Revolte von Maubara 1893

Die Revolte von Maubara war ein Aufstand gegen die portugiesische Oberhoheit über das timoresische Reich von Maubara, ab Mai 1893.

Übersicht

Maubara war ein von einem Liurai regiertes Reich, an der Nordküste Zentraltimors, zwischen der Sawusee im Norden und den Fluss Lóis im Süden. Heute gehört das Gebiet zur osttimoresischen Gemeinde Liquiçá. Maubaras Vorherrschaft reichte bis weit nach Süden hinaus, entlang des verzweigten Systems des Lóis. Seit dem 18. Jahrhundert war es mit den Niederländern verbündet und bildete daher eine Exklave, umgeben von Reichen unter portugiesischer Vorherrschaft. Im Vertrag von Lissabon (1859) wurde es aber im Rahmen eines Gebietsaustauschs an die Portugiesen abgetreten. Die Übergabe fand 1861 statt. Im Zuge dessen wurde in Maubara die alte Herrscherfamilie der Doutels entmachtet und später nur nominell wieder als Herrscher eingesetzt. Daneben installierten die Portugiesen mit Dom Dotte (Gaspar da Costa) einen Regenten. Unter den Niederländern hatte man in Maubara mit dem Kaffeeanbau begonnen, der zu einer der Haupteinnahmequellen der portugiesischen Kolonie wurde. Allerdings schmuggelten die adligen Familien, oft mit Hilfe von Chinesischen Hakka-Händler den Kaffee über die koloniale Grenze in das niederländische Atapupu, um den portugiesischen Zöllen zu entgehen.[1.1]

Ein erster Versuch der Rebellion 1886 scheiterte. Rädelsführer war Maubute (Mahabuti), der älteste Sohn des nomiellen Herrschers Dom José Calau (Nocolau, Calau Asa). Nach der Niederschlagung des Aufstands blieb José Calau zwar Herrscher, starb aber bald darauf und wurde durch die betagte Dona Maria Doutel ersetzt. Maubute, der einer Strafe entgangen war, hatte sich von seinem Vater losgesagt, weil er die Kapitulation gegenüber den Portugiesen 1886 nicht akzeptieren konnte. Maubute ging nach Cai-Cassa im Süden von Maubara. Mit Dom José Rodrigues da Silva (Mauvili), einem timoresischen Adligen in portugiesischen Dienst, begann ein Dritter, seine Ambitionen auf die Herrschaft in Maubara auszubauen.[1.2]

Auslöser

1893 nahmen die Spannungen in Maubara wieder zu. Anfang des Jahres einigten sich die Niederländer und Portugiesen, die Grenze zwischen den Kolonialmächten zu vermessen und man schloss ein Abkommen über Grenzen, Handel und Schifffahrt. Dies bedeutete eine direkte Bedrohung für die Schmuggeltätigkeit der führenden Familien Maubaras. Gouverneur Cipriano Forjaz (1885; 1890–1894) plante zudem einen neuen Militärposten nahe Lissa-Lara, dem Herrschersitz, und Cai-Cassa, mitten im Machtbereich der Doutels in Gugleur. Auch die erneute Ernennung von Dona Maria Doutel beruhigte die inneren Rivalitäten um die Herrschaft in Maubara nicht. Forjaz berichtete:[1.3]

„Da Oberst-Königin Maria bereits recht alt und unverheiratet war, begannen die Intrigen zwischen den Thronprätendenten im Geheimen von neuem. Einer dieser Prätendenten, sicherlich der intelligenteste und derjenige, der seine Treue zur Regierung am deutlichsten unter Beweis gestellt hatte, war Major Maubili [Mauvili]. Er heiratete die Witwe von D. José [José Calau], was Missfallen unter den anderen Prätendenten hervorrief und sie noch mehr zu Intrigen anstachelte, an denen sich auch einige chinesische Kaufleute beteiligten, die mit dem Kommandanten unzufrieden waren, da er ihnen durch seine große Wachsamkeit und Unbestechlichkeit die übliche Schmuggelware verweigert hatte.“[1.2]

