Francisco Xavier Doutel
Francisco Xavier Doutel (* in Bragança, Portugal; † 1745 oder 1746? in Portugiesisch-Timor) war ein portugiesischer Händler, Offizier und Kolonialverwalter im 18. Jahrhundert.
Leben
Doutels direkter Vorfahre hatte sich großen Ruhm erworben, indem er Bragança 1580 gegen die Spanier verteidigte, die nach dem Tod des letzten portugiesischen Königs aus dem Hause Avis die Krone übernahmen.[1]
Doutel ging 1698 über Goa nach Macau, wo er sich als Händler etablierte. In weniger als zehn Jahren war er ein wohlhabender Schiffseigentümer, der Handel mit Kanton, Japan, Manila, Cavite, Solor und Timor sowie Surat und andere Häfen in Indien führte.[2.1] Er musste dabei auch Verluste hinnehmen. So verbrannte die Santa Cruz in Cavite auf den Philippinen und ein weiteres Schiff wurde von Arabern im Golf von Khambhat gekapert.[1]
1712 erhielten Doutel und Luis Sanches de Caceres das Recht, die jährliche Handelsmission von Macau zu den Inseln Solor und Timor zu entsenden. Doutels Schiff, die São Francisco Xavier, handelte in Maubara auf Timor. Die Nossa Senhora do Rosário, das Schiff von Caceres, betrieb Handel mit den beiden Reichen Laclo und Laicore, fünfzig Meilen östlich. Das drittes Schiff, die São Pedro, fuhr nach Vatuboro und dann weiter in Richtung des östlichen Endes Timors. Infolge dieser Expedition nahmen die einheimischen Herrscher portugiesische Namen an. Der Liurai von Maubara hieß von nun an Francisco Xavier und sein Sohn nahm den Nachnamen Doutel an, den auch viele Nachkommen führten. Der Liurai von Laclo übernahm den Namen Paulo Carceres und die Herrscherfamilie von Laicore trug nun den Familiennamen Rosário. Der Herrscher von Vatuboro hatte nun den Namen Dom Pedro. Wieso sie die Namen der Kaufleute und der Schiffe annahmen, ist nicht geklärt.[2.2]
Durch Doutels Heirat mit Francisca Pereira war er mit der reichen Familie Moura verwandt. Durch diese Verwandtschaft wurde Doutel in den Konflikt um die Hochzeit von Maria de Moura e Vasconcellos und António de Albuquerque Coelho verwickelt. Gegen den Willen der Familie setzte Albuquerque Coelho die Eheschließung durch, die Henrique de Noronha, ein Nebenbuhler und Freund Doutels noch durch einen Mordanschlag zu verhindern versuchte. Dies misslang ebenso, wie der Mordplan durch Doutels Schwager und Onkel Marias Francisco Leite Pereira. 1717, mehrere Jahre nach den Vorkommnissen, wurde Albuquerque Coelho in Goa zum Gouverneur von Macau ernannt. Als er aber das Schiff nach Macau besteigen wollte, war es bereits ohne ihn abgefahren. Kapitän und Eigentümer des Schiffes war Doutel. Albuquerque Coelho musste quer durch Indien an die Ostküste reisen und dort ein Schiff chartern, mit dem er erst am 29. Mai 1718 Macau nach einer abenteuerlichen Reise erreichte. Zur Rache an Doutel kam es nicht, auch wenn dieser sich aus Angst zunächst in das Konvent der Franziskaner flüchtete. Der Vizekönig in Goa hatte jede Maßnahme untersagt.[1]
Doutel hatte in Macau verschiedene öffentliche Ämter inne, so war er beisitzender Richter (Ouvidor) und wurde in den Leal Senado gewählt.[1][2.3] Als seine Frau starb investierte er viel Mühe und Geld in den Kirchenbau in Macau, zu Ehren seiner Frau.[2.4] Nördlich des Hügels Penha ließ er die Kapelle Bom Jesus erbauen, die Namensgeberin der benachbarten Straßen Calçada Bom Jesus und Travessa de Bom Jesus. Die Kirche zerfiel später und wurde ein Ort für Geschichten über Geister, Piraten, verborgene Schätze und Flüche. Im 20. Jahrhundert übernahmen die Karmeliten das Grundstück.[1]
Ende 1745 ernannte der portugiesische Vizekönig in Goa Doutel zum Gouverneur und Generalkapitän von Portugiesisch-Timor und Solor.
[2.4][3] Wahrscheinlich starb er auf Timor innerhalb weniger als eines Jahres. Allerdings widersprechen sich hier die Quellen und geben auch keine Hinweise, ob ein Regierungsrat (Conselho Governativo) bis zum Eintreffen seines Nachfolgers Manuel Correia de Lacerda 1748 die Amtsgeschäfte übernahm, wie es sonst die Regel war.[2.4][1]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Lindsay and May Ride: The Voices of Macao Stones, 1999 ( vom 15. Dezember 2014 im Internet Archive) (PDF; 7,5 MB)
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Hans Hägerdal: Governors of Portuguese Timor to 1832; Quellen: Artur Teodoro de Matos: Timor Portugues, 1515–1769 (Lisboa 1974), Affonso de Castro: As possessões portuguezas na Oceania (1867) und Luna de Oliveira: Timor na historia de Portugal (1940er)
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Manuel Leonís de Castro | Gouverneur von Portugiesisch-Timor 1745–1745/46 (1748) | Manuel Correia de Lacerda |