sich die unter der Oberhoheit von Maubara stehenden Kemak aus Leimea. Gouverneur Francisco Teixeira da Silva (1865–1869) schlug den Widerstand in einem ungleichen Kampf nieder. In der 48 Stunden dauernden entscheidenden Schlacht mussten sich die Rebellen gegen eine an Feuerkraft überlegene Übermacht wehren. 15 Dörfer wurden eingenommen und niedergebrannt. Die Anzahl der Opfer unter den Timoresen ist nicht bekannt, die Portugiesen bezifferten ihre eigenen Verluste mit zwei Toten und acht Verwundeten. Das Territorium Leimeas wurde auf die benachbarten Reiche aufgeteilt.[17.5]

Dom Carlos und die Bevölkerung Maubaras scheinen in diesem Jahr ebenfalls den Portugiesen nicht mehr freundlich gesinnt gewesen zu sein. Gründe dafür sind nicht überliefert. Bereits im Januar bestellte der Presido des Forts, ein Alferes namens Curado, Dom Carlos zu sich ins Fort. Obwohl Curado dem Liurai bei Nicht-Erscheinen mit dem Tod drohte, kam der Herrscher nicht zum Rapport. Einen Monat später berichtete Curado von einem „schweren Vorfall im Basar, bei dem drei Menschen starben und zwei verletzt wurden; Dinge, die sich direkt vor unseren Augen im Presidio, im Schatten unserer Flagge, mit großer Missachtung unserer Autorität ereigneten.“ Im Juli stellte sich Dom Carlos portugiesischen Soldaten entgegen, als sie einen Kriminellen verhaften wollten. Im September wurde ein portugiesischer Offizier auf dem Weg nach Batugade in Dair angegriffen. Der Historiker Pélissier nennt diesen Vorfall eine „Revolte“. Vatuboro musste als Entschädigung tausend Rupien zahlen.[1.48]

Maubara war wegen der günstigen Bedingungen im Kaffeeanbau führend. Zwischen 1863 und 1865 steuerte Maubara 53 % der Kaffeeexporte Portugiesisch-Timors bei und das Reich blieb auch in den 1870er Jahren der größte Kaffeeproduzent in der Kolonie. Vor allem dank einheimischer Kleinbauern nahm in dieser Zeit die Kaffeeproduktion in Portugiesisch-Timor zu.[1.49] Möglicherweise spielten in Maubara auch Hakka-Chinesen nicht nur im Handel, sondern auch im Anbau und Verarbeitung eine wichtige Rolle. Mau-Lay, der sich als erster Hakka in Maubara angesiedelt haben soll, erwarb in Erito ein Stück Land und schuf hier mit einheimischen Arbeitern eine Kaffeeplantage. Sein Sohn Lay Anyi, der noch in China geboren worden war, heiratete den Überlieferungen nach Bui Kura, Tochter von Dom Repreto (auch Sereloy oder der „Schwarze König“). Die Frau, die wahrscheinlich in den 1850er Jahren geboren wurde, ist jene „Avo Kura Fatima Lai“, die auf dem Grabstein in Lissa-Lara mit den Lebensdaten 1415 bis 1660 verewigt ist. Lai Anyi wurde als prominenter Händler im 20. Jahrhundert mehrfach im kolonialen Amtsblatt erwähnt, unter anderem bei seiner Ernennung zum Chef der chinesischen Gemeinde in Maubara. Zwei weitere Hakka namens A Sung und Loi Moi (oder auch Boto Ana) gründeten später in Erito ebenfalls Plantagen. Einer der beiden heiratete möglicherweise Maria Doutel, die jüngere Schwester von Cleto II. und spätere Herrscherin Maubaras. Weitere Hakka ließen sich in Maubara nieder, sodass hier eine ganze chinesische Siedlung entstand. Pélissier nennt für 1883 eine Anzahl von 300 chinesischen Einwohnern in Maubara, eine Zahl, die eher unwahrscheinlich ist. Da seltener Frauen unter den Einwanderern waren, heirateten sie oft einheimische Frauen. Die Chinesen gründeten Geschäfte und betrieben im Hinterland Handel bis in das Tal des Lóis. Für den Export kaufte man Kaffee, für den Markt in Maubara lokale Waren und verkaufte Importwaren, unter anderem auch Opium.[1.50]

1869 beschrieb der Kapitän der portugiesischen Korvette Sa de Bandeira das Fort als Bau aus losen Steinen, nah am Meeresufer, das zu diesem Zeitpunkt nur noch mit einer einzelnen, rostigen Kanone bestückt war.[17.6]

1870 kam es zum Konflikt zwischen Maubara und Liquiçá, einem der wichtigsten Verbündeten Portugals. Der Besitz von zwölf chinesischen Porzellantellern soll laut den Überlieferungen der Grund für den Streit gewesen sein. Möglicherweise ein Nebenaspekt oder ein Euphemismus. Eher war wohl der illegale Schmuggel von Waren von Liquiçá über Maubara in das niederländische Atapupu der Auslöser. Die Doutels und andere Adlige betrieben weiter Handel mit den alten Verbündeten. Portugal versuchte dagegen den Warenverkehr aus dem Landesinneren durch Maubara einzuschränken und die Ausfuhr von Kaffee aus Maubara mit Zöllen zu belegen. Dom Carlos starb während des Konflikts 1871, wahrscheinlich durch einen nicht natürlichen Tod. Nach einer von den Portugiesen organisierten „Wahl“ durch die Adligen von Maubara wurde im Januar 1872 Dom Dotte (Gaspar da Costa), der Neffe von Dom Carlos, zum neuen Regenten. Im August 1872 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet, eventuell nach Vermittlung durch die Niederländer.[1.51]

Dom Dotte wurde von den Portugiesen zunächst der Rang eines tenente coronel (Oberstleutnant) verliehen, ab 1877 trug er den Titel des „coronel regente de Maubara“ (Oberst-Regent), nicht den eines „coronel-rei“ (Oberst-König) oder „regulo“. Der Herrschertitel ging aber zurück an die Familie der Doutels.[1.52] Der neue Gouverneur Joaquim António da Silva Ferrão (1876–1878) hatte von Maubara eine Erneuerung des Treueeides und der Vasallenschaft verlangt, ein Vorgang, der üblich war bei Gouverneuren, die ihr Amt antraten. Das Dokument vom 14. März unterzeichneten Dom José Calau (auch Nocolau, Calau Asa oder José Cleto), damals im Range eines Tenente-coronel, im Namen seiner Tante, der regierenden Königin (portugiesisch rainha) Dona Maria Doutel, der Schwester von Cleto II., Dom Dotte (mit seinem christlichen Namen Dom Gaspar da Costa) als Principal und Tenente-coronel, Dom José Rodrigues da Silva (Mauvili) aus Raelete und Tenente-coronel Mabussa (sic, Maubussa). Damit trugen drei Männer aus Maubara auf dem Dokument den Ehrentitel eines Dom. Vertreter der beiden Herrscherlinien aus Gugleur und Vatuvou sowie Silva als Vertreter einer der ursprünglichen Clans, die ihre Macht an die Loro Liurai abgaben.[1.53]

José Rodrigues da Silva, ein entfernter Verwandter der Doutels, zeigte schon früh Ambitionen auf den Herrschertitel von Maubara. Laut einer Überlieferung weigerte er sich beim Wiederaufbau des Uma Lulik der Familie Doutel zu helfen. Als er trotzdem zur Einweihungszeremonie erschien, wurde ihm die Teilnahme verweigert. Silva ging daraufhin nach Hause und baute dort sein eigenes Uma Lulik. Außerdem baute er seinen eigenen „Palast“, den er wie den Stammsitz der Doutels Lissalara (deutsch Innerer Palast) nannte und nannte seine Heimatregion Lio Telo in Maubaralissa (deutsch Palast Maubaras) um. Der Historiker Kammen weist darauf hin, dass diese Geschichte auch eine Allegorie sein könnte für die Rivalität der den Niederländern nahestehenden Doutels und dem pro-portugiesischen Silva.[1.54]

Im Juni 1881 wurde ein neuer Vasallenvertrag unterzeichnet. Dom José Calau erscheint bei den Unterzeichnern nun mit dem neuen Titel des „brigadeiro reino do reino de Maubara“ (König und Brigadegeneral des Königreichs Maubara). Er löste damit Maria Doutel als Herrscher ab, Dom Dotte hielt aber weiter als „coronel regente“ die eigentliche Macht in seinen Händen. Neben José Calau und Dotte unterzeichneten 17 weitere Vertreter Maubaras den Vertrag: Zehn Adlige, fünf weitere Personen mit militärischem Rang und zwei Hakka-Händler.[1.55]

Den Kaffeehandel in Maubara zu kontrollieren und mit Ausfuhrzöllen zu belegen, blieb für Portugal ein Problem. 1876 berichtete Leutnant José dos Santos Vaquinhas, dass Unruhen zwischen dem Kaffeebauerndorf Babequenia und einer Person namens Areberra, viele Todesopfer forderten. Später beschwerte sich Vaquinhas, dass „die Regierung jemanden schickte, um einen 17-jährigen Jungen namens Mau-Lado – vor dem Presidio! – wegen Hexerei zu töten“.[1.56] 1878 vermeldete der Alferes Esteves Angriffe und Plünderung von chinesischen Häusern durch die lokale Bevölkerung und, dass ein Angriff auf das Fort drohe. Esteves forderte 300 Mann zur Verstärkung aus Liquiçá an. In Fort Maubara waren 1878 nur ein Fähnrich, ein Quartiermeister (furriel), zwei Korporale (cabo) und fünf Soldaten (soldados) stationiert. In der Zollstation, die 1889 errichtet wurde, versahen zusätzlich ein Sergeant und sechs weitere Soldaten ihren Dienst. Auch portugiesische Geistliche waren selten in Maubara. Von der Zeit zwischen 1877 und 1886 ist als einzige Aktivität nur die Taufe von zwölf Kindern vermerkt.[1.57]

1883 wurde eine neue Liste der Aufteilung der Reiche auf die Distrikte von Gouverneur Bento da França Pinto de Oliveira erstellt. Zum 3º Comando militar de Maubara gehörten Atsabe (Atisasabo), Boibau, Cailaco, Deribate, Ermera, Hubulo, Leimea, Liquiçá, Mahubo und Marobo.[18]

Revolte von 1886

Im April 1886 besuchte Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) Maubara und schrieb nach seiner Rückkehr nach Dili euphorisch an seinen Vorgesetzten in Macau:

„Die Anwesenheit des Gouverneurs übt für sie [die Timoresen] stets eine magische Wirkung aus, selbst wenn sie von den [portugiesischen Militär-]Kommandeuren schlecht behandelt wurden und selbst wenn frühere Verfehlungen ihr Misstrauen geweckt haben.“[1.58]