Da Amelia Pereira, die Witwe von Calau, bereits kurz nach ihrer Heirat mit José Rodrigues da Silva 1893 starb, kursierten Gerüchte, Silva wolle nun die alte Königin Maria Doutel heiraten, um seine Machtansprüche weiter zu stärken.[1.4]

Auch zu Beginn des Jahres kam ein portugiesischer Leutnant mit einem Beiro aus Batugade nach Maubara. Unterwegs war das Boot beschädigt worden, sodass Joaquim Augusto dos Santos, der Kommandant des Forts einem Mann namens Moncura befahl, das Boot reparieren zu lassen. Zur selben Zeit forderte Santos von Dona Maria, man solle Kalk für die Reparatur der Brücke der Hauptstraße bereitstellen. Die Königin leitete den Befehl an den Chefe von Cai-Cassa weiter. Maubute, der noch immer in Cai-Cassa lebte, erhob Einspruch. Er verlangte, dass die Einwohner zuerst für ihn ein Haus bauen müssten, bevor sie unbezahlte Arbeit für die Portugiesen an der Küste leisten dürften. Darüber gerieten der Chefe von Cai-Cassa und Maubute in einen heftigen Streit, der soweit ging, dass Maubute laut Gouverneur Forjaz vor Wut sich „den Bart ausriss, was unter den Timoresen die größte Beleidigung darstellt.“ Der Chefe wandte sich an Dona Maria Doutel und sie rief ihren Großneffen zu sich, doch der weigerte sich zu kommen. Die Königin schickte daraufhin Soldaten nach Cai-Cassa, die Maubute holen sollten, möglicherweise auf Forderung von Leutnant Santos. Die Kämpfer gingen unter weißer Fahne zu Maubute und baten ihn zum Fort Maubara zu kommen, wo „Gerechtigkeit widerfahren würde“. Maubute forderte zwei Tage Aufschub, doch der Truppführer verlangte, dass Maubute sofort mitkäme. Maubute begann daraufhin zu schießen, die Soldaten stürmten das Dorf, aber Maubute gelang die Flucht. Er floh auf die dicht bewaldete Südseite des Berges im heutigen Guiço, wo er sich mit seinen Getreuen Matias und Buru Bara versteckte. Kundschafter spürten die Männer aber auf und Santos forderte Maubute erneut auf, mit ihm zu kommen. Santos wollte ihn als friedliches Zeichen die Hand reichen, doch Maubute missverstand die westliche Geste und schlug zu, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffneten. Matias starb, doch die beiden anderen entkamen unverletzt.[1.5]

Als Gouverneur Forjaz von dem Vorfall erfuhr, entsandte er alle verfügbaren Kräfte der 1. Kompanie und 50 Moradores nach Maubara. Im Fort berieten sich die portugiesischen Offiziere mit lokalen Würdenträgern über das weitere vorgehen und entschieden, den flüchtigen Maubute gefangen zu nehmen. Dona Maria Doutel wurde über den Beschluss informiert und stellte eigene Männer für die Suche bereit. Doch die Soldaten brachen ihre Suche ab, als sie auf dem Weg eine tote Ziege fanden. Die Adligen Maubaras baten die Portugiesen daraufhin um zwei Monate Zeit, um Maubute zu fangen. Nach Zustimmung durch den Gouverneur legte Hauptmann (Capitão) Pedro Dionysio Barreiros der Königin und zehn Adligen am 6. April einen Papier vor, in dem die Unterzeichner den Ungehorsam Maubutes und der Chefes von Dair und Vatuboro bezeugten und den Portugiesen Gehorsam schworen, damit „ihre Dörfer nicht belagert und erobert werden“. Nicht im Vertrag erwähnt, aber von Forjaz in einem Bericht erwähnt, war die von Maubara zu leistende Entschädigung von 2.000 niederländischen Gulden.[1.6]

