José Calau
José Calau († Ende 1890 oder Anfang 1891), auch bekannt unter den Namen (José) Nocolau, Calau Asa und José Cleto, war ein Liurai von Maubara, ein Herrscher im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor).[1.1]
Werdegang
José Calau war der Sohn des Herrschers von Maubara Cleto II. (José Doutel; vor 1832 bis 1861) und damit Abkömmling der alten Herrscherdynastie des Reiches. Nachdem die Niederländer Maubara an die Portugiesen abgetreten hatten, setzten sie Cleto II. ab und dafür Carlos aus Vatuvou als neuen Herrscher ein. Cleto II., der sich geweigert hatte abzutreten, verschwand in Haft in der Kolonialhauptstadt Dili.[1.2]
Nach dem Tod von Dom Carlos 1871 wurde im Januar darauf Dotte, der Neffe von Carlos, zunächst mit dem Titel eines Tenente-coronel (Oberstleutnant) bedacht.[1.2] Da die Rivalität zwischen den verschiedenen Clans in Maubara aber bestehen blieb, erhielt Dotte 1877 den Titel eines „Oberst-Regent“, (portugiesisch coronel regente) und Maria Doutel wurde zur Königin von Maubara ernannt. Möglicherweise glaubten die Portugiesen, eine Frau besser unter Kontrolle halten zu können. José Calau tauchte hier im Rang eines Oberstleutnants (tenente-coronel) namentlich das erste Mal auf. Er unterschrieb im Namen seiner Tante den neuen Vasallenvertrag mit Portugal.[1.3]
Im Juni 1881 wurde ein neuer Vasallenvertrag von Maubara mit Portugal unterzeichnet. Dom José Calau unterzeichnete nun mit dem neuen Titel des „brigadeiro reino do reino de Maubara“ (König und Brigadegeneral des Königreichs. Maubara). Damit löste er seine Tante Dona Maria Doutel als Herrscher ab, Dom Dotte hielt aber weiter als „coronel regente“ die eigentliche Macht in seinen Händen.[1.4]
Anfang Juni 1886 ermordeten Krieger unter dem Befehl von Dom José Calau einen Hakka in Vaviquinia. Am Strand von Maubara drohten sie, Dom António, dem Major des Reiches und einen Timoresen namens Assu den Kopf abzuschlagen. Francisco Pedro de Mira Feijo Elvaim, der portugiesische Kommandant des Forts informierte sofort Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) und dieser eilte mit einer kleinen Truppe nach Maubara, um die Mörder gefangen zu nehmen. Zwischenzeitlich hatte José Calau auch den Kommandanten Elvaim bedroht, der sich nur mit gezückter Pistole retten konnte. Als wahren Anführer des Aufstands machten die Portugiesen aber Calaus Sohn Maubute (Mahabuti) aus. Beim Versuch Maubute festzunehmen, gerieten die Portugiesen in einen Hinterhalt und mussten sich zurückziehen. Nach einigen weiteren Scharmützeln zwang Maia José Calau zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens. Hierin wurde festgelegt, dass die Ländereien, Gärten und Plantagen von Vaviquinia (Babequinia) im Besitz der Kolonialregierung blieben und sich niemand dort niederlassen durfte, Maubara 3000 Rupien Strafe zahlen musste und die Einwohner eine Straße von der Küste bis zum höchsten Punkt Vaviquinias bauen mussten.[1.5]
1887 beorderte Maia José Calau und die anderen Adligen Maubaras nach Dili, damit sie einen neuen Vasallenvertrag unterzeichnen. José Calau und seine Frau Amelia Pereira wurden bei der Garde des Reiches von Motael untergebracht, in dessen Territorium sich Dili befand. Der 3. März wurde als Termin für die Zeremonie festgelegt. Doch als Gouverneur Maia an dem Morgen seine Residenz in Lahane verließ, geriet er in einen Hinterhalt von Moradores, der eigentlich dem unbeliebten Sekretär Francisco Ferreira gegolten hatte. Als die Auseinandersetzung eskalierte, wurde Maia ermordet. Trotz der zunächst aufkommenden Unruhe, wurde die Zeremonie für die Vasallenschaft Maubaras nur zwei Tage verspätet durchgeführt. José Calau blieb Herrscher.[1.6] Seine Macht reichte aber kaum noch über seinen Sitz in Lissa-Lara hinaus, da sich die einflussreichen, einheimischen Familien durch Intrigen immer weiter zerstritten. Im restlichen Reich herrschte weitgehend Gesetzlosigkeit.[1.1]
Ende 1890 / Anfang 1891 starb José Calau.[1.1] Nátalia Correira, eine Lehrerin aus Oe-Cusse, die zu dieser Zeit Lehrerin in Maubara war, berichtet von den Ereignissen, die sich damals zutrugen:[2]
«Nos primeiros meses que estive em Maubara, todos os cães da vila se reuniam, na rua principal, a uivar lugubrementte, em coro, altas horas, noites seguidas. Passado alguem tempo, o régulo morreu. Estava em Estado de comaquando a mulher, toda aflita, correu a dizer-me: "Senhor, liurai moras boot!", isto é, "o régulo está muito doente!". Dirigi.me, sem delongas, a casa dele. O régulo ainda mexia os lábios, parecendo querer dizer qualquer coisa. Apurei o ouvido e percebi que queria a presença dum padre. Infelizmente não havia nenhum na região e nesse tempo ainda não exista o telefone, Comunicou-se o desejo à autoridade local que mandou imediatamtamente a Ermera um morador, a cavalho, para chamar o missionário daquela vila. Eram 2 horas da tarde. Não tinha esperança de que a aspiração do agonizante fosse satisfeita porque de Maubara à Ermera, a cavalho, são, no mínimo, dois dias, ide e volta. Quando chegou o padre, o pobre régulo já era um putrefacção. Houve missa de corpo presente e, a seguir, enterro.