Die folgenden Ereignisse zeigten, wie sehr sich Maia in seinen Einschätzungen irrte. Anfang Juni ermordeten Krieger unter dem Befehl von Dom José Calau einen Hakka in Vaviquinia. Am Strand von Maubara drohten sie, Dom António, dem Major des Reiches und einen Timoresen namens Assu den Kopf abzuschlagen. Francisco Pedro de Mira Feijo Elvaim, der portugiesische Kommandant des Forts informierte sofort Gouverneur Maia und dieser eilte mit einer kleinen Truppe nach Maubara, um die Mörder gefangen zu nehmen. Seine Truppe bestand aus 29 Soldaten der ersten Kompanie (primeira linha), darunter viele Afrikaner, 200 einheimischer Soldaten und einer Haubitze. Zehn weitere Soldaten bewachten außerhalb der Kampfzone Proviant.[1.58] Erstmals verwendete man Hinterladergeschütze, deren Konstruktion ein schnelleres Feuern ermöglichte.[19] Mehrere Adlige Maubaras schlossen sich den Portugiesen an. Zwischenzeitlich hatte José Calau auch den Kommandanten Elvaim bedroht, der sich nur mit gezückter Pistole retten konnte. Als wahren Anführer des Aufstands machten die Portugiesen aber Calaus Sohn Maubute (Mahabuti) aus. Maia wollte diese Attacke auf die Autorität Portugals schnell beenden und entschied sich trotz inzwischen eingebrochener Nacht zum Angriff auf die Rebelllen.[1.58]

Die erste Siedlung, die die portugiesische Streitmacht erreichte, war bis auf dem Dorfvorsteher verlassen. Ihm befahl Maia, er solle die „Verbrecher“ vorführen und verhängte gegen die Bevölkerung eine Geldstrafe von 3000 Rupien. In diesem Moment ertönte Kriegsgeschrei und die Portugiesen gerieten unter Beschuss. Maubute hatte sich unter die timoresischen Adligen im Tross gemischt und nutzte nun die Dunkelheit zum Angriff. Maia ließ eine Hütte in Brand stecken und stürmte mit seinen Soldaten zum Gegenangriff. Die Rebellen zogen sich daraufhin zurück. Und die einheimischen Kämpfer setzten nicht nach. Erst morgens um 8 Uhr erreichten die Portugiesen wieder den Ort Maubara. Maia kehrte abends nach Dili zurück, um tags darauf, am 16. Juni, besser vorbereitet wieder in Maubara anzukommen. Maia berichtet:[1.59]

„Der Feind, mehr dem Stil der Timoresen folgend als aus Mut oder Stärke, wagte sich an den Strand, bezahlte aber teuer für seine Dreistigkeit. Ohne dass unsere Soldaten oder auch nur die Einwohner die Festung verließen, wurde der Feind schwer getroffen; drei wurden verwundet und einer getötet, der – welch glücklicher Zufall – der Anführer dieses Aufstands und der Vater der Attentäter der Chinesen war!“[1.60]

Der Realität entsprach das nicht. Maubute war entkommen. Außerdem musste Maia in seinem Bericht vom 17. Juni eingestehen, dass die Führer Maubaras, „der Régulo, der Oberst-Regent, der Major des Königreichs, der Major von Decidilla und Hauptmann Arre-bere“ weiterhin als Verräter anzusehen waren. Maia kündigte eine weitere Expedition an, um „alle zum Gehorsam zu zwingen und sie zu bestrafen.“[1.60] Am 20. Juni vermeldete Maia, „Ich wollte den Feind angreifen … damit das Ergebnis großartig wird.“ Die marathischen und afrikanischen Soldaten des Gouverneurs töteten vier Menschen, verwundeten drei weitere und brannten vier Weiler nieder. Im dritten Bericht vom 2. Juli ist zu lesen, dass sich die Portugiesen einem Weiler mit einer weißen Fahne näherten. Als dann trotzdem der Feind das Feuer eröffnete, war der Gegenschlag brutal:

„Unsere Leute gerieten in Wut und eröffneten ebenfalls in aufeinanderfolgenden Wellen das Feuer, die Pistolen knallten unaufhörlich. (…) Sofort wurden vier Weiler in Schutt und Asche gelegt, mitsamt allem, was sich darin befand, einschließlich der Vorräte der letzten Reisernte und des letzten Jahres, den Getreidespeichern für das ganze Jahr.“[1.61]

Nach der Rückkehr zum Fort befahl Maia „die vollständige Zerstörung“. Am 23. und 24. wurden alle Ortschaften niedergebrannt.[1.62]

„Es war meine Absicht, mich dem Königreich Maubara mit Gewalt aufzuzwingen, ihren arroganten Anführer zu stürzen, ihn zu demütigen und innerhalb weniger Tage Frieden zu schließen, um die bevorstehende Kaffeeernte und damit auch die Zollstation nicht zu gefährden.“[1.62]

Maia zwang José Calau zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens. Hierin wurde festgelegt, dass die Ländereien, Gärten und Plantagen von Vaviquinia (Babequinia) im Besitz der Kolonialregierung blieben und sich niemand dort niederlassen durfte, Maubara 3000 Rupien Strafe zahlen musste und die Einwohner eine Straße von der Küste bis zum höchsten Punkt Vaviquinias bauen mussten. Die drei Anführer des Aufstands waren entkommen. Vor allem die Landnahme freute den Gouverneur:[1.62]

„Das Beste aber war der Besitz der Ländereien von Babequinia, die ich sofort als königliche Ländereien (Terras de El-Rei) in Besitz nahm. Es handelt sich dabei nicht nur um die besten Plantagen in Maubara, die einen Ertrag von 500 Picul Kaffee (2.000 Arrobas) mit Potenzial für noch mehr abwerfen, sondern wir können unsere Herrschaft auch ins Landesinnere ausdehnen, während wir bisher nur die Küste besetzt hielten. Ich denke daran, unverzüglich eine Festung auf dem alten Weiler Nuno-Ana zu errichten, der schwer zugänglich ist und in dessen Nähe sich gutes Wasser befindet. Dort werde ich einen Beamten als Kommandanten des Landes mit einer Abteilung von 20 Soldaten und 50 Einwohnern stationieren, die zugleich Kolonisten und Wachen sein werden.“[1.62]

Auch in anderen Teilen Maubaras wurden die ersten Flächen portugiesischen Offizieren zugeteilt, um Kaffeeplantagen anzulegen, um mehr Gewinn aus dem Land zu schöpfen. Allerdings war die Produktion noch sehr dürftig, so dass das Land und der Kaffeeanbau bald wieder an lokale Kleinbauern zurückfielen. Diese neue Möglichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung machte die Bauern unabhängiger vom Liurai und band sie mehr an den portugiesischen Militärkommandanten in Maubara. Zu dessen lokalen Untergebenen gehört Mauvili, ein ehrgeiziger Einheimischer im Range eines Majors, der den portugiesischen Namen José Rodrigues da Silva annahm.[1.63]

Portugal verstärkte die Zollstationen in Maubara, Dair und Vatuboro und verhängte Reisebeschränkungen zwischen den timoresischen Reichen, um den Schmuggel über die Grenze in den niederländischen Teil Timors zu unterbinden. In Maubara wurden ein bis zwei Dutzend Kolonialsoldaten aus Goa und Afrika stationiert.[1.64] Eine wirkliche Befriedung gelang Maia nicht.[19] Die Reichweite der portugiesischen Administration blieb praktisch auf den Ort Maubara und die Zollstationen beschränkt.[1.65]

Anfang 1887 beorderte Maia José Calau und die anderen Adligen Maubaras nach Dili, damit sie einen neuen Vasallenvertrag unterzeichnen. José Calau und seine Frau Amelia Pereira wurden bei der Garde des Reiches von Motael untergebracht. In dessen Territorium befand sich Dili. Dom Lucas Barreto Martins, der Herrscher von Motael, hatte das Kommando über die Moradores, die timoresischen Kolonialsoldaten der 2. Kompanie (segunda linha), die auch zusammen mit einigen portugiesischen Soldaten Maubara überwachen sollten. Der 3. März wurde als Termin für die Zeremonie festgelegt. Doch als Gouverneur Maia an dem Morgen seine Residenz in Lahane verließ, geriet er in einen Hinterhalt von Moradores, der eigentlich dem unbeliebten Sekretär Francisco Ferreira gegolten hatte. Als die Auseinandersetzung eskalierte, wurde Maia ermordet.[1.66]

Trotz der zunächst aufkommenden Unruhe wurde die Zeremonie für die Vasallenschaft Maubaras nur zwei Tage verspätet durchgeführt. José Calau blieb Herrscher, doch außer ihm und seinem Onkel António Doutel waren die anderen Unterzeichner von 1881 auf dem neuen Dokument verschwunden und damit auch alle Vertreter von Vatuvou, inklusive dem Regenten Dom Dotte. Aber auch die Doutels waren weniger geworden. Von den Vertretern der Loro Liurai war nur noch Lissadila auf dem Vertrag zu finden. Dafür wurden die alten Clans Ikolau, Kaisave und Raelete gestärkt, dessen wichtigster Vertreter José Rodrigues da Silva aus Raelete war.[1.67]

José Calau war zwar als nomineller Herrscher weiter anerkannt, doch auch seine Macht reichte kaum noch über seinen Sitz in Lissa-Lara hinaus, da sich die einflussreichen, einheimischen Familien durch Intrigen immer weiter zerstritten. Im restlichen Reich herrschte weitgehend Gesetzlosigkeit. Allein 1887 berichtet die Kolonialzeitung von vier Morden in Maubara und im Jahr darauf sah sich der Gouverneur dazu gezwungen, die Truppen in Maubara zu verstärken, um die Ausweitung kleinerer Unruhen zu verhindern.[1.65] 1890 oder 1891 starb José Calau. Sein Sohn Maubute, der einer Strafe entgangen war, hatte sich vom Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen 1886 nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Statt seiner wurde die hochbetagte Dona Maria Doutel, die bereits 1877 Herrscherin gewesen war, von den Portugiesen wieder als Königin eingesetzt.[1.68]

Revolte von 1893

1893 nahmen die Spannungen in Maubara wieder zu. Anfang des Jahres einigten sich die Niederländer und Portugiesen, die Grenze zwischen den Kolonialmächten zu vermessen und man schloss ein Abkommen über Grenzen, Handel und Schifffahrt. Dies bedeutete eine direkte Bedrohung für die Schmuggeltätigkeit der führenden Familien Maubaras. Gouverneur Cipriano Forjaz (1885; 1890–1894) plante zudem einen neuen Militärposten nahe Lissa-Lara und Cai-Cassa, mitten im Machtbereich der Doutels. Auch die erneute Ernennung von Dona Maria Doutel beruhigte die inneren Rivalitäten um die Herrschaft in Maubara nicht.[1.69]