Eskalation

Leutnant Santos reiste mit dem Vertrag in der Tasche in die Kolonialhauptstadt Dili, um dem Gouverneur Bericht zu erstatten. Dabei erwähnte Santos, dass José Rodrigues da Silva ihm vor einiger Zeit berichtet habe, dass Maubute, sein Onkel Repreto und andere Adlige vor hätten, „von Atapupu eine niederländische Flagge zu erbitten“. Santos hatte den Bericht als nicht wichtig abgetan, aber nun wurde den Portugiesen die Bedeutung bewusst. Die Verschwörer wollten Maubara wieder unter niederländische Oberhoheit bringen.[1.7] Kaum hatte Santos Maubara verlassen, begannen sie mit der Umsetzung ihres Planes. Zunächst schickten sie zwei Männer zum Regenten Dom Dotte, um mit ihm zu trinken und ihn betrunken zu machen. So stahl man die lokale Kopie des Vertrages über den Gebietstausch. Drei Gesandte reisten mit dem Dokument und Kaffee und Zigarren als Geschenk mit einem Schiff nach Atapupu, um den Niederländern Maubara anzubieten und militärische Hilfe zu erbitten. Bei einem weiteren Treffen in Dair, an dem auch mehrere Hakka-Händler teilnahmen, vereinbarte man den Beginn des Aufstands, sobald die niederländische Unterstützung sicher war. Weitere Gesandte mit Geschenken wurden in die Reiche Mau-Ubo und Cailaco geschickt, um auch hier Hilfe anzufordern.[1.8] Allerdings gibt es keine Berichte, dass sich diese Reiche dem Aufstand anschlossen und der Kommandant von Atapupu schickte Gouverneur Forjaz eine Warnung, dass Gesandte aus Maubara bei ihm um eine niederländische Flagge gebeten hätten.[1.9]

Am 26. Mai griffen noch vor Tagesanbruch Rebellen die portugiesischen Zollstationen in Vatuboro (Fatuboro) und Dair (Daire, Dare) an. Jede Station war mit einem europäischen Korporal und einigen afrikanischen oder marathischen Soldaten besetzt. Über ihr Schicksal gehen die Angaben auseinander. Während Gouverneur Forjaz in einem ersten Bericht meldet, ein Korporal und zwei Soldaten seien verletzt worden, erklärt er in einem späteren Schreiben, dass die zahlenmäßig unterlegenen Soldaten, nachdem ihnen die Munition ausgegangen war, von den Angreifern enthauptet worden seien. Nach den Attacken zogen sich die Rebellen in die Berge zurück und setzten eine niederländische Flagge. In einem Brief vom 27. Mai mutmaßt Forjaz:[1.10]

„Ich hege den starken Verdacht, dass all dies vom chinesischen Hauptmann in Maubara angezettelt wird. … Der Grund liegt in dem Gerücht, Timor solle an die Niederländer verkauft werden. Die niederländischen Häfen sind Freihandelshäfen, was den Chinesen sehr gelegen käme.“[1.10]