Eram curiosas as manifestaçôes de pesar. A viúva, a nora e mais pessoas da fam´lia rodeavam a cadáver, passando-Ihe as mãos por cima e carpindo. Os homens formavam um círculo à volta do filho e cantavam lugubremente, fazendo o panegírico do falecido. Por cima do leito, suspensas de cordões, estavam todas as jóias de ouro e prata do defunto. Eram luas, pulseiras, anéis, mutissala (morteen), etc., etc. Dois rapazes estavam à cabeceira, um sustentando o cohe de Areca e do bétel, e o chapéu com os distintivos do coronel da segunda linha. Como tal foi enterrado, de uniforme à europeia.»
„In den ersten Monaten, die ich in Maubara verbrachte, versammelten sich alle Hunde des Dorfes auf der Hauptstraße und heulten nächtelang in einem traurigen Chor. Nach einiger Zeit starb der Herrscher. Er lag im Sterben, als seine Frau, ganz verzweifelt, zu mir lief und sagte: ‚Senhor, liurai moras boot!‘, was so viel bedeutet wie ‚Der Herrscher ist sehr krank!‘. Ich begab mich ohne zu zögern zu seinem Haus. Der Herrscher bewegte noch seine Lippen und schien etwas sagen zu wollen. Ich spitzte die Ohren und verstand, dass er einen Priester wünschte. Leider gab es keinen in der Region, und zu dieser Zeit gab es noch kein Telefon. Der Wunsch wurde der örtlichen Behörde mitgeteilt, die sofort einen Einwohner zu Pferd nach Ermera schickte, um den Missionar aus diesem Dorf zu holen. Es war 2 Uhr nachmittags. Ich hatte keine Hoffnung, dass der Wunsch des Sterbenden erfüllt werden würde, denn von Maubara nach Ermera sind es zu Pferd mindestens zwei Tage hin und zurück. Als der Priester eintraf, war der arme Herrscher bereits verwest. Es gab eine Totenmesse und anschließend die Beerdigung.
Die Trauerbekundungen waren merkwürdig. Die Witwe, die Schwiegertochter und weitere Familienmitglieder umringten den Leichnam, streichelten ihn und weinten. Die Männer bildeten einen Kreis um den Verstorbenen und sangen düstere Lieder, in denen sie den Toten lobten. Über dem Bett hingen an Schnüren alle Gold- und Silberschmuckstücke des Verstorbenen. Es waren Monde [wahrscheinlich sind Belak und Kaibauk gemeint], Armbänder, Ringe, Mutissala (Morteen) usw. Zwei Jungen standen am Kopfende, einer hielt den Korb mit Areca und Betel und den Hut mit den Abzeichen des Obersts der zweiten Linie. Als solcher wurde er begraben, in europäischer Uniform.“
Maubute war zwar einer Strafe entgangen, hatte sich vom Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Statt seiner wurde die hochbetagte und inzwischen verwitwete Dona Maria Doutel von den Portugiesen wieder als Königin eingesetzt.[1.1]
Mit José Rodrigues da Silva erschien ein weiterer Adliger, der die Herrschaft über Maubara für sich beanspruchte. Er heiratete 1893 Amelia Pereira, die Witwe von José Calau, um seine Ansprüche zu festigen, doch die Frau starb noch im selben Jahr. Maubute versuchte erneut mit Gewalt die portugiesische Herrschaft abzuschütteln, kam aber bei der Revolte von Maubara 1893 ums Leben. Dona Maria Doutel wurde von den Portugiesen abgesetzt. Neuer Herrscher wurde José Rodrigues da Silva.[1.7]
José Calau hatte eine Tochter namens Bui Cau. Ihr Ur-Urenkel Leoneto Martins war 1975 einer der wichtigsten Unterstützer der pro-indonesischen Partei APODETI. Er war während der indonesischen Besatzung Bupati von Liquiçá (1995–1999).[1.8]
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ a b Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 170–171. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Maria Doutel | Liurai von Maubara 1881 bis Ende 1890/Anfang 1891 † | Maria Doutel |