Packwagen 1895
| Packwagen 1895 (1895) Sanitätswagen C/67 (1899) Sanitätswagen 67 (1900) | |
|---|---|
| Packwagen 1895 einer Sanitätskompanie | |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 0,49 t |
| Nutzlast | 0,86 t |
| Gesamtgewicht | 1,35 t |
| Bereifung | Eisen |
Der Packwagen 1895 (später umbenannt in Packwagen C/95 (1899) und Packwagen 95 (1900)) war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für den Materialtransport ab 1895.
Entwicklung
Um schweres Material für die Truppen mitführen zu können, benötigte man spezielle Wagen zum Transport. Im Jahr 1809 konstruierte General von Scharnhorst, welcher damals der Direktor des Kriegsministeriums war, einen leichten und schwachen Wagen für den Materialtransport. Nach seiner Meinung[1]
„...war es garnicht schade, wenn einmal Wagen zerbrechen, da dann ihre schwachen Stellen bemerkbar werden. Bei sehr stark gebauten Fahrzeugen wird viel unnötige Last mitgeschleppt.“
Dieser Wagen besaß größere Räder als alle vorherigen Wagen, bewährte sich allerdings nicht. Da die Spurweite nur 1,30 m betrug, schwankte der Wagen sehr schnell und fiel deshalb um. Aufgrund der hohen Räder war die Lenkbarkeit stark verringert und die Deichsel lag zu hoch für die Zugtiere. Das stresste die Tiere und sie liefen sehr unruhig, was ein Umwerfen des Wagens zusätzlich begünstigte. Das Ein- und Ausladen über die hohen Wände zu allen Seiten gestaltete sich als sehr schwierig. Die Naben der Räder waren zu schwach und aufgrund der Größe der Räder waren die Speichen zu lang. Dieser Umstand erleichterte ein Brechen der Speichen und damit ein Auseinanderfallen der Räder.[1]
Aus diesen Gründen verwarf man diesen Wagen und begann im Jahr 1830 mit einer Neukonstruktion. Hierbei orientierte man sich an den englischen Wagen Flanders und nutzte die Räder eines französischen Munitionswagens. Der Wagenkasten bestand, statt wie vorher aus einem Korbgeflecht, aus einer Seitentäfelung aus Holz.[1] Im Jahr 1840 erhielt dieser Wagen, statt einer losen Plane, ein einklappbares, mehrfach faltbares Dach. Die Spurweite wurde auf 1,35 m verbreitert, jedoch waren die Räder immer noch zu groß. Nachdem über die Jahre immer weitere Änderungen und Anpassungen versucht wurden, baute die Firma F. G. Dittmann einen leichten Wagen, welcher als bester Wagen für den Transport von Material empfunden wurde. Nach einigen Tests wurde der Wagen als Packwagen 1895 in den Bestand der Truppe eingeführt.[2]
Technische Daten
Packwagen 1895
Der Packwagen 1895 hatte ein Leergewicht von 490 kg und ein zulässiges Gesamtgewicht von 1350 kg. Die Deichsel hatte eine Biegsamkeit nach oben von 17 und nach unten von 21 Winkelgrad. Der Wagen bestand aus einem Vorder- und einem Hintergestell und einem offenen Wagenkasten.[3]
Das Vordergestell war identisch zu dem des Lebensmittelwagens 1887. Hier waren jedoch die Deichselarme über der Vorderachse befestigt und nicht darunter. Das Achsfutter zum Hintergestell war mit zwei doppelten Achsstreben und zwei äußeren Achsstreben mit der Achse verbunden. Die Protzverbindung bestand auf einem Protznagel und einer Protzkette. Durch diesen waren das Vorder- und das Hintergestell miteinander verbunden.[3]
Der Wagenkasten bestand aus den Bodenbrettern, vorderen und schrägen Seitenwänden, hinteren und senkrechten Seitenwänden, einer festen Vorderwand und einer abnehmbaren Hinterwand. Die Bodenbretter lagen auf zwei äußeren und zwei inneren Unterbäumen sowie einer vorderen und einer hinteren Querschwelle auf. Um ein Durchbiegen dazwischen zu verhindern, wurden in den Zwischenräumen Bodenschwingen verbaut. Die Seitenwände bestanden aus vorderen, mittleren und hinteren Ecksäulen, Schwingen mit Füllbrettern und den halbrunden Oberbäumen. Zwischen den schrägen und senkrechten Ecksäulen im vorderen Bereich befanden sich je eine dreieckige Tafel aus Schwarzblech.[3]
Im Wagenkasten hatten die obersten Füllbretter Ausschnitte zum Festbinden der Ladung. Zum Schutz vor der Witterung konnte eine Plane aus Segeltuch über den kompletten Wagenkasten gebunden werden. Um die Plane in der Position zu halten, verfügte der Wagenkasten über vier Spriegel und Befestigungen an der festen Kopfwand. Die abnehmbare Rückwand bestand zu zwei Dritteln aus Stahlblech, der Rest aus Holz. Unter dem Wagenkasten gab es Halterungen für zwei große Wassereimer. An den Seiten des Wagenkastens gab es Halterungen für die Zeltstangen eines Verbindezeltes, der Vorratsdeichsel, der Vorratsräder und des Beleuchtungskastens. Die Trainausrüstung befand sich außen und innerhalb des Wagens an verschiedenen Halterungen.[4]
Vor dem Wagenkasten befand sich ein Sitzkasten mit einem Bocksitz und einem Fußbrett. Die Oberbäume des Wagenkastens bildeten beim Sitzkasten die Armlehnen für den Bocksitz. Die vordere Rückwand des Wagenkastens war für den Bocksitz die Rückenlehne. Um das Auf- und Absteigen zu erleichtern, befand sich an der Sattelseite (rechts) ein Handgriff.[4]
Packwagen 1895 nK.