Im ausführlicheren Bericht vom 29. August gibt Forjaz an, dass Gefangene als Grund der Rebellion die vom Militärkommandanten auferlegten Zwangsarbeiten angaben, wie Holfällen und Kalkherstellung, sowie der Hass, den Maubute und andere Rebellenführer gegen die Portugiesen hegten.[1.11] Beschwerden aus Maubara gegen einen lokalen portugiesischen Offizier wegen Korruption und Amtsmissbrauch seien vom Gouverneur ignoriert worden.[2.1] Nach dem Historiker Pélissier soll der portugiesische Offizier Francisco Duarte, der in Macau durch die Berichterstattung über die Rebellion große Bekanntheit erlangte, als eigentlicher Anstifter des Aufstands gegolten haben.[3] Duarte, ein langjähriger Kolonialsoldat in Portugiesisch-Timor galt als charismatisch, mutig und gewalttätig.[4] Laut dem Journal A Voz do Gente habe er wahllos Geldstrafen verhängt, verlangte unbezahlte Zwangsarbeit und griff auf Gewalt und körperliche Züchtigung zurück.[2.2] Es fehlen genaue Angaben, wie es zu dem Verdacht kam, jedoch sei er nach der Rebellion seines Amtes enthoben worden, nahm aber 1895 wieder an portugiesischen Feldzügen auf Timor teil.[3] Der Historiker Douglas Kammen zitiert Gouverneur Forjaz, dass „die Hauptursachen des Aufstands der Regulus von Daire [Dair] und Vatuboro dem Einfluss und der kriminellen Anstiftung einer Person zugeschrieben wurden, deren Name noch nicht genannt wurde.“ In dem offiziellen Bericht über die Rebellion einen Monat später, schreibt Forjaz nichts mehr über den unbekannten Anstifter, jedoch findet sich bei der Beschreibung der Ursachen der Unruhen eine handschriftliche Notiz, aus der Kammen schließt, dass der Anstifter wahrscheinlich ein afrikanischer Kolonialsoldat aus Guinea war, der zu den Timoresen desertiert war:[1.12][A 1]

„Für das Ministerium des Königreichs [Wort unleserlich] obliegt es uns, Eurer Exzellenz zu empfehlen, die entsprechenden Anordnungen zu erlassen, damit über diese Person mit größter Wachsamkeit gewacht wird, um ihre Rückkehr nach Guinea zu verhindern.“[1.12]

Portugiesische Offensive

Die Militäroperationen gegen Maubara dauerten drei Wochen. Gouverneur Forjaz rief einheimische Hilfstuppen aus Manatuto und Liquiçá zur Unterstützung, zog alle verfügbaren Truppen der Primeira Linha zusammen und schickte sie nach Maubara mit einem niederländischen Dampfschiff, das sich zufälligerweise im Hafen von Dili befand. Mit kleineren Booten folgten der Gouverneur und hundert weiteren Soldaten. Am 31. Mai erreichte Maubara eine Streitmacht aus Truppen der Primeira Linha und Kriegern aus den Reichen Pissu (Pisso), Ulmera und Fatumasi (Fatumassi), unter der Führung von Albino António Ribeiro, des timoresischen Oberbefehlshabers der Moradores. Später folgte eine zweite Kolonne mit Kriegern aus östlichen Reichen. Eine dritte Kolonne mit Sica aus Dili wurde unter dem Kommando von Francisco Martins entsandt, um in Atsabe, Deribate und Ermera Truppen auszuheben und so Cailaco daran zu hindern, die Rebellen in Maubara zu unterstützen. Die Truppen in Maubara sollten nach Süden vorrücken, während die zweite Kolonne mit den Kriegern aus dem Osten vom Lóis aus nach Norden in die Berge steigen sollte. Beide Einheiten sollten sich dann bei Maubaralissa treffen, der Heimat des mit den Portugiesen verbündeten José Rodrigues da Silva. Man wollte die Rebellen von zwei Seiten in die Zange nehmen und es von seinen Verbündeten isolieren.[1.13]

Der Bericht von Forjaz spiegelt sprachlich wieder, wie er seine Truppen brutal vorgehen ließ. Am 6. Juni „brannten“ die Truppen vier Weiler nieder; am 9. wurde der Weiler Morae „niedergebrannt“; am 10. wurden vier Weiler in Vatuvou „eingenommen und erobert“ und weitere sieben Weiler im Tal des Lóis „niedergebrannt“; am 12. und 13. wurden zwanzig Dörfer „eingenommen und erobert“; am 14. erreichten die Kolonnen Maubaralissa; am 16. wurden alle Weiler in Gugleur „angegriffen“. Am 18. und 19. wurden verschiedene Weiler in Vaviquinia „eingenommen“ oder „niedergebrannt“; am 22. wurden sechzehn Weiler in Vatuboro „niedergebrannt“; am 23. wurden verschiedene Weiler in Decidilla (Lissadila?) „eingenommen“[1.14] und am 24. fünfzehn Weiler in Caicassavou „niedergebrannt“.[1.15]