Im Mai setzten Maubute sein Onkel Repreto und andere Adlige ihre Pläne für einen neuen Aufstand um. Sie stahlen die lokale Kopie des Vertrages über den Gebietstausch und schickten ihn mit drei Gesandten und Geschenken nach Atapupu, um den Niederländern Maubara anzubieten und militärische Hilfe zu erbitten. Auch Hakka-Händler schlossen sich den Rebellen an.[1.70] Allerdings schickte der niederländische Kommandant von Atapupu Gouverneur Forjaz eine Warnung, dass Gesandte aus Maubara bei ihm um eine niederländische Flagge gebeten hätten.[1.71]

Am 26. Mai griffen Rebellen die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro und Dair an. Die Angaben von Gouverneur Forjaz über das Schicksal der dort stationierten Soldaten ist widersprüchlich. In einem Bericht ist nur von Verletzten die Rede, laut dem anderen wurde die Besatzung von den Angreifern geköpft.[1.72]

Mit Kolonialsoldaten und timoresischen Hilfstruppen führte Gouverneur Forjaz seine Streitmacht in zwei Gruppen gegen die Rebellen, um sie in den Bergen Maubaras in die Zange zu nehmen.[1.73] Das aus Macau angeforderte Kanonenboot Diu beschoss Vatuboro und Dair. Am 28. Juni erklärte Gouverneur Forjaz die Kampfhandlungen für abgeschlossen. Durch die Kampfhandlungen starben mehrere hundert Menschen und ein Großteil der Siedlungen Maubaras wurden zerstört.[1.74]

Im November unterzeichnete Dona Maria Doutel offiziell einen neuen Vasallenvertrag mit Portugal.[17.7] Ihr drohte die Verbannung in das Exil in Mosambik. Es ist nicht klar, ob aus der Drohung ernst wurde.[1.75][20] Dom Dotte starb laut einer Kolonialzeitung kurz nach Ende des Aufstands eines natürlichen Todes. Es gibt aber einige Überlieferungen, laut denen José Rodrigues da Silva ihn ermordet haben soll, als Strafe für dessen „Verrat“ an Portugal. Am 7. November 1893 wurde Silva durch die Portugiesen als Oberst-König (coronel rei) zum neuen, alleinigen Herrscher Maubaras ernannt.[1.76]

Die Leichen der Gefallenen waren nach dem Beschuss der Küstenorte oft liegen geblieben, weil die Überlebenden aus den Dörfern geflohen waren. Es kam zu einem Ausbruch der Cholera. Allein in Maubara registrierte man 279 Todesfälle bis Anfang 1894. In Dili waren es 162 und weiter vom Osten in Manatuto noch 75.[1.77] Fälle gab es auch Tibar. Zwischen Dezember 1893 und Februar 1894 starben in Portugiesisch-Timor mindestens 1000 Menschen an der Krankheit.[17.7] Die Seuche breitete sich auch in das niederländische Atapupu und auf die Nachbarinsel Alor aus.[1.77][17.7]

Befriedung Maubaras

Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) ließ zu Beginn seiner Amtszeit in Gugleur den neuen Militärposten errichten, der bereits 1893 geplant war. Ende der 1890er Jahre wurden Straßen gebaut, ein Wohnhaus für einen katholischen Priester und eine Schule errichtet und 1900 die Telegraphenleitung von Dili nach Maubara fertiggestellt, die weiter nach Süden in das Tal des Lóis führte. Herrscher José Rodrigues da Silva beteiligte sich 1895/96 an den Pazifizierungsfeldzügen des Gouverneurs, die sich vor allem gegen Reiche im Westen und Südwesten richteten. Der Liurai starb 1898 oder 1899. Es gibt Berichte, er sei in Folge einer körperlichen Strafe verstorben, die er für den fahrlässigen Umgang mit Waffen der Portugiesen auferlegt bekommen habe. Luis da Silva Maia, der älteste Sohn von ihm, wurde der neue Liurai. Allerdings nicht mehr vom gesamten bisherigen Territorium von Maubara, sondern nur noch vom neugeschaffenen Gebiet von Maubara Taçi (Maubara Tasi, deutsch Maubara am Meer).[1.78] Gugleur wurde abgetrennt und beide Jurisdiktionen in jeweils vier Sucos mit eigenen Dorfvorstehern (Chefe de Suco) aufgeteilt. Die Macht des Liurais von Maubara wurde somit weiter geschwächt. Er war nur noch ein Vermittler zwischen dem lokalen Militärkommandanten und den von den Portugiesen ernannten Dorfchefs. Folge war die Stärkung mehrerer lokaler Familien, die ihren Einfluss auf die einzelnen Dörfer ausbauten.[1.79]

Auch Silva Maia unterstützte die portugiesische Kolonialmacht, so im Feldzug 1899 gegen das benachbarte Reich von Atabae.[1.78] Bei diesem Feldzug starb der portugiesische Offizier Francisco Duarte, der bereits während der Revolte von Maubara 1893 eine Rolle gespielt hatte. Er fiel am Fatubuikaren (Felsen von Buicari), wo auch Rebellenführer Maubute sechs Jahre zuvor den Tod fand.[21]

Während der Amtszeit von Silva Maia wurde durch Gouverneur José Celestino da Silva die Verwaltung der Kaffeeanbaugebiete an der Nordküste neugestaltet. Die chinesischen Geschäftsgemeinschaften in den Orten Ai Pelo, Liquiçá und Maubara wurden in Gemeindekommissionen organisiert. Diese Kommissionen erhielten das Recht, Steuern auf feste und mobile Unternehmen zu erheben, das Glücksspiel zu regulieren, Bußgelder für verschiedene Vergehen zu verhängen und Gebühren für die Nutzung des Telefondienstes zu erheben. Mit diesen Geldern bezahlte man einige Beamte (einen Lehrer, Telefon- und Postangestellte und einen Aufseher für öffentliche Arbeiten), finanzierte die Entwicklung der Infrastruktur, Schulen und die Verpflegung der einheimischen Truppen. Silva Maia galt, wie sein Vater, als brutal und gegenüber der Bevölkerung als übergriffig. 1900 sahen sich die Portugiesen dazu gezwungen, ihn des Amtes zu entheben und ihn des Mordes an mehreren Einheimischen und der Rebellion anzuklagen. Silva Maia wurde für mehrere Jahre in Vemasse eingesperrt.[1.80]

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Sada Bessi, Sohn des alten Liurais Dom Carlos, wurde Chefe de Suco von Vatuvou und gleichzeitig Coronel Regente von Maubara. 1907 musste aber auch er, wie sein Vorgänger, wegen Amtsmissbrauch von seinem Posten enthoben werden.[1.79] 1908 teilte Gouverneur José Celestino da Silva Portugiesisch-Timor neu in 15 Militärkommandanturen auf. Neben Maubara waren nun auch Ai Pelo und Liquiçá eigenständige Kommandanturen.[22][23]

Die Mätresse von Julio Celestino de Montalvão e Silva, dem Sohn von Gouverneur José Celestino da Silva, war Lo Bete (Taufname: Madalena), die Tochter eines Dato aus der Aldeia Vatumori (Gugleur).[1.81] Nach seinem Vater kehrte auch Julio 1909 nach Portugal zurück. Lo Bete ging heim nach Gugleur und heiratete den Portugiesen Joaquim Sanches. Mit in die Ehe brachte sie die riesige Kaffeeplantage des Gouverneurssohns in Lautecas.[1.82]

In dieser Zeit übernahmen oder gründeten verschiedene Portugiesen Kaffeeplantagen in Maubara. Zu ihnen gehörten Leovigildo de Ladislau Mascarenhas Inglês (1859–1912), José Joaquim Chaves (1877–1930), Antonio José Brites (1876–1941), Zeferino Antonio Carrion, Antonio Eduardo da Silva und Julio Celestino de Montalvão e Silva (der Sohn von Gouverneur Celestino da Silva), der aber schon bald wieder nach Fatubessi ging.[1.81] 1907 fand die erste moderne Volkszählung in Maubara statt. Sie vermerkte neben den ansässigen Timoresen insgesamt sieben Weiße, keine Mestizen, drei Schwarze (also Afrikaner) und 27 Gelbe (portugiesisch amarelo), womit die chinesische Bevölkerung gemeint war. Neben den fünf portugiesischen Farmern waren die beiden anderen Europäer der portugiesische Militärkommandant und Pater Manuel Alves Ferreira, ein katholischer Priester. Er war 1905 nach Timor gekommen und seit 1906 der erste Missionar, der dauerhaft in Maubara lebte. Im Ort Maubara stand bereits eine von den Niederländern errichtete Kirche, doch Ferreira zog es vor, eine Kapelle nahe Lauwana in den kühleren Bergen zu bauen, die mit Palmwedeln gedeckt war. In den folgenden Jahren gründeten alle portugiesischen Plantagenbesitzer Familien mit einheimischen Frauen, teils als Ehefrauen, teils als Mätressen. Aus diesen Beziehungen gingen die ersten Mestizen hervor. Die drei Afrikaner waren Soldaten aus den dortigen portugiesischen Kolonien. 1913 betrug die Bevölkerungszahl im Reich von Maubara 15.131. Neben den wenigen weißen Farmern gab es nun 43 Mestizen und die chinesische Bevölkerung war auf 61 gestiegen. Sie betrieben mehrere Geschäfte im Ort. Bis 1927 wuchs der Anteil der Chinesen durch Zuwanderung auf 160 Personen.[1.83]

Unter dem neuen Gouverneur Eduardo Augusto Marques wurde überraschenderweise 1909 José dos Santos als neuer Liurai von Maubara vorgeschlagen. Er war der älteste Sohn des verstorbenen Dom Repreto und damit ein Angehöriger der alten Herrscherfamilie der Doutel. Santos hatte die Schule in Lahane besucht und war seit 1908 der Telefonist in Maubara. Offiziell wurde er im Juni 1910 neuer régulo von Maubara.[1.79] Es ist nicht klar, ob Santos Herrscher von Gugleur oder ganz Maubara wurde.[1.84]

1910 kam es in Portugal zur Revolution, dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik. Dies destabilisierte auch die Herrschaftsstrukturen in Portugiesisch-Timor. In verschiedenen Regionen brachen Aufstände gegen die Portugiesen aus. In Maubara war es Vatuboro. Als das Reich von Manufahi eine große Streitmacht aufstellte, brach die Rebellion von Manufahi (1911/12) aus. Gouverneur Filomeno da Câmara de Melo Cabral (1911 – Juli 1913; Februar 1914–1917) rief die verbündeten Reiche und Militärkommandanturen zur Rekrutierung von Hilfstruppen (Arraias) auf. Die Kämpfer aus Maubara wurden vom Priester Manuel Alves Ferreira befehligt. Er fiel im Gefecht in den Wäldern von Aituto.[1.85]

Eine Liste von Märkten von Portugiesisch-Timor von 1911 nennt Maubara erstmals als Teil von Liquiçá, das nun als Namensgeber der Militärkommandantur fungiert, zu der auch Ai Pelo und Boibau gehören.[24]

