Infanterie-Sanitätswagen 97

Infanterie-Sanitätswagen 1897 (1897)
Infanterie-Sanitätswagen C/97 (1899)
Infanterie-Sanitätswagen 97 (1900)
Infanterie-Sanitätswagen 97, linke Seite
Basisinformation
Produktionszeit 1897
Technische Daten
Eigengewicht 0,58 t
Nutzlast 0,41 t
Gesamtgewicht 0,99 t
Motor 2 Zugtiere

Der Infanterie-Sanitätswagen 1897, später auch Infanterie-Sanitätswagen C/97 (1899) und Infanterie-Sanitätswagen 97 (ab 1900) war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppen des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1897 eingesetzt.

Entwicklung

Mit der Einführung des Infanterie-Sanitätswagen 70 hatte der Sanitätsdienst im deutschen Kaiserreich ein hervorragendes und sich gut bewährtes Fahrzeug bekommen. Da allerdings das Gesamtgewicht nicht im Verhältnis zur Nutzlast stand, wurde eine Kommission mit der Abstellung des Mangels beauftragt. Diese stellte das Fahrzeug auf den Prüfstand und fand heraus, dass das Beibehalten eines Wagens mit unterlaufenden Rädern nicht sinnvoll sei. Daraufhin sah man sich nach einem anderen Grundfahrzeug um und fand dieses im leichten Proviantwagen C/95. Diesen Wagen nutzte man als Grundmodell und änderte mehrere Punkte ab.

Technische Daten

Infanterie-Sanitätswagen 97

Der Infanterie-Sanitätswagen 97 war ein zweispännig gefahrenes Fahrzeug, nach dem Protznagelsystem aufgebaut und hat ein Eigengewicht von 580 kg. Bei einer maximalen Zuladung von 410 kg, hatte das Fahrzeug ein maximales Gesamtgewicht von knapp 1,00 t. Die Deichsel konnte um 17 Winkelgrad nach oben und um 21 Winkelgrad nach unten gebogen werden. Die Lenkbarkeit war recht hoch, da die Deichsel zu beiden Seiten um jeweils 53 Winkelgrad eingedreht werden konnte. Die Achsen bestanden aus Gussstahl und hatten eine viereckige Form. Damit die Achsschenkel auf der Achse besser halten konnten, befanden sich für die Scharniere Abflachungen darauf.[1]

Die Vorder- und Hinterräder hatten, einschließlich des Radreifens, einen Durchmesser von 1,22 m und wurden mithilfe von Stahlnaben mit bronzenen Buchsen an der Achse befestigt. An der Handseite (rechts) befand sich eine Handkurbel für die Balkenbremse. Diese wurde vom Bocksitz aus betätigt[2] und drückte Bremsklötze auf die vordere Fläche der Hinterräder.[3]

Der Wagenkasten bestand aus Bodenbrettern, welche auf zwei äußeren und zwei inneren Unterbäumen ruhten. Der vordere Teil hatte kleinere schräge Seitenwände, um den Einlenkwinkel zu vergrößern. Weiterhin befand sich hier der Sitzkasten für den Fuhrmann und dem Arzt. Damit Regenwasser abfließen konnte, hatten der Sitzkasten und der vordere Wagenkasten jeweils zwei Regenlöcher. Der untere Teil des Sitzes wurde mit einem Blech aus Eisen verstärkt. Die Rückenlehne war die vordere Kopfwand des hinteren Wagenkastens. Um das Auf- und Absteigen zu erleichtern, befand sich auf der Sattelseite (links) ein eiserner Handgriff. Der Sitzkasten hatte an der Vorderseite eine Klapptür, hinter welcher Wagenzubehör, Vorratssachen, das Gepäck des Fuhrmanns und das Futter für die Zugtiere verstaut wurde.[4]

Der hintere und größere Teil bestand aus senkrechten Seitenwänden um den Stauraum zu vergrößern. Um auch hier mögliches Regenwasser ableiten zu können, hatte der hintere Wagenkasten vier Regenlöcher. Der hintere Wagenkasten des leichten Proviantwagen C/95 wurde so abgeändert, dass er nochmal in einen vorderen und hinteren Teil abgegrenzt wurde. Im hinteren Teil befanden sich acht Schubkästen und die hintere, abnehmbare Wand wurde durch eine große, nach unten aufklappbare Klappe ersetzt. Wurde die Klappe geöffnet, konnte sie zeitgleich als Tisch genutzt werden. In diesen Schubkästen wurde die sanitätsdienstliche Ausrüstung untergebracht. Über den Schubkästen wurde die persönliche Ausrüstung verstaut. Im vorderen Teil des hinteren Wagenkasten wurden fünf zusammenklappbare Krankentragen verstaut.[4] Um den Wagenkasten vor der Witterung zu schützen, gab es eine Plane aus Segeltuch. Diese wurde über abnehmbare Spriegel gelegt und mit Ketten aus Messing befestigt.[2]

Unter dem Wagenkasten befanden sich Beschläge zum Verstauen einer Kreuzhacke und zwei Spaten. Ebenfalls unter dem Wagenboden, hinter der Hinterachse, befand sich ein Lager für das Wasserfass und zwei eiserne Gehäuse für stark riechende Arzneien. Weiteres Zubehör befand sich überall am Wagen, so zum Beispiel an den Deichselarmen, an denen eine Achsschmierbüchse mit 1 kg Wagenschmiere befestigt war.[3]

Infanterie-Sanitätswagen 97 nK.

Der Infanterie-Sanitätswagen 97 nK. glich im Allgemeinen dem Infanterie-Sanitätswagen 97. Das Leergewicht lag hier jedoch bei 640 kg und die Zuladung betrug ebenfalls 410 kg. Das zulässige Gesamtgewicht betrug 1,05 t. Die wesentlichen Änderungen bei dem Fahrzeug lag bei den Holzteilen, Beschlägen, Protznagel, Brackenstange und andere Teile, welche verstärkt wurden. So wurden auch Querstreben mit Schienen an die schrägen Seitenwände des vorderen Wagenkastens angebracht, um beim Einlenken diese vor Beschädigungen durch die Vorderräder zu schützen.[5][6]

Einsatz

Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war bereits eine größere Anzahl des Infanterie-Sanitätswagen 70 verfügbar. Diese wurden gleichzeitig mit den einachsigen Medizinkarren genutzt und zeigten deutlich die großen Vorzüge von zweiachsigen Wagen, welche durch zahlreiche Berichte des damaligen Generaladjutanten Arthur von Manteuffel belegt wurden. So sanken die Wagen nicht so tief ein wie die Karren, Stöße durch den Untergrund wurden besser aufgefangen und das Herausziehen aus Gräben war deutlich leichter. Zwar war die Wendigkeit durch die beiden Achsen geringer, dies wurde jedoch als Nebensächlich eingestuft.[7]

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
  • Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.

Einzelnachweise

  1. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 96.
  2. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 98.
  3. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 99.
  4. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 97.
  5. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 107.
  6. Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. 2022, S. 277.
  7. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 90.