Per Telegramm forderte Gouverneur Forjaz ein Kriegsschiff zur Unterstützung an. Das Kanonenboot Diu unter Kapitän Manuel de Azevedo Gomes verließ Macau am 13. Juni und traf bereits am 21. Juni in Dili ein[5.1] Nur wenige Jahrzehnte zuvor wäre eine solch schnelle Reaktion nicht möglich gewesen. Das Schiff war mit Krupp-Kanonen und Hotchkiss-Schnellfeuergeschützen ausgerüstet.[5.1] Die Diu brachte neue Truppen in die Hauptstadt. Das Schiff fuhr dann nach Maubara, wo Gomes sich mit Kommandant Santos über das weitere Vorgehen absprach. Danach umrundete die Diu Ponta Carimbala und begann in Vatuboro mit dem Beschuss der Siedlungen an der Lóis-Mündung. Am 25. Juni wurden so zwölf Weiler in Vatuboro niedergebrannt. Am 27. Juni wurde Dair beschossen und ein Landungskommando abgesetzt. Es bestand aus 37 afrikanischen Soldaten, 220 Kriegern aus Liquiçá, 60 aus Maubara, 96 Moradores und 204 weiteren Soldaten.[1.14][5.1]

Am 28. Juni erklärte Gouverneur Forjaz die Kampfhandlungen für abgeschlossen. Sein Ziel, Angst und Schrecken zu verbreiten und die portugiesische Überlegenheit zu demonstrieren, hatte er erreicht.[1.15] Die Diu kehrte nach Macau zurück, das sie am 2. August erreichte.[5.1] Portugiesische Truppen zogen noch weiter nach Cailaco, Batugade und Cotubaba, um Rebellen an der Flucht und in den niederländischen Westen zu hindern und den Kaffeeschmuggel einzudämmen. Insgesamt waren mindestens 55 Weiler niedergebrannt und 28 weitere erobert worden. Kammen schätzt, dass von den 9000 Einwohnern Maubaras etwa die drei Viertel ihr Hab und Gut verloren. Laut Forjaz wurden „99 Köpfe von den timoresischen Hilfstruppen abgeschlagen“ und mehr als dreihundert Menschen getötet.[1.15] Auf Seiten der Portugiesen waren die Verluste geringer. Man beklagte den Tod von 15 Soldaten der Primeira Linha, zwei Moradores und 22 Mitglieder der Hilfstruppen.[1.16] Dem portugiesischen Offizier Porphyrio Zepherino de Souza gelang die Gefangennahme von Repreto, zusammen mit der Königin Maria Doutel und weiteren Adligen. Die von ihm geplante Hinrichtung verhinderte Gouverneur Forjaz.[1.17] Außerdem wurden auch „zahlreiche Chinesen“ gefangen genommen wurden.[1.15] Insgesamt hatte man mehrere hundert Personen gefangen gesetzt, aber Maubute blieb verschollen. Laut Berichten sei er mehrfach angeschossen worden, ohne zu sterben.[1.15]

Folgen der Revolte

Mündliche Überlieferungen berichten, Maubutes Gefährte Buru Bara schließlich die Nachricht erhielt, Maubute sei zum Fatubuikaren (Felsen von Buicari) in Atabae geflohen. Als Buru Bara aber den Lóis überqueren wollte, wurde ihm mitgeteilt, Maubute sei inzwischen getötet worden. Die Portugiesen hatten ihn umzingelt und zur Aufgabe aufgefordert. Der Überlieferung zufolge soll Maubute dem portugiesischen Kommandanten geantwortet haben: „Ich werde mich nicht ergeben. Ich werde nicht mit euch nach Dili gehen. Ich will die Fremden [malae] nicht hier haben, denn dieses Land gehört uns, nicht den Weißen.“ Der Portugiese versuchte ihn daraufhin mit seinem Schwert zu enthaupten, aber das Schwert habe Maubute nicht verletzt. Er sagte daraufhin: „Anstatt mich zu ergeben, gebe ich euch mein Schwert.“ Mit diesem schlug der Kommandant Maubute den Kopf ab. Dieser soll nach Dili gebracht worden sein, wo er angeblich in einem großen Formaldehydglas in einem Regierungsgebäude aufbewahrt wurde.[1.18] Bei der Geschichte fällt auf, dass die Felsen von Buicari auch der Todesort des portugiesischen Offiziers Francisco Duarte ist, der hier 1899 im Kampf erschossen wurde.[3]

