Joaquim Sanches
Joaquim Sanches (* 1871 in Guarda, Portugal) war ein portugiesischer Plantagenbesitzer in Portugiesisch-Timor.
Werdegang
Sanches kam um 1905 in die Kolonie Portugiesisch-Timor. Je nach Quellen war er als Republikaner oder Anarchist aus Portugal verbannt und nach Timor deportiert worden. Da es dort einen Mangel an portugiesischen Männern gab, wurde Sanches Mitglied der Kolonialverwaltung und erhielt den militärischen Rang eines Zweiten Sergeanten. Er wird in einem Pamphlet gegen Gouverneur José Celestino da Silva erwähnt, das 1909 in Dili veröffentlicht wurde. Nach diesem soll Sanches die Absetzung Lequebére, des Dorfchefs von Tatu-Bessi, angeordnet haben, weil dieser einen Mann nicht ausgeliefert hatte. Lequebére wurde von Moradores verhaftet und gefesselt nach Hatolia geschickt. Bei einem Fluchtversuch drohte Sanches den Moradores mit Konsequenzen.[1.1]
Eine kurze Zeit lebte Sanches in Aileu, bevor er Vorarbeiter in der Kaffeeplantage der Sociedade Agrícola Pátria e Trabalho (SAPT) in Fatubessi (Kreis Ermera) wurde. Hier lernte er Madalena kennen, eine Angehörige des niederen timoresischen Adels und die Mätresse des Gouverneurssohns Julio Celestino de Montalvão e Silva. Als Julio 1909 nach Portugal zurückkehrte und Madalena zurückließ, heiratete Sanches Madalena und adoptierte ihre beiden Kinder Jesuina und Alberto, die den Nachnamen Sanches erhielten. Julio hatte Madalena seine riesige Kaffeeplantage in Gugleur überlassen, die das Ehepaar nun betrieb und so Reichtum und lokal Einfluss gewann. Die Verbindungen zum Sohn des Gouverneurs und die Herkunft des Reichtums versuchte man möglichst unter den Teppich zu kehren.[1.2]
Das Ehepaar bekam noch neun eigene Kinder. Maria Madalena, die Älteste, wurde 1911 geboren. Die Arbeitskräfte für die Plantage wurden durch die einheimischen Führer über das Zwangsarbeits- und Kopfsteuersystem der Kolonie gestellt. Dank der Einkünfte aus dem Kaffeeanbau konnte man sich auch ein stattliches Steinhaus am Hauptplatz in der Kreishauptstadt Vila de Liquiçá leisten und die Kinder nach Liquiçá und Dili in die Schule schicken. Die Töchter heirateten später portugiesische Männer und die Söhne Frauen aus lokalen Adelsfamilien oder von Familien chinesischer Kaufleute.[1.3] Die Tochter Lucina Sanches heiratete João Ferreira Pina, portugiesischer Unteroffizier und späterer Chefe de Posto von Suai. Ihr Sohn Hélio Sanches Pina war ein führendes Mitglied der FRETILIN, der 1979 im Kampf gegen die Indonesier ums Leben kam.[1.4]
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).