Hélio Sanches Pina

Hélio Sanches Pina (* 23. Februar 1951 in Suai, Cova Lima, Portugiesisch-Timor;[1.1]1979 in Osttimor)[2], Kampfname Mau Kruma, war ein osttimoresischer Politiker und Unabhängigkeitskämpfer.

Werdegang

Pina war der Enkel des portugiesischen Deportierten Joaquim Sanches und dessen timoresischen Frau Madalena. Deren Tochter Lucina Sanches heiratete João Ferreira Pina, den portugiesischen Unteroffizier und späteren Chefe de Posto von Suai und war die Mutter von Hélio Sanches Pina.[1.2] João Pina war einer der Führer der União Democrática Timorense (UDT) in Maubara.[1.3]

Pina absolvierte 1969 die Sekundarschule in Dili und gewann ein Stipendium der Regierung für ein Studium im Fach Landwirtschaft an der Universität Évora in Portugal. Hier lernte er von afrikanischen, politisch links stehenden Studenten den Antikolonialismus kennen.[1.2] Pina war einer der Bewohner des Casa dos Timores, einer Wohngemeinschaft und Treffpunkt von Timoresen aus Portugiesisch-Timor, die in den 1970er-Jahren in Lissabon studierten.[2]

Pina kehrte im Februar 1975 nach Timor zurück und nahm seinen Kampfnamen Mau Kruma an.[1.2] Hier wurde Pina Mitglied der ersten Generation des Zentralkomitees der FRETILIN (CCF).[3] Als die Partei am 28. November 1975 einseitig die Unabhängigkeit Osttimors von Portugal ausrief, wurde Pina zum Vizeminister für wirtschaftliche Koordination und Statistik im aufgestellten Kabinett ernannt.[4] Während der indonesischen Besetzung Osttimors wurde er Politischer Kommissar des Widerstandssektors Fronteira Norte.[3] Begleitet wurde er vom CCF-Mitglied António da Silva de Carvalho (Fera Lafaek). Fatubessi diente als Hauptquartier des Widerstandssektors, doch Pina wählte Faulara als Stützpunkt. Hier heiratete er Norberta Martins, eine Cousine des Premierministers Nicolau Lobato. Das Paar zog dann nach Fatubessi.[1.4]

Dort kam es zum Konflikt zwischen den radikalen politischen Führern der FRETILIN und gemäßigten FALINTIL-Offizieren, die früher im portugiesischen Kolonialmilitär gedient hatten. Als Pina den Sergeant Major José da Silva und andere Unteroffiziere degradierte, weil sie nach seiner Meinung nicht revolutionär genug waren, eskalierte die Situation. Pinas Gegner gründeten die Gruppierung Maromak Fatubessi (deutsch Gott von Fatubessi) und versuchten angeblich einen internen Putsch. Die Verschwörung flog auf, wurden die Verdächtigen verhaftet und Silva hingerichtet.[1.5]

Als die indonesischen Truppen vorrückten bestand Pina auf eine Weiterführung des Kampfes, während der FALINTIL-Kommandant Filomeno Paixão zur Aufgabe drängte. Er und ein Großteil der Truppen ergaben sich am 7. Februar 1979.[1.6][5.1] Über die folgenden Ereignisse berichteten Pinas Bruder Rui und Félix da Costa: Pina und seine Frau Norberta flohen in Richtung Hatulia. Krank und nicht mehr fähig weiterzulaufen befahl Pina zu fliehen. Seine Frau und sein Sohn im Säuglingsalter versteckte er in einer Höhle. Als indonesische Soldaten vorbeikamen, begann das Baby zu weinen. Die Soldaten entdeckten die Höhle und forderten die Familie auf, herauszukommen. Norberta erschoss einen Soldaten, die anderen eröffneten das Feuer. Pina wurde dabei in den Kopf getroffen, seine Frau in Brustbein und Rippen. Beide waren sofort tot. Das Baby wurde nur am Knie gestreift und nach Dili gebracht. Der Junge wurde seinem Onkel Rui übergeben und erhielt den Namen seines Vaters. Später studierte er in Portugal, wie sein Vater Landwirtschaft.[1.6][1.7]

Pina wurde zunächst in Fatubessi beerdigt. 1982 reiste Rui Pina nach Fatubessi, um die sterblichen Überreste zu exhumieren. Die Einheimischen verweigerten das aber, da es sich um Hélio Pina um eine wichtige Persönlichkeit handelte. Erst 1988 konnte Rui Pina seinen Bruder bei anderen Familienmitglieder auf dem Friedhof Santa Cruz in Dili beisetzen lassen.[1.7]

Ehrungen

Posthum wurden Pina 2006 der Ordem de Dom Boaventura[4] und 2019 der Kollar des Ordem de Timor-Leste verliehen.[3]

Einzelnachweise

  1. Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
    1. S. 206.
    2. a b c S. 122.
    3. S. 121 & 206.
    4. S. 131.
    5. S. 131–132.
    6. a b S. 137.
    7. a b S. 209.
  2. a b Antero Bendito da Silva, Robert Boughton, Rebecca Spence: FRETILIN Popular Education 1973–1978 and its Relevance to Timor-Leste Today (Memento des Originals vom 15. April 2023 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/rune.une.edu.au, University of New England, 2012, abgerufen am 5. Juni 2019.
  3. a b c Jornal da República: DECRETO DO PRESIDENTE DA REPÚBLICA N.º 56/2019 de 27 de novembro, abgerufen am 28. November 2021.
  4. a b Jornal da República: Ausgabe vom 20. Dezember 2006, abgerufen am 22. März 2018.
  5. „Part 5: The History of the Conflict“ (PDF; 564 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
    1. S. 22.