Elastischer Kranken-Transportwagen

Elastischer Kranken-Transportwagen
(1796)
Krankenwagen 1796
(ab 1796)
Elastischer Kranken-Transportwagen
Basisinformation
Produktionszeit ab 1796
Technische Daten
Länge 3,65 m (ohne Deichsel)
Motor 4 Zugtiere

Der Elastische Kranken-Transportwagen, auch Krankenwagen 1796 war das erste, militärische und genormte Pferdefuhrwerk des Deutschen Kaiserreiches, welches ausschließlich für den Transport von Kranken und Verwundeter geschaffen wurde.

Entwicklung

Die Beförderung von Verwundeten hinter der Frontlinie und weiter in Lazarette lag in den frühen Jahrhunderten in der Zuständigkeit der jeweiligen Regimenter. So hieß es beispielsweise im Reglement vor die Preußische Infanterie vom 1. März 1726:[1][2]

„Wenn die Bataille vorbei ist, soll ein Regiment seine Blessierten sogleich aufsuchen, und nach einem gewissen Orte bringen lassen, damit so können verbunden und in Acht genommen werden. So lange man aber in Aktion ist, soll kein Blessierter weggebracht werden, es wäre dann, daß ein Offizier durch seine Knechte sich wegbringen ließe, oder ein Blessierter selbst so viel Kräfte hätte, daß er nach dem Lager gehen kann.“

Im Jahr 1743 wurde dieses Reglement ein wenig angepasst und folgender Passus hinzugefügt:[2]

„...die Kranken und Blessierten nach den nächsten Dörfern, welche alsdann den Regimentern werden angewiesen seyn, gebracht werden.“

Für solch einen Abtransport von Verwundeten wurden, je nach Anzahl, drei bis vier Offiziere und sechs bis acht Unteroffiziere abgestellt. Der Abtransport fand mithilfe von Fahrzeugen der Truppe statt, a es noch keine Fahrzeuge speziell für den Transport von Kranken und Verwundeter gab. Dabei musste die Soldaten hoffen, das ein Wagen verfügbar war und in Richtung eines Lazaretts fuhr. Dieser Missstand fiel vor allem nach großen Schlachten ins Gewicht, da die Fahrzeuge oftmals nicht ausreichten, um die hohe Menge an Verwundeten zu transportieren. Hier behalf man sich, indem man sie auf Pferde setzte oder mit einfachen Karren wegbrachte.[2]

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Wagen, welcher nur für den Transport von Verwundeten und Kranken vorgesehen war, geschaffen und man schuf eine Norm. Diese besagte, dass auf einem zweiachsigen Wagen sechs Personen liegend und, je nach Stärke des Wagens, eine unbestimmte Anzahl sitzend transportiert werden sollten. Eine Beschaffung solcher Wagen[3] wurde durch Friedrich Wilhelm II von Preußen angeregt. Mit der Allgemeinen Kabinettsorder vom 2. Oktober 1796 wurde die Einführung von zwölf Krankentransportwagen für die Lazaretts-Ambulanz genehmigt. Es sollte ein Krankenfahrzeug nach dem Vorbild der britischen Armee geschaffen werden.

So wurde in Rinteln an der Weser ein solches Fahrzeug gefunden, nach Berlin gebracht und dem Kriegsministerium vorgestellt. Nachdem man mehrere Veränderungen vorgenommen hatte, wurde der elastische Kranken-Transportwagen, später als Krankenwagen 1796, nach einem eintägigen Fahrversuch vor den Toren von Berlin, offiziell eingeführt. Der Wagen kostete 250 Reichstaler.

Technische Daten

Der Krankenwagen 1796 stammte von einem Muster der britischen Armee und wurde als deutscher Wagen vom Sattler Gleißberg aus Potsdam gebaut. Das Pferdefuhrwerk wurde im leeren Zustand vierspännig gefahrenen. Kam das Fahrzeug zum Einsatz und es mussten mehrere Verwundete transportiert werden, so sollte man die Zugtiere von anderen Fuhrwerken ebenfalls vor den Wagen spannen und zum Lazarett bringen. Mit diesem Wagen konnten insgesamt acht Verwundete transportiert werden, vier liegend und vier sitzend. Durch eine besondere Lagerung der Verwundeten war es jedoch möglich, bis zu sechs liegende und sechs sitzende Verwundete mitzunehmen.[4]

Der Wagen war 3,65 m lang und mit einem Dach aus Schindeln versehen. Der Wagenkasten hing nicht in weit ausladenden Federn, sondern wurde auf diesen aufgesetzt. Aus diesem Grund war der Wagen deutlich kürzer als andere Wagen aus diese Zeit, hatte jedoch eine sehr elastische Federung. Die Verwundeten lagen paarweise nebeneinander, jeweils mit den Füßen zueinander. Sie lagen auf schmalen, gepolsterte Pritschen, welche bei breiteren Patienten entfernt wurden.[4] Diese mussten dann auf dem mit Stroh und Decken ausgelegten Boden liegen. An der Vorder- und Hinterseite des Wagenkastens befand sich ein Sitz- mit Fußbrett für Leichtverwundete. Der Fuhrmann lief neben dem Wagen her und steuerte ihn auf diese Weise. Unter dem Wagen, auf dem Langbaum, befand sich ein Behältnis für die Waffen und das Pferdefutter.[5]

Einsatz

Der Krankenwagen 1796 wurde mit der Allgemeinen Kabinettsorder vom 5. Januar 1814 auch an die zum Fortbringen der schwere verwundeten Soldaten aus den fechtenden Reihen bestimmten Kompanien ausgegeben. Bis ins Jahr 1831 blieb der Wagen als einziger seiner Art im Einsatz und wurde dann nach und nach durch den Krankenwagen 1831 abgelöst.

Siehe auch

Literatur

  • Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
  • Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.

Einzelnachweise

  1. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 145.
  2. a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 146.
  3. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 147.
  4. a b Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 148.
  5. Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 149.