Krankenwagen 1887
| Krankenwagen 1887 | |
|---|---|
| Krankenwagen 1887 | |
| Basisinformation | |
| Hersteller | u. a. F. G. Dittmann |
| Produktionszeit | ab 1887 |
| Vorgängermodell | Krankenwagen 1876 |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 0,78 t |
| Nutzlast | 0,48 t |
| Gesamtgewicht | 1,26 t |
| Länge | 3,52 m (ohne Deichsel) 5,97 m (mit Deichsel) |
| Breite | 1,35 m |
| Höhe | 2,42 m |
| Spurweite | 1,53 m |
| Bodenfreiheit | 40 cm |
| Bereifung | Eisen |
Der Krankenwagen 1887 war ein militärisches Pferdefuhrwerk des Deutschen Kaiserreiches, welches für den Transport von Verwundeter ab 1887 zum Einsatz kam.
Entwicklung
Nachdem der eigene Nachbau des Krankenwagen 1876 nicht von Erfolg gekrönt war, begann man im Jahr 1884 mit neuen Ideen und einer neuen Konstruktion eines Krankenwagen. Man baute einen Wagen, welcher leichter war und über einen kürzeren Wagenkasten verfügte. Die Bremse wurde leichter konstruiert und eine Feder hinter den Ortscheiten ermöglichte ein sanftes anziehen des Wagens. Nach kurzen Versuchen wurde dieser Wagen als Krankenwagen 1884 beschafft und in die Truppe eingeführt.[1] Zur gleichen Zeit änderte man den Namen von Krankentransportwagen zu Krankenwagen ab. Bei weiteren Versuchen während des Herbstmanöver 1886 traten jedoch weitere und schwerwiegende Mängel am Wagen auf. Aufgrund der schweren Räder sank der Wagen auf Sandwegen tief ein, was ein Ziehen für die Zugtiere teilweise unmöglich machte. Auch war die Federung zu schwach, wodurch der Wagen sehr stark schwankte und die Tragen aus den oberen Schienen sprangen. Daraufhin nahm man den Wagen schnell wieder aus der Nutzung heraus.[2][3]
Kurze Zeit später begann man mit einer Neukonstruktion des Wagens. Im Jahr 1887 gelangten die ersten zehn neugebauten Fahrzeuge zur Erprobung in die Truppe und wurden beim Herbstmanöver ausgiebig getestet. Die Tests waren so erfolgreich, das man die Einführung des neuen Wagen als Krankenwagen 1887 anordnete.[4][2]
Technische Daten
Der Krankenwagen 1887 war ein zweispännig gezogenes Pferdefuhrwerk, welches nach dem verbesserten Protznagelsystem gebaut wurde.[3]
Das Vordergestell war ähnlich aufgebaut wie beim Sanitätswagen C/1895 und verfügte über einen Sitzkasten mit seitlich befestigten Armlehnen aus Eisen.[3] Im Sitzkasten wurde die Eiserne Ration mitgeführt. Der Sitzkasten selber verfügte für den Fuhrmann, neben den Armlehnen, über ein Trittbrett und eine Rückenlehne. Die Rückenlehne konnte entfernt werden, um vom Bocksitz aus in das Wageninnere zu gelangen. Der Sitzkasten lagerte auf einem Protzkasten, welcher an der vorderen Seite mit einer Klappe ausgestattet war. Darin befanden sich Vorratssachen und Wagenzubehör.[5] Beim Krankenwagen 1887 waren die Längsfedern über Achse befestigt und nicht darunter, wie bei vorherigen Wagen. Statt einer Hinterbracke wurden zwei eiserne Bügel an den Enden des Federholzes zum Befestigen der Ortscheite angebracht. Beim Hinterwagengestell waren die Längsfedern unterhalb der Achse mithilfe von Achsbändern, Zwingen und einer Federplatte befestigt.[6]
Der Wagenkasten war für die Aufnahme von vier Verwundeten im liegenden Zustand ausgelegt. Die beiden Seiten wurden durch Vorhänge aus wasserdichten, graubraunem Segeltuch abgeschlossen. Oben verfügte der Wagenkasten über ein Wagendach, welches im inneren ebenfalls mit graubraunem Segeltuch bestückt war. Das Wagendach lagerte auf vier Latten und Spriegeln aus gebogenem Holz an den Ecken und je einer eisernen Stütze in der Mitte. Die Krankentragen lagen in Führungsschienen, von denen die unteren auf dem Kastenboden montiert wurden. Die oberen Schienen waren mithilfe von eisernen Winkel an der Vorderwand und an den Dachstützen befestigt. Zum leichteren Einschieben waren die oberen und der Boden des Wagenkastens hinten leicht nach unten geneigt. Schob man die Tragen in den Wagen hinein, so stießen die vorderen Griffe in der unteren Lage an die Vorderwand.[6] In der oberen Lage befestigte man, da die Vorderwand des Wagenkastens nicht so hoch reichte, Begrenzungsbleche in der Höhe der Griffe. Um ein herausgleiten oder herausspringen der oberen Tragen während des Transports zu verhindern, wurden Schlüsselbolzen durch die Füße der Trage und die Führungsschiene gesteckt und mit Riemen befestigt. Im Inneren des Wagenkastens gab es mehrere Schlaufen und Haken für kleinere Gegenstände und persönliche Ausrüstung der Verwundeten. Am Wagenboden gab es weitere Riemen und Schlaufen für die Gewehre und Tornister der vier Verwundeten.[5]
Am hinteren Ende des Wagenkastens gab es Halterungen für zwei Wasserfässer, welche mithilfe von Riemen befestigt wurden. Neben den vier im Wagen mitgeführten Tragen befanden sich im inneren des Wagens weitere Lager und Schnallriemen für fünf weitere Tragen. An der Sattelseite (rechts) des Wagens gab es zwei eiserne Bügel mit Schnallriemen für drei Setz- und eine zweiteilige Firtsstange für Verwundetenzelte. An jeder Seite des Wagens gab es Halterungen für Laternen und in der vorderen Mitte des Wagendaches eine Halterung für eine Rotkreuz-Flagge.[5]
Der Krankenwagen 1887 erfuhr während der Jahre nur geringfügige Änderungen. So wurde im Jahr 1890 der Fahrersitz bequemer gestaltet, die Brems leicht verändert und die Unterbäume durch Schienen verstärkt. Im Inneren wurden die Befestigungen für die Tornister der Verwundeten abgeändert.
Einsatz
Der Krankenwagen 1887 wurde im Rahmen der Heeresverstärkung in einer größeren Stückzahl beschafft. Die Sanitätskompanien wurden mit je acht Krankenwagen 1887 ausgestattet. Auch in den Feldlazaretten wurde das Fahrzeug eingesetzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Wagen bei den deutschen Truppen eingesetzt.[4][2]
Trotz der recht guten Bewertung, hatte der Wagen mehrere Probleme, welche durch Änderungen oder Verbesserungen nicht behoben werden konnten. So war der Wagen noch immer zu schwer, der Schwerpunkt lag zu hoch und für kleine Krankenträger war es nahezu unmöglich die oberen Tragen in den Wagen zu bekommen. Der Fahrersitz war unsicher und der Fahrer konnte leicht vom Sitz fallen. Die Bremseinrichtung arbeitete nur Stoßweise und die Federung war nicht weich genug. Aus diesen Gründen regte man den Bau eines neuen und leichteren Wagens an, was schließlich im Krankenwagen 1895 mündete.[7]
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
Einzelnachweise
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 152.
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 153.
- ↑ a b c Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 280.
- ↑ a b Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 281.
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 158.
- ↑ a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 157.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 154.