Leoneto Martins
Leoneto Martins (* 1950 in Cai-Cassa, Gugleur, Liquiçá, Portugiesisch-Timor), auch Leonito Martins, ist ein osttimoresisch-indonesischer Beamter. Er ist ein Nachkomme von José Calau, der von 1881 bis 1890/91 Herrscher von Maubara war.[1.1]
Werdegang
Als Geburtsort von Martins wird Cai-Cassa angegeben,[1.2] während eine andere Quelle sagt, er stamme aus Vatuboro.[2.1] Martins war der Ur-ur-Enkel von Bui Cau, der Schwester des Rebellenführers Maubute aus der ehemaligen Herrscherfamilie der Doutels. Der Vater von Martins, Mau Kelis/Antoni, stammte aus Cai-Cassa, Eduarda, seine Mutter, aus Vatuboro.[1.3] Martins absolvierte die Sekundarschule während der portugiesischen Kolonialzeit.[2.1]
1975 wurde Martins Mitglied der APODETI, die einen Anschluss der Kolonie Portugiesisch-Timors an Indonesien unterstützte.[1.4] Nach der gewaltsamen Annexion Portugiesisch-Timors durch Indonesien besuchte er die Beamtenschule in Jakarta (APDN).[2.1]
Von 1976 bis 1984 war Martins in der indonesischen Verwaltung des besetzten Osttimors Chef des Subdistrikts Maubara (Camat) und von 1984 bis 1986 Chef des Subdistrikts Bazartete. Danach arbeitete er als Chef von Koni, einer Untereinheit von Kesejahteraan, die wiederum dem indonesischen Sozialamt gehörte. Koni war für Sport verantwortlich. 1994 wurde Martins Chef on Kesejahteraan in Liquiçá.[3] Von 1995 bis zum Ende der indonesischen Besatzung Osttimors im September 1999 war er Distriktschef (Bupati) von Liquiçá.[3][4] Als Bupati entließ Martins mehrere Beamte, Camats und Dorfchefs aufgrund ihrer Nähe zur osttimoresischen Unabhängigkeitsbewegung.[3]
Martins teilte die Bevölkerung in Unterstützer und Gegner Indonesiens. Die einen rekrutierte er für das lokale Militär und den öffentlichen Dienst, den anderen versuchte er das Leben schwer zu machen. Junge Männer wurden von Martins als Informanten für Kopassus angeworben. Außerdem versuchte er, sich selbst zu bereichern. Der Familie Sanches schickte er eine Schlägertruppe, die sie zum Verkauf der Kaffeeplantage an Martins bewegen sollte, allerdings ohne Erfolg. Martins behauptete, die FALINTIL nutze den dichten Wald und die Plantage als Versteck und brachte das Militär dazu, den Bau einer Straße vom Haus der Familie durch die Plantage nach Guiço im Süden zu beginnen. Angeblich ein Entwicklungsprojekt, sollten Militärpatrouillen leichter zur Plantage gelangen, um immer wieder die Sanches unter Druck zu setzen. Das Straßenbauprojekt wurde jedoch eingestellt, als Martins sich anderen Angelegenheiten zuwandte.[1.5]
Im Dezember 1998 war Martins Mitgründer der pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih, die die Unabhängigkeitsbewegung bekämpfen sollte. Dafür arbeitete er eng mit dem Beamten Manuel de Sousa zusammen. Martins fungierte als Berater, während Sousa die Operationen der BMP führte.[2.1] Mit Hilfe des Militärs brachten sie auch Milizionäre von außerhalb, so aus Westtimor, Sulawesi und Sumatra nach Osttimor.[2.2] Offen rief Martins dazu auf, CNRT-Mitglieder zu verprügeln, ihre Häuser niederzubrennen und deren Führer zu ermorden.[2.1][3]
Als im März 1999 tausende Demonstranten sich vor seinem Haus versammelten, weil die BMP einen Priester bedrohte, versprach Martins die Auflösung der BMP. Martins unternahm aber nichts gegen die Miliz, auch nicht nach dem Kirchenmassaker von Liquiçá am 6. April.[2.1] Befehle für Überfälle der BMP auf Dörfer kamen oft gemeinsam von Sousa und Martins, so auch im Mai 1999,[2.1] als Häuser in ganz Liquiçá zerstört und mutmaßliche Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung gefangen genommen wurden.[2.2]
Martins unterstützte auch eine weitere Milizgruppe namens Pana, die in seinem Heimatdorf Vatuboro ansässig war. Auch diese Gruppe führte zahlreiche Angriffe auf Dörfer durch, unterstützt von indonesischen Streitkräften, und trug zur Flüchtlingskrise in Liquiçá bei. Am 12. Juni 1999 nahm Martins an einem Treffen von Militär- und Milizenführern teil, bei dem Pläne zur Zwangsevakuierung von Frauen und Kindern nach Westtimor erörtert wurden. Im September 2000 gab er keine Erklärung dafür ab, warum er einer Vernehmung durch die Generalstaatsanwaltschaft im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an den Unruhen in Osttimor 1999 nicht nachgekommen war.[2.1]
2000 wurde Martins von der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen für Osttimor (UNTAET) unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mord angeklagt. Als Bupati wurde ihm eine Mitverantwortung an der Gewaltwelle im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums 1999 vorgeworfen, insbesondere beim Kirchenmassaker von Liquiçá.[3] Da Martins aber geflohen war, musste das Verfahren 2005 eingestellt werden.[5] Vor dem Menschengerichtshof in Jakarta (Human Rights Ad Hoc Tribunal) endete die Anklage gegen Martins mit einem Freispruch.[6]
Sonstiges
Martins ist verheiratet mit Apolonia Bui, die in Atabae geboren wurde. Ihre Eltern stammten aus Fatumean.[1.2]
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.
- ↑ a b c d e UNTAET: Case: LI-1-99-SC, auf: Virtual Tribunals – International criminal tribunal records (1945-present), abgerufen am 23. Mai 2022.
- ↑ „Part 4: Regime of Occupation“ ( vom 18. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
- ↑ UNTAET: Information Case: 21-2001, auf: Virtual Tribunals – International criminal tribunal records (1945-present), abgerufen am 23. Mai 2022.
- ↑ Final Report: The Failure of Leipzig Repeated in Jakarta, Monitoring Reports for the Ad Hoc Human Rights Court for East Timor in Jakarta, Indonesia by U.C. Berkeley War Crimes Studies Center and Institute for Policy Research and Advocacy (ELSAM), abgerufen am 22. November 2024.