Bura Bara brachte den kopflosen Leichnam Maubutes nach Maubara zurück, doch wollten die Verwandten nicht, dass er auf dem Familienfriedhof bestattet wird. Zu groß waren die Verluste auch für die Doutels gewesen. Seine Ruhestätte fand Maubute schließlich etwas weiter unten am Südhang des Berges Maubara, an einem Platz namens Ulamenahu. Dieser erhielt später den neuen Namen Lakudole, was so viel bedeutet wie „Vergib ihm sein Unrecht“.[1.19]

Dem Herrscher von Atabae, der ebenfalls rebellierte, wurde ein Ultimatum gestellt. Er kapitulierte am 14. Juli ein und schwor dem König von Portugal Treue. Atabae musste Entschädigungen in Form von Geld, Büffeln und Schweinen an Portugal und Cotubaba zahlen. Die Diu kehrte nach Macau zurück, das sie am 2. August erreichte.[5.1]

Im November unterzeichnete Dona Maria Doutel offiziell einen neuen Vasallenvertrag mit Portugal.[5.1] Ihr drohte die Verbannung in das Exil in Mosambik. Es ist nicht klar, ob aus der Drohung ernst wurde.[1.17][6] Dom Dotte, der Regent von Maubara, starb laut einer Kolonialzeitung kurz nach Ende des Aufstands eines natürlichen Todes. Es gibt aber einige Überlieferungen, laut denen José Rodrigues da Silva ihn ermordet haben soll, als Strafe für dessen „Verrat“ an Portugal. Am 7. November 1893 wurde Silva durch die Portugiesen als Oberst-König (coronel rei) zum neuen, alleinigen Herrscher Maubaras ernannt. Das Amt hatte er bis zu seinem Tod 1898/99 inne.[1.20]

Die Leichen der Gefallenen waren nach dem Beschuss der Küstenorte oft liegen geblieben, weil die Überlebenden aus den Dörfern geflohen waren. Es kam zu einem Ausbruch der Cholera. Von der Seuche war besonders stark die chinesische Gemeinde in Maubara betroffen. Auf dem chinesischen Friedhof, südlich des Ortes, wurde um die Jahreswende 1903/04 eine Steintafel zum Gedenken aufgestellt: „Begraben an einem glückverheißenden Tag in einem Wintermonat des 29. Jahres der Guang-xu-Ära.“ Es folgen die Namen von 60 Personen und elf weiteren Ahnen. Man nimmt an, dass es sich bei den Namen zumeist um Opfer der Choleraepedemie handelt und der Stein zehn Jahre nach den Ereignissen von einem führenden Mitglied der chinesischen Gemeinde finanziert wurde.[1.19] Allein in Maubara registrierte man 279 Todesfälle bis Anfang 1894. In Dili waren es 162 und weiter om Osten in Manatuto noch 75.[1.19] Fälle gab es auch Tibar. Zwischen Dezember 1893 und Februar 1894 starben in Portugiesisch-Timor mindestens 1000 Menschen an der Krankheit.[5.1] Die Seuche breitete sich auch in das niederländische Atapupu und auf die Nachbarinsel Alor aus.[1.19][5.1]