José Nunes, ein Veteran aus dem großen Krieg und Patensohn von Luis da Silva Maia, nutzte den Umstand, dass die portugiesischen Republikaner auch Timoresen, die nicht aus dem Adel stammten, ihnen aber treu zu Diensten standen, in Machtpositionen einsetzten. José dos Santos war schwer erkrankt und Nunes überzeugte den portugiesischen Administrator ihn 1912 zum neuen Herrscher auszurufen.[1.86]

In den 1910er- und 1920er-Jahren kamen weitere Europäer nach Maubara. Darunter waren sowohl Deportierte aus Portugal als auch einige Ausländer aus Australien, Neuseeland, Irland und Deutschland.[1.83]

Im Januar 1934[25] wurde mit den Circunscrições (singular: Circunscrição; deutsch Verwaltungsbezirk) ein ziviles Verwaltungssystem eingeführt.[16.1] Dili wurde 1940 zum ersten Concelho (Kreis) erhoben. Zu ihm gehörten nun auch Liquiçá und Maubara.[22]

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Portugal und damit auch seine Kolonien neutral. Allerdings landete ein Kontingent von australischen und niederländischen Soldaten in Dili. Man wollte einer japanischen Besetzung zuvorkommen. Bernard Callinan, der Kommandeur der Einheit fuhr auf einer Erkundungstour bis nach Maubara, wo die Straße von Dili entlang der Nordküste endete. Laut seinem Bericht waren die Gebäude verfallen, nur wenige Menschen lebten in dem Ort. Mit den Alliierten in der Kolonie wurde Portugiesisch-Timor aus Sicht Japans ein legitimes Angriffsziel. Im Februar 1942 besetzten sie Timor. Alliierte Guerilla-Einheiten kämpften mit Hilfe von Timoresen und einigen anti-faschistischen Portugiesen gegen die Japaner, während die Besatzer vor allem in Westtimor Unterstützung aus der einheimischen Bevölkerung rekrutierten, die die Colunas Negras genannt wurden.[1.87]

Aufgrund der Unterstützung der Alliierten entschied das japanische Militär ab Ende Oktober 1942 die gesamte verbliebene portugiesischstämmige Bevölkerung in Lagern in Liquiçá und Maubara zu internieren. Die Bedingungen in dem Camp waren schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Hygienebedingungen aufgrund von Wassermangel unzureichend. Viele Portugiesen starben deswegen. Zwar gab es einen portugiesischen Arzt, dem später zwei japanische Ärzte zugeteilt wurden, aber es fehlte an Medikamenten. Im ersten Jahr bewachten japanische Soldaten das Lager, später japanische Kempeitai, zusammen mit timoresischen Wachen und Spionen.[17] In Banitur internierten die Japaner 5000 Chinesen, von denen viele an Hunger und Krankheiten starben. Timoresen wurden in Maubara zur Zwangsarbeit herangezogen und mussten in Guiço Reisfelder und Bewässerungen anlegen.[1.88] 50 bis 60 Timoresinnen mussten als „Trostfrauen“ dienen.[1.89]

Liurai José Nunes war weiterhin im Amt und versuchte sowohl die einheimische Bevölkerung als auch die Portugiesen in den Camps zu schützen.[1.88] Im November 1943 wehrte er zusammen mit seinem Sohn Gaspar Correia da Silva Nunes und einem kleinen Trupp einheimischer Soldaten den Angriff von Colunas Negras aus Balibo, Cailaco und Atabae ab.[26] Auch die alte Herrscherfamilie der Doutels sah in der japanischen Invasion zwar keine Befreiung, aber eine Möglichkeit gegen die verhassten Portugiesen vorzugehen. Als die Situation sich für die Japaner Anfang 1945 verschlechterte, planten Manuel, Apolinario und Fernando, die drei erwachsenen Söhne des ehemaligen Liurais José dos Santos, angeblich ein Komplott zur Ermordung portugiesischer Offizieller und der Einsetzung von Manuel als neuer Herrscher von Maubara. Zu einer Umsetzung des Plans kam es bis zur Kapitulation der Japaner nicht mehr. Portugal übernahm wieder die Kontrolle, José Nunes blieb Liurai und die verhinderten Rebellen wurden nach Atauro verbannt.[1.90] José de Nunes starb 1952 und sein Sohn Gaspar folgte ihm als Herrscher von Maubara.[1.91]

Nachkriegszeit

Ab 1946 wechselten Liquiçá und Maubara von Dili zum Verwaltungsbezirks Ermera.[27] Erst zwischen 1963[28] und 1970 wurde der Kreis Liquiçá mit Maubara von Ermera abgetrennt.[29]

Anfang der 1970er Jahre hatte sich Maubara kaum entwickelt. Neben den Kaffeeplantagen gab es eine europäische Verwaltung, mit einigen einheimischen Angestellten. Allerdings erfüllte niemand aus Maubara die Voraussetzung, zumindest den Status eines Assimilado zu erhalten, um einige Privilegien im kolonialen System zu erhalten. Kinder konnten in Maubara eine Grundschule besuchen.[1.92]

Nach der Nelkenrevolution 1975 in Portugal wurden auch in Portugiesisch-Timor erste Parteien gegründet. Die konservative UDT, die für eine Unabhängigkeit „im Schatten der portugiesischen Flagge“ stand, sprach vor allem die timoresische Zivilangestellte der Verwaltung an. Aus Maubara stammt das Gründungsmitglied Francisco Lopes da Cruz. Im Verwaltungsamt war Adelino Tinoco, der Chefe de Posto, der lokale UDT-Vorsitzende. Zu den Anhängern der UDT gehörten die Plantagenbesitzerfamilien der Sanches in Lautecas (unter ihnen José und Joaquim Sanches sowie João Pina) und der Gonçalves in Bella Vista sowie aus den einheimischen Eliten Gaspar Correia da Silva Nunes aus Vaviquinia, Lucas Correia (Enkel von Dom Carlos) aus Vatuvou und Fernando, José Manuel und Lucas dos Reis da Silva (alle Enkel von Dom José Rodrigues da Silva) aus Maubaralissa. Die Familie der drei Brüder Carrascalão hatte im benachbarten Liquiçá eine eigene Kaffeeplantage.[1.93]

Die linksgerichtete FRETILIN strebte die völlige Unabhängigkeit von Osttimor an. Eines der wenigen nennenswerten Mitglieder der FRETILIN aus Maubara war Hélio Sanches Pina (Mau Kruma), Sohn von UDT-Führer João Pina. Er war ein Gründungsmitglied des FRETILIN-Zentralkomitees (CCF). Ebenfalls ein Sohn, der sich gegen die politische Positionierung seiner Familie stellte, war José Cirilo Nunes, der zweitälteste Sohn von Liurai Gaspar Correia da Silva Nunes. Er war während der Nelkenrevolution Mitglied der Kolonialstreitkräfte und schloss sich Ende 1975 der FRETILIN an. Ansonsten waren vor allem einheimische Eliten, einfache Einwohner und Mestizenfamilien, die Plantagen südlich der Bergkette besaßen, wie die Carrion und die Brites, Anhänger der FRETILIN. Zu den Dato-Familien unter ihnen gehörten die Lobos aus Lissadila und aus Guiço die Nachkommen von Buru Bara, eines Getreuen von Maubute. Sie nahmen in Maubara auch Führungspositionen in der FRETILIN wahr.[1.94] Auch die Familie der Doutel stellte sich gegen Dom Gaspar und wandte sich der FRETILIN zu. Mau Kuru, Ur-Enkel von Dom Repreto, wurde Mitglied der FRETILIN.[1.95]

Die kleine, vor allem von adligen Familien unterstützte Associação Popular Democrática Timorense (APODETI) forderte den Anschluss an den Nachbarn Indonesien. Ihrer Unterstützerzahl war sowohl in Maubara als auch in der gesamten Kolonie gering. In Cai-Cassa schlossen sich mehrere Männer der Partei an, darunter Francisco dos Santos Ribeiro und Leoneto Martins, der ein entfernter Verwandter der Doutels war.[1.96]

In dieser Zeit versuchte Indonesien mit der Operation Komodo Einfluss in Portugiesisch-Timor zu gewinnen. Man stellte die FRETILIN als kommunistische Bedrohung dar und man verbreitete unbelegte Gerüchte, Vietnamesen und Chinesen würden das Territorium infiltrieren. Ziel war, das Misstrauen zwischen den osttimoresischen Parteien zu schüren und zu suggerieren, dass die „Integration“ in Indonesien die einzige gangbare Option sei. Als sichtbar wurde, dass bei zukünftigen Wahlen die FRETILIN gewinnen würde, versuchte die UDT am 11. August 1975 mit einem Putsch die Macht in der Kolonie an sich zu reißen. Regierungsgebäude in Dili wurden besetzt und man versuchte, so viele FRETILIN-Mitglieder zu verhaften, wie möglich. Landesweit waren dies mehrere Hundert, doch der Großteil des Zentralkomitees der FRETILIN (CCF) konnte nach Aileu entkommen, wo man mit der FALINTIL eine eigene bewaffnete Truppe aufstellte. Es kam zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Die portugiesische Kolonialregierung griff nicht in die Kämpfe ein.[30]

Liquiçá und Maubara wurden zu Hochburgen der UDT. In Maubara begannen die lokalen UDT-Führer ebenfalls ihre politischen Gegner mit paramilitärischen Razzien aufzuspüren. Obwohl die meisten Einwohner des Dorfes keine Parteimitglieder waren, wurden innerhalb weniger Tage mehrere Hundert Menschen festgenommen und im Fort Maubara interniert. Einige FRETILIN-Führer wurden in der benachbarten Grundschule gefangen gehalten.[1.97] Tinoco bestritt 2005 in einem Interview, dass die UDT in Maubara Gefangene genommen hatte.[1.98]

Am 27. August übernahm die FRETILIN die Kontrolle über die koloniale Hauptstadt Dili.[30] Unter den UDT-Kämpfern, die nun in Gefangenschaft gerieten, war auch João Pina. Sein Sohn Hélio besuchte ihm im Gefangenlager in Taibesi. Die verbliebene UDT-Führung zog sich Anfang September nach Liquiçá zurück. Da man auch hier einen Angriff befürchtete, bat UDT-Präsident Francisco Lopes da Cruz in Indonesien um Hilfe bei der Evakuierung von 1500 UDT-Anhänger aus Liquiçá und Maubara. Am 7. September brachte die UDT Gefangene und tausende Zivilisten nach Maubara. Drei Tage beschoss die FRETILIN Liquiçá und nahm sie am 11. September ein. Maubara fiel am 15. September.[1.99] Die FRETILIN führte in ganz Maubara Razzien durch und nahm Hunderte UDT-Anhänger gefangen. Gaspar Nunes und Adelino Tinoco entkamen zusammen mit João Viegas Carrascalão mit einem kleinen Boot von Morae aus in das indonesische Westtimor. Andere UDT-Anhänger flohen zu Fuß oder mit dem Lastwagen über den Foho Gugleur in das Lóis-Tal und dann weiter zur Grenze.[1.100] Auch große Teile der Bevölkerung Vaviquinias flohen aus Angst vor Gewalt nach Indonesien.[31]