Der Packwagen 1895 nK. (nK. = neues Konzept) war identisch zum Packwagen 1895, jedoch mit einigen Änderungen. So wurden die hauptsächlichen Bestandteile aus Holz und die Beschläge verstärkt, um den Belastungen besser standhalten zu können. Die Bodenbretter wurden verstärkt und hatten eine Stärke von 15 mm anstatt von 13 mm. Auch die Füllbretter waren dicker und hatten nur 13 mm anstatt von 10 mm. An den Innenseiten der Deichselarme wurden Schienen angebracht und der Protznagel wurde verstärkt. Die vorderen und schrägen Seitenwände des Wagenkastens wurden mit Schienen verstärkt, um den Schutz vor Beschädigungen durch eingelenkte Räder zu erhöhen. Durch diese Änderungen erhöhte sich das Gewicht des leeren Wagens um 89 kg auf 539 kg. Das zulässige Gesamtgewicht blieb jedoch gleich mit 1,35 t.[5]
Lebensmittelwagen 1895
Der Lebensmittelwagen 1895 und auch der Lebensmittelwagen 1895 nK. glich im Allgemeinen dem Packwagen 1895. Bei diesem Wagen fehlten jedoch die Vorrichtungen für die Zeltstangen, den Beleuchtungskasten, die Vorratsdeichsel und die Vorratsräder. Die mitgeführte Trainausrüstung war auch nahezu identisch, wich nur in einigen Dingen vom Packwagen ab. Auch dem Lebensmittelwagen wurde hauptsächlich Material zur Verpflegung für das Personal von Sanitätskompanien und für die Zugtiere mitgeführt. So gab es im Laderaum ein Fass mit Spirituosen, einen Kameradschaftskochapparat, ein Schlachtgerät und weitere Material für die Vor- und Zubereitung von Speisen.[6]
Gerätewagen 1895
Der Gerätewagen 1895 und auch der Gerätewagen 1895 nK. war vom Aufbau identisch zum Packwagen 1895. Hauptsächliche Änderungen bestanden in der mitgeführten Ausrüstung. So verfügte der Wagen über Halterungen für Wassereimer und Vorrichtungen zur Aufnahme von Krankentragestangen und Kochkesseln. Dabei bildeten vier Wagen einen Verbund, welche durch eine Nummerierung (Wagen 1 bis 4) unterschieden wurden.[7] So transportierte man in den Wagen 1 und 3 unter anderem 80 Wolldecken, 75 Handtücher, 15 mal Bekleidung für Kranke und Verwundete. 35 Flaschen Wein wurden in einer Weinkiste in der hinteren Hälfte des Wagens verstaut. Daneben wurden sechs Flaschen Essig und zehn Flaschen Rum in einer Gerätekiste in Strohhülsen mitgeführt.[8] Für die Unterbringung von Kraken und Verwundeten wurde eine Vielzahl von Bettrollen mit Bekleidung mitgeführt.[9]
Im Gerätewagen 2 transportiert man unter anderem Bettlaken, Handtücher und Bekleidung.[9] Auch eine Zwangsjacke wurde im hinteren Teil mitgenommen. Um die Versorgung sicherzustellen, führte man auch ein Holzbeil, ein Fleischebeil, vier Schöpfkellen und 30 Schüsseln mit. Trainausrüstung wie Äxte, Spaten und Lampen wurde nun ebenfalls im Inneren des Wagens verstaut.[10] Um die Kranken und Verwundeten Verköstigen zu können, lagerte man im Wagen verschiedene Konserven, 12 kg Butter, 20 kg kondensierte Milch, 5 kg Kakaomasse, sowie Kaffee und Tee. Auch Graupen, Hafergrütze, Weizenmehl und verschiedene Gewürze wurden mitgeführt.[11] Im Gerätewagen 4 wurde fast das Gleiche wie im Gerätewagen 2 mitgeführt. Hier fiel jedoch ein kleiner Reagentienkasten, drei Druckstempel aus Holz, ein Brennstempel aus Eisen und die Zwangsjacke weg. Dafür verstaute man einen Kameradschafts-Kochapparat im Wagen.
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Seitenansicht eines Gerätewagen 1895
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Rückansicht des Gerätewagen 1
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Rückansicht des Gerätewagen 2
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Rückansicht des Gerätewagen 3
Einsatz
Der Packwagen 1895, sowie der Packwagen 1895 nK. wurde bei nahezu allen Truppengattungen eingesetzt und war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges im Einsatz. Zum Einsatz als Lebensmittel oder Gerätewagen kam der Wagen hauptsächlich bei den Sanitätsdienstlichen Einrichtungen.
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
Einzelnachweise
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 216.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 217.
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 218.
- ↑ a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 219.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 223.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 226.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 320.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 321.
- ↑ a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 323.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 324.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 326.