Kammen nennt die portugiesische Reaktion auf die in Wahrheit schwache Bedrohung durch die Verschwörung „völlig unverhältnismäßig“. Von den Zerstörungen waren auch Einwohner Maubaras betroffen, die weder von der Verschwörung wussten, noch an den Angriffen auf die Zollstationen beteiligt waren. Zudem nutzten portugiesische Offiziere und ihre timoresischen Verbündeten die Gelegenheit auch benachbarte Reiche Maubaras anzugreifen und zu plündern. Die massiven Vergeltungsmaßnahmen waren nach Kammens Ansicht wahllos und dienten nur die Beleidigung ihres Ansehens und Stolzes zu ahnden.[1.21]

Maubute und einige andere Anführer der Revolte sind in Maubara noch immer in den Überlieferungen bekannt, auch wenn sie nur noch in der Umgebung um Lissa-Lara, dem Sitz der Doutels als Bindeglied zwischen Gründungsmythos und Gegenwart verehrt werden. Weiter entfernt spielen sie keine Rolle mehr. Die Zerstörungen durch die Kolonialmacht sind in Vergessenheit geraten. In Erinnerung blieb nur noch die verheerende Choleraepedemie.[1.21]

Siehe auch

Literatur

  • Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor, Rutgers University Press, 2015, ISBN 978-0-8135-7412-7.

Anmerkungen

  1. Quellen gebe an, dass afrikanische Soldaten in Timor meist aus Mosambik, selten aus Angola kamen. Angaben über Soldaten aus Guinea fehlen. Andererseits gibt es keine Angaben, ob Francisco Duarte bevor er im Alter von 31 Jahren nach Timor kam, vielleicht in Guinea oder anderen Teilen des Kolonialreiches gedient hatte. Francisco Duarte wird bei Kammen überhaupt nicht erwähnt.

[7][4][8.1]

Einzelnachweise

  1. Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
    1. S. 55–59.
    2. a b S. 82.
    3. S. 81–82.
    4. S. 83.
    5. S. 83–84.
    6. S. 85.
    7. S. 86.
    8. S. 86–87.
    9. S. 198–199.
    10. a b S. 87.
    11. S. 88.
    12. a b S. 89.
    13. S. 90–91.
    14. a b S. 91.
    15. a b c d e S. 92.
    16. S. 200.
    17. a b S. 94.
    18. S. 92–93.
    19. a b c d S. 93.
    20. S. 94 & 98.
    21. a b S. 95.
  2. Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, S. 69, Sydney 1994.
    1. S. 72.
    2. S. 35.
  3. a b c The case of Alferes Francisco Duarte “O Arbiru” (1862–1899), aus Geoffrey C. Gunn: New World Hegemony in the Malay World, 2000, S. 246, abgerufen am 25. März 2013. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche. Zitiert: René Pélissier: Timor en guerre. Le crocodile et les Portugais. (1847–1913). Éditions Pélissier, Montamets, F-78630 Orgeval 1996, ISBN 2-902804-11-3.
  4. a b Panels on Southeast Asia: Challenges & Policy Development Prospects on Climate Change in Southeast Asia – Arbiru: history and legend of the army officer Francisco Duarte (East Timor, 1892–2012) (Memento vom 24. Januar 2013 im Internet Archive) (PDF; 634 kB), abgerufen am 25. März 2013
  5. Geoffrey C. Gunn: History of Timor (Memento vom 26. Dezember 2019 im Internet Archive), verfügbar vom Centro de Estudos sobre África, Ásia e América Latina, CEsA der TU-Lissabon (PDF-Datei; 805 kB).
    1. a b c d e f g h 88
  6. Douglas Kammen: Queens of Timor, S. 153, In: Archipel. Band 84, Nr. 1, 2012, doi:10.1017/S0022463409000216.
  7. Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912, Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (Abera Network Asia-Pacific 4), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1994).
  8. Frédéric B. Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008). (PDF; 243 kB) Online Encyclopedia of Mass Violence, (online), 7. Juni 2011, Zugriff am 28. Mai 2012, ISSN 1961-9898.
    1. S. 7.