Infanterie-Sanitätswagen 70
| Infanterie-Sanitätswagen 1870 (1870) Infanterie-Sanitätswagen C/70 (1899) Infanterie-Sanitätswagen 70 (1900) | |
|---|---|
| Infanterie-Sanitätswagen 70, linke Seite | |
| Basisinformation | |
| Produktionszeit | 1870 |
| Besatzung | 2 (Fuhrmann, Arzt) |
| Technische Daten | |
| Eigengewicht | 0,73 t |
| Nutzlast | 0,40 t |
| Gesamtgewicht | 1,13 t |
| Motor | 2 Zugtiere |
Der Infanterie-Sanitätswagen 1870 (ab 1870), später auch Infanterie-Sanitätswagen C/70 (ab 1899) und Infanterie-Sanitätswagen 70 (ab 1900), war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die sanitätsdienstliche Versorgung der Truppen des Deutschen Kaiserreiches und wurde ab 1870 eingesetzt.
Entwicklung
Gegen Ende der 1860er Jahre begannen erneut Bestrebungen, die alten und einachsigen Medizinkarren 1838, Medizinkarren 1859 und Medizinkarren 1861 durch vierrädrige Wagen zu ersetzten. Der Anfang dieser Entwicklung wurde mithilfe des Packwagens durchgeführt, welcher sich sehr gut bewährte. Auf diesem Wagen aufbauend wurde ein Versuch unternommen, einen Medizinwagen zu konstruieren. Nur kurze Zeit später wurde ein Wagen vorgestellt, welcher allen Anforderungen entsprach und die Medizinkarren in den Schatten stellte. So wurde noch im Jahr 1870 der Infanterie-Sanitätswagen 70 eingeführt. Am 26. Juli 1870 wurde durch eine A.K.O. die Beschaffung der alten Karren untersagt. Bei Ersatz oder Neubeschaffung sollte direkt der neue Infanterie-Sanitätswagen 70 geliefert werden.[1]
Technische Daten
Der Infanterie-Sanitätswagen 70 war ein zweiachsiger Wagen, welcher zweispännig von Zugtieren gezogen wurde. Die Zugvorrichtung bestand aus einer Deichsel, welche 17 Winkelgrad nach oben und 16 Winkelgrad nach unten gebogen werden konnte. Seitlich war ein einschwenken um bis zu 48 Winkelgrad zu jeder Seite möglich. Die Achsen bestanden aus Gussstahl.[2] Die Vorderachse verfügte, neben einer Vorrichtung für die Deichsel, über einen Protznagel.[3]
Der Wagenkasten, welcher auf den Achsen lag, bestand aus festen und senkrechten Wänden. Hinter dem Protzkasten auf der Vorderseite, befand sich ein großer Ausschnitt für das Einlenken der Vorderräder. Damit konnte man bis zur Langbaumschiene die Räder zu den Seiten einschlagen. Der vordere, kleinere Abschnitt des Wagenkastens bildete einen Bocksitz für den Kutscher. Unter dem Sitz befand sich ein Protzkasten, welcher mit einer Tür ausgestattet war. Auf der Sattelseite (links) des Trittbretts war ein Wasserfass in einem speziellen Lager befestigt. Am Bocksitz selber befand sich noch eine Halterung um eine Neutralitätsfahne oder Rotkreuzfahne zu befestigen. Am anderen Ende des großen Wagenkastens befand sich eine zweiteilige Flügeltür, welche mit einer eisernen Verschlussstange abgeschlossen werden konnte. Der obere Teil des Wagens war mit einer festen, eisenbeschlagenen Decke versehen. Auf dieser Decke befanden sich rechts und links jeweils zwei Schürringe zum Befestigen von vier zusammenlegbaren Krankentragen.[3]
Auf dem Infanterie-Sanitätswagen 70 wurden, neben der medizinischen Ausrüstung, auch die Bücher und das persönliche Gepäck des Arztes mitgeführt. Dafür gab es im hinteren Teil ein oberes Fach. Darin hatte der Oberstabsarzt Stauraum für 44 kg Gepäck, der Stabsarzt 40 kg und der Assistenzarzt 21 kg.[1] Der übrige Raum war mit acht Fächern versehen, in denen das Sanitätsmaterial untergebracht war. Zwei unten herausziehbare Platten konnten als Tische genutzt werden. Unter dem Wagenboden, hinter der Hinterachse, befanden sich noch zwei weitere Kästen aus Eisen, welche als zwei weitere Fächer für Material dienten.[3] Das Eigengewicht von 730 kg war für den Wagen viel zu hoch und die Nutzlast mit nur 400 kg viel zu gering. Das Gesamtgewicht des beladenen Wagens lag bei 1136 kg.[4]
Als nicht sanitätsdienstliche Ausrüstung wurde unterhalb des Wagenkastens in speziellen Halterungen eine Kreuzhacke und zwei Spaten mitgeführt. Im Protzkasten befanden sich vier Paar Hufeisen, welche mit Stroh umwickelt wurden. Für die Hufeisen lagen noch 64 Hufnägel und 16 Eisennägel in einem groben Teertuch bereit. Zusätzlich befand sich darin weiteres Zubehör und Werkzeug.[5]
Im Laufe der Jahre wurde der Wagen nur geringfügig verändert, lediglich die Anordnung der Schubfächer variierte. Im Jahr 1880 wurde die Wagendecke um 58 cm nach hinten verlängert, damit der Arzt auch bei geöffneter Tür hinten einen Schütz vor der Witterung hatte.[1]
Einsatz
Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war bereits eine größere Anzahl des Infanterie-Sanitätswagen 70 verfügbar. Diese wurden gleichzeitig mit den einachsigen Medizinkarren genutzt und zeigten deutlich die großen Vorzüge von zweiachsigen Wagen, welche durch zahlreiche Berichte des damaligen Generaladjutanten Arthur von Manteuffel belegt wurden. So sanken die Wagen nicht so tief ein wie die Karren, Stöße durch den Untergrund wurden besser aufgefangen und das Herausziehen aus Gräben war deutlich leichter. Zwar war die Wendigkeit durch die beiden Achsen geringer, dies wurde jedoch als nebensächlich eingestuft.[1]
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Fleischer: Feldwagen in Uniform; Wagen, Karren, Schlitten und Ausrüstungen bis 1945. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022.
- Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. August Hischwald, Berlin 1913.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 90.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 93.
- ↑ a b c Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 94.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 91.
- ↑ Oberstabsarzt Dr. W. Niehues: Die Sanitätsausrüstung des Heeres im Kriege. 1913, S. 95.