José dos Santos (Herrscher)
José dos Santos († 1927 oder 1928) war ein Liurai von Maubara, ein Herrscher im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor). Er war der letzte Abkömmling der Herrscherfamilie der Doutel in diesem Amt.[1.1][2]
Werdegang
Santos war der älteste Sohn von Dom Repreto, der auch Sereloy oder der schwarze König genannt wurde,[1.2] und dessen Frau Savu Cau. Repreto war ein direkter Nachkomme der Doutels, die bereits im 18. Jahrhundert die Herrscher Maubaras stellten. José war mit Marta dos Santos aus Atambua verheiratet. Sie hatten zusammen drei Söhne: Manuel, Apolinario und Fernando.[1.3]
Santos hatte die portugiesische Schule für Söhne adliger Timoresen in Lahane besucht und war seit 1908 der Telefonist in Maubara. Im Jahr darauf wählte Gouverneur Eduardo Augusto Marques Santos überraschend als Nachfolger des 1907 enthobenen Liurais Sada Bessi. Nach Beratungen mit allen führenden Familien in Maubara, wurde Santos im Juni 1910 als neuer Herrscher von Maubara eingesetzt.[1.2] Seinen Posten als Telefonisten erhielt José Nunes, der Patensohn des vorletzten abgesetzten Liurais Luis da Silva Maia.[1.4]
1912 war Santos schwer erkrankt und konnte kaum noch aus seinem Haus in den Bergen zu seinen Aufgaben im Dorf Maubara kommen. Laut Überlieferungen schlug José Nunes, dem portugiesischen Administrator in Maubara daher vor, dass man ihn stattdessen zum Herrscher von Maubara machen sollte. Dieser stimmte dem schließlich auch zu und Santos wurde abgesetzt.[1.1] Wahrscheinlich starb Santos 1927 oder 1928.[2]
Die Santos blieben Chefe de Suco von ihrem Heimatdorf Gugleur. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Söhne Manuel, Apolinario und Fernando jedoch angeblich die Schwäche der portugiesischen Verwaltung unter der japanischen Besatzung nutzen und planten in Maubara die Ermordung portugiesischer Offizieller. Manuel sollte dann als neuer Herrscher inthronisiert werden. Zu einer Umsetzung des Plans kam es bis zur Kapitulation der Japaner nicht mehr. Portugal übernahm wieder die Kontrolle, José Nunes blieb Liurai und die verhinderten Rebellen wurden nach Atauro verbannt. Für die Santos bedeutete dies das Ende auch der Herrschaft über Gugleur.[1.5]
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: 5. High Colonialism and New Forms of Oppression, 1894–1974. In: De Gruyter Brill. 20. August 2015, doi:10.36019/9780813574127-009/html (degruyterbrill.com [abgerufen am 3. November 2025]).
- ↑ a b Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 169. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Sada Bessi | Liurai von Maubara 1910–1912 | José Nunes |