Medizinkarren 1838

Medizinkarren 1838
Medizinkarren 1838, linke Seite
Basisinformation
Produktionszeit 1838 – 1859
Nachfolgemodell Medizinkarren 1859
Besatzung 2 (Fuhrmann, Arzt)
Technische Daten
Motor 1 – 2 Zugtiere

Der Medizinkarren 1838 war eines der ersten, einspännig, später zweispännig, gefahrenen Pferdefuhrwerke für die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppen des Preußischen Heeres und wurde ab 1838 eingesetzt.

Entwicklung

Um die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppen sicherzustellen, wurden vor 1838 die Medizinbehälter auf verschiedenen Fahrzeugen der Infanterie mitgeführt. Da sich mit der Zeit die Ausrüstung der Truppe, als auch die der Ärzte vergrößerte, musste hier eine Lösung gefunden werden. Zur damaligen Zeit bestand die Ausrüstung der Mediziner aus einem Medizin- und einem Bandagenkasten, in denen verschiedenste Arzneimittel und Instrumente verpackt waren.[1] Zusätzlich kamen Bücher und Kleidungsstücke des Arztes mit einem Gewicht von 45 bis 68 kg hinzu. Insgesamt hatte die medizinische und persönliche Ausrüstung des Arztes ein Gewicht von rund 180 kg.[2]

Zunächst wurden als Medizinkarren die Packkarren der Infanterie mit den schweren, hölzernen Achsen genutzt. Dafür wurden genaue Bestimmungen herausgegeben, damit jeder Packkarren gleich aufgebaut war. Die Nutzung von diesem Fahrzeug, das für andere Zwecke konzipiert war, brachte erhebliche Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten mit sich. Daraufhin begann man, ein eigenes und speziell für medizinische Zwecke vorgesehenes Fahrzeug zu entwickeln. Im Jahr 1838 wurde dann der Medizinkarren 1838 offiziell eingeführt.[3]

Technische Daten

Der Medizinkarren 1838 hatte, im Gegensatz zu den Packkarren für die Infanterie, mehrere Vorteile für den Arzt. So musste er nicht mehr vom Karren herabsteigen und zwischen den Kisten herumlaufen, um an die benötigten Arzneimittel zu gelangen. Er stellte sich beim neuen Karren hinter das Fahrzeug und gelangte schnell und einfach an alle benötigten Dinge heran. Dies erreichte man, durch einen Verzicht auf Seitenwände, welche beim vierachsigen Packkarren vorhanden waren. Die Kisten wurden mittig über der Achse gelagert und mit Schrauben und Stiften mit dem Wagen verbunden. So befand sich der Medizinkasten auf der Sattelseite (links), der Bandagenkasten auf der Handseite (rechts). Die Deckel öffneten sich in Richtung der Räder.[4]

Auf dem vorderen Teil des Wagenbodens wurde ein Sitzkasten verschraubt. Dadurch konnte der Fuhrmann hinter dem Zugtier sitzen und musste nicht mehr nebenher laufen. Um den Fahrkomfort für den Fuhrmann zu erhöhen, wurden rechts und links auf dem Sitzkasten Armlehnen installiert. Im obersten Fach des Sitzkasten wurde das Gepäck des Arztes mitgeführt. Im unteren Fach wurden Stall- und Vorratssachen, Pferdefutter und das Gepäck des Fuhrmannes mitgeführt. Sowohl der Sitzkasten, als auch die Medizinkästen konnten mithilfe eines Segeltuches vor der Witterung geschützt werden. Diese wurde über rechts und links angebrachten Bügeln befestigt und schützte damit auch bei geöffneten Deckeln den Inhalt der Kisten.[4]

Der Medizinkarren 1838 war ein bis 1840 ein einspännig, ab 1840 zweispännig gefahrener Karren. Hierbei konnten die beiden Zugtiere im Kurzgespann nebeneinander oder voreinander eingespannt werden konnten. Waren die beiden Zugtiere nebeneinander eingespannt, saß der Fuhrmann auf dem Sitzkasten und fuhr mit einer Kreuzleine. Waren hingegen die Zugtiere voreinander eingespannt, so ritt er auf dem Gabelpferd (hinteres) oder ging neben dem Karren her.[5]

Einsatz

Zum Einsatz kam der Medizinkarren 1838 bei vielen verschiedenen Truppenteilen. Ab dem Jahr 1853 wurde er jedoch bei der Artillerie gestrichen, da er nicht den geforderten Ansprüchen genügte.[5]

Schon ein Jahr nach der Einführung des Karrens, traten Bestrebungen auf, das Fahrzeug durch einen zweiachsigen Wagen zu ersetzen. Daraus entstand später der Medizinkarren 1859, welcher einige kleine Verbesserungen mitbrachte, sich vom Medizinkarren 1838 nicht wesentlich unterschied. Nach und nach abgelöst wurde der Medizinkarren 1838 durch den Medizinkarren 1861.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
  • Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.

Einzelnachweise

  1. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 84.
  2. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 86.
  3. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 85.
  4. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 87.
  5. a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 88.