Eine Gruppe von FRETILIN-Milizionären drang über die Straße von Maubara nach Vatuvou vor, wo es auf dem Bergkamm zu einem Gefecht mit UDT-Kämpfern kam. Zwei Anhänger der UDT starben. In Gariana wurden einige Personen verhaftet und mit einigen Hundert anderen in Darulete interniert. 18 von ihnen sollen dort hingerichtet worden sein.[1.101] Auf der Plantage der Sanches in Lautecas wurden die drei ältesten Söhne hingerichtet. Wahrscheinlich waren hier lokale Gründe der Auslöser, dass politische Gegner von der FRETILIN nicht nur verhaftet, sondern ermordet wurden.[1.102]

Indonesische Besatzung

Invasion

Ende August/Anfang September 1975 begann das indonesische Militär, getarnt als osttimoresische Milizionäre, mit Einfällen in das Territorium von Portugiesisch-Timor. Bis Mitte Oktober waren die Grenzdistrikte Bobonaro und Cova Lima in großen Teilen in indonesischer Hand. Beim Angriff auf Balibo beschossen indonesische Kriegsschiffe die Küste.[30][32] Trotz dieser klaren, großangelegten Offensivmaßnahmen[30] dementierte Indonesien selbst jetzt noch, Truppen in Osttimor zu haben oder das Land gar gewaltsam besetzen zu wollen.[33] UDT- und APODETI-Kämpfer würden nur Angriffe der FRETILIN auf indonesisches Territorium zurückschlagen.[30]

Während die Indonesier entlang der Küste in Richtung Atabae vorrückten, sammelte die FRETILIN Kämpfer, um die Invasoren am Lóis zu stoppen.[1.103] Südlich davon fiel Aidabaleten am 28. November 1975.[34] Die FRETILIN versuchte internationale Hilfe gegen die Invasion durch Indonesien zu finden und rief daher am 28. November 1975 die Unabhängigkeit aus. Neun Tage später landeten indonesische Truppen bei der Hauptstadt Dili und besetzten sie.[1.104][30]

Von Dili aus stießen die Indonesier zunächst entlang der Küste nach Osten vor und dann auf der Hauptstraße nach Süden. Den Distrikt Liquiçá schenkte man zunächst keine weitere Beachtung. Zudem war der Lóis aufgrund von Regenfällen stark angeschwollen, so dass ein Vorstoß von Süden her nur noch schwer möglich gewesen wäre.[1.105]

Hermenegildo Alves erhielt das Kommando über die FALINTIL in Liquiçá, Ermera und Teilen von Bobonaro (dem späteren Widerstandssektor Fronteira Norte). Ab Juni 1976 fungierte Hélio Sanches Pina als Politischer Kommissar für Fronteira Norte. Die Kommandozentrale des Widerstandssektors befand sich in Fatubessi.[1.106]

Mitte Mai 1976 begann die indonesische Offensive gegen Liquiçá. Als der FALINTIL-Kommandant des Subdistrikts Liquiçá Evaristo Alves am 26. Mai fiel, flohen die osttimoresischen Soldaten. Indonesische Kriegsschiffe beschossen Maubara am 2. Juni, dann drangen Soldaten des 403. indonesischen Armeebataillons in den Ort ein, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Die timoresischen Einwohner waren in die Berge geflohen, geblieben waren nur die Hakka-Familien, die sich in einem Haus versammelten und verbarrikadierten. Chinesische Zeugen berichteten von den folgenden Ereignissen: Die Indonesier fragten gezielt nach zwei chinesischen Einwohnern, doch diese waren nach Australien geflohen. Daraufhin verlangten die indonesischen Soldaten nach Gold, aber die Hakka hatten keine Wertsachen. Soldaten derselben Einheit hatten zuvor in Liquiçá Gold von den Hakka-Familien dort eingesammelt. Verärgert trieben die Indonesier die Familien die Hauptstraße hinunter zum Fort Maubara, wo die Männer von den Frauen getrennt wurden.[1.107] Eine der älteren Hakka-Frauen sprach Indonesisch. Sie verriet den Soldaten, dass zwei Männer sich mit zwei Dutzend Kindern nahe dem chinesischen Friedhof versteckten. Am Tag darauf brachte die Frau die Soldaten zum Friedhof und forderte die Geflohenen auf, in den Ort zurückzukommen. Dort angekommen, wurden sie zu den gefangenen Frauen gebracht, die auf dem Feld vor der Verwaltung warteten. Die anderen Männer waren weggebracht worden. Die Zurückgebliebenen glaubten, sie würden vielleicht als Träger (tenaga bantuan operasi, TBO) von den Indonesiern eingesetzt. Doch später erzählte den Hakka ein Timorese, der bei dem Bataillon diente, dass alle Hakka-Männer von den Indonesiern erschossen wurden. Die Leichen waren zum Hügel Leoborai Rau gebracht und dort verbrannt worden. Die Namen von 15 chinesischen und einem timoresischen Opfer hier sind bekannt. Auch der chinesische Tempel von Maubara wurde zerstört.[1.108] Ein Jahr später entdeckte man bei Ebbe die sterblichen Überreste von weiteren 50 chinesischen Männern am Strand. Sie wurden eingesammelt und im Friedhof beerdigt.[1.109][31][35]

Von Maubara aus besetzten die Indonesier schnell die einspurige, aber wichtige Straße, die von hier über die Berge zum Lóis-Tal führte.[1.110] Die heutige Küstenstraße von Maubara nach Vatuboro, vorbei am Ponta Carimbala wurde erst in den 1970er Jahren von den Indonesiern gebaut.[1.111] Über Maubaralissa rückten die Soldaten nach Gugleur bis zum Berg Maubara vor. Sie trafen nur wenige Einwohner an, brannten aber die verlassenen Hütten nieder, ebenso wie das Heilige Haus des Doutel-Clans. Dabei gingen viele historische Relikte verloren, darunter die Verträge mit den Portugiesen und der VOC. Die geflohenen Bewohner konnten nur wenige Gegenstände retten, so den Amtsstab (Ein etwa achtzig Zentimeter langer Stab, mit vergoldetem Griff und einer vergoldeten Spitze) und die Skulpturen eines Mannes und einer Frau. Die Bevölkerung versteckte sich in den Bergen und musste immer wieder ihr Versteck wechseln, auf der Flucht vor den indonesischen Soldaten. Die Menschen lebten von Wildpflanzen und gejagten Tieren und holten Mais und Maniok von ihren Feldern.[1.112] Im Lóis-Tal profitierten sie von den von den Japanern angelegten Reisfeldern und Bewässerungsanlagen. Angeblich beschafften sich auch FRETILIN-Gesandte aus dieser Region Reis und Mais für die Widerstandssektoren im Osten.[1.113] Eine von der FALINTIL in Maubara gegründete Widerstandsbasis (base de apoio) war Malehui. Sie bot Zuflucht für Flüchtlinge aus Maubara, Leimea-Craic, Railaco, Atsabe, Ainaro und Zumalai. Später wurde die Basis von den Indonesiern zerstört.[31.1]

1978 kehrten die Zivilisten nach und nach in ihre zerstörten Dörfer zurück. Der gerettete Amtsstab und die Skulpturen, die Mau Kuru zurückbrachte, wurden von Kollaboratoren, die für die Indonesier arbeiteten, beschlagnahmt. Ihr Verbleib ist unbekannt. Möglicherweise hatte Leoneto Martins die Beschlagnahme der Machtinsignien in die Wege geleitet, um sie an sich zu bringen.[1.113]

Zum Widerstand gehörten verschiedene Pflanzerfamilien timoresisch-portugiesischer Herkunft von der Südseite der Berge, wie die Brites (Faustino Chaves Brites, 1930–1999; Abel Chaves Brites, 1933–1992; Antonio Brites, 1948–1981, alias Commandante Nixon), Chaves (Floriano Chaves, ?– um 1978), alias Lesaklemorai oder Ajunto Chaves; Domingos Ribeiro, Ehemann von Bemvinda Chaves, etwa 1979 im Gefängnis in Dili verschwunden; Alexandrino Chaves (1948– ?) und die miteinander verschwägerten Carrions und Lobos (Rui Lobo, 1977 im Sektor Süd verschwunden; Armindo Lobo, Bruder von Rui, alias Commandante Besi Lau 1977 oder 1978 hingerichtet in Gugleur). Die Sanches und Gonçalves, von nördlich der Berge, als Anhänger der UDT, spielten keine Rolle beim Kampf gegen die Indonesier.[1.114]

Bis 1979 war die schmale Verbindung zwischen Atabae im Süden und Liquiçá und Dili im Norden aber für die Indonesier praktisch nicht passierbar. FALINTIL-Einheiten, wie unter der Führung von José Lino dos Reis (Manus) und seinem Bruder Malitara blockierten mit ihrem Guerillakampf diesen wichtigen Streckenabschnitt. Erst am 14. Februar 1979 gelang es den Indonesiern die beiden FALINTIL-Kommandanten gefangen zu nehmen und die Straße vom Lóis nach Maubara passierbar zu machen.[36] Bereits am 7. Februar ergaben sich dem indonesischen Bataillon 512 in Caisoru der oberste FALINTIL-Kommandant von Fronteira Norte Filomeno Paixão und die meisten der militärischen und zivilen Führer des Sektors, insgesamt wohl 300 Mann mit einem Großteil der Waffen.[37.1] Am 16. Februar wurde die Widerstandsbasis in Fatubessi von den Indonesiern eingenommen.[37.2] Hélio Sanches Pina kam auf der Flucht ums Leben.[1.115]

Ende 1979 internierten die Besatzer im Ort Maubara und Lebumeta (Suco Vaviquinia) in sogenannten Transit Camps mehrere Tausend osttimoresische Zivilisten. Viele wurden in Ortschaften beim westtimoresischen Atambua zwangsumgesiedelt.[31.1] 1980 wurden junge Männer aus Maubara zwangsrekrutiert, um ein neues „territoriales“ Bataillon aufzustellen. Da sie aber zumeist in einem schlechten Gesundheitszustand waren, wurden die Pläne aufgegeben und die Rekruten nach Hause geschickt.[1.116]

Die Invasion hatte Folgen für die Einwohnerzahl Maubaras. Bei der letzten Erhebung in der portugiesischen Kolonialzeit 1963 zählte man 13.645 Einwohner. 1980 waren es bei der ersten indonesischen Zählung nur noch 11.450. Alle ehemals führenden Familien hatten eine Reihe von Angehörigen verloren. Die meisten Überlebenden zogen Ende der 1970er Jahre nach Dili. Das traf auch auf die Angehörigen der chinesischen Minderheit zu, sofern sie nicht gleich nach Macau oder Australien emigrierten.[1.115] Die Volkszählung von 1980 zählte in Maubara zwölf Chinesen, die hier als Bürger der Volksrepublik China bezeichnet wurden.[1.116]

