José Nunes (Herrscher)
José Nunes (* 1874; † 1952), geboren als Mau Soko, war ein Liurai von Maubara, ein Herrscher im Nordwesten der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (heute: Osttimor).[1.1][2]
Werdegang
Nunes hieß bis zu seiner christlichen Taufe Mau Soko und stammte aus Nunuana. Er war Patensohn des abgesetzten Herrschers Luis da Silva Maia. 1897 schloss Nunes die Grundschule in Lahane ab. Er sprach damit Portugiesisch und war mit der Verwaltung und Kultur der Kolonialmacht vertraut. Als José dos Santos, ein Mitglied der Doutel-Familie, neuer Liurai von Maubara wurde, erhielt Nunes dort eine Anstellung als Telefonist. Den Posten hatte zuvor Santos innegehabt. Später erreichte Nunes den Rang eines Majors bei den einheimischen Kräften (segunda linha) der Kolonialarmee. Hier kämpfte er auf der Seite der Portugiesen während der Rebellion von Manufahi (1911/12).[1.1]
1912 war Santos schwer erkrankt und konnte kaum noch aus seinem Haus in den Bergen zu seinen Aufgaben im Dorf Maubara kommen. Laut Überlieferungen schlug Nunes dem portugiesischen Administrator in Maubara daher vor, dass man ihn stattdessen zum Herrscher von Maubara machen sollte. Der Administrator verlangte daraufhin Beweise, dass Nunes dieses Amtes würdig sei. Der ehemalige Liurai Luis da Silva Maia ließ daher das Grab seines Vaters, dem Liurai Mauvili in Anwesenheit des Administrators und der Öffentlichkeit öffnen. im Grab fand man ein „Patete“ (wahrscheinlich ist damit das Offizierspatent gemeint), das Symbol für den Rang eines Majors. Dies erkannte der Administrator an und erklärte Nunes öffentlich „Du bist nun der wirkliche König hier“.[1.1] Nunes galt als den Portugiesen treu ergeben und stellte Krieger für die Ehrenwache des Gouverneurs ab.[3]
Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner Portugiesisch-Timor zwischen 1942 und 1945. Da offiziell die portugiesische Verwaltung weiter bestand, blieb auch Nunes weiter in Amt und würden. Er versuchte auf diese Weise die Bevölkerung vor Übergriffen der Japaner zu schützen, sympathisierte aber gleichzeitig mit den australischen Militärkommandos, die in den Bergen gegen die Japaner operierten.[1.2] In dieser Zeit griffen pro-japanische Timoresen (Colunas Negras) Portugiesen und ihre timoresischen Verbündeten an. Mitte November 1943 attackierten Colunas Negras aus Balibo, Cailaco und Atabae Maubara. Nunes und sein Sohn Gaspar Correia da Silva Nunes verteidigten zusammen mit einem kleinen Trupp einheimischer Soldaten den Ort. Seit Ende 1942 waren die portugiesischen Zivilisten von den Japanern in Maubara und Liquiçá unter schweren Bedingungen interniert. Viele sollen Nunes es zu verdanken haben, dass sie überlebten. Nach dem Ende des Krieges und der Wiederherstellung der portugiesischen Herrschaft, erwies man Nunes als ersten Liurai außerhalb der kolonialen Hauptstadt Dili die Ehre, die Flagge Portugals wieder zu setzen.[3]
Vor seinem Tod hatte José Nunes sich gewünscht, er möge im Schatten der Flagge Portugals bestattet werden. Einige Jahre später erhielt er ein Grabmal zwischen dem Südtor des Fort von Maubara und der Grundschule. Das schirmende Dach soll die Flagge darstellen. Die Inschrift auf dem Grabmal lautet: „Homenagem do Governo de Timor au seu mui fiel regulo de Maubara José Nunes (1874–1952)“ (deutsch Ehrung der Regierung von Timor für ihren treuen Regenten von Maubara, José Nunes). In den umliegenden Dörfern inspirierte das Grabmal in seiner Form andere Gräber.[3]
Nach dem Tod von José Nunes 1952 übernahm sein Sohn Gaspar den Herrschertitel des Liurais von Maubara.[4][5]
Sonstiges
Während der Revolte von Maubara 1886 wurde der Weiler Nunuana vom portugiesischen Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) vollkommen zerstört. Wahrscheinlich, aber nicht gesichert, schloss sich damals Mau Calau den Portugiesen an und machte sich bei ihnen einen Namen. Sein Sohn war José Nunes.[1.3]
Die erste Ehefrau von Nunes war eine Frau namens Maria aus der Herrscherfamilie von Lequidoe. Seine zweite Frau, die ebenfalls Maria hieß, stammte aus Gugleur.[1.3]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7, S. 202 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ Bild des Grabmals von José Nunes. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ a b c Edward Willis: WWII in East Timor – A Site and Travel Guide - LIQUIÇÁ MUNICIPALITY - MAUBARA. In: 2/2 Commando Association of Australia. 29. März 2021, abgerufen am 1. November 2025 (australisches Englisch).
- ↑ Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 167–170. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau.
- ↑ Hägerdal, Hans (2012) Lords von the land, lords von the sea: Conflict and adaptation in early colonial Timor, 1600-1800, S. 422. Leiden: KITLV Press.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| José dos Santos | Liurai von Maubara 1912–1952 (†) | Gaspar Correia da Silva Nunes |