Medizinkarren 1859
| Medizinkarren 1859 | |
|---|---|
| Basisinformation | |
| Produktionszeit | 1859–1861 |
| Nachfolgemodell | Medizinkarren 1861 |
| Besatzung | 2 (Fuhrmann, Arzt) |
| Technische Daten | |
| Motor | 1 – 2 Zugtiere |
Der Medizinkarren 1859 war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppen des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1859 eingesetzt.
Entwicklung
Bereits ein Jahr nachdem der einachsige Medizinkarren 1838 eingeführt wurde, traten Bestrebungen auf, diesen durch einen zweiachsigen Wagen zu ersetzten. Man ging davon aus, dass man auf einem größeren Wagen mehr Nutzlast unterbringen könnte und man nicht auf die Lastverteilung zu achten hätte und auch die Zugtiere weniger belastet werden würden. Auch der Vorteil, dass der Wagen beim Zerbrechen eines Rades noch fahrtauglich war, ging in der möglichen Planung um. Aus diesem Grund beauftragte der damalige Kriegsminister von Rauch am 14. November 1839 die Inspektion der Artilleriewerkstätten mit dem Bau eines solchen Wagens. Nur wenig später erklärte diese jedoch, dass ein solcher Wagen nicht so einfach gebaut werden und solch ein schwerer und großer Wagen den Truppen nicht so leicht folgen könne.[1]
Daraufhin schlug die Inspektion vor, einen Medizinwagen nach dem Vorbild der Artilleriegeschütze herzustellen, bei denen Vorder- und Hinterwagen als einzelne Karren genutzt werden konnten. Auf Befehl des Ministers vom 4. November 1840 wurde diese Idee jedoch wieder verworfen. Infolgedessen begann man in den folgenden Jahren mit der leichten Verbesserung des alten Medizinkarren, was im Jahr 1859 dann zum Medizinkarren 1859, welcher vom Aussehen dem alten Medizinkarren 1838 sehr ähnelte.[1]
Technische Daten
Der Medizinkarren 1859 war vom Aussehen her gegenüber dem Medizinkarren 1838 kaum zu unterscheiden. Der Karren hatte, im Gegensatz zu den Packkarren für die Infanterie, mehrere Vorteile für den Arzt. So musste er nicht mehr vom Karren herabsteigen und zwischen den Kisten herumlaufen, um an die benötigten Arzneimittel zu gelangen. Er stellte sich beim neuen Karren hinter das Fahrzeug und gelangte schnell und einfach an alle benötigten Dinge heran. Dies erreichte man, durch einen Verzicht auf Seitenwände, welche beim vierachsigen Packkarren vorhanden waren. Die Kisten wurden mittig über der Achse gelagert und mit Schrauben und Stiften mit dem Wagen verbunden. So befand sich der Medizinkasten auf der Sattelseite (links), der Bandagenkasten auf der Handseite (rechts). Die Deckel öffneten sich in Richtung der Räder.[2]
Auf dem vorderen Teil des Wagenbodens wurde ein Sitzkasten verschraubt. Dadurch konnte der Fuhrmann hinter dem Zugtier sitzen und musste nicht mehr nebenher laufen. Um den Fahrkomfort für den Fuhrmann zu erhöhen, wurden rechts und links auf dem Sitzkasten Armlehnen installiert. Im obersten Fach des Sitzkasten wurde das Gepäck des Arztes mitgeführt. Im unteren Fach wurden Stall- und Vorratssachen, Pferdefutter und das Gepäck des Fuhrmannes mitgeführt. Sowohl der Sitzkasten, als auch die Medizinkästen konnten mithilfe eines Segeltuches vor der Witterung geschützt werden. Diese wurde über rechts und links angebrachten Bügeln befestigt und schützte damit auch bei geöffneten Deckeln den Inhalt der Kisten.[2]
Der Medizinkarren 1859 war ein, von Beginn an, zweispännig gefahrener Karren. Hierbei konnten die beiden Zugtiere im Kurzgespann nebeneinander oder voreinander eingespannt werden konnten. Waren die beiden Zugtiere nebeneinander eingespannt, saß der Fuhrmann auf dem Sitzkasten und fuhr mit einer Kreuzleine. Waren hingegen die Zugtiere voreinander eingespannt, so ritt er auf dem Gabelpferd (hinteres) oder ging neben dem Karren her.[1]
Einsatz
Trotz mehrerer leichter Verbesserungen, wurde der Medizinkarren 1859 nicht gut angenommen. Weder die Zugtiere, noch die Fuhrleute konnten sich an diesen Karren mit der wiegenden Bewegung gewöhnen. Aufgrund von eiligem Verpacken in die Kisten, wurde die Last nicht gleichmäßig verteilt. Dies führte oftmals dazu, dass sich das Fahrzeug auf unebenen Boden oder beim Überschreiten von Gräben nur sehr schwer steuern ließ. Auch war es dem Fuhrmann nur mit Mühe möglich, dabei auf dem Karren sitzen zu bleiben und nicht herunterzufallen. Auch der Inhalt der beiden Kisten und die Befestigungen dieser litten sehr. Es kam nicht selten dazu, dass die Kisten herunterfielen oder Material und Gläser in diesen Kisten zerbrach. Auch weitere Verbesserungen trugen nicht zu einer Akzeptanz bei, weshalb es im Jahr 1861 zur Indienststellung des Medizinkarren 1861 kam.
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.