Besatzungszeit

Nach dem Fall von Fatubessi gab es in Maubara keine Aktionen der FALINTIL mehr. Das hatte für die Einwohner den Vorteil, dass Schikanen durch das Militär sich im Vergleich mit den Regionen im Osten in Maubara in Grenzen hielten. 1985 wurde unter Mau Kuru und seinem Vater Mau Boesa (Enkel von Repreto, von den Indonesiern eingesetzter Dorfchef von Gugleur) das Uma Lulik der Doutels wieder errichtet.[1.117]

1990 wurden zwei Personen ermordet, die der Hexerei (suanggi) bezichtigt wurden. Ähnliche Fälle hatte es um 1980 auch in anderen Teilen Osttimors gegeben, wobei man vermutet, dass dabei innere Feindschaften zwischen Osttimoresen der Auslöser war. In dieser Zeit gab es immer mehr Gerüchte von FALINTIL-Aktivitäten in Maubara und Bespitzelungen. Dies brachte Felix da Costa dazu, selbst ein geheimes Netzwerk aufzubauen. Er wollte Informationen für die FALINTIL-Guerilla sammeln. Diese Aktivitäten und Gerüchte könnten das indonesische Militär dazu gebracht haben, Angst zu verbreiten und zu demonstrieren, dass die Beteiligung am Widerstand tödliche Folgen haben könnte.[1.118]

Felix da Costa wurde im Juli 1992 für mehrere Monate verhaftet. Nach seiner Freilassung im Jahr darauf baute er erneut ein Untergrundnetzwerk auf. 1994 trafen er und Miguel Sanches aus Maubaralissa (nicht verwandt mit der Pflanzerfamilie) den FALINTIL-Kommandeur Nino Konis Santana und 30 seiner Kämpfer in Sare. Costa und Sanches erhielten den Auftrag, über das Netzwerk die FALINTIL mit Lebensmitteln, Taschenlampen und Batterien zu versorgen.[1.119]

Nach einem Angriff von Kämpfern der FALINTIL auf indonesische Soldaten in Leotala (Liquiçá) am 11. Januar 1995, führte die indonesische Armee am nächsten Tag in Gariana eine Vergeltungsaktion durch. Sechs Männer wurden exekutiert.[1.120][38.1]

Fernando da Silva Luis, ein Nachkomme von Liurai José Rodrigues da Silva und 1975 ein Unterstützer der UDT, begann mit dem Bau eines neuen Uma Luliks, im Wettstreit mit den Doutels. Zeitgleich beanspruchten mehrere Dutzend Familien aus Vatumori Land von der Kaffeeplantage der Sanches. Sie gaben an, das Land sei ihren Vorfahren gestohlen worden. Die Untergrundgruppe von Costa und Sanches wurde in diese Konflikte hineingezogen. Nachts wurde das Haus von Luis mit Steinen beworfen. Es ist unklar, ob die Täter Mitglieder der Untergrundgruppe von Costa und Sanches waren oder Mitglieder der indonesischen Kopassus, die Luis von einer Unterstützung des Widerstands abhalten wollten. Luis entschied sich, mit Costa und Sanches zusammen zu arbeiten, während er nach außen hin weiter mit dem indonesischen Militär zu kooperieren vorgab.[1.120]

1995 wurde Leoneto Martins mit sechzehn von zwanzig Stimmen im Distriktsparlament zum Administrator (Bupati) von Liquiçá gewählt. Unterstützt wurde er von Oberst Prabowo Subianto, dem Schwiegersohn des indonesischen Präsidenten und Diktators Suharto. Domingos Boavida wurde kommissarischer Administrator. Gemeinsam überwachten Martins und Boavida die Ernennung neuer Dorfvorsteher. Man entließ mehrere Beamte, Camats und Dorfchefs aufgrund ihrer Nähe zur osttimoresischen Unabhängigkeitsbewegung. Unter den neuen Dorfchefs waren aber der im Geheimen mit der FALINTIL zusammenarbeitende Fernando da Silva Luis in Maubaralissa und der ehemalige FALINTIL-Kämpfer José Lino dos Reis in Guiço.[1.121][39]

Martins teilte die Bevölkerung in Unterstützer und Gegner Indonesiens. Die einen rekrutierte er für das lokale Militär und den öffentlichen Dienst, den anderen versuchte er das Leben schwer zu machen. Junge Männer wurden von Martins als Informanten für Kopassus angeworben. Außerdem versuchte er sich selbst zu bereichern. Der Familie Sanches schickte er eine Schlägertruppe, die sie zum Verkauf der Kaffeeplantage an Martins bewegen sollte, allerdings ohne Erfolg. Martins behauptete, die FALINTIL nutze den dichten Wald und die Plantage als Versteck und brachte das Militär dazu, den Bau einer Straße vom Haus der Familie durch die Plantage nach Guiço im Süden zu beginnen. Angeblich ein Entwicklungsprojekt, sollten Militärpatrouillen leichter zur Plantage gelangen, um immer wieder die Sanches unter Druck zu setzen. Das Straßenbauprojekt wurde jedoch eingestellt, als Martins sich anderen Angelegenheiten zuwandte.[1.122]

Ende der Besatzung

Im Mai 1998 wurde Indonesiens Diktator Suharto durch Massenproteste zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger Habibie sah sich vermehrt internationalen Druck ausgesetzt, das Selbstbestimmungsrecht der Osttimoresen zu akzeptieren und eine Lösung des Konflikts zu finden. Indonesisches Militär und Kollaborateure sahen die Notwendigkeit, gegen die osttimoresische Unabhängigkeitsbewegung stärker vorzugehen.[1.123]

Administrator Leoneto Martins hielt bereits im Juni 1998 ein Rekrutierungstreffen für eine pro-indonesische Miliz (Wanra) in seinem Heimatort Cai-Cassa ab, der in den ersten Jahren der Besatzung zum Verwaltungssitz des Sucos Gugleur gemacht worden war. Erste Mitglieder sollen aus der Kopassus-Informantengruppe von Martins (Garda Paksi) gestammt haben. Andere Quellen nennen Anhänger der Partai Demokrasi Indonesia (PDI) als erste Mitglieder der Miliz.[1.123] Im September rekrutierte das 143. indonesische Bataillon unter Oberstleutnant Saripudin mehrere Dutzend junge Männer im Lóis-Tal, der in Vatuboro ein zweites Rekrutierungs- und Aktivitätszentrum für die Miliz bildete. Ende November[1.124] (andere Quellen nennen als Gründungsdatum den 27. Dezember 1998[40] oder den 8. Januar 1999[41.1]) wurde durch Leoneto Martins und Maubaras Administrator (Camat) José Afat offiziell die Miliz Besi Merah Putih (BMP, deutsch Rot-Weiß-Eisen) gegründet.[1.124]

Manuel de Sousa aus dem Dorf Vaviquinia und ehemaliger Abgeordneter der PDI im Distriktsparlament von Liquiçá (DPRD-II) wurde zum Anführer der BMP ernannt.[1.124][41.1] Die Miliz sollte eigentlich den gesamten Distrikt Liquiçá repräsentieren, doch die meisten Mitglieder stammten zu Beginn aus dem Subdistrikt Maubara. Mitglieder erhielten in der Regel einen kleinen Geldbetrag (viele Quellen sprechen von fünftausend Rupiah, damals etwa einem US-Dollar). Neben Geld gab es Alkohol und Drogen.[1.124]

Mit der Bekanntgabe im Januar 1999, dass die Zukunft Osttimors in einem Unabhängigkeitsreferendum entschieden werden sollte, begann die Gewalt zur Einschüchterung der Bevölkerung.[31] In den ersten beiden Monaten des Jahres griff die BMP eine Reihe von Dörfern und Weilern an, von denen man vermutete, sie unterstützten die Unabhängigkeitsbestrebung und hätten Verbindungen zur FALINTIL. Allein Guiço wurde innerhalb der Zeit viermal überfallen. Zu den Tätern gehörten neben Milizionären der BMP auch reguläre Soldaten des 143. und des 144. Bataillons (BTT 143 und BTT 144), die in Cai-Cassa und Vatuboro stationiert waren.[1.124] Das Koramil 03/Maubara (Komando Rayon Militer, deutsch Militärisches Kreiskommando) hatte den Ruf, besonders intensiv mit den lokalen Milizen zusammen zu arbeiten.[41.2] Unterkünfte der BMP waren fast immer in Militärbasen untergebracht.[41.3] Das übliche Muster bei Aktionen gegen Unabhängigkeitsbefürworter war Gefangennahme, Entführung, Folter und Mord. Alltäglich waren Bedrohungen, Raub, Terror und Einschüchterung der Zivilbevölkerung, um sie zum Beitritt zur BMP oder zur Wahl der Autonomie-Option innerhalb Indonesiens zu bewegen. Einwohner, die man der Unterstützung des Conselho Nacional de Resistência Timorense (CNRT) verdächtigte, wurden von der Miliz gefangen genommen und in den Militärkasernen, auch im Makoramil 03/Maubara, dem Hauptquartier der Streitkräfte in Maubara festgehalten. Obwohl die Verbrechen in aller Öffentlichkeit stattfanden, griffen indonesische Sicherheitskräfte fast nie zum Schutz der Bevölkerung ein und selbst wenn Milizionäre verhaftet wurden, kamen sie schon nach kurzer Zeit wieder frei.[41.2]

In Vatuboro operierte zeitgleich die pro-indonesische Miliz Pana. Diese von Graciano Filipe angeführte Gruppe unterhielt Verbindungen zu einer früheren Miliz namens Gadapaksi, die 1995 von Prabowo gegründet worden war. Pana verübte zahlreiche Angriffe auf Dörfer, unterstützt von indonesischen Territorialstreitkräften, und trug zur Flüchtlingskrise in Liquiçá bei.[41.4] Bereits am 27. Dezember 1998 folterten Milizionäre zusammen mit Soldaten vier Zivilisten und zerstörten mehrere Wohnhäuser im Subdistrikt Maubara.[41.5] Am 10. Januar griffen Milizionäre und Soldaten des BTT 143 Gugleur an, verletzten mehrere Menschen und brannten Häuser nieder. Das Haus von Cancio Morae in Vaviquinia wurde mit Hilfe von Soldaten von Milizionären am 16. Januar niedergebrannt.[41.6]

Am 14. Januar nahmen Soldaten des BTT 143 und Milizionäre von BMP, Mahidi und Naga Merah (Red Dragon) neun mutmaßliche Unabhängigkeitsbefürworter in Vatuboro fest und verschleppten sie zum Stützpunkt der BTT 143 in Cai-Cassa. Später wurden sie wieder freigelassen.[41.6]

Am 19. Januar griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen. Am 15. Februar wurden Guiço und Vatuvou überfallen. Lissadila und Maubaralissa wurden zu Geisterstädten. Ihre Einwohner flohen nach Sare (Distrikt Ermera). Allein dort versammelten sich bis zu 6.000 Flüchtlinge und blieben bis zum Eintreffen der INTERFET im September 1999. Fast 2.700 Flüchtlinge aus Vatuvou und Maubara versammelten sich im März in Gariana (Vatuvou), 375 bei den Karmeliternonnen in Lissadila.[41.7][31]

Am 22. Februar 1999 mussten Soldaten des BTT 143 Milizionären der Besi Merah Putih und der Halilintar zu Hilfe eilen, die in einen Kampf mit hunderten Einwohnern von Guiço geraten waren. Der Distriktschef Leoneto Martins hatte in ihrer Richtung geschossen, weil er den Dorfbewohnern die Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung vorwarf. Bei dem Gefecht wurden schließlich vier Dorfbewohner verletzt und 39 Häuser niedergebrannt.[41.6] Nach einer anderen Version feuerte José Afat am 23. Februar 1999 bei einer Versammlung von Hunderten Dorfbewohnern in Guiço in die Menschenmenge. Dabei gab es Tote und Verletzte.[41.8] Am selben Tag beteiligten sich Soldaten des BTT 143 gemeinsam mit Truppen der Rajawali (Kopassus) und Milizionären der BMP an einem Angriff auf Vatuvou. Dabei wurden vier Menschen verletzt und achtzehn festgenommen. Soldaten hielten einen Krankenwagen auf, der die Verwundeten versorgen sollte.[41.6]

Mau Kuru wurde am 8. März das erste Mordopfer der BMP in Maubara.[1.125][38.2] Mitte März eskalierte die Situation in Maubara, als Gerüchte kursierten, Pastor Rafael sei in der Nähe der Kirche von Maubara erstochen worden. Daraufhin versammelten sich im Ort Unabhängigkeitsbefürworter, bewaffnet mit Macheten, Pfeilen und Bögen und es kam zu Zusammenstößen. Leoneto Martins soll dabei von einem Geschoss getroffen und verletzt worden sein. Zwei führende Vertreter des CNRT reisten aus Dili an, um die Lage wieder zu beruhigen. Während der Versammlung sangen die Dorfbewohner die FRETILIN-Hymne Foho Ramelau und skandierten „Viva FRETILIN! Viva CNRT!“[1.126] Martins versprach daraufhin, die BMP aufzulösen, was aber nicht geschah.[41.9] Stattdessen antworteten Martins und die BMP mit weiteren Einschüchterungen. Tausende Einwohner Maubaras flohen aus ihren Häusern, aus Angst vor Gewalt und Zwangsrekrutierungen. Entweder in den Hauptort Maubara oder nach Liquiçá und Dili. Viele versteckten sich in der schwer zugänglichen Region um Faulara und Sare.[1.126][31] Am 16. März umzingelte die BMP-Miliz den Konvent der Karmelitinnen in Morae. Man beschuldigte die Nonnen, sie würden die Unabhängigkeitsaktivisten unterstützen und drohte alle zu töten.[41.10]

Am 4. April 1999 zerstörten BMP-Milizionäre in Maubara Häuser von Unabhängigkeitsbefürwortern und legten Feuer. Danach flüchteten 25 Milizionäre in das Hauptquartier der Armee in Maubara (Koramil). Die Bevölkerung war in Wut geraten und umzingelte den Stützpunkt, bewaffnet mit Pfeil und Bogen und mit Macheten, doch Pastor Rafael, José Afat, der Chefe de Suco und der Militärkommandant Carlos dos Amaral konnten den Mob von einer Stürmung abhalten. Tags darauf griffen Milizionäre, zusammen mit Polizisten und Soldaten der Koramil, Unabhängigkeitsbefürwortern an oder verhafteten sie. Zwei Einwohner Maubaras wurden dabei getötet. Um 8 Uhr morgens zogen die Miliz und Sicherheitskräfte aus Maubara ab, in Richtung Liquiçá. Als man das in Liquiçá hörte, zog eine Gruppe an die Grenze zwischen den Subdistrikten, um die Miliz zu stoppen. Es kam zu einem Zusammenstoß. Die Sicherheitskräfte, die auf beiden Seiten der Straße waren, versuchten nicht den Kampf zu verhindern, sondern schossen auf die Menschen. Zwei Personen wurden getötet, sieben starben. Die Miliz zog weiter nach Liquiçá, wo es am 6. April 1999 zum Kirchenmassaker von Liquiçá kam, einen der schlimmsten Vorfälle während der gesamten Gewaltwelle im Umfeld des Referendums.[41.11] Der Vorfall erregte international Aufsehen, der indonesische General Wiranto kommentierte jedoch gegenüber Journalisten in Jakarta, dass sowohl die Befürworter der Integration als auch die Befürworter der Unabhängigkeit „emotional“ geworden seien.[41.12]

Etwa 2000 Einwohner und Flüchtlinge hatten auf dem Gelände der Ortskirche Schutz gesucht, als sie von den Milizen BMP und Aitarak sowie regulären indonesischen Soldaten und Polizisten angegriffen wurden. Die Angaben über die Zahl der Todesopfer schwanken zwischen 61 und über 200. Die Leichen sollen mit Vans und Lastwagen abtransportiert worden sein. Einige wurden in Maubara im Meer versenkt, andere im Maubarasee. Am Massaker soll auch Camat José Afat beteiligt gewesen sein. Die BMP beging in dieser Zeit Hunderte von Verbrechen.[1.126][31][41.13] Auch beim Massaker im Haus des Politikers Manuel Carrascalão in Dili mit mindestens 19 Toten war die BMP beteiligt.[1.126][38.3]

Noch bis in den August dauerten die Aktivitäten der Milizen an. Als am 30. August das Referendum stattfand und am 4. September der Sieg der Unabhängigkeitsbefürworter bekanntgegeben wurde, brach eine letzte Welle der Gewalt durch Milizen und Militär aus. Über Tausend Menschen starben im Land, die Infrastruktur wurde nahezu vollständig zerstört und Hunderttausende Einwohner über die Grenze nach Westtimor verschleppt.[1.127]

Am 20. September 1999 landete die von Australien geführte Internationale Streitkräfte Osttimor (INTERFET) in Osttimor und sorgte wieder für Ruhe und Ordnung. Osttimor kam bis 2002 unter UN-Verwaltung. Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor in die Unabhängigkeit entlassen.[1.127] Die meisten Teilnehmer an der Gewaltwelle entkamen einer Strafverfolgung durch Flucht nach Indonesien. Einige von ihnen kehrten nach Jahren zurück nach Maubara.[1.128]

Maubara im unabhängigen Osttimor

Versuch der Aufarbeitung der Besatzungszeit

Mit Eintreffen der INTERFET begannen die Ermittlungen gegen die Täter der Gewaltwelle. Leichen der Opfer, die geborgen wurden, fanden ihre letzte Ruhe hauptsächlich im Friedhof von Kakaulidung (Dili).[1.127] 2000 wurde die Serious Crimes Unit (SCU) geschaffen, die die Menschenrechtsverletzungen von 1999 aufklären sollte. Anklagen sollten dann vor dem Special Panels for Serious Crimes (SPSC) in Dili erhoben werden.[1.129]

2000 wurde Martins von der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen für Osttimor (UNTAET) unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mord angeklagt. Als Bupati wurde ihm eine Mitverantwortung an der Gewaltwelle im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums 1999 vorgeworfen, insbesondere beim Kirchenmassaker von Liquiçá.[39] Da Martins aber geflohen war, musste das Verfahren 2005 eingestellt werden.[43] Vor dem Menschengerichtshof in Jakarta (Human Rights Ad Hoc Tribunal) endete die Anklage gegen Martins mit einem Freispruch.[44] Manuel de Sousa floh nach Atambua und sollte im September 2000 als Zeuge vor der indonesischen Generalstaatsanwaltschaft befragt werden, war dann aber unauffindbar.[41.14]

Die Wahrheits- und Freundschaftskommission führte mehrere Versöhnungsprozesse (community reconciliation processes CRP) auf Suco-Ebene in Maubara durch. Diese folgten traditionellen Ritualen, bei denen der Lian Nain („Herr der Worte“) eine tragende Rolle innehatte. 2003 fand eine solche gemeinsame Versammlung für die Sucos Guiço und Lissadila statt, danach eine in Vatuboro. 2004 folgten Versammlungen in Vatuvou, Gugleur, Maubaralissa und Vaviquinia. Die Versammlungen verliefen sehr unterschiedlich. In Vaviquina traten nur drei Zeugen auf, da (laut dem Administrator Maubaras) es sonst nicht zu einer Versöhnung gekommen wäre. Danach arbeiteten über hundert Menschen – ehemalige Milizionäre und Befürworter der Unabhängigkeit gleichermaßen – gemeinsam fünf Tage lang an der Instandsetzung von vier Kilometern Straße.[1.130]

In Gugleur musste man aufgrund der vielen Zeugen den Versöhnungsprozess an drei Orten abhalten. Hier spielte der Mord an Mau Kuru eine große Rolle, obwohl seine Verwandten sich beschwerten, dass Morde als Schwerverbrechen allgemein vom Prozedere ausgeschlossen wurden und eigentlich dem normalen juristischen Verfahren untergeordnet blieben. Nach den Aussagen opferten die Lian Nain vier Hühner. Eines von ihnen hatte beschädigte Eingeweide, woraus die traditionellen Führer schlossen, dass einer der Zeugen nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Man verkündete, dass sie mit den Konsequenzen leben müssten. Danach pflanzten die Einwohner (sowohl Zeugen als auch andere) 1300 Bäume als Symbol der Erneuerung. In Maubaralissa boykottierten viele Einwohner den Versöhnungsprozess, weil ein ehemaliger Milizionär Teil des Teams der Kommission war.[1.131]

Konsolidierung

Bei den Kommunalwahlen 2005 setzten sich in fünf der sieben damaligen Sucos Maubaras Kandidaten der FRETILIN durch. Nur in Maubaralissa gewann der Kandidat der ASDT und in Gugleur der Kandidat der PSD.[1.132] Die Unruhen in Osttimor 2006 brachten einen Vertrauensverlust für die FRETILIN auch in Maubara. Bei den folgenden Präsidentschaftswahlen 2007 gewann der FRETILIN-Kandidat Francisco Guterres in keinem der Sucos die Mehrheit. Diese gewann die aus Liquiçá stammende Lúcia Lobato von der PSD in Guguleur, Guiço und Vaviquinia. In Vatuvou, Lissadila und Maubaralissa holte Francisco Xavier do Amaral von der ASDT die meisten Stimmen. In Vatuboro war Fernando de Araújo von der PD der Spitzenreiter. Nachdem in der folgenden Stichwahl keiner dieser Kandidaten sich qualifizieren konnte, gewann der unabhängige José Ramos-Horta, der auch insgesamt Wahlsieger wurde, in Maubara haushoch gegen Francisco Guterres. Für die Parlamentswahlen im selben Jahr gibt es keine Ergebnisse für die einzelnen Sucos, aber vermutlich gewann Xanana Gusmãos neue Partei CNRT und das Wahlbündnis aus ASDT und PSD in Maubara die meisten Stimmen. Nur in Vatuboro war die PD sehr stark.[1.133] Der Administrator von Maubara, der weiterhin von der Regierung in Dili ernannt wurde, war zu dieser Zeit der ehemalige Widerständler Félix da Costa.[1.134]

Die traditionellen, führenden Familien hatten sich unterschiedlich positioniert. Die Nachkommen der Doutels in Gugleur sympathisierten mit der ASDT, doch gehen die meisten Quellen davon aus, dass hier trotzdem der CNRT gewann. In Guiço unterstützte José Lino dos Reis weiterhin die FRETILIN, doch hier gewann die Coligação ASDT/PSD. In Lissadila gewann wohl der CNRT, obwohl die hiesige Dato-Familie die FRETILIN unterstützte.[1.133] Miguel Sanches hatte desillusioniert mit der FRETILIN gebrochen, aufgrund der opportunistischen Auswahl lokaler Kandidaten und der mangelnden Anerkennung für den Anteil von ihm und vieler anderer Aktivisten aus Maubara am Widerstand gegen die Indonesier.[1.135] Er schloss sich der ASDT an und konnte zumindest in Maubaralissa auf die Einwohner zählen. Letztlich haben die Unruhen von 2006 politisch die historischen Eliten in ihrer Macht geschwächt und alte Allianzen zerbrochen und selbst Rivalitäten zwischen den Sucos überwunden.[1.133]

Am 6. Januar 2007 wurden drei Frauen in Maubaralissa beschuldigt Hexen zu sein. Die Frauen im Alter von 25, 50 und 70 Jahren wurden ermordet und ihr Haus angezündet. Drei Verdächtige wurden von der UN-Polizei verhaftet. Es war der erste und schlimmste Fall von moderner Hexenverfolgung im unabhängigen Osttimor.[45]

Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 zeigte sich der Einfluss der traditionellen Führer und die politische Spaltung Maubaras wieder stärker. Fernando de Araújo von der PD gewann in sechs der sieben Sucos Maubaras, schied aber als Drittplatzierter zur Stichwahl aus. Bei dieser wählten die sechs Dörfer den von Xanana Gusmão unterstützten Taur Matan Ruak, der sich auch landesweit durchsetzte. Nur in Gugleur erhielt Francisco Guterres die Mehrheit der Stimmen, dies aber deutlich. Auch bei den folgenden Parlamentswahlen gewann die FRETILIN in Gugleur deutlich, ebenso in Guiço, Vaviquinia und Vatuvou. In Gugleur waren die Nachkommen von Doutels in ihrer Unterstützung zur FRETILIN gewechselt und beeinflussten auch Wähler in anderen Sucos, was das Ergebnis erklären würde. Die Nachkommen von Dom Carlos waren in Anhänger der FRETILIN und des CNRT gespalten, was zu dem nur knappen Sieg der FRETILIN in Vatuvou führte. In Vaviquinia erhielt die FRETILIN Unterstützung von der Familie Nunes, auch wenn ihr Einfluss nur schwach war.[1.136]

In Maubaralissa spiegelte sich die komplizierte Situation im Suco im Ergebnis wider. Rui Manuel da Silva, Nachkomme von Dom Mauvili und Chefe des Suco,[46] war Mitglied der FRETILIN. Ebenso sein jüngerer Bruder Laurindo dos Reis da Silva, der seit 2010 Administrator von Maubara war. Sie nutzten ihre Positionen für den Wahlkampf ihrer Partei. Da die ASDT und die PSD in den letzten Jahren sich völlig zerstritten hatten, wendeten sich Miguel Sanches und andere Widerständler nun dem CNRT zu. Letztlich gewann der CNRT in Maubaralissa nur knapp. In Vatuboro und Lissadila gewann der CNRT mit deutlicher Mehrheit. Die PD wurde in fünf Sucos Dritter.[1.136]

In der Summe wurde die FRETILIN in Maubara stärkste Kraft,[1.136] im gesamten Distrikt Liquiçá erhielt sie aber nur 23,8 % und der CNRT 42,0 %. ASDT und PSD stürzten in der Wählergunst landesweit ab und erhielten im Distrikt jeweils unter 300 Stimmen.[47] Auffällig waren die 7 % der Stimmen in Vatuboro für die Associação Popular Monarquia Timorense (APMT).[1.135]

2012 wurde das Uma Lulik der Doutels komplett neu am alten Standort errichtet und eingeweiht. Präsident Taur Matan Ruak besuchte Gugleur am 11. Juli 2014 und führte eine Flaggenzeremonie vor dem Uma Lulik der alten Herrscherfamilie durch.[1.137]

Liste der Herrscher Maubaras

Die mündlichen Überlieferungen der Namen der Ahnen von Generation zu Generation sind für die Kulturen auf den Kleinen Sundainseln von großer Wichtigkeit. In Maubara fehlen jedoch weitgehend Angaben zu der Zeit zwischen dem Gründungsmythos und dem Beginn der Kolonialzeit.[1.138] Nach den drei mythischen Brüdern aus Suai Manu Muno, Manu Tela und Mau Mori ist der nächste überlieferte Name eines Herrschers Dom José von Gugleur.[1.139]

Die Liste der Herrscher Maubaras von Carlos Filipe Ximenes Belo gibt an, unter Berufung auf Theophilo Duarte (O Rei de Timor, Parceria Antonio Maria Pereira, Lissabon 1931), dass José Rodriques da Silva 1897 von der Königin Maria Isabel abgelöst worden sei.[11] Kammen konnte in Maubara keine Bestätigung zu dieser Herrscherin finden. Der Grund liegt darin, dass es sich bei Maria Isabel um eine fiktive Person handelt. Königin Maria Doutel oder Silvas Frau Colo Saka (Taufname: Maria Rodrigues da Silva, Tochter des Liurais von Deribate) könnten als Vorbilder für diese Figur gedient haben.[1.140]

Herrscher von Maubara
Herrscher Regierungszeit Bemerkungen
Dom Francisco Xavier erwähnt 1726[48][1.25]
Dom José Xavier Doutel vor 1754 bis 1776 †[48][1.25] Sohn des Vorgängers[1.23]
Dom Domingos Samuel Doutel (Cleto I.)[1.25] oder Caleto Xavier Doutel I[11] 1776 bis 1794 † Sohn des Vorgängers[48]
Nyong Mas[11] 1794 bis ? zweiter Sohn des Vorgängers[48][1.25]
Dom Cleto II. (Caleto II.), auch Dom José Doutel vor 1832 bis 1861[48] Sohn des Vorgängers[1.25][11]
Dom Carlos 1861 bis 1871 †[1.141] ursprünglich Herrscher von Vatuvou, von den Portugiesen eingesetzt
Dom Dotte (Gaspar da Costa) Januar 1872 bis 1893 Neffe von Dom Carlos, Regent[1.142]
Dona Maria Doutel 1877 bis 1881 jüngere Schwester von Cleto II., Trägerin des Herrschertitels
Dom José Calau (Nocolau, Calau Asa) 1881 bis Ende 1890/Anfang 1891 †[1.68] Sohn von Cleto II., Träger des Herrschertitels
Dona Maria Doutel 1891[1.68] bis 1893 2. Amtszeit, Trägerin des Herrschertitels
Dom José Rodrigues da Silva (José Maubile, Mauvili, Maubili) 7. November 1893[1.75] bis 1898 oder 1899 †[1.78] neuer Ehemann von Amelia Pereira, der Witwe von Nocolau[1.68]
Luis da Silva Maia ab 1898/99 bis 1900[1.143] ältester Sohn von José Rodrigues da Silva[1.144]
Sada Bessi 1900 bis 1907[1.79] Sohn von Dom Carlos, als Coronel Regente
Dom José dos Santos 1910 bis 1912[1.144] Sohn von Dom Repreto von der Doutel-Familie
Dom José Nunes 1912[1.144] bis 1952 †[49] Patensohn von Luis da Silva Maia[1.144]
Gaspar Correia da Silva Nunes 1952 bis 1975 Sohn von José Nunes

Siehe auch

Literatur

Commons: Geschichte Maubaras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
    1. S. 167 ff.
    2. S. 169.
    3. a b S. 24.
    4. a b S. 25.
    5. S. 27 & 188.
    6. S. 25 & 26.
    7. a b c S. 186.
    8. a b c S. 26.
    9. S. 41.
    10. a b c S. 36.
    11. S. 39.
    12. S. 36–37.
    13. S. 37.
    14. S. 38.
    15. S. 27.
    16. S. 187.
    17. S. 28–29.
    18. S. 29.
    19. S. 30.
    20. a b S. 30–31.
    21. S. 31–32.
    22. S. 32.
    23. a b c S. 43–44.
    24. a b S. 44.
    25. a b c d e f g S. 45.
    26. S. 45–46.
    27. S. 47.
    28. S. 51 & 192.
    29. S. 48.
    30. a b c S. 48–49.
    31. S. 50.
    32. S. 192.
    33. S. 51.
    34. a b S. 52.
    35. S. 52–53 & 193.
    36. S. 53–54.
    37. S. 54.
    38. S. 56–57.
    39. S. 54 & 194.
    40. S. 55.
    41. S. 55–56 & 65.
    42. S. 194.
    43. S. 65.
    44. S. 57.
    45. a b S. 57–58.
    46. a b S. 58.
    47. a b c d e S. 59.
    48. S. 63 & 194.
    49. S. 64.
    50. S. 65 & 195.
    51. S. 64 & 178.
    52. S. 67 & 69.
    53. S. 67.
    54. S. 76–78, 188 &197.
    55. S. 69.
    56. S. 66–67.
    57. S. 68–69.
    58. a b c S. 70.
    59. S. 70–71.
    60. a b S. 71.
    61. S. 71–72.
    62. a b c d S. 72.
    63. S. 80–81.
    64. S. 80.
    65. a b S. 81.
    66. S. 73–75.
    67. S. 75.
    68. a b c d S. 82.
    69. S. 81–82.
    70. S. 86–87.
    71. S. 198–199.
    72. S. 87.
    73. S. 90–91.
    74. S. 92.
    75. a b S. 94.
    76. S. 94 & 98.
    77. a b S. 93.
    78. a b c S. 98.
    79. a b c d S. 100.
    80. S. 99.
    81. a b S. 104.
    82. S. 106, 107, 111.
    83. a b S. 105.
    84. S. 202.
    85. S. 100–101.
    86. S. 101–102.
    87. S. 109.
    88. a b S. 110.
    89. S. 110 & 204.
    90. S. 101 & 110.
    91. S. 111.
    92. S. 119.
    93. S. 121–122.
    94. S. 122.
    95. S. 123.
    96. S. 122–123.
    97. S. 123–124.
    98. S. 206.
    99. S. 2.
    100. S. 126–127.
    101. S. 127 & 207.
    102. S. 127.
    103. S. 129